1. Gliome einfach erklärt

Was ist ein Gliom?

Ein Gliom ist ein hirneigener Tumor . Das bedeutet, die Erkrankung entsteht direkt aus dem Gewebe des Gehirns. Es gibt etwa 120 verschiedene Arten von hirneigenen Tumoren. Das Gliom ist von diesen Tumoren die häufigste Form.

Im Gegensatz dazu stehen Metastasen anderer Tumorarten, die ebenfalls im Gehirn auftreten können. Metastasen haben ihren Ursprung (Primärtumor ) jedoch in einem anderen Organ und stammen nicht aus dem Gewebe des Gehirns selbst. Lungen- und Brustkrebs bilden z. B. häufig Metastasen im Gehirn.

Was passiert bei einem Gliom im Gehirn?

Das Gehirn hat, ähnlich wie der Körper mit seinen Knochen, ein stützendes Gerüst. Dieses Gerüst wird von sogenannten Gliazellen gebildet, die dem Gehirn Stabilität geben. Aus diesem Grund werden sie auch „Stützzellen“ genannt. Die Gliazellen sind zusätzlich unter anderem auch für die Nährstoffversorgung und die Immunabwehr des Gehirns verantwortlich.

Wenn sich Gliazellen bösartig verändern, kann daraus ein Gliom entstehen. Wichtig zu wissen ist, dass Gliome immer aus entarteten Gliazellen entstehen – und nicht aus anderen Zellen des Gehirns, wie beispielsweise Nervenzellen. Informationen zu Risikofaktoren von Gliomen finden Sie in der Lektion: „Entstehung eines Glioms“.

Welche Arten von Gliomen gibt es?

Gliome sind eine sehr vielfältige Gruppe von Hirntumoren. Je nach Ursprungsgewebe und betroffenen Stütz- bzw. Gliazellen können verschiedene Gliomarten entstehen. Beispiele sind:

  • Glioblastom :
    Dies ist die häufigste und aggressivste Form von Gliomen. Ein Glioblastom wächst sehr schnell und ist laut neuer Klassifikation immer IDH-Wildtyp, das heißt, es zeigt keine Mutation im sogenannten IDH-Gen. Mehr Informationen zu Glioblastomen finden Sie hier.
  • Astrozytom:
    Dieser Tumor wächst in der Regel langsamer als ein Glioblastom. Astrozytome haben fast immer eine Veränderung in einem bestimmten Gen – man nennt das IDH-mutiert. Diese Veränderung kann Hinweise auf den Verlauf der Erkrankung geben.
  • Oligodendrogliom:
    Auch Oligodendrogliome sind meist langsam wachsende Tumoren mit einer IDH-Mutation. Zusätzlich haben sie eine weitere genetische Besonderheit, die für die Behandlung wichtig sein kann. Sie gelten als vergleichsweise gut behandelbar.
  • Ependymom:
    Diese Tumorart entwickelt sich in den Hohlräumen des Gehirns oder Rückenmarks. Sie gehört zwar zu den Gliomen, unterscheidet sich aber in ihrer Entstehung von den anderen Typen.

Zusätzlich werden Gliome anhand ihrer biologischen Aktivität – also unter anderem anhand ihrer Wachstumsgeschwindigkeit – in vier verschiedene Grade eingeteilt:

  • Niedriggradige Gliome (Grad I + II): wachsen sehr langsam und führen oft erst nach langer Zeit zu Symptomen.
  • Höhergradige Gliome (Grad III + IV): wachsen deutlich schneller, wodurch Beschwerden früher auftreten können.

Was bedeutet IDH-mutiert?

In der modernen Medizin schaut man bei Hirntumoren auch auf bestimmte Gene. Ein wichtiger Faktor ist das sogenannte IDH-Gen. Wenn dieses verändert ist („IDH-mutiert“), kann das Hinweise auf den Verlauf der Krankheit geben – oft ist er dann günstiger. Glioblastome haben diese Veränderung nicht, andere Gliome wie Astrozytome oder Oligodendrogliome dagegen schon.

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    Geprüft Prim. Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Stefan Oberndorfer, FEAN: Stand September 2025 | Quellen und Bildnachweis
    Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.
    Gliazellen
    Zellen im Gehirn und im Nervensystem, die die Nervenzellen unterstützen und schützen. Sie helfen bei der Ernährung der Nervenzellen, halten das Umfeld sauber und sorgen dafür, dass die Signale im Nervensystem gut funktionieren. Gliazellen sind wichtig für die Gesundheit und Funktion unseres Gehirns.
     
    Glioblastom
    Ein bösartiger Hirntumor, der zur Gruppe der Gliome zählt. Diese Art der Hirntumore entstehen aus den Stützzellen des Gehirns (Gliazellen). Das Glioblastom ist der häufigste unter den Hirntumoren.
    Metastase
    Absiedlungen von Krebszellen eines bösartigen Tumors an anderen Körperregionen.
    Primärtumor
    Ursprünglicher Tumor, von dem aus sich Metastasen in andere Körperregionen ausbreiten können.
    Tumor
    („Geschwulst“)
    Lokalisierte Vermehrung von Körpergewebe durch unkontrolliertes Wachstum von gutartigen oder bösartigen Zellen. Bösartige Tumore können in umliegendes Gewebe einwachsen und in entfernte Organe streuen. Der Begriff Tumor wird auch verwendet für eine Schwellung von Gewebe z.B. durch Einlagerung von Flüssigkeit im Rahmen von Entzündungsprozessen oder Blutungen.