Die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) ist eine Erkrankung des Herzens, bei welcher der Herzmuskel verdickt ist. Diese Verdickung kann die normale Funktion des Herzens beeinträchtigen und zu Symptomen wie Atemnot, Schwindel und Erschöpfung führen. In dieser Schulung möchten wir Ihnen dabei helfen, besser zu verstehen, wie die Erkrankung behandelt wird.
Inhaltsverzeichnis
- Möglichkeiten zur Behandlung bei hypertropher Kardiomyopathie (HCM)
- Arztgespräche und Kontrollen bei hypertropher Kardiomyopathie (HCM)
- Medikamentöse Behandlung bei obstruktiver HCM
- Medikamentöse Behandlung bei nicht-obstruktiver HCM
- Behandlung von Herz-Rhythmus-Störungen und Vorhofflimmern bei HCM
- Behandlung bei fortschreitender HCM und Herzinsuffizienz
- Mein Beitrag zur Therapie bei hypertropher Kardiomyopathie (HCM)
Einleitung durch Priv.-Doz.in Dr.in med. Christiane Gruner
Mein Name ist Christiane Gruner. Ich habe meine Ausbildung zur Internistin und Kardiologin in der Schweiz abgeschlossen und mich anschließend mehrere Jahre in Toronto auf hypertrophe Kardiomyopathie spezialisiert. Diese Erkrankung liegt mir besonders am Herzen, weshalb ich vorwiegend Patientinnen und Patienten mit diesem Krankheitsbild behandle.
Mit dieser Plattform möchten wir Betroffene besser über die Krankheit, die Diagnostik und die Behandlungsmöglichkeiten informieren, um gemeinsam ihre Lebensqualität zu verbessern.
Hier geht es zur Einleitung des Kurses: „Hypertrophe Kardiomyopathie behandeln“
Möglichkeiten zur Behandlung bei hypertropher Kardiomyopathie (HCM)
Was ist das Ziel der Behandlung bei hypertropher Kardiomyopathie (HCM)?
Die Behandlungsziele bei der hypertrophen Kardiomyopathie umfassen vor allem zwei zentrale Aspekte. Zum einen geht es darum, die Lebensqualität der Patient:innen durch eine gezielte Behandlung der Symptome zu verbessern. Typische Beschwerden sind unter anderem Belastungs- oder Ruheatemnot, Brustschmerzen, Schwindel bis hin zu Bewusstlosigkeit.
Zum anderen ist eine sorgfältige Einschätzung des Risikos für plötzlichen Herztod entscheidend – ein zentrales Thema bei dieser Erkrankung. Die rechtzeitige Erkennung und gegebenenfalls vorbeugende Behandlung können das Überleben deutlich verlängern.
Braucht jede Art von HCM eine Behandlung?
Nein, nicht jede Form der hypertrophen Kardiomyopathie erfordert eine Behandlung – erfreulicherweise. Die Therapie richtet sich in erster Linie nach den Beschwerden der Patient:innen. Wenn Sie im Alltag beschwerdefrei sind, ist in der Regel keine medikamentöse Behandlung notwendig. Wichtig sind jedoch regelmäßige kardiologische Verlaufskontrollen, um mögliche Komplikationen frühzeitig erkennen zu können.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei HCM?
Bei der hypertrophen Kardiomyopathie kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz – abhängig davon, welche Beschwerden vorliegen und was deren Ursache ist. Reichen Medikamente nicht aus, können je nach Situation auch operative oder kathetergestützte Eingriffe notwendig werden.
Außerdem ist es wichtig, bei einem erhöhten Risiko für plötzlichen Herztod die Möglichkeit der Implantation eines Defibrillators (ICD) frühzeitig zu besprechen.
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Arztgespräche und Kontrollen bei hypertropher Kardiomyopathie (HCM)
Wie kann ich mich auf das Arztgespräch vorbereiten?
Wichtig ist, dass Sie sich als Patientin oder Patient im Vorfeld überlegen, welche Fragen Sie an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt haben – und diese am besten notieren. Denn in der Aufregung des Termins vergisst man häufig, was man eigentlich ansprechen wollte.
Für uns Ärzt:innen ist es außerdem hilfreich, wenn Sie Ihre aktuelle Medikamentenliste kennen und frühere Befunde oder Unterlagen zur Konsultation mitbringen.
