7. RSV-Impfung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen – Alle Fragen

Atemwegsinfektionen wie RSV werden häufig unterschätzt – doch für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen können sie eine besondere Herausforderung darstellen. Das Virus belastet nicht nur die Atemwege, sondern kann auch das Herz und den Kreislauf zusätzlich unter Druck setzen. In den folgenden Fragen und Antworten erfahren Sie, warum Herzpatient:innen stärker gefährdet sind, welche Beschwerden auftreten können, wie die Impfung schützt und was Sie im Alltag beachten sollten.

Einleitung durch Univ.-Prof. Dr. Günter Weiss

Mein Name ist Günter Weiss. Ich leite die Universitätsklinik für Innere Medizin II an der Medizinischen Universität Innsbruck mit den Schwerpunkten Infektiologie, Rheumatologie und Pneumologie. In dem Kurs geht es um die Infektion mit RSV, das besondere Risiko bei kardiovaskulären Patient:innen und die Möglichkeiten der Prävention durch eine Impfung.

 

Hier geht es zur Einleitung des Kurses: „RSV bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen“

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und RSV-Risiko

Welche Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen das Risiko bei RSV?

Das sind zwei Krankheiten, erstens ist es die koronare Herzkrankheit, insbesondere wenn schon einmal ein akutes kardiales Ereignis stattgefunden hat, wie zum Beispiel ein Myokardinfarkt. Oder wenn es eine Intervention gegeben hat, in der eine signifikante koronare Herzkrankheit festgestellt und Stenosen nachgewiesen werden konnten.

Das zweite sind Erkrankungen aus dem Formenkreis der Herzinsuffizienz , die im Rahmen einer RSV-Erkrankung einerseits akut exazerbieren können und insbesondere, wenn der oder die Patient:in hospitalisiert ist. Umgekehrt stellen diese Erkrankungen, vor allem wenn sie nicht gut therapeutisch eingestellt sind, ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer RSV-Infektion dar.

Auf der anderen Seite führt eine RSV-Infektion bei diesen Erkrankungen auch zu einer Aggravierung der Grundkrankheit, das heißt zu einem erhöhten Risiko für ein akutes kardiovaskuläres Ereignis oder für eine Exazerbation einer Herzinsuffizienz.

Warum sind Menschen mit diesen Erkrankungen anfälliger für Komplikationen durch RSV?

Letztendlich ist es so, dass jede Infektion viralen oder bakteriellen Genese, so auch RSV, zu einer Aktivierung des Immunsystems führt. Und diese Aktivierung des Immunsystems bewirkt eine erhöhte Gerinnungsbereitschaft und bewirkt auch, dass zum Beispiel verschiedene Komponenten des Immunsystems und Immunzellen an Oberflächen von Gefäßen anhaften und so zum Beispiel Gefäße verschließen können, was Ihnen letztendlich ein akutes kardiovaskuläres Ereignis ermöglicht. Das zweite ist: Patient:innen mit einer Herzinsuffizienz neigen eher dazu, aufgrund ihrer chronischen Stauung in der Lunge anfälliger gegenüber Infektionen des Respirationstrakts zu sein. Bzw. im Falle, wenn Sie diese Infektionen haben, auch eher dann eine Lungenentzündung, also eine primäre virale oder sekundäre bakterielle Pneumonie zu erleiden, die dann eben mit einem schweren Verlauf der Erkrankung vergesellschaftet ist.

Wie können unterschiedliche Risikofaktoren bei Herzpatient:innen das RSV-Risiko beeinflussen?

Ein Risikofaktor für eine schwere RSV-Erkrankung oder für eine Verschlechterung der zugrundeliegenden Erkrankung ist natürlich dadurch gegeben, wenn schon eine vorbestehende Herz-Kreislauf-Erkrankung gegeben ist also ein Zustand zum Beispiel nach einem Schlaganfall, Zustand nach Myokardinfarkt, durchgeführte Interventionen, familiär erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen oder eben Herzinsuffizienz aufgrund von unterschiedlichen Mechanismen und Ursachen, die einer Herzinsuffizienz entsprechend zugrunde liegen. Alle diese Faktoren sind letztendlich Risikofaktoren, die mit einer höheren Wahrscheinlichkeit, einer Hospitalisierung bei einer RSV-Erkrankung assoziiert sind bzw. auch im Fall einer RSV-Erkrankung zu einem schweren Verlauf oder einem neuen Ereignis der Grundkrankheit führen.

