COPD ist eine chronische Lungenerkrankung, bei der es immer wieder zu akuten Verschlechterungen, sogenannten Exazerbationen kommen kann. Exazerbationen lassen sich nicht immer vermeiden. Indem Sie auf erste Anzeichen achten und schnell reagieren, können Sie Schübe vermeiden. Diese Schulung soll Sie dabei unterstützen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung durch Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour
Hallo, Mein Name ist Arschang Valipour. Ich bin Internist, Lungenfacharzt und Intensivmediziner. Ich bin Abteilungsvorstand an der Klinik Floridsdorf und ich berichte Ihnen heute über die verschiedenen Aspekte der COPD-Exazerbation – worum es sich handelt, was wir dagegen tun können, wie man es rechtzeitig entdeckt und wie wir uns davor schützen können, als Betroffene mit COPD.
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Akute Verschlechterungen bei COPD erkennen
Was ist eine COPD-Exazerbation und wie fühlt sie sich an?
Eine COPD-Exazerbation ist eine akute Krankheitsverschlechterung, die leider viele von Ihnen COPD-Patientinnen und Patienten betreffen kann. Wir wissen, dass rund ein Drittel der Betroffenen mit COPD im Laufe eines Jahres eine COPD-Exazerbation entwickeln kann und diese akuten Krankheitsverschlechterungen sind meist durch Virusinfektionen bedingt. Das kann ein Schnupfenvirus sein, das kann COVID sein oder das RSV-Virus. Dabei kommt es aufgrund dieser Infektion zu einem akuten Anschwellen der Atemwege. Die sogenannten Bronchien werden enger, man kann schwerer ein- und auch schwerer ausatmen. Es kommt teilweise zu vermehrter Schleimbildung, zu Husten und teilweise auch zu gelblich-grünlichem Auswurf. Diese Verschlechterungen, die mit akuter Atemnot einhergehen können, dauern in der Regel zwischen 5 bis 7 Tage an, manchmal auch länger, und bedürfen einer entsprechenden Therapie, um diesen akuten Infektionen entgegenzuwirken und vor allem um die bronchialen Schleimhäute wieder zum Abschwellen zu bringen.
Was löst eine Exazerbation bei COPD aus?
Eine COPD-Exazerbation wird in vielen, aber nicht allen Fällen durch akute Virusinfektionen ausgelöst. Zu den meisten Virusinfektionen zählen Schnupfenviren, das Grippevirus, COVID-19 oder RSV-Virus. Diese Infektionen, die meistens in der kalten Jahreszeit auftreten, bewirken eine akute Krankheitsverschlechterung mit Atemnot, Husten oder Auswurf. Es gibt aber auch andere Auslöser für eine Exazerbation , beispielsweise vermehrtes Aussetzen gegenüber Schadstoffen: Zigarettenrauch, erhöhte Feinstaubbelastung oder Umweltschadstoffe. Auch Lacke, Gase oder andere Chemikalien, die man einatmet, können teilweise zu diesen akuten Krankheitsverschlechterungen führen. Genauso wie Allergien – wenn man beispielsweise Pollen, Gräser oder sonstige Allergien hat, können sich diese auf die Atemwege niederschlagen. Darüber hinaus sind auch psychogene Faktoren hier verantwortlich, also eine seelische Mehrbelastung kann ebenso zu einer akuten Krankheitsverschlechterung und zu einer Exazerbation führen. All diese Dinge muss man berücksichtigen, wenn es darum geht, die richtige Therapie einer Exazerbation auszuwählen.
Wie wird eine akute Exazerbation einer COPD diagnostiziert?
Die akute Exazerbation einer COPD lässt sich gar nicht so leicht diagnostizieren. In den meisten Fällen geht es darum, was Betroffene selbst berichten. Die akute Verschlechterung, die meist von einem Virusinfekt, vielleicht von einem Schnupfen, Husten oder leicht erhöhter Temperatur ausgeht, führt dazu, dass man kurzatmig ist, vermehrt Husten oder Schleimbildung hat. Diese Beschwerden führen zu einer Konsultation bei einem Arzt oder einer Ärztin, in vielen Fällen dem Hausarzt, der Hausärztin oder eben Lungenfachärzt:innen. Beim Abhorchen mit dem Stethoskop stellt man meistens verengte Bronchien fest. Der sogenannte Bronchospasmus bedeutet eine Verengung der Bronchien, was man mit dem Stethoskop gut auch hören kann. In vielen Fällen ist es auch notwendig, über eine Blutabnahme oder ein Röntgen auch andere Entzündungsherde auszuschließen – beispielsweise in der Lunge, im Sinne einer Lungenentzündung – oder erhöhte Infektparameter nachzuweisen, weshalb es dann notwendig wäre, gegebenenfalls zusätzlich zu den abschwellenden Medikamenten auch Antibiotika einzusetzen.