Gerade bei der hypertrophen Kardiomyopathie ist auch die medizinische Familiengeschichte relevant. Es lohnt sich, bei Verwandten nachzufragen, ob bekannte Herzprobleme oder plötzliche Ereignisse aufgetreten sind.
Was kann ich als Patient:in bei der Therapiewahl mitentscheiden?
Grundsätzlich können Patientinnen und Patienten bei allen Entscheidungen mitwirken. Wichtig ist, dass wir als Fachpersonal ihnen die nötigen Informationen und Grundlagen an die Hand geben, damit sie für sich selbst den richtigen Weg wählen können.
Ob das primär eine medikamentöse Behandlung ist – wie es häufig üblich ist – oder ob jemand lieber auf Medikamente verzichten und stattdessen einen operativen Eingriff bevorzugen möchte, ist eine sehr individuelle Entscheidung. Sie sollte zur aktuellen Lebenssituation passen.
Oft braucht es mehrere Gespräche, um gemeinsam herauszufinden, welcher Weg für die einzelne betroffene Person der richtige ist.
In welchen Abständen sind bei hypertropher Kardiomyopathie Kontrolltermine notwendig und warum sind sie wichtig?
In der Anfangsphase nach der Diagnose sind oft mehrere Konsultationen in kurzen Abständen notwendig, um alle erforderlichen Untersuchungen – einschließlich Bildgebung , Labor und genetischer Abklärung – durchzuführen.
Sobald die Diagnose gesichert und ein Therapiekonzept erstellt ist, reichen in der Regel Verlaufskontrollen alle 6 bis 12 Monate aus. Diese dienen dazu, die Therapie zu überwachen und mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
Bei sehr milden Verläufen mit wenigen Symptomen können Kontrollintervalle von bis zu zwei Jahren erwogen werden.
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Medikamentöse Behandlung bei obstruktiver HCM
Wann kommt eine medikamentöse Therapie bei einer hypertroph-obstruktiven Kardiomyopathie (HOCM) in Frage?
Bei der obstruktiven Form der hypertrophen Kardiomyopathie führt die Verdickung der Herzscheidewand (des Septums) zu einer Flussbeschleunigung im Ausflusstrakt des Herzens. Diese Veränderung ist häufig mit Symptomen wie Atemnot, Brustschmerzen oder anstrengungsbedingtem Schwindel verbunden.
Treten solche Beschwerden – etwa beim Gehen oder insbesondere beim Bergaufgehen – auf, stellt das eine klare Indikation dar, zunächst eine medikamentöse Behandlung einzuleiten.
Welche Medikamente werden bei einer HOCM eingesetzt?
Das primäre Ziel dieser Behandlung ist die Reduktion der Flussbeschleunigung im Ausflusstrakt des Herzens. Man kann sich das bildlich vorstellen wie einen Gebirgsbach, der durch eine enge Schlucht fließt – genau dieses Phänomen versuchen wir zu therapieren.
In erster Linie werden dafür Betablocker und Kalziumantagonisten eingesetzt. Sie senken die Herzfrequenz und verlängern dadurch die Austreibungszeit. Das bedeutet: Das Herz hat mehr Zeit, das benötigte Blutvolumen – etwa beim Treppensteigen – bereitzustellen. Reichen diese Medikamente nicht aus, kommen heute sogenannte Myosininhibitoren zum Einsatz. Sie verringern die Kontraktilität, also die Pumpkraft des Herzens, die bei der hypertroph-obstruktiven Kardiomyopathie krankhaft gesteigert ist.
Dies führt zu einer reduzierten Pumpleistung. In diesem Zusammenhang ist die sogenannte linksventrikuläre Auswurffraktion (EF) von Bedeutung – sie muss bei Anwendung dieser Medikamente regelmäßig kontrolliert werden.
Welche Nebenwirkungen können bei diesen drei Medikamentengruppen auftreten und was sollte ich als Patientin dabei beachten?
Die Nebenwirkungen von Betablockern und Kalziumantagonisten können unter anderem Müdigkeit und gelegentlich eine Gewichtszunahme umfassen. Vor allem Kalziumkanalblocker können auch zu Verstopfung oder Alpträumen führen. Diese Nebenwirkungen verschwinden nicht immer vollständig, und manchmal ist es notwendig, die Medikation aufgrund von Unverträglichkeiten anzupassen.
Bei den Myosininhibitoren ist die Hauptnebenwirkung direkt mit ihrer Wirkung verbunden: Sie kann zu einer verstärkten Abnahme der Pumpleistung führen. Deshalb sind besonders zu Beginn regelmäßige und engmaschige Ultraschallkontrollen erforderlich.
