“Reden. Reden. Reden…”

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Thomas Brezina ist Kinder- und Jugendbuchautor, Fernsehmoderator und Produzent. Insgesamt hat er über 550 Bücher verfasst. In seinem neuesten – Tu es einfach und glaub daran“ – beschäftigt er sich mit Fragen wie „Was können wir tun, wenn uns die Welt, in der wir leben, nicht mehr gefällt? Wie finden wir die Liebe, wenn wir einsam sind? Wie schaffen wir es, im Moment zu leben?“

Im Interview mit selpers spricht er über seinen ganz persönlichen Zugang zu Freude und Lebensqualität und erklärt, wie wichtig es ist Rückschläge zu akzeptieren.

selpers: Du scheinst immer sehr fröhlich zu sein. Das ist in bestimmten Situationen sicher schwieriger als in anderen. Wie gehst du mit negativen Gefühlen oder beispielsweise Angst um?

Thomas Brezina: Was ich gelernt habe ist, den Dingen und auch meinen Gefühlen ins Auge zu schauen. Verdränge ich Angst, wird sie größer. Mir hilft es sehr, mit Menschen, die mir nahe stehen, zu reden. Außerdem setze ich mich hin und schreibe z. B. auf, wovor ich Angst habe. Was das ist? Worum es geht? Vor allem aber auch schließlich, was ich tun kann. Vieles können wir nicht ändern, aber wir können unseren Zugang und unsere Sichtweise ändern.

selpers: Fröhlich zu sein hat einen starken Einfluss auf die Lebensqualität. Was ist für deine Lebensqualität besonders wichtig? Gibt es Tipps und Übungen, die du anwendest, um deine Lebensqualität zu verbessern?

Thomas Brezina: Ruhe im Kopf ist wichtig. Dafür meditiere ich öfters. Allerdings bin ich nicht so diszipliniert, aber ich habe da Tricks und Programme, wie es leichter geht. Spazieren gehen, in die Natur, das tut mir gut. Meinen Hund Joppy beobachten und seine Lebensfreude. Mein Vater hat immer gesagt, der größte Luxus ist Zeit und Platz. Ich gestalte alles rund um mich, so schön wie möglich. Das hat nichts mit hohen Kosten zu tun, sondern einfach damit, es so zu haben, wie ich es gerne möchte. Grundsätzlich versuche ich auch, mir immer genug Zeit zu nehmen. Außerdem schreibe ich Tagebuch und darin analysiere ich manchmal auch, wie es mir geht, was ich vielleicht verbessern kann.

selpers: In deinem neuen Buch „Tu es einfach und glaub daran“ schreibst du über Freude und Selbsthilfe. Wie holt man das meiste aus seinem Alltag heraus? Was kann jeder sofort bei sich selbst umsetzen?

Thomas Brezina: Bewusst leben. Dankbar sein, für alles, was gut läuft und da ist. Das beginnt bei einem warmen Bett und der Tasse Tee oder Kaffee am Morgen. Nicht hetzen, sondern umsehen. Die Natur im Laufe des Jahres wahrnehmen. Die Menschen rund um uns. Sich selbst eine Belohnung gönnen. Sie genießen. Ziele setzen, eine Liste machen, was zu tun ist und dieser Liste einen freudigen Namen geben…

selpers: Instagram ist eine Plattform, die vor allem von jüngeren Menschen genutzt wird. Findest du, dass auch ältere Menschen in den sozialen Median aktiv sein sollten, um sich beispielsweise über chronische Krankheiten auszutauschen? Wie kann man ältere Menschen dazu bringen sich für Instagram und Co. zu interessieren?

Thomas Brezina: Soziale Medien haben viele Vorteile und Möglichkeiten. Ältere Menschen, die sich dafür interessieren, werden sie bestimmt erkennen. Dafür ist es wichtig, dass sie ihnen gezeigt werden, dass ihnen vorgeführt wird, wo der Nutzen liegt. In jeder Hinsicht.

selpers: Denkst du, dass wir als Kinder glücklicher sind als später, wenn wir erwachsen werden? Warum?

Thomas Brezina: Wir spielen als Kinder und das sollten wir als Erwachsene auch weiter machen. Ich meine, einen Zugang zum Leben und zur Arbeit haben, der ein Gefühl gibt, wie früher spielen. Als Kinder wissen wir noch nicht, was alles geschehen kann und das macht uns frei.

selpers: Du sprichst sehr oft darüber, dass man auf das Kind in sich hören soll. Wie schafft man das?

Thomas Brezina: Kinderfotos ansehen. Sich zurückerinnern, was schön war. Welche Gefühle da waren. Zum Beispiel in den Ferien. In der Schule. Da kommen aber auch weniger schöne Momente hoch. Damit muss man auch umgehen.

selpers: In den Online-Kursen von selpers können sich chronisch Kranke Menschen über ihre Krankheit informieren und Anleitungen bzw. Übungen für ihren Alltag finden. Was würdest du einer Person mit auf den Weg geben, die gerade eine Diagnose bekommen hat und sich dadurch mit sehr viel Unsicherheit und Angst konfrontiert sieht?

Thomas Brezina: Reden! Reden! Reden! Mit wirklich lieben Menschen über das reden, was einem durch den Kopf geht, was Angst macht. Auch Jammern ist kurzfristig erlaubt, aber dann geht es darum ein möglichst klares Bild zu bekommen. Angst und Unsicherheit sind wie Nebel und da verliert man leicht die Orientierung. Eine Ärztin oder einen Arzt zu haben, denen man wirklich vertrauen kann, hilft sehr.
Und so schwer es fallen mag: Den Zustand akzeptieren und nicht dagegen ankämpfen, wenn es nichts bringt. Kampf macht alles viel schlimmer. Damit umgehen ist von mir leicht gesagt und ich weiß, dass es eine große Herausforderung ist, aber es ist der Weg zu Lösungen und Lebensqualität.

Herzlichen Dank für das Interview.

Interview:  selpers

Bildnachweis: Tom Storyteller GmbH

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