Welche langfristigen Folgen kann eine Exazerbation haben?
Die langfristigen Folgen einer COPD-Exazerbation können mit einer weiteren Verschlechterung der Lungenfunktion, der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität einhergehen. Daher ist es besonders wichtig, die Exazerbation rechtzeitig zu erkennen und auch rechtzeitig zu behandeln, um etwaige langfristige Verschlechterungen abwenden zu können. Sollte es im Laufe eines Jahres zu wiederkehrenden Exazerbationen kommen, kann das nicht nur die Lungenfunktion beeinträchtigen, sondern auch zu einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko führen. Daher rate ich Ihnen: Lassen Sie sich entsprechend gut behandeln durch Medikamente, die teilweise auch vor Exazerbationen schützen können. Dazu zählen neben inhalativen Medikamenten auch Impfungen gegen Atemwegsinfektionen.
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Maßnahmen zur Akutbehandlung bei COPD
Was kann ich selbst tun, wenn sich meine COPD plötzlich verschlechtert?
Es gibt einige Dinge, die Sie selbst dazu beitragen können, sollte es zu einer akuten Krankheitsverschlechterung – sprich Atemnot – im Rahmen einer Exazerbation kommen. Hier gibt es atemtherapeutische bzw. Atemschule-Techniken, wo man sich durch gezielte Atemkontrolle, beispielsweise durch die sogenannte Lippenbremse, den Kutschersitz oder atemerleichternden Positionen mit der Atmung leichter tut und womit die Kurzatmigkeit etwas ausgebremst werden kann. Manche Betroffene – so wie Sie – haben auch atemtherapeutische Hilfsmittel zu Hause, beispielsweise ein PARI PEP, das man einsetzen kann, um eine Entblähung der Lunge zu bewirken. Auch sekretfördernde Maßnahmen kann man selbstständig zu Hause einnehmen. Wichtig ist jedoch auch, die Bedarfsmedikation, die die Bronchien erweitert, rechtzeitig anzuwenden, damit Schleim aus den Atemwegen leichter mobilisiert werden und auch die Atemnot gelindert werden kann.
Welche Behandlungen gibt es bei COPD-Exazerbationen und wie wird die passende Therapie für mich ausgewählt?
Es gibt eine Vielzahl von Behandlungen für die COPD-Exazerbation. In den sogenannten leichten bis mittelschweren Fällen geht das meistens ganz gut durch die selbstständig oder durch den Arzt oder die Ärztin eingeleitete Therapie mit Medikamenten. Hier haben vor allem Antibiotika und Kortison-Tabletten gemeinsam mit den bronchien-erweiternden Inhalatoren den vorrangigen Platz. Sollte es jedoch zu einer mittelschweren bis schweren Exazerbation kommen, die darüber hinaus auch Mal zu einem Spitalsaufenthalt führen kann, kann im Bedarfsfall auch eine passagere Sauerstofftherapie nötig sein. Bei jenen Betroffenen, bei denen auch der Kohlendioxidspiegel im Blut deutlich steigt, kann auch eine Atemunterstützung mittels einer sogenannten nicht-invasiven Beatmung erforderlich sein. In vielen Fällen wird beispielsweise im Krankenhaus eine bronchienerweiternde Therapie durchgeführt, durch verstärkte Inhalationstherapien oder durch eine Sauerstofftherapie bis hin zur intravenösen Gabe von Medikamenten, die über die Vene verabreicht werden und die das Abschwellen der Bronchien und auch die verstärkte Sekretmobilisation bewirken sollen. In manchen Fällen kommen auch zusätzlich Antibiotika, die über die Vene verabreicht werden, zum Einsatz. Nach einigen Tagen kann man viele dieser Medikamente und auch die Sauerstofftherapie wieder ausschleichen lassen und beenden und dann wieder in die Regeltherapie übergehen.