 

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Krankheitsfolgen und Risiken bei RSV

Welche Beschwerden und Komplikationen verursacht RSV bei Herzpatient:innen?

Generell ist es so, dass sich Viruserkrankungen wie RSV sehr unterschiedlich präsentieren können. Es kann von einer leichten Erkrankung mit klassischen respiratorischen Symptomen bis hin zu einer schweren Erkrankung mit Pneumonie, Notwendigkeit einer Hospitalisierung oder auch einer Intensivaufnahme führen kann. Je mehr Begleiterkrankungen ein:e Patient:in hat, desto höher ist das Risiko, dass solche Komplikationen auftreten, was im Sinne einer Hospitalisierung oder einer Pneumonie und dann letztendlich auch als Kollateralschäden die zugrundeliegende Erkrankung entsprechend verschlechtern kann.

Welche weiteren Erkrankungen erhöhen das Risiko?

Letztendlich sind es eine Reihe von Erkrankungen, in erster Linie natürlich alle Erkrankungen oder medikamentösen Interventionen, die das Immunsystem schwächen. Also primäre oder sekundäre Immundefizienz-Erkrankungen oder natürlich auch Medikamente, die gegeben werden müssen, um das Immunsystem zu unterdrücken. Das betrifft verschiedene rheumatologische Erkrankungen, hämatologische Erkrankungen, aber natürlich auch Patient:innen nach Transplantation. Die zweite große Gruppe von Patient:innen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer RSV-Infektion haben, sind abgesehen von den Patient:innen mit kardiovaskulären Erkrankungen, Patient:innen mit chronischen Lungenerkrankungen, wie zum Beispiel einer COPD, einer Lungenfibrose, aber auch zum Beispiel Patient:innen, die eine eingeschränkte Nierenfunktion haben. Vor allem eine fortgeschrittene Einschränkung der Nierenfunktion, Patient:innen mit einem schlecht kontrollierten Diabetes mellitus, aber auch Patient:innen mit einer morbiden Adipositas.

Warum sind die Sterblichkeit und Zahl der Krankenhausaufenthalte bei Herzpatient:innen höher?

Das hat vor allem auch damit zu tun, dass Infektionen wie zum Beispiel eine RSV-Infektion auch dazu führen können, dass Mechanismen, die kardiovaskuläre Erkrankungen vorantreiben entsprechend aktiviert werden. Hospitalisierung bedeutet ja auch, dass es sich um eine schwere Erkrankung handelt. Und diese schwere Erkrankung kann eben dazu führen, dass sich Gefäßverengungen weiter fortschreiten und in den Folgemonaten und Folgejahren auch dann das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie zum Beispiel Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen. Das zweite kann natürlich auch im direkten Zusammenhang stehen. Man hat gesehen, dass bei einer Reihe von Virusinfektionen RSV, Influenza , aber auch anderen in der Akutphase das Risiko für akutes kardiovaskuläres Ereignis erhöht wird. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Gerinnungsbereitschaft erhöht wird und dass sich dadurch leichter akut Thromben bilden können, aber auch zum Beispiel Immunzellen leicht an Endothel haften können und so diese Thrombenbildung vorantreiben.