Sollte zwischen diesen Kontrollterminen plötzlich Atemnot auftreten – insbesondere, wenn sie stärker ist als das bisher bekannte Ausmaß – warten Sie bitte nicht bis zur nächsten regulären Arztkonsultation. Melden Sie sich umgehend, damit überprüft werden kann, ob es sich um eine Nebenwirkung des Medikaments oder eine andere Ursache handelt.
Wann kommen invasive Septumreduktionstherapien bei HCM in Frage und was ist das Ziel?
Zu den invasiven Verfahren zur Septumreduktion zählen die chirurgische Myektomie sowie die kathetergestützte Septum-Alkoholablation. Diese Optionen kommen zum Einsatz, wenn eine medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam war und die Beschwerden weiter bestehen – oder wenn bestimmte Medikamente aufgrund individueller Lebensumstände nicht verabreicht werden dürfen.
Besonders betroffen sind hier jüngere Frauen mit Kinderwunsch. Für sie ist die Behandlung mit den neuen Myosininhibitoren nicht geeignet, da diese potenziell Fehlbildungen beim ungeborenen Kind verursachen können. Besteht eine deutliche Einengung im linksventrikulären Ausflusstrakt – also eine ausgeprägte obstruktive Form der Erkrankung – und ist eine Schwangerschaft unter diesen Bedingungen nicht möglich, wird in der Regel vor Eintritt einer Schwangerschaft eine Septumreduktion durchgeführt. Bei diesen Patientinnen erfolgt das meist chirurgisch über eine Myektomie.
Dabei handelt es sich um einen offenen Eingriff am Herzen unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine, bei dem der verdickte Teil der Herzscheidewand mit einem Skalpell entfernt wird. So wird der Ausflusstrakt wieder erweitert, die Symptome gelindert und das Risiko während einer Schwangerschaft reduziert.
Darüber hinaus sind diese Eingriffe auch angezeigt, wenn zusätzliche Klappenfehlbildungen vorliegen, die nicht direkt durch die hypertrophe Kardiomyopathie verursacht sind und auf medikamentöse Therapien nicht ansprechen.
Schließlich gibt es sogenannte Phänotyp-Kopien („Phänokopien“) – Erkrankungen, die im bildgebenden Verfahren einer hypertrophen Kardiomyopathie ähneln, in Wirklichkeit aber auf Stoffwechselstörungen oder Infiltrationen des Herzgewebes zurückzuführen sind. In solchen Fällen sind Myosininhibitoren kontraindiziert, da sie eine schwere Herzschwäche auslösen können.
Wie laufen diese Eingriffe ab und welche Risiken können damit einhergehen?
Bei der chirurgischen Myektomie – wie bereits erwähnt – handelt es sich um einen konventionellen Eingriff am offenen Herzen unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose, und die Patientinnen und Patienten verbringen danach in der Regel einige Tage, idealerweise nur einen Tag, auf der Intensivstation. Dabei wird mit dem Skalpell der verdickte Teil der Herzscheidewand entfernt, wodurch der Ausflusstrakt erweitert wird, sodass das Blut das Herz wieder ungehindert verlassen kann.
Das Prinzip der Septalalkoholablation ist ähnlich, wird jedoch kathetergestützt durchgeführt – vergleichbar mit einer Koronarangiographie, bei der die Herzkranzgefäße mittels Kontrastmittel dargestellt werden. Diese Prozedur erfolgt in der Regel ohne Vollnarkose. Über den Katheter wird hochprozentiger Alkohol in kleine Gefäße injiziert, die den verdickten Herzmuskelabschnitt versorgen. Ziel ist es, einen gezielten, kontrollierten Herzinfarkt auszulösen. Das betroffene Gewebe schrumpft daraufhin über mehrere Monate hinweg, wodurch sich ebenfalls der Ausflusstrakt erweitert.
Die Risiken beider Eingriffe liegen bei etwa 1–2 % für Sterblichkeit und Schlaganfall. Zudem besteht bei beiden Verfahren ein gewisses Risiko für eine Schrittmacherpflichtigkeit, da in der verdickten Herzscheidewand häufig auch die Reizleitungsfasern verlaufen. Wird diese Leitungsbahn beeinträchtigt, kann ein Herzschrittmacher erforderlich werden. Dieses Risiko ist bei der Septalalkoholablation etwas höher als bei der chirurgischen Myektomie.
