Personalisierte Prophylaxe

Die Prophylaxe, derzeit die Standardtherapie der Hämophilie, hat die Lebensqualität hämophiler Menschen nachhaltig verbessert. Allerdings führt die bislang übliche Dosierung rein nach dem Körpergewicht dazu, dass einige Patienten sich zu viel Faktor VIII spritzen, während andere unterversorgt sind. Mithilfe der Pharmakokinetik ist es mittlerweile möglich, für jeden Betroffenen eine individuelle, auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Therapie zu entwickeln.

Dr. Robert Klamroth: Hämophilie Prophylaxe

Was bedeutet personalisierte Prophylaxe?

Personalisiert bedeutet, dass anhand der Pharmakokinetik-Ergebnisse für Sie als individuellen Patienten sowohl die Dosis als auch die Häufigkeit seiner Injektionen so eingestellt werden, dass der Faktor-VIII-Spiegel immer über einem bestimmten Wert liegt. Dieser Wert wird vom Arzt festgelegt mit dem Ziel, Blutungen zu vermeiden (meist 1, 2 oder 3 Prozent Aktivität).

Für welche Patienten ist die personalisierte Prophylaxe interessant?

Im Grunde kann jeder Hämophilie-Patient von der personalisierten Prophylaxe profitieren. Besonders sinnvoll ist sie für Sie jedoch, wenn Sie unter Ihrer bisherigen Behandlung immer noch unter Blutungen leiden und sich zusätzlich Gerinnungsfaktoren spritzen müssen. Auch für sportlich aktive Patienten ist es wichtig, das Therapieschema auf die individuellen Anforderungen anzupassen, damit stets ein ausreichender Spiegel an Gerinnungsfaktor vorhanden ist. Wünschen Sie eine personalisierte Prophylaxe, sollten Sie sich dessen bewusst sein, dass Sie den Faktor VIII regelmäßig zu den festgelegten Zeiten injizieren müssen. Nur wenn Sie selbst aktiv mitwirken und sich an die Anweisungen Ihres Arztes halten, lassen sich Blutungen auf Dauer weitestgehend verhindern.

Anhand welcher Daten wird das auf Sie zugeschnittene Schema entwickelt und wie lange dauert das?

Die Entwicklung einer optimalen personalisierten Prophylaxe erfordert Kenntnisse zur Ihrer individuellen Pharmakokinetik. Besonders wichtig sind hierbei die Halbwertszeit sowie die Zeit, die nach der Injektion vergeht, bis der Faktor-VIII-Spiegel im Blut auf ein Prozent (Talspiegel) gesunken ist. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte die nächste Injektion erfolgen. Aus den Ergebnissen der Faktorbestimmungen wird zunächst Ihre individuelle Pharmakokinetik berechnet. Auf der Basis dieser Ergebnisse kann dann rechnerisch simuliert werden, welche Dosis bei verschiedenen Substitutionsintervallen benötigt wird (z.B. bei 2 Tagen, bei 3 oder bei 4), um nicht unter einen bestimmten Talspiegel zu kommen. Diese Berechnung ist recht aufwändig, weshalb es einige Wochen dauern kann bis Ihr Arzt mit Ihnen verschiedene Vorschläge für eine optimale Dosierung besprechen kann.

Inhalte wurden in Zusammenarbeit mit Dr. Robert Klamroth entwickelt: Stand Jänner 2017

Zurück zum Kurs

Newsletter Anmeldung

Ja, ich möchte den Newsletter von selpers abonnieren und über Blogbeiträge, Onlinekurse und Veranstaltungen informiert werden.

Sie können den Newsletter natürlich jederzeit wieder abbestellen. Mehr dazu finden Sie hier.
© Copyright  2018 - selpers