Wo bekomme ich Beratung zum Thema Pflege?
Die Pflegekasse, wie es bei uns so schön heißt, ist Teil der gesetzlichen Krankenversicherung. Das heißt also an Ihre Krankenkasse schreiben Sie einen Brief: „Ich brauche Pflege“. Peng! Und mithilfe dieses Briefes muss die Pflegekasse reagieren. Sie wird Ihnen dann Formulare zuschicken, die Sie im Übrigen auch im Internet finden. Und dann können Sie den Antrag etwas konkretisieren. Es geht insbesondere um zwei Dinge. Erstens mal: Was habe ich für eine Krankheit und welche Ärztin oder Arzt behandelt mich? Und das zweite ist: Auch da habe ich Ihnen ein Formular mitgebracht, was Ihnen das zeigen soll. Welches ist die Person oder sind die Personen, die tatsächlich die Pflege durchführen? Das ist deswegen von Bedeutung, weil diese sogenannten Pflegepersonen dann daraus aus der Tatsache der Pflege gewisse Vorteile haben. Und weil diese Pflegeperson in der Prüfung, welcher Pflegegrad vorliegt, dann Auskunft geben können.
Wann sollte man bei Amyloidose einen Pflegegrad beantragen?
Der Antrag auf Feststellung eines Pflegegrades wird immer nur für die Zukunft gestellt. Das bedeutet, wenn ich jetzt gepflegt werde und nichts tue, dann geht die Zeit vorbei, ohne dass ich Leistungen bekommen kann. Ich kann sie nicht rückwirkend bekommen. Das bedeutet, man sollte den Antrag so schnell wie möglich stellen, wenn man merkt, dass man -da gilt immer eine Sechs-Monats-Prognose-, dass man prognostisch auf Hilfe angewiesen ist. Achtung, es geht um Pflege. Die Mandanten, die zu mir kommen, sagen immer: „Ich kann nicht mehr den Vorhang aufhängen und ich kann nicht mehr den Teppich klopfen“. Das ist bedauerlich, aber das sind hauswirtschaftliche Tätigkeiten. Die spielen bei der Pflege eine gewisse Rolle, sind aber nicht allein entscheidend. Das heißt, wenn ich meinen Haushalt nicht mehr verrichten kann, aber sonst alles selbst mache, liegt noch kein Pflegegrad, jedenfalls kein Pflegegrad II vor. Da muss man ein bisschen aufpassen. Aber wenn man merkt, dass man zum Beispiel Hilfe doch braucht beim Essen zum Beispiel oder auch beim Reinigen, bei der Körperreinigung, dann sollte man spätestens den Antrag stellen.
Welche finanziellen und praktischen Leistungen erhält man mit einem anerkannten Pflegegrad?
Diese Frage können Sie sich fast selbst beantworten, weil die Pflege Geld kostet. Also wenn ich in einen Haushalt nicht mehr machen kann, dann brauche ich eine Haushaltshilfe. Und wenn ich mich nicht duschen kann, brauche ich jemand, der mich festhält. Wenn ich Schwierigkeiten beim Aufstehen aus dem Bett habe, brauche ich jemanden, der mir hilft. Es gibt für die Pflege, die Pflegepersonen verrichten, also Ehegatten, Kinder, Bekannte, Nachbarn gibt es ein Pflegegeld, welches an mich bezahlt wird. Und dieses Pflegegeld ist gestaffelt je nach Pflegegrad. Davon zu unterscheiden, sind die Pflegesachleistungen, also Leistungen, die von der Pflegekasse bezahlt werden und durch einen ambulanten Pflegedienst zu Hause erbracht werden. Der Pflegedienst kommt dann 1,2, 3-mal am Tag zu Ihnen und unterstützt Sie dann. Das Problem bei der Sachleistung ist, dass die zeitlich immer befristet ist, also der Pflegedienst kommt. Und wenn in der nächsten Viertelstunde nicht was passiert, dann geht er wieder und sie müssen den ganzen Tag warten, während Pflegepersonen, die können sich natürlich auf Sie und Ihre persönlichen Bedürfnisse besser einstellen. Dann gibt es die sogenannte Verhinderungspflege. Wenn also Ihr Ehegatte oder Sohn oder Tochter die Pflege tatsächlich verrichtet und jeden Tag kommt, müssen Sie auch mal Urlaub machen. Und dann gibt es für diese Urlaubszeit eine Verhinderungspflege und davon zu trennen ist dann die stationäre Pflege, also die Unterbringung in einem Pflegeheim.