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Medikamentöse Behandlung bei nicht-obstruktiver HCM
Wann kommt eine medikamentöse Therapie bei einer hypertrophen nicht-obstruktiven Kardiomyopathie (HNCM) in Frage?
Bei der hypertrophen, nicht obstruktiven Kardiomyopathie liegt die Hauptursache der Symptome ebenfalls in der Verdickung des Herzmuskels – insbesondere in der eingeschränkten Fähigkeit des Herzens, sich während der Füllungsphase zu entspannen (gestörte Relaxation). Diese verdickten Herzen tun sich oft schwer, das einströmende Blut aufzunehmen.
Ziel der medikamentösen Behandlung ist es daher, die Entspannungsfähigkeit zu verbessern und die durch die Steifigkeit erhöhten Füllungsdrücke zu senken. Typische Symptome – wie Belastungsatemnot, Brustschmerzen oder Schwindel – ähneln jenen der obstruktiven Form.
Zum Einsatz kommen vorrangig Betablocker und Kalziumantagonisten, um die Relaxation zu fördern und die Drücke zu reduzieren. Zusätzlich werden – je nach individueller Situation – auch Medikamente aus der Herzschwäche-Therapie verwendet, wie Spironolacton oder SGLT-2-Hemmer. Diese wirken hormonell, verbessern die Energieversorgung der Herzmuskelzellen und führen in der Regel zu einer Blutvolumenreduktion, was wiederum die Relaxationsfähigkeit des Herzens verbessert.
Welche Nebenwirkungen können auftreten und was sollte ich als Patient beachten?
Die Nebenwirkungen von Betablockern und Kalziumantagonisten umfassen – wie bereits erwähnt – häufig Müdigkeit, gelegentlich Gewichtszunahme, Verstopfung oder auch Alpträume. Als Patient:in können Sie selbst hier nur begrenzt gegensteuern. Wichtig ist, Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf anzusprechen, um gegebenenfalls eine Umstellung der Medikation vorzunehmen. Das Ziel ist stets eine Verbesserung Ihrer Lebensqualität.
Bei SGLT-2-Hemmern kann es infolge der vermehrten Zuckerausscheidung über den Urin häufiger zu Pilz- oder bakteriellen Infektionen im Genitalbereich kommen. Achten Sie daher auf eine gute Genitalhygiene und suchen Sie bei Beschwerden frühzeitig das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Es gibt lokale Behandlungsmöglichkeiten – sollten diese nicht ausreichen, kann es notwendig sein, die Medikation zu beenden.
Spironolacton, aber auch Betablocker und Kalziumantagonisten, können zudem durch eine Blutdrucksenkung Schwindel verursachen. In solchen Fällen kann es helfen, die Einnahme auf den Abend zu verlegen, um die Phase des niedrigsten Blutdrucks zu verschlafen. Alternativ kann eine Anpassung der Dosierung erforderlich sein, um die Vorteile der Therapie gegen mögliche Nebenwirkungen abzuwägen .
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Behandlung von Herz-Rhythmus-Störungen und Vorhofflimmern bei HCM
Welche Rhythmusstörungen treten bei HCM gehäuft auf?
Am häufigsten tritt bei der hypertrophen Kardiomyopathie Vorhofflimmern auf – eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen überhaupt, die nicht zwingend mit anderen Herzerkrankungen verbunden sein muss. Ich schätze, dass etwa jeder zweite bis dritte Patientin im Verlauf der Erkrankung davon betroffen ist.
Vorhofflimmern ist zwar sehr unangenehm, hat in der Regel jedoch keine Auswirkungen auf die Lebenserwartung – wohl aber auf die Lebensqualität. Wichtig ist, bei Auftreten rasch den Kontakt mit demder behandelnden Ärztin oder einer Notfallstelle zu suchen, um die Diagnose zu sichern und umgehend eine Blutverdünnung einzuleiten.
Vorhofflimmern äußert sich als schneller, unregelmäßiger Puls. Manche spüren Pulsationen im Hals, andere Herzrasen oder einen unregelmäßigen Herzschlag – das ist individuell verschieden. Aufgrund der Unregelmäßigkeit im Vorhof kann sich dort ein Blutgerinnsel bilden. Gefährlich wird es, wenn dieses ins Gehirn gelangt und einen Schlaganfall auslöst. Deshalb hat die Blutverdünnung oberste Priorität.
