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Kurs Coronavirus und chronische Erkrankungen: Lektion 9 von 17

Coronavirus und Multiple Sklerose

Das Coronavirus löst derzeit bei vielen Menschen Unsicherheit und Besorgnis aus. Menschen mit einer Multiple Sklerose bleiben davon keineswegs unberührt.

Nach derzeitigem Erkenntnisstand sind MS-Erkrankte durch die Erkrankung selbst grundsätzlich nicht stärker gefährdet als gleichartige gesunde Personen. Allerdings können manche zur Behandlung der Multiplen Sklerose eingesetzten Medikamente das Risiko erhöhen. Bei Menschen mit einer stärkeren Behinderung ist zudem bei einer Infektion das Risiko schwerer zu erkranken höher.

Wir haben hier für Sie Fragen und Antworten für Menschen mit Multipler Sklerose aus verschiedenen vertrauenswürdigen Quellen zusammengestellt. Diese Fragen werden laufend erweitert. Nachfolgend erfahren Sie, was Sie beachten sollten. Klicken Sie auf eine Frage, um mehr zu erfahren.

Da sich der Wissensstand momentan laufend ändert, bitten wir Sie, sich zudem über die Internetpräsenz von offiziellen Stellen in Ihrer Region über die aktuelle Situation zu informieren.

Die Informationen werden empfohlen von:

Besteht bei MS-Erkrankten ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren?

„MS-Erkrankte, die keine immunmodulierende Therapie erhalten oder mit Interferon beta (Avonex, Extavia, Betaferon, Plegridy, Rebif) und Glatirameracetat (Copaxone, Clift) behandelt werden, sind grundsätzlich nicht stärker gefährdet als gleichartige gesunde Personen.

Besteht allerdings eine stärkere Behinderung (Rollstuhl, Bettlägerigkeit) ist das Risiko generell für Atemwegsinfektionen erhöht, da die Belüftung der Lunge weniger gut ist. Das bedeutet zwar nicht, dass das Infektionsrisiko höher ist als bei Gesunden, aber das Risiko, bei einem Kontakt mit dem Corona-Virus schwer zu erkranken, ist höher.“
Quelle: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/empfehlungen-fuer-multiple-sklerose-erkrankte-zum-thema-corona-virus | Stand 13.03.2020

Ist eine Schubtherapie mit Cortison noch anzuraten?

„Eine Cortison-Pulstherapie kann kurzfristig das Infektionsrisiko erhöhen. Bei einem Schub sollte daher sorgfältig besprochen werden wie sich der MS-Erkrankte nach dem Cortisonpuls vor einer möglichen Infektion schützen kann. Hilfreich und sinnvoll ist sicher bei Berufstätigkeit gegebenenfalls eine begrenzte Arbeitsunfähigkeit in Anspruch zu nehmen. Die Notwendigkeit einer Cortison-Pulstherapie sollte bei sehr leichten Schüben abgewogen werden. Mit regelmäßigen in Intervallen verabreichten Cortison-Therapien sollte – nach unserer Einschätzung – zunächst pausiert werden.“
Quelle: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/empfehlungen-fuer-multiple-sklerose-erkrankte-zum-thema-corona-virus | Stand 13.03.2020

Besteht unter einer Therapie mit Natalizumab/Tysabri möglicherweise ein erhöhtes Infektionsrisiko mit dem Corona-Virus?

„Die Behandlung kann – nach bisherigen Einschätzungen – uneingeschränkt weiter fortgeführt werden, da kein erhöhtes Risiko für Atemwegsinfektionen besteht.“
Quelle: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/empfehlungen-fuer-multiple-sklerose-erkrankte-zum-thema-corona-virus | Stand 13.03.2020

Besteht unter einer Therapie mit -Dimethylfumarat/Tecfidera möglicherweise ein erhöhtes Infektionsrisiko mit dem Corona-Virus?

„Bei normalen Lymphocytenzahlen kann davon ausgegangen werden, dass das Infektionsrisiko nicht erhöht ist.“
Quelle: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/empfehlungen-fuer-multiple-sklerose-erkrankte-zum-thema-corona-virus | Stand 13.03.2020

Besteht unter einer Therapie mit Teriflunomide/Aubagio möglicherweise ein erhöhtes Infektionsrisiko mit dem Corona-Virus?

„Bei den Dosierungen in der MS-Therapie ist ein erhöhtes Infektionsrisiko nicht anzunehmen.“
Quelle: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/empfehlungen-fuer-multiple-sklerose-erkrankte-zum-thema-corona-virus | Stand 13.03.2020

Besteht unter einer Therapie mit Modulatoren Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptoren (Fingolimod/Gilenya und Siponimod/Mayzent) möglicherweise ein erhöhtes Infektionsrisiko mit dem Corona-Virus?

