Schluss mit Geschichten – Was ist dran an den Rheumamythen?

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Den Begriff „Rheuma“ hat wohl jeder schon einmal gehört, aber was er genau bedeutet, wissen nur die wenigsten. Für die Betroffenen bedeutet das, dass sie sich mit Vorurteilen, Halbwissen und Missverständnissen herumschlagen müssen. Wir haben einige verbreitete Rheumamythen gesammelt und erklären, was wirklich dahintersteckt.

Mythos 1: Rheuma ist gleich Rheuma

Viele Menschen denken, hinter dem Begriff „Rheuma“ stecke eine ganz bestimmte Krankheit mit den immer gleichen Symptomen. Das Gegenteil ist der Fall: Es gibt etwa 400 rheumatische Erkrankungen, die sich im Verlauf und in den Symptomen sehr stark unterscheiden können. Bekannte Beispiele sind Arthrose, Morbus Bechterew, Rheumatoide Arthritis und Gicht, aber auch Fibromyalgie oder Osteoporose gehören zum rheumatischen Formenkreis. Rheuma ist also gar nicht eine Krankheit, sondern eher ein Überbegriff, hinter dem sich ganz unterschiedliche Krankheitsbilder verbergen können.

Mythos 2: „Was man nicht erklären kann, sieht man gern als Rheuma an“

Mit diesem flapsigen Spruch wird suggeriert, selbst ÄrztInnen wüssten nicht so genau, was mit Rheuma gemeint ist. Tatsächlich kann es schwierig werden, die Vielzahl der rheumatischen Erkrankungen zu überblicken und die richtige Diagnose zu stellen. Es gibt jedoch spezialisierte MedizinerInnen im Bereich der Rheumatologie, die eine genaue Diagnose stellen und die richtige Behandlung einleiten können.

Mythos 3: Nur alte Menschen bekommen Rheuma

Manche rheumatische Erkrankungen treten tatsächlich im Alter auf. Es gibt aber andere Formen von Rheuma, die schon junge Menschen oder sogar Kinder betreffen. Für viele dieser jungen Betroffenen ist dieses Vorurteil besonders belastend. Richtig ist: Rheuma kann alle Altersgruppen betreffen.

Mythos 4: Rheuma ist eine reine Gelenkserkrankung

Gelenkschmerzen sind das bekannteste Symptom von rheumatischen Erkrankungen. Aber längst nicht immer sind nur die Gelenke betroffen. Rheuma kann alle Körperteile betreffen, von den Gelenken über die Knochen bis hin zu Sehnen, Muskeln, Haut oder inneren Organen. Viele Symptome sind unspezifisch. Deshalb dauert es manchmal lange, bis die richtige Diagnose gestellt wird.

Mythos 5: Rheuma ist unangenehm, aber harmlos

Hartnäckig hält sich das Bild von der Seniorin, deren Rheuma beim Wetterwechsel ein wenig in den Gelenken zwickt. Diese Vorstellung verharmlost rheumatische Erkrankungen. Zum einen können rheumatische Erkrankungen sehr schmerzhaft sein und reduzieren dadurch die Lebensqualität der Betroffenen deutlich. Zum anderen gibt es auch rheumatische Erkrankungen, die unbehandelt die Lebenserwartung senken können. Hinzu kommen mögliche Begleiterkrankungen, die den Körper weiter schädigen können. Krankheiten aus dem rheumatischen Formenkreis gehören deshalb immer in die Hände von SpezialistInnen.

Mythos 6: Gegen Rheuma hilft nur Cortison

In akuten Situationen ist Cortison oft hilfreich. Es wird jedoch heute möglichst zurückhaltend eingesetzt, weil es viele Nebenwirkungen haben kann. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Behandlungsmöglichkeiten von rheumatischen Erkrankungen stark weiterentwickelt. RheumatologInnen kennen eine Vielzahl unterschiedlicher Medikamente und Behandlungsmethoden, die die Symptome deutlich verbessern, die Lebensqualität steigern und Folgeschäden verhindern können. Je früher die Erkrankung diagnostiziert wird, umso höher ist der Behandlungserfolg.

Mythos 7: Wer Rheuma hat, sollte auf Bewegung verzichten

In früheren Jahrzehnten hat man RheumapatientInnen häufig Ruhe verordnet, um die betroffenen Gelenke zu schonen. Heute weiß man hingegen: Bewegung ist nicht nur möglich, sondern sogar sehr wichtig für die Lebensqualität und den Krankheitsverlauf. Allerdings sollten Sie mit Ihrer Rheumatologin/Ihrem Rheumatologen genau besprechen, welche Sportarten und Bewegungsformen für Sie geeignet sind.

Autorin: Dr. med. Iris Herscovici

Bildnachweis: onephoto | Bigstock

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