Ziel der weiteren Behandlung ist es, die Patient*innen mithilfe von Medikamenten – oder, wenn nötig, durch eine sogenannte Elektrokonversion – wieder in den normalen Herzrhythmus zurückzuführen. Denn gerade bei hypertropher Kardiomyopathie sind die Beschwerden durch Vorhofflimmern oft besonders ausgeprägt.
Wie häufig tritt ein plötzlicher Herztod auf und wie kann dieser vermieden werden?
Das Risiko für ein plötzliches Herztod-Ereignis ist bei Patient:innen mit hypertropher Kardiomyopathie im Allgemeinen erhöht. In der Normalbevölkerung liegt die jährliche Rate bei etwa 0,3 %, bei Betroffenen mit hypertropher Kardiomyopathie im Schnitt bei 0,6 % pro Jahr. Innerhalb dieser Patientengruppe gibt es allerdings große Unterschiede: Manche gehören zu einer Hochrisikogruppe mit einem jährlichen Risiko von 1,5–3 %, andere liegen eher im Bereich der Normalbevölkerung.
Dieses Risiko versuchen wir individuell zu beurteilen – basierend auf Anamnese , klinischer Untersuchung und apparativer Diagnostik. Wenn ein bestimmter Schwellenwert erreicht ist, besprechen wir mit den Patient:innen die Möglichkeit der primärprophylaktischen Implantation eines Defibrillators. Dabei handelt es sich um ein Gerät, das einem Schrittmacher ähnelt und unter der Haut eingesetzt wird, mit Sonden entweder direkt im Herzen oder unter der Haut.
Welches System im Einzelfall in Frage kommt, hängt unter anderem davon ab, ob gleichzeitig eine Schrittmacherfunktion notwendig ist. Diese Entscheidung wird gemeinsam mit dem medizinischen Team getroffen.
Ein solcher Defibrillator wirkt wie eine Art „Schutzengel“, bringt aber auch potenzielle Nachteile mit sich: Er kann nicht nur bei lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen Stromstöße abgeben, sondern auch bei Fehlinterpretationen – etwa bei Vorhofflimmern oder elektrischen Störungen. Solche unnötigen Schocks können sehr schmerzhaft sein. Zudem handelt es sich um Fremdmaterial, das ein Infektionsrisiko mit sich bringt.
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Behandlung bei fortschreitender HCM und Herzinsuffizienz
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei fortschreitender HCM und Herzinsuffizienz?
Mit zunehmender Krankheitsdauer entwickeln etwa 10–20 % der Patient:innen mit hypertropher Kardiomyopathie eine Abnahme der Pumpleistung des Herzens, eine sogenannte systolische Dysfunktion. Vielleicht haben Sie in diesem Zusammenhang schon den Begriff LVEF (linksventrikuläre Ejektionsfraktion) gehört.
Bei einer hypertrophen Kardiomyopathie spricht man ab einer Pumpfunktion von unter 50 % von einer Entwicklung in Richtung Herzinsuffizienz . Zum Vergleich: Eine normale Pumpfunktion liegt bei etwa 55–65 %, in der Frühphase der Erkrankung kann sie krankhaft gesteigert und bei über 70–80 % liegen. Ein Rückgang auf 50 % bedeutet also bereits einen deutlichen Funktionsverlust.
In dieser sogenannten Herzschwächephase kommen dann, wie bereits zuvor erwähnt, Medikamente aus der klassischen Herzinsuffizienztherapie zum Einsatz. Dazu zählen Spironolacton, SGLT-2-Hemmer, Betablocker und teilweise auch ACE-Hemmer oder Sartane. Diese können allerdings den Blutdruck stark senken, weshalb eine individuelle Anpassung der Dosierung und Einnahmezeitpunkte notwendig ist.
In sehr seltenen Fällen wird auch eine Resynchronisationstherapie erwogen – eine spezielle Schrittmacherbehandlung, bei der das Herz durch Sonden von beiden Seiten stimuliert wird, um die Pumpleistung zu verbessern. Diese Methode ist vor allem bei schwerer Herzschwäche etabliert.
Wann kommt eine Herztransplantation in Frage?
Eine Herztransplantation kommt immer dann in Frage, wenn die Herzschwäche so weit fortgeschritten ist, dass die zuvor besprochenen Maßnahmen – wie Medikamente und spezielle Schrittmachertherapien – nicht mehr ausreichen. Wenn die Beschwerden so ausgeprägt sind, dass die Kriterien für eine Transplantation erfüllt werden, wird der übliche Abklärungsprozess eingeleitet. In der Regel erfolgt dann die weitere Betreuung im Team der Herzschwäche-Sprechstunde.