 

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Schutz durch RSV-Impfung

Wie schützt die RSV-Impfung Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Letztendlich geht es bei der RSV-Impfung wie auch bei anderen Impfungen darum, zwei Dinge zu erreichen: idealerweise die Verhinderung einer Infektion, und das zweite, die Verhinderung eines schweren Verlaufes einer Infektion. Und schwerer Verlauf heißt, dass der oder die Patient:in vielleicht dann nach einer gewissen Zeit nicht mehr vor Ansteckung geschützt ist, aber vor einem schweren Verlauf und vor einer Hospitalisierung und dadurch natürlich auch vor den Komplikationen, die ich zuerst ausgeführt habe, im Sinne der Aggravierung der zugrundeliegenden Erkrankung oder eben im Sinne einer erhöhten Wahrscheinlichkeit eine Pneumonie zu entwickeln oder auch die Notwendigkeit, dann mitunter eine nicht invasive oder invasive Beatmung in Anspruch nehmen zu müssen.

Wie kann die RSV-Impfung helfen, das Herz-Kreislauf-System zu schützen?

Es gibt rezente Daten aus Dänemark, die zeigen, dass durch die Impfung das Risiko für akute kardiovaskuläre Ereignisse im Zusammenhang mit RSV entsprechend reduziert werden kann, vor allem dahingehend, dass weniger Patient:innen hospitalisiert werden müssen, aber auch, dass schwere Infektionen häufiger vermieden werden und dadurch eben ein protektiver Effekt für solche Risikopatienten erzielt werden kann.

Welche Bedeutung hat die Impfung für die Lebensqualität?

Die Wirkung einer Impfung auf die Lebensqualität ist natürlich damit assoziiert, dass ich mehr schwere Ereignisse verhindern kann bzw. diese reduzieren kann. Und man weiß, dass eine Hospitalisierung wegen einer schweren viralen Infektion wie RSV auch Probleme nach sich zieht. Es kommt zu einer vermehrten Fragilität. Es kommt vielleicht zu einer Bewegungseinschränkung. Es kommt zu neurokognitiven Veränderungen, die vor allem nach einem Intensivaufenthalt auftreten können und letztendlich dann eine negative Auswirkung auf die Lebensqualität der Patient:innen nach sich ziehen können.

 

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Sicherheit und Anwendung der RSV-Impfung

Wie verträglich ist die RSV-Impfung bei Herzpatient:innen?

Letztendlich gibt es eine Reihe von Zulassungsstudien, wo verschiedene Patientengruppen untersucht wurden. Die Impfung wird einmalig verabreicht und es hat sich gezeigt, dass die Impfung im Wesentlichen gut verträglich ist. So wie alle Impfungen, kann es lokal zu Problemen kommen. Rötungen und vielleicht auch Schmerzen an der Injektionsstelle, die aber nach ein bis zwei Tagen vergehen. Größere unerwünschte Nebenwirkungen sind im Rahmen dieser Zulassungsstudie nicht aufgetreten.

Was ist bei der Einnahme von Herzmedikamenten zu beachten?

Im Zusammenhang mit der Impfung sollte man seine regulären Medikamente einnehmen wie sonst immer und keine entsprechenden Änderungen vornehmen. Es ist auch keine Pausierung von Medikamenten sinnvoll und empfohlen.

Kann die RSV-Impfung gleichzeitig mit anderen Impfungen erfolgen?

Dazu gibt es teilweise Untersuchungen. Es gibt Untersuchungen, dass zum Beispiel eine gleichzeitige Impfung mit Influenza keine Effekte auf die Wirksamkeit beider Impfungen hat und kann dementsprechend auch verwendet werden. Es gibt auch in Österreich mittlerweile einen mRNA-Impfstoff, für den es noch keine Daten gibt, inwieweit er mit anderen Impfungen angewendet werden kann. Nach menschlichem Ermessen und Erfahrung mit anderen Impfstoffen ist davon auszugehen, dass es hier keine Probleme gibt mit der gleichzeitigen Anwendung von Impfungen gegen andere respiratorische Viren.

 

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Ärztliche Beratung und Vorsorge

Wie kann die RSV-Impfung dazu beitragen, Krankenhausaufenthalte und Komplikationen bei Herzpatient:innen zu verhindern?