Wie funktioniert eine Sauerstofftherapie und welche Rolle spielt sie bei einer COPD-Exazerbation?
Im Rahmen einer Exazerbation kann es auch notwendig sein, eine passagere Sauerstofftherapie zu verabreichen. Dies erfolgt in den meisten Fällen in einer Klinik, wenn man stationär aufgenommen ist, zur Korrektur der oftmals durch die Bronchienverengung hergestellten Sauerstoffarmut. Um Sauerstoff zu verabreichen, bedarf es entweder einer Nasenbrille oder einer Gesichtsmaske, die in der Regel dann für mindestens 12 bis 16 Stunden am Tag im innerklinischen Bereich, teilweise auch bis zu 24 Stunden am Tag getragen werden soll. Durch regelmäßige Kontrolle der Sauerstoffsättigung oder der sogenannten Blutgasanalyse, also der Bestimmung der Sauerstoffwerte im Blut, wird dann festgelegt, ob diese Sauerstofftherapie vor Entlassung wieder beendet werden kann oder ob womöglich für einige Wochen bis hin zu einigen Monaten auch für zu Hause eine Sauerstofftherapie verordnet werden muss.
Was versteht man unter einer nicht-invasiven Beatmung (NIV) und was bringt sie bei einer COPD-Exazerbation?
Bei schweren Formen einer COPD-Exazerbation mit einem erhöhten Spiegel von CO2 im Blut, also einem erhöhten Kohlendioxidspiegel, kann es notwendig sein, im Krankenhaus – meist auf einer Intensiv- oder Überwachungsstation – eine sogenannte nicht-invasive Beatmung zu verabreichen. Dabei handelt es sich um eine Atemhilfe, eine Unterstützung der Atemmuskulatur, eine Unterstützung der Atmung selbst. Die erhöhten CO2 Werte können durch eine enganliegende Maske, die an das Gesicht angelegt und mit Gurten hinter dem Kopf befestigt bzw. an einem kleinen Beatmungsgerät angeschlossen wird, abgeatmet werden. Dadurch wird die eigene Atmung unterstützt und auch eine Erleichterung der Atembeschwerden erzielt. Die nicht-invasive Beatmung bedarf entsprechender Erfahrung wird daher hauptsächlich an Intensiveinrichtungen oder Lungenabteilungen bei schweren Exazerbationen angewendet. Sie führt dazu, dass in vielen Fällen eine weitere Form einer Beatmung auf einer Intensivstation – beispielsweise mittels einer künstlichen Beatmung und Tiefschlaf – verhindert werden kann.
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Medikamente zur Akutbehandlung bei COPD
Welche Medikamente kommen bei einer COPD-Exazerbation zum Einsatz?
Sollte sich ihre COPD verschlechtern – im Sinne einer sogenannten COPD-Exazerbation – so können Sie auch selbst einen Beitrag dazu leisten. Durch die Anwendung der sogenannten Bedarfs- oder Notfallmedikation gelingt es in vielen Fällen gut, die Beschwerden zu lindern. Die meisten Betroffenen haben sogenannte Bedarfs-Sprays. Das sind Medikamente, die die Bronchien erweitern, die man zuzüglich zu der Regeltherapie akut einsetzen kann. In vielen Fällen ist es auch notwendig, über 3 bis 5 Tage Kortison-Tabletten einzunehmen. Vielen Patientinnen und Patienten ist das vertraut, dass eine Bedarfsmedikation mit Kortison-Tabletten zu einem Abschwellen der Bronchien führt. Dieses Abschwellen der Bronchien führt dazu, dass man wieder besser Luft bekommt und auch in vielen Fällen die Beschwerden der Exazerbation gelindert werden können. Bei Anzeichen eines Infekts, erhöhter Temperatur oder auch erhöhten Infekt-Zeichen in einer Blutabnahme gibt es auch die Möglichkeit der Gabe eines Antibiotikums zu Hause. Daher wären das die drei wesentlichen Säulen, die viele Betroffene – so wie Sie – selbst umsetzen können, im Sinne eines sogenannten Selbstmanagements. Das geht sowohl zu Hause, aber auch, wenn man beispielsweise auf Reisen geht oder wenn man unterwegs ist. Sollte es jedoch innerhalb der ersten Tage zu keiner Verbesserung der Beschwerden kommen, ist es wichtig, rechtzeitig den Behandelnden oder eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen, um die Schwere der Exazerbation noch rechtzeitig abzufangen.
Welche Rolle spielen Antibiotika bei Exazerbationen?
In ungefähr der Hälfte der Fälle der COPD-Exazerbationen spielen auch bakterielle Infektionen eine Rolle und sind mitverursachend für den Krankheitsverlauf. In solchen Fällen werden Antibiotika zur Behandlung der COPD-Exazerbation verabreicht, um die Bakterienlast in den Atemwegen zu vermindern und damit die COPD-Exazerbation besser in den Griff zu bekommen. Hier gibt es heute einerseits Antibiotika, die über die Vene verabreicht werden können – das erfolgt meistens im Krankenhaus. Allerdings ist in vielen Fällen eine Antibiotikagabe ausschließlich über Tabletten ausreichend, um etwaige bakterielle Infektionen zu behandeln. Jedoch darf man nicht vergessen, dass in den allermeisten Fällen Exazerbationen durch Virusinfektionen ausgelöst werden und daher eine regelmäßige Antibiotikagabe gar nicht erforderlich ist.
Wie lange dauert die medikamentöse Behandlung einer COPD-Exazerbation und wovon ist die Zeitdauer abhängig?
In der Regel dauert die Behandlung einer COPD-Exazerbation zwischen 3 bis 5 Tagen. Sollte es zu einer schweren Exazerbation kommen, die auch einen Spitalsaufenthalt nach sich zieht, dann kann sich die Behandlungsdauer auf 7 bis 10 Tage erstrecken. Eine Antibiotikaeinnahme bzw. eine Kortison-Therapie über 5 Tage hinaus ist nur in den seltensten Fällen, bei sehr weit fortgeschrittener COPD-Erkrankung erforderlich. Jedoch müssen Sie, als betroffene Patientinnen und Patienten, auch damit rechnen, dass sich die Beschwerden der COPD-Exazerbation selbst nach abgeschlossener Behandlung bis zu 6 Wochen oder länger ab dem Therapiebeginn erstrecken können. Daher braucht es eine gewisse Zeit, bis sich die Symptome wieder beruhigt haben und der Ausgangsbefund wieder hergestellt ist.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Die medikamentöse Behandlung der COPD-Exazerbation kann einige Nebenwirkungen mit sich bringen. Die Behandlung mit Kortison-Tabletten, die zum Abschwellen der Bronchien beitragen, kann zu Hitzegefühl, Gewichtszunahme, unruhigem Schlaf und auch zu Wassereinlagerungen unter der Haut, vor allem im Gesicht, führen. Daher ist es wichtig, über diese Nebenwirkungen aufgeklärt zu sein. Die Antibiotikabehandlung kann manchmal zu Durchfall, Ausschlägen oder aber auch zu Unruhe und ebenso Schlaflosigkeit führen. Auch hier ist es wichtig, sich mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin bezüglich etwaiger Unverträglichkeiten oder bisheriger Verträglichkeit der Antibiotikatherapie zu erkunden. Die darüber hinaus im Rahmen einer akuten COPD-Exazerbation häufig eingesetzte Bedarfsmedikation mit inhalativen Präparaten, die eine Erweiterung der Bronchien betreffen, ist häufig auch als Notfallsprays tituliert. Diese können bei erhöhter Anwendung zu einer Pulssteigerung, zu leichtem Zittern und zu einer inneren Unruhe beitragen. Sie müssen entsprechend aufgeklärt sein und damit rechnen, dass diese Nebenwirkungen auftreten können. Dann müssen Sie auch keine Sorge haben, dass die Wirkung die Nebenwirkungen überwiegt und wissen, dass der Einsatz dieser Medikamente berechtigt ist.
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Dauer von Exazerbationen bei COPD
Kann ich beeinflussen, wie lange meine COPD-Exazerbation dauert und welche Vorteile hat ein frühes Eingreifen?
Als Betroffene können Sie selbst dazu beitragen, wie lange eine COPD-Exazerbation dauert. Das rechtzeitige Erkennen der Beschwerden und dieser akuten Krankheitsverschlechterung ist dabei entscheidend, ebenso wie die rechtzeitige Einnahme der Bedarfs- oder Notfallmedikation. Sollten die Beschwerden innerhalb der ersten 2 Tage durch selbständige Einnahme der Bedarfsmedikation – also den Sprays, die die Bronchien erweitern, gegebenenfalls Kortison-Tabletten und Antibiotika – zu keiner Besserung führen, ist rasche ärztliche Hilfe notwendig, um gegebenenfalls auch Medikamente in höherer Dosis zu verabreichen. Je früher Sie die Beschwerden erkennen – akute Atemnot, Verschlechterung von Husten und/oder Auswurf – desto eher sollte man mit der Behandlung beginnen. Das ist eines der wichtigsten Parameter dafür, ob die COPD-Exazerbation und die Beschwerden 5 bis 7 Tage, oder vielleicht 10 Tage und länger dauern. Daher denken Sie daran, bei Beschwerden rechtzeitig ärztliche Hilfe aufsuchen und die entsprechende Bedarfsmedikation anwenden. Das trägt wesentlich zur Dauer der COPD-Exazerbation bei.
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Krankenhausaufenthalte bei COPD-Exazerbationen
Wann muss man bei einer COPD-Exazerbation ins Krankenhaus?
Eine akute COPD-Exazerbation kann in den allermeisten Fällen durch die selbständige Einnahme der Bedarfsmedikation, oder durch die von Lungenfachärzt:innen oder der Hausärztin und dem Hausarzt verordneten Therapie – Kortison-Tabletten, Antibiotika und die Verwendung der sogenannten Notfallsprays – abgefangen werden. Sie müssen jedoch einige Warnzeichen bedenken, die dazu beitragen könnten, eine akute weitere Verschlechterung rechtzeitig zu erkennen, die womöglich auch einen Spitalsaufenthalt erfordert: Eine akute Verschlechterung der Atemnot trotz der Therapie, die über 2 oder 3 Tage hinausgeht, ist bereits ein Warnsignal; ebenso eine Verschlechterung der sogenannten Sauerstoffwerte durch selbstständig gemessene, pulsoxymetrische Untersuchungen. Wenn dieser Wert beispielsweise anhaltend unter 88% Sauerstoffsättigung beträgt, ist eine Sauerstofftherapie zuzüglich zur medikamentösen Behandlung erforderlich. Auch plötzlich einsetzende Schmerzen im Bereich des Brustkorbes oder Beschwerden, die nächtlich auftreten, mitunter auch zu einer Beeinträchtigung von Nahrungs- und/oder Flüssigkeitsaufnahme beitragen, sind alles Zeichen dafür, dass vielleicht eine zusätzliche Behandlung im Spital erforderlich ist. Auch Verwirrtheitszustände und eine Bewusstseinstrübung sind akute Warnzeichen. Denken Sie daran, gegebenenfalls rechtzeitig ärztliche Hilfe aufsuchen – den Ärztefunkdienst und oder die Rettung anzurufen, um hier rechtzeitig den Zustand abzuklären. Auch erhöhte Kohlendioxidwerte im Blut benötigen einer weiterführenden Behandlung, die lediglich im Krankenhaus erfolgen kann.
Welche Untersuchungen und Behandlungen erfolgen im Krankenhaus?
Sollte eine COPD-Exazerbation zu einem Spitalsaufenthalt führen, so muss man davon ausgehen, dass im Krankenhaus eine Reihe von weiteren Untersuchungen erforderlich sind. Zum einen wird hier zum Ausschluss von Infektionen eine Blutabnahme durchgeführt. Hier wird man auch Werte, die sich auf Niere, Leber und andere Organe beziehen kontrollieren, und es wird eine Herzuntersuchung so wie ein EKG und ein Lungenröntgen durchgeführt. Das EKG und auch Teile der Blutabnahme dienen dazu, eine etwaige Verschlechterung einer Herzpumpfunktion zu beurteilen, die für eine akute Verschlechterung der COPD mitverantwortlich sein kann. Im Lungenröntgen stellt man fest, ob womöglich eine Lungenentzündung verantwortlich ist für die Beschwerden. Auch andere Ursachen für akute Atemnot können dadurch entweder ein- oder ausgeschlossen werden. Nach einer Untersuchung im Spital, die in der Regel über eine zentrale Notaufnahme in den ersten 24 Stunden erfolgt, beginnt dann die Behandlung, die recht zeitnah erforderlich ist – auch schon beim Eintreffen im Krankenhaus, mit bronchienerweiternden Mitteln, gegebenenfalls Kortison , das über die Vene verabreicht wird, und/oder Antibiotika. Manche Betroffene benötigen zusätzlich eine Sauerstofftherapie und bei einer weiteren, akuten Verschlechterung wäre gegebenenfalls auch die Betreuung auf bzw. die Behandlung in einer Überwachungsstation oder Intensivstation notwendig. Seien Sie sich gewiss, dass im Krankenhaus die bestmögliche Therapie angeboten wird, um Ihnen rechtzeitig Abhilfe für die Beschwerden zu verschaffen.
Wie lange muss ich bei einer Exazerbation im Krankenhaus bleiben?
Die Dauer des Spitalsaufenthaltes im Rahmen einer COPD-Exazerbation hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen vom Schweregrad der COPD. Betroffene mit weit fortgeschrittener COPD benötigen in der Regel einige Tage länger als Betroffene mit leichter bzw. mittelschwerer COPD. In den meisten Fällen gelingt es jedoch ganz gut, innerhalb von 5 bis 7 Tagen durch die Therapie wieder eine Entlassung in die häusliche Pflege gewährleisten zu können. In manchen Fällen – wenn beispielsweise bakterielle Infektionen hinzukommen oder eine Verschlechterung anderer Begleiterkrankungen, wie eine Herzschwäche, eine Stoffwechsellage durch eine Entgleisung des Blutzuckers, beispielsweise bei Diabetes, oder sonstige Beschwerden auftreten – kann eine weiterführende und teils auch längere Behandlung über 10 Tage hinaus erforderlich sein. Das ist jedoch äußerst selten. Daher kann man im Regelfall mit einer Spitalsaufnahme zwischen 5 bis 7 Tagen durch die Behandlung rechnen, und in einzelnen Fällen natürlich darüber hinaus.
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Nachsorge und Erholung nach einer COPD-Exazerbation
Warum ist Nachsorge nach einer COPD-Exazerbation wichtig und wie kann ich die Genesung unterstützen?
Die Nachsorge der COPD-Exazerbation nach einer abgeschlossenen Behandlung beinhaltet mehrere Punkte. Zum einen ist es notwendig, die Regeltherapie wieder fortzusetzen – das heißt, die regelmäßige Fortführung der Inhalationstherapie. Darüber hinaus ist es wichtig – sollte man zu den Raucherinnen und Rauchern zählen – nicht wieder mit dem Rauchen anzufangen. Wir wissen, dass Rauchen eine akute Krankheitsverschlechterung neuerlich verschlechtern kann. Zur Nachsorge gehört jedoch auch eine ärztliche Kontrolluntersuchung in den ersten Wochen nach einer COPD-Exazerbation, teils bei Lungenfachärzt:innen für eine Lungenfunktionsprüfung der Sauerstoffwerte, und gegebenenfalls auch bei den betreuenden Hausärztinnen und Hausärzten für eine Blutabnahme, um sicherzustellen, ob etwaige erhöhte Entzündungszeichen auch wieder in den Normbereich gesunken sind. Die Nachsorge inkludiert in vielen Fällen jedoch auch eine Fortführung von atem-physiotherapeutischen Manövern. Jene Betroffene, die aufgrund einer schweren Exazerbation im Krankenhaus gewesen sind, erlernen in der Regel, wie sie durch Atemschule-Inhalationstechniken ihre Atemnot selbst lindern können. Das Fortführen dieser atemtherapeutischen Manöver trägt entscheidend dazu bei, sich in den ersten Wochen nach der COPD-Exazerbation wieder zu erholen und idealerweise auch bald einen Antrag für eine Rehabilitation zu stellen. Die Lungenrehabilitation sollte in der Regel innerhalb eines Jahres nach der ersten schweren Exazerbation durchgeführt werden, weil sie einen wesentlichen Schutz vor weiteren Exazerbationen darstellt.
Wie kann ich mit anhaltender Kurzatmigkeit oder Schwäche umgehen?
Nach einer COPD-Exazerbation kann es zu anhaltender Schwäche, Kurzatmigkeit und oder Husten kommen. In vielen Fällen muss man davon ausgehen, dass diese Beschwerden durchaus 6 bis 8 Wochen anhalten können. Sollte es jedoch über diesen Zeitraum hinaus zu keiner wesentlichen Besserung kommen, so ist eine weiterführende Abklärung bei den betreuenden Ärztinnen und Ärzten erforderlich. Manchmal können Begleiterkrankungen, beispielsweise eine Herzerkrankung, eine Rolle spielen. In vielen Fällen handelt es sich jedoch auch um eine allgemeine Schwäche: Muskelverlust, Muskelschwäche und die Notwendigkeit, hier durch rehabilitative Maßnahmen wieder an Leistung zu gewinnen. Eine entsprechende Lungenrehabilitation, die heutzutage sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt werden kann, kann wesentlich dazu beitragen, dass man sich von einer Exazerbation entsprechend erholt und stellt auch einen wesentlichen Schutz für zukünftige Exazerbationen dar.
Welche Rolle spielt die psychische Gesundheit nach einer Exazerbation?
Die COPD-Exazerbation kann wesentlich zu einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit aller Betroffenen beitragen. Akute Atemnot löst teils Todesängste aus. Auch die Verschlechterung der Leistungsfähigkeit trägt mitunter dazu bei, dass man sich eher sozial isoliert und nicht mehr so viel Teilhabe am aktiven Leben zeigt und auch die eingeschränkte Leistungsfähigkeit führt zu einer Einschränkung der Lebensqualität. Daher ist es besonders wichtig, nach einer Exazerbation und auch unabhängig von einer etwaigen Krankheitsverschlechterung eine gute psychologische bzw. psychiatrische Betreuung in Kauf zu nehmen. Viele Betroffene mit einer COPD leiden bedauerlicherweise auch an Depressionen. Hier kann eine Verhaltenstherapie, ein psychosoziales Unterstützungsangebot durch Psychologinnen und Psychologen bzw. auch eine medikamentöse Therapie entscheidend dazu beitragen, der psychischen Komponente, die auch zu einer Krankheitsverschlechterung beitragen kann, entgegenzuwirken. Nehmen Sie diese Möglichkeiten daher durchaus an. Das sollte kein Stigma sein, man sollte sich nicht davor scheuen. Psyche und Immunsystem, also sowohl Psyche als auch Lunge spielen wesentlich zusammen. Daher achten Sie ebenso auf diesen Aspekt der Erkrankung.
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Vermeiden von Exazerbationen bei COPD
Welche vorbeugenden Maßnahmen helfen, Exazerbationen zu vermeiden?
Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die Sie selbst dazu beitragen können, wie Sie sich vor zukünftigen Exazerbationen schützen können. Zum einen ist ein anhaltender Rauchstopp ganz wichtig, denn wenn Sie bis zur Exazerbation noch geraucht haben, so wissen wir, dass das Wiederbeginnen des Rauchens zu einer neuerlichen COPD-Exazerbation beitragen kann. Im Bedarfsfall können Sie hier auch ärztliche Hilfe und Beratungssysteme bzw. Beratungsangebote wahrnehmen, die Ihnen dabei helfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Zweitens bietet die regelmäßige Fortführung der inhalativen, medikamentösen Therapie einen guten Schutz vor weiteren Exazerbationen, auch wenn sie kein hundertprozentiger Garant ist. Ein wesentlicher weiterer Aspekt ist die Verabreichung und Durchführung von Schutzimpfungen. Es gibt eine Reihe von Atemwegsinfektionen, die zu einer Exazerbation beitragen können. Allen voran die Grippe, also Influenza , COVID-19, das RSV Virus, Keuchhusten und idealerweise haben Sie auch eine Impfung gegen die Lungenentzündung, also gegen Pneumokokken. All das sind Erreger, die wesentlich zu einer COPD-Exazerbation beitragen können. Zu guter Letzt ist es wichtig, regelmäßig körperlich aktiv zu sein, bzw. eine Lungenrehabilitation durchführen. Das ist eine wesentliche Säule, die auch dazu beitragen soll, durch eine gesteigerte Leistungsfähigkeit, einer Stärkung des Immunsystems und atemtherapeutischer Maßnahmen einen Schutz vor zukünftigen Exazerbationen zu bieten.
Welche Warnzeichen sollte ich ernst nehmen, um eine Exazerbation frühzeitig zu erkennen?
Es gibt eine Reihe von Warnzeichen, die dazu beitragen, wie sie selbst zu Hause eine Exazerbation wahrnehmen können. Zum einen ist der erhöhte Bedarf an Notfallsprays ein Marker dafür, dass sie sich in den letzten Tagen vielleicht schon etwas stärker geplagt haben mit Atemnot. Ebenso eine Verstärkung von Husten, eine Veränderung von Schleimmenge oder Schleimfarbe – also der Auswurf, der womöglich immer weißlich-gräulich ist und sich ins gelblich-grünliche oder bräunliche verändert. Auch selbst zu bemerken ist, wenn man kurzatmiger ist im Alltag, teils bei leichten Aktivitäten bzw. auch wenn bei schweren Aktivitäten die Kurzatmigkeit zuletzt zugenommen hat. Auch die Atemfrequenz, das plötzliche Hecheln oder eine Kurzatmigkeit beim Sprechen sind Warnzeichen einer drohenden COPD-Exazerbation, weshalb es notwendig ist, diese rechtzeitig zu erkennen, um auch rechtzeitig eine Therapie zuzuführen, damit die COPD-Exazerbation nicht so schlimm ist, nicht so lange verläuft und auch rechtzeitig wieder abgefangen werden kann.
Wie können regelmäßige Arztbesuche und Selbstkontrolle dabei helfen, Exazerbationen vorzubeugen?
Als Betroffener oder Betroffene mit COPD sollten Sie daran denken, regelmäßig ärztliche Kontrollen wahrzunehmen. Ihr betreuender Lungenfacharzt oder Ihre betreuende Lungenfachärztin kann Ihnen helfen, die Medikamente richtig einzustellen, die mitunter dazu beitragen, dass es zu einem niedrigeren Risiko für COPD-Exazerbationen kommt, ebenso wie bei der Beratung hinsichtlich einer Raucherentwöhnung. Die Verabreichung von Impfungen oder die Veranlassung einer Lungenrehabilitation tragen wesentlich dazu bei, einen Exazerbationsschutz für die Zukunft zu leisten. Darüber hinaus ist die regelmäßige Kontrolle von Lungenfunktionsuntersuchungen und auch anderer Parameter bei betreuenden Fachärzt:innen entscheidend, eine Verschlechterung rechtzeitig abzufangen, um Ihnen so lange wie möglich einen guten Schutz bei guter Leistungsfähigkeit und guter Lebensqualität sicherzustellen.
Hier geht es zum Video-Interview: „Vermeiden von Exazerbationen bei COPD“
Meine Nachricht an Sie
Ich möchte Ihnen 3 wesentliche Dinge mitgeben, wenn es um das Thema COPD-Exazerbationen geht. Zum einen: Die akute COPD-Exazerbation ist eine Krankheitsverschlechterung, die mit Kurzatmigkeit, Husten und/oder vermehrtem Auswurf einhergeht. Ein rechtzeitiges Erkennen dieser Beschwerden kann dazu beitragen, die Exazerbation auch rechtzeitig zu behandeln und daher die Dauer und den Schweregrad dieser akuten Krankheitsverschlechterung abzufangen. Der zweite Punkt: Durch moderne Behandlung der COPD-Exazerbation, sowohl im niedergelassenen Bereich, aber auch im Spitalsbereich gelingt es heutzutage, Dauer und Schweregrad der Exazerbation deutlich zu lindern und den Betroffenen durch diese Therapie im Alltag wieder rechtzeitig und früher mehr Lebensqualität zu ermöglichen und die Symptome zu lindern. Der dritte wesentliche Punkt ist, dass der Schutz vor weiteren Exazerbationen einerseits bei Ihnen selbst als Betroffene liegt, aber auch bei den betreuenden Ärztinnen und Ärzten, nämlich durch eine regelmäßige Medikamenteneinnahme, durch Schutzimpfungen, gegebenenfalls einer Raucherentwöhnungsberatung, aber auch durch regelmäßige Kontrollen, die sicherstellen sollen, dass ihre Lungenfunktionswerte stabil sind bzw. auch andere Parameter wie Begleiterkrankungen, die Herzfunktion und auch die psychische Gesundheit beachtet werden. All das trägt dazu bei, dass sie gut aufgefangen werden, sollte es zu einer Exazerbation kommen, bzw. dass solche erst gar nicht erst recht entstehen.
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