Die Pflegeversicherung finanziert Maßnahmen, um das Wohnumfeld an die Notwendigkeiten anzupassen. Blödes Beispiel: Sie haben eine Badewanne und kommen da nicht mehr rein. Dann gibt es da Lifte. Sie haben eine Dusche mit einer Stufe. Die wird dann ebenerdig gemacht. Oder sie haben Türen, die nicht richtig funktionieren. Sie kommen da mit dem Rollstuhl nicht durch. Dann gibt es von der Pflegeversicherung finanzielle Zuschüsse, maximal 4.000 € für solche Umbaumaßnahmen und solche Reparaturen. Wenn die Kosten höher sind, sollten Sie noch mal zum Amt hingehen. Es gibt nämlich auch wohnumfeldverbessernde-Maßnahmen als Maßnahmen der Eingliederungshilfe. So, daneben gibt es noch Hilfsmittel. Pflegehilfsmittel. Daneben gibt es noch ein Unterstützungsgeld. Ja, das stimmt, das ist für vorübergehende Dinge. Es gibt aber noch etwas sehr Wichtiges, auch dann, wenn ein Pflegegrad festgestellt wurde. Wenn Sie also konkret auch pflegebedürftig sind, haben Sie Anspruch auf Leistungen der Rehabilitation. Das heißt, dass Sie dann drei, vier Wochen in einer stationären Einrichtung. Ja, wie sagt man das bei den Parkinsonkranken? Neu eingestellt werden, dass sie in einer solchen Rehaeinrichtung unter Umständen geschult werden, um mit der Demenz besser umzugehen und um in ihrem eigenen Leben sich noch besser auf die Erkrankung einzustellen. Also auch dann, wenn schon ein Stadium erreicht ist, wo jemand Pflege braucht, hat er noch Anspruch auf Leistungen der Rehabilitation. Wir haben das früher „Kur“ genannt. Das ist aber nicht mehr richtig. Das ist keine Kur, sondern schon eine intensive medizinische Zuwendung.
Wie läuft die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst ab? Und wie kann man sich darauf vorbereiten?
Wenn Sie den Antrag bei der Pflegekasse gestellt haben, muss sich die Pflegekasse sehr kurzfristig bei Ihnen wieder melden. Und die schickt dann eine Ärztin oder einen Arzt oder auch eine Pflegefachkraft hin zu Ihnen, die vom Medizinischen Dienst geschickt wird. Denn der Medizinische Dienst ist ein von der Pflegekasse unabhängiges Institut, welches sich mit medizinischen Beurteilungen befasst. Dann wird bei Ihnen zu Hause ein Gespräch stattfinden, was vielleicht eine halbe Stunde oder auch eine Stunde dauert. Und im Rahmen dieses Gespräches wird Ihr Gesprächspartner von Ihnen Auskunft erbitten, wie Ihr Tagesablauf ist. Er wird zum Beispiel sagen: „Ja, wie ist denn das? Wenn Sie jetzt in der Küche stehen und Kaffee machen, können Sie dann stehen? Müssen Sie dann sitzen? Wie ist es mit dem Aufstehen und bis hin zum Toilettengang?“ Vorbereiten sollten Sie sich wie folgt: Erstens, es sollte auf jeden Fall jemand dabei sein, der Sie kennt. Und der Umgang mit Ihnen hat, was zu pflegen ist. Die sogenannte Pflegeperson. Zweitens, es ist ganz wichtig, dass Sie sich mit der Pflegeperson vor diesem Termin mit dem medizinischen Dienst zusammensetzen und einfach mal kurz notieren: Was geschieht denn so im Tagesablauf? Wo brauchen Sie Hilfe? Ja, wenn ich zum Arzt gehe oder wenn ich zur Physiotherapie gehe oder wie gesagt, beim Aufstehen usw.
Hier geht es zum Video-Interview: „Pflegegrad und Unterstützung im Alltag bei Amyloidose“