Die RSV-Impfung bewirkt natürlich einerseits, dass die Wahrscheinlichkeit einer Infektion entsprechend reduziert wird, wobei der Effekt natürlich am Anfang am stärksten ist. Der zweite wesentliche Faktor ist, dass im Falle einer Infektion die Schwere der Erkrankung entsprechend auch reduziert werden kann und durch eine verminderte Krankheitsschwere auch die Wahrscheinlichkeit eines stationären Aufenthalts, also der Notwendigkeit einer Hospitalisierung entsprechend reduziert werden kann.

Wer mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollte sich impfen lassen und wann?

RSV tritt typischerweise in der kalten Jahreszeit auf. Die häufigsten Infektionen sind irgendwo zwischen November und Februar/März. Das heißt, eine Impfung sollte rechtzeitig vor Beginn der RSV-Infektion, das heißt im Spätsommer oder Frühherbst, erfolgen.

Hinsichtlich der Notwendigkeit einer Impfung mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten sich alle Personen impfen lassen, die schon einmal ein akutes kardiovaskuläres Ereignis gehabt haben, also einen durchgemachten Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Unabhängig vom entsprechenden Alter oder dem Patienten oder der Patientin, die ein hohes Risiko oder eine manifeste kardiovaskuläre Erkrankung haben, weil dadurch die Wahrscheinlichkeit des Fortschreitens der Erkrankung im Falle einer schweren Infektion entsprechend reduziert werden kann.

Welche Fragen sollte ich vor der Impfung im Arztgespräch klären?

Letztendlich generelle Fragen wie: Wurden bisher Impfungen vertragen? Gab es irgendwelche Probleme, was die Impfung betrifft? Und natürlich auch die Information, wie oft diese Impfung durchgeführt werden soll. Derzeit ist der Stand so, dass proteinbasierte Impfungen, die in Österreich zugelassen sind, derzeit einmal geimpft werden. Man geht davon aus, dass der Impfschutz mehrere Jahre lang hält, wobei es noch keine Empfehlungen gibt, wann diese Impfung wiederholt werden sollte. Diesbezüglich gibt es derzeit Untersuchungen, um über die Dauerhaftigkeit des Impfschutzes genauere Informationen zu erhalten.

 

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Meine Nachricht an Sie

Es gibt mittlerweile sehr gute klinische Evidenz, die zeigt, dass virale respiratorische Infektionen das Risiko für akute Ereignisse bei schon vorbestehenden kardiovaskulären Erkrankungen entsprechend erhöhen können. Es gibt auch sehr gute Evidenz, dass durch Impfungen diese Risiken entsprechend reduziert werden können. Und mittlerweile haben bei vielen Fachgesellschaften Empfehlungen zur Impfung bei solchen Patient:innen Eingang in entsprechende Empfehlungen gefunden und sollten auch von den Patient:innen wahrgenommen bzw. mit dem Arzt oder der Ärztin Ihres Vertrauens entsprechend diskutiert werden.

 

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Geprüft Univ.-Prof. Dr. Günter Weiss: Stand Jänner 2026 | Quellen und Bildnachweis
Exazerbation
Eine Exazerbation kann bei vielen chronischen Erkrankungen auftreten. Dabei kommt es zu einer vorübergehenden Verschlimmerung der Symptome, die akut behandelt werden muss. 
Herzinsuffizienz
Herzinsuffizienz, auch Herzschwäche genannt, ist eine chronische Erkrankung, bei der das Herz nicht genügend Blut pumpt, um den Körper ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen.
Influenza
Durch Influenzaviren verursachte Infektionskrankheit. Beginnt plötzlich und führt zu hohem Fieber, Schüttelfrost, starken Kopf- und Gliederschmerzen, trockenem Husten sowie starkem Krankheitsgefühl.
invasive Beatmung
Invasive Beatmung bedeutet, dass die Atmung mithilfe eines Beatmungsgeräts unterstützt wird, wobei ein Schlauch durch den Mund oder die Nase in die Luftröhre eingeführt wird.
Thromben
Feste Blutgerinnsel, die sich in einem Blutgefäß bilden und den Blutfluss behindern oder blockieren können.