„Unter diesen Therapien besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko, insbesondere von Atemwegserkrankungen. MS-Erkrankte, die auf diese Therapien eingestellt sind, sollten sie trotzdem fortführen, da bei Absetzen das Risiko einer Krankheitsaktivierung besteht. Therapeutische Neueinstellungen sollten zum jetzigen Zeitpunkt sorgfältig überlegt werden.“
Quelle: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/empfehlungen-fuer-multiple-sklerose-erkrankte-zum-thema-corona-virus | Stand 13.03.2020

Besteht unter einer Therapie mit sogenannte depletierende Immuntherapien (Ocrelizumab/Ocrevus, off-label Rituximab/Mabthera, Cladribin/Mavenclad, Alemtuzumab/Lemtrada, Mitoxantron) möglicherweise ein erhöhtes Infektionsrisiko mit dem Corona-Virus?

„Diese Therapien erhöhen das Infektionsrisiko insbesondere unmittelbar nach der Infusionsbehandlung. Da es sich bei Ocrelizumab und Rituximab um Intervalltherapien handelt, ist auch eine Verlängerung des Intervalls individuell zu diskutieren, ohne dass die Gefahr einer Aktivierung der MS besteht.

Die therapeutische Wirkung von Cladribin beruht auf einer erwünschten Verminderung der weißen Blutzellen. Dieser Effekt ist unmittelbar nach der jährlichen Gabe (jeweils zwei Behandlungswochen im Abstand von vier Wochen) in Jahr 1 und Jahr 2 am stärksten und geht auch mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher. Die Effekte auf die weißen Blutkörperchen halten individuell unterschiedlich lange an, damit ist auch das Infektionsrisiko von MS-Erkrankten mit einer Cladribin-Therapie individuell einzuschätzen. MS-Erkrankte, bei denen der zweite Therapie-Zyklus nach einem Jahr ansteht, sollten diesen hinausschieben oder gegebenenfalls Vorkehrungen treffen, um die Infektionsgefahr herabzusetzen. Das Infektionsrisiko ist in den ersten vier Wochen nach der letzten Gabe am höchsten. Besondere hygienische Maßnahmen, auch bezüglich der Außenkontakte, sollten ohnehin eingehalten werden.

Dies gilt in ähnlicher Weise auch für Alemtuzumab. Auch bei dieser Immuntherapie kommt es bei der jährlichen Gabe (in der Regel Jahr 1 und Jahr 2) zu einer langanhaltenden erwünschten Veränderung der weißen Blutzellen, wodurch ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Auch hier ist eine Wiederholung der Therapie sorgfältig zu prüfen. Neueinstellungen sind zum jetzigen Zeitpunkt unter Berücksichtigung der Zulassungsänderung nur bei hochaktiver MS und dem Fehlen anderer therapeutischer Möglichkeiten zu erwägen.“
Quelle: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/empfehlungen-fuer-multiple-sklerose-erkrankte-zum-thema-corona-virus | Stand 13.03.2020

Sollten TeilnehmerInnen klinischer Studien etwas Bestimmtes beachten?

„Patienten, die an Therapiestudien mit Immuntherapeutika teilnehmen, werden über die Sicherheitsgremien (Safety boards) gegebenenfalls über das weitere Vorgehen mit der Studienmedikation informiert.“
Quelle: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/empfehlungen-fuer-multiple-sklerose-erkrankte-zum-thema-corona-virus | Stand 13.03.2020

Wie wirken sich Medikamente zur Behandlung der MS auf die Abwehrkraft aus?

„Bislang ist nicht bekannt, wie sich dieses neue Corona-Virus auf MS-Betroffene auswirkt.
Im Rahmen der MS-Behandlung kommen Medikamente mit immunmodulierendem Wirkmechanismus und Immunsuppressiva zum Einsatz. Erstere, dazu gehören in erster Linie die Interferon-beta Präparate und Copaxone®, führen nicht zu einer nennenswerten Unterdrückung des Immunsystems, und es besteht daher auch – nach derzeitigem Stand – kein erhöhtes Risiko.

Menschen mit MS, die Medikamente erhalten, die das Immunsystem teilweise unterdrücken, können ein gering erhöhtes Risiko für Komplikation im Rahmen von Viruserkrankungen haben. Dieses liegt jedoch im einstelligen Bereich.“

– Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Barbara Kornek, Präsidentin der MS-Gesellschaft Wien

Quelle: https://www.msges.at/2020/03/neuartiges-coronavirus-und-multiple-sklerose | Stand 13.03.2020

Zusammengestellt von Dr. med. Iris Herscovici: Stand ist bei der jeweiligen Frage ersichtlich

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