In unseren Patientenkohorten sind es jedoch meist nur sehr wenige Personen mit hypertropher Kardiomyopathie, die tatsächlich eine Herztransplantation benötigen.
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Mein Beitrag zur Therapie bei hypertropher Kardiomyopathie (HCM)
Was kann ich selbst tun, um die Therapie zu unterstützen?
Einerseits ist es wichtig, die Medikamente regelmäßig einzunehmen, um eine optimale Wirksamkeit der Behandlung sicherzustellen. Aus meiner Erfahrung gelingt dies Patienten mit hypertropher Kardiomyopathie meist überdurchschnittlich gut, da die Medikamente die Symptome deutlich verbessern und die Motivation entsprechend hoch ist.
Darüber hinaus können Sie durch einen gesunden Lebensstil dazu beitragen, andere Risikofaktoren für Herzereignisse zu minimieren. Dazu gehören eine gute Blutdruckeinstellung, eine ausgewogene Ernährung zur Regulierung der Blutfettwerte sowie eine Reduktion von Kohlenhydraten zur Verbesserung des Zuckerstoffwechsels.
Da die hypertrophe Kardiomyopathie jedoch eine genetisch bedingte Erkrankung ist, lässt sich deren Verlauf durch den Lebensstil nur begrenzt beeinflussen. Wichtig ist außerdem, dass Bewegung entsprechend dem Schweregrad der Erkrankung und den Symptomen in Absprache mit dem behandelnden Ärzteteam – gegebenenfalls unter Einbeziehung eines Sportkardiologen – integriert wird. Unsere Erfahrung zeigt, dass aktive Patientinnen und Patienten eine bessere Lebensqualität und eine höhere Lebenserwartung haben.
Welche weiteren Therapien und Maßnahmen können bei HCM unterstützen?
Wir hatten vorhin das Thema Sport und Bewegung angesprochen, was natürlich nicht für jede Patientin und jeden Patienten einfach ist. Manche sagen, sie schaffen es nicht, Bewegung eigenständig in den Alltag zu integrieren oder wissen nicht genau, was erlaubt ist und was nicht.
Hier haben wir sehr gute Erfahrungen mit ambulanten kardialen Rehabilitationsprogrammen gemacht. Dabei wird zunächst unter Anleitung von Ärzten und Physiotherapeuten ein individuelles Trainingsprogramm erarbeitet. Das Ziel ist, dass die Patientinnen und Patienten anschließend selbstständig weiter trainieren und den Bewegungsaufbau eigenverantwortlich fortsetzen können.
Was kann ich bei neuen oder veränderten Symptomen tun?
Wenn Sie Symptome bemerken, die über das hinausgehen, was Ihnen bisher bekannt ist – wie zunehmende Leistungsintoleranz, Atemnot oder Herzrhythmusstörungen und Herzrasen – bitte zögern Sie nicht, schnell Kontakt mit Ihrem behandelnden Ärzteteam aufzunehmen. Sollte dies nachts oder am Wochenende auftreten, ist auch der Besuch einer Notfallstation ratsam.
Dabei wird mit Ultraschall überprüft, wie die Herzfunktion aktuell ist und welche Medikamente Sie einnehmen. Außerdem wird mittels EKG der Herzrhythmus kontrolliert, um festzustellen, ob beispielsweise Vorhofflimmern vorliegt. So können gegebenenfalls sofort notwendige medikamentöse Maßnahmen eingeleitet werden.
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Meine Nachricht an Sie
Wichtig ist mir, dass Patientinnen und Patienten mitnehmen, dass die hypertrophe Kardiomyopathie eine gut behandelbare Erkrankung ist. Unter Nutzung aller verfügbaren Maßnahmen lässt sich eine relativ gute Lebensqualität erreichen – oft sogar bei normaler Lebenserwartung.
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Wir freuen uns über Ihr Feedback
Wir entwickeln fortlaufend neue Kurse und lernen dabei nie aus. Dabei berücksichtigen wir gerne Ihre Wünsche und Anregungen. Wir freuen uns daher sehr über Ihr Feedback. Bitte beachten Sie, dass wir keine personenbezogenen medizinischen Auskünfte geben können. Sollten Sie dazu Fragen haben, klären Sie diese bitte in einem persönlichen Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt.