Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor für COPD. Bei regelmäßigem Konsum führt es zu einer fortschreitenden Schädigung des Lungengewebes. In dieser Schulung lernen Sie, welche Auswirkungen Tabakrauch, E-Zigaretten und andere Nikotinprodukte auf eine bestehende COPD haben und warum sich eine Raucherentwöhnung in jedem Stadium der Erkrankung lohnt. Sie erhalten praktische Tipps und alltagstaugliche Strategien, die Sie dabei unterstützen und langfristig motivieren können.
Einleitung durch
Mein Name ist Christopher Lambers. Ich leite die Abteilung Pneumologie bei den Elisabethinen in Linz. Ich bin Facharzt für Innere Medizin und Lungenheilkunde. Ziel dieser Onlineschulung ist es, Ihnen die positiven Aspekte der Raucherentwöhnung bzw. des Nikotinstopps bei COPD näherzubringen und Ihnen zu zeigen, welche Maßnahmen Sie ergreifen können, damit das positiv und erfolgreich umgesetzt werden kann.
Hier geht es zur Einleitung des Kurses: „Rauchen bei COPD“
Rauchen bei COPD
Welche Auswirkungen hat Rauchen auf die Lunge?
Rauchen löst eine Entzündungskaskade aus, die das Lungengewebe umbaut und auch die Atemwege verengt. Das führt zur Bronchialobstruktion, zur Verengung der Atemwege, zu Husten, vermehrtem Sekret und zu Dyspnoe-Symptomatik. Es kann aber auch COPD und Lungenkrebs auslösen.
Wie hängen COPD und Rauchen zusammen?
Rauchen ist eine der größten Risikofaktoren für die Entwicklung von COPD in Industrienationen. Es können aber auch andere Noxen eine Rolle spielen. Allerdings gibt es auch Nichtraucher, die eine COPD entwickeln können.
Welche Rolle spielt die Dauer und Intensität des Rauchens bei der Entstehung von COPD?
Es gibt keine klaren Grenzwerte, aber es ist natürlich klar: Je länger und je intensiver ich rauche, desto höher steigt das Risiko, dass ich eine COPD entwickle. Das heißt aber nicht automatisch, dass wenn ich weniger rauche, ich damit überhaupt kein Risiko hätte, eine COPD zu entwickeln.
Was passiert, wenn ich trotz COPD weiterrauche?
Wenn ich weiter rauche trotz COPD bedingt das natürlich, dass ich diese Entzündungsreaktionen in der Lunge nicht stoppe. Das bedeutet, ich kriege öfters Exazerbationen und habe natürlich ein erhöhtes Risiko. Wichtig wäre daher, zu jeder Zeit mit dem Rauchen aufzuhören.
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E-Zigaretten bei COPD
Welchen Einfluss haben E-Zigaretten auf die Entstehung und den Verlauf von COPD?
E-Zigaretten sind sehr kurz im Handel, sodass ein Langzeitbeurteilung für die COPD oder den Effekt auf die COPD noch nicht genau getroffen werden kann. Es gibt aber auch Berichte, dass E-Zigaretten einen schädlichen Einfluss auf die Lunge haben können.
Sind E-Zigaretten gesünder als normale Zigaretten?
Man sollte annehmen, dass dadurch, dass wir andere Verbrennungsmechanismen haben, die Belastung mit Schadstoffen generell niedriger ist und daher die Toxizität, also die Giftigkeit der Substanz, weniger ist. Allerdings wissen wir auch darüber zu wenig, um das auf lange Sicht beurteilen zu können, ob es wirklich eine Schadstoffminimierung bedeutet.
Sind alle E-Zigaretten gleich schädlich?
Das ist schwer beurteilbar, weil es natürlich von der Dauer, der Intensität, der Nutzung und natürlich auch den Liquids als solches abhängig ist. Allerdings ist zu sagen, dass alle Substanzen prinzipiell Schadstoffe enthalten können.
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Andere Nikotinprodukte bei COPD
Welche Auswirkungen hat Shisha rauchen auf die Entstehung und den Verlauf von COPD?
Shisha rauchen vermittelt auf der einen Seite ein Sicherheitsgefühl, weil es ein sehr langer Weg ist und gleichzeitig durch ein Wasserschloss führt, was natürlich vermittelt, dass es quasi gefiltert wird, was aber nicht der Fall ist. Die ganzen Schadstoffe werden ungehindert in die Lunge transferiert. Auf der anderen Seite kann dadurch auch Shisha rauchen genauso gut eine COPD auslösen, genauso wie COPD Exazerbationen vermitteln.
Wie wirkt sich der Umstieg von Zigaretten auf Nikotinbeutel auf COPD aus?
Es gibt keinen Evidence auf eine direkte Lungenschädigung durch Snus oder Tabakbeutel auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist Nikotin ein Nervengift und das hat direkte negative Wirkungen auf das kardiovaskuläre System, wie zum Beispiel Herzinfarkt oder Schlaganfälle.
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Passivrauchen bei COPD
Kann Passivrauchen COPD verursachen und wie schädlich ist es?
Passivrauchen oder Secondhand-Smoke bezeichnet die Schadstoffbelastung in der Luft, die durch Rauchen verursacht wird, die jeder Raucher oder Nichtraucher aufnehmen kann. Das bedeutet, dass Menschen, die nicht rauchen diese Schadstoffe direkt aufnehmen können und auch dort eine schwere Lungenerkrankung ausgelöst werden kann. Zum Beispiel auch Ehepaare, wo der eine Teil raucht und der andere nicht. Da kann der nichtrauchende Teil eine schwere Lungenerkrankung entwickeln.
Welche Auswirkungen hat Passivrauchen auf eine bestehende COPD-Erkrankung?
Wenn ich schon eine COPD habe und dann dazu auch noch dem Passivrauchen ausgesetzt bin, kann das natürlich auch zu Exazerbationen, einer Verschlechterung der Lungenfunktion, aber auch zu kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt oder ähnlichem führen. Auch kann Passivrauchen für Säuglinge oder Kleinkinder schwere Folgen und Nebenwirkungen haben, auch für das zukünftige Leben.
Welche Orte oder Situationen stellen ein erhöhtes Risiko für Passivrauchen dar und wie kann ich mich schützen?
Es fängt schon zu Hause damit an, dass ein Partner raucht, und dadurch das Risiko dramatisch erhöht, eine Lungenerkrankung zu bekommen. Das heißt, da wäre es zum Beispiel wichtig, dass der Partner sich zurückzieht und außerhalb der eigenen Häuslichkeit nur raucht. Eine andere Sache ist im Beruf. Da wäre es wichtig, dass man auch da Raucherzonen einrichtet oder das Rauchen am besten ganz unterbindet, damit eben einfach das Risiko oder die toxische Belastung nicht besteht. Der nächste Punkt wäre zum Beispiel auch, welche Vorbildfunktion habe ich an meiner Arbeitsstelle, zu Hause vor den Kindern oder am Spielplatz? Welche Vorbildfunktion möchte ich wahrnehmen? Möchte ich die Vorbildfunktion wahrnehmen eines Rauchers oder eben eines Nichtrauchers? Und ich glaube, da sind wir uns alle einig, dass es gerade wichtig ist, gerade unschuldige Menschen zu schützen.
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Auswirkungen eines Rauchstopps bei COPD
Zahlt es sich nach der Diagnose COPD noch aus, mit dem Rauchen aufzuhören?
Man könnte jetzt davon ausgehen, dass es egal ist, wenn ich eine COPD oder Lungenkrebs habe, dass es dann völlig wurscht ist, ob ich dann weiter rauche oder nicht. Aber genau das ist es nicht. Es ist ganz im Gegenteil ganz wichtig, dass ich zu jedem Zeitpunkt aufhören kann und dieses einen wirklichen Verbesserungseffekt auf meinen Krankheitsverlauf zeigt. Das heißt, egal wann ich die Diagnose habe, es lohnt sich immer mit dem Rauchen aufzuhören.
Was passiert nach einem Rauchstopp bei COPD im Körper und kann sich die Lunge dabei wieder regenerieren?
Grundsätzlich kommt es gerade bei dem Nikotinentzug zu einem starken Craving, das heißt zu Entzugssymptomen. Das heißt, mein Körper merkt es richtig und spürt es richtig, dass ich jetzt diese Substanz nicht mehr zu mir nehme. Das dauert ein paar Tage bis Wochen, bis man aus diesem Tal raus ist. Dann aber hat sich der Körper auch wiederum daran gewöhnt und ich brauche diese Substanz nicht mehr in meinem Körper. Das heißt, es ist wichtig an der Stelle diese Phase zu durchdringen, um dann einen anderen, einen zweiten Schritt zu gehen. Positiv zu vermerken ist, dass sich die Krankheitsprogression aufhalten lässt. Auf der anderen Seite wissen wir noch nicht genau, wie stark sich die Lunge davon wieder erholen kann, weil natürlich das auch von der Intensität des vorigen Rauchens und der Belastung durch Schadstoffe natürlich auch individuell gestalten kann.
Reicht es, wenn ich das Rauchen reduziere?
Ein bisschen Rauchen ist wie ein bisschen schwanger. Das gibt es nicht. Das heißt, wenn ich mich für einen Weg entscheide, dann kann nur der richtige einzige Weg sein – ich höre ganz auf mit dem Rauchen. Und da möchten wir Sie gerne begleiten, dass wir auf diesen Weg kommen.
Wie schnell spüre ich nach einem Rauchstopp eine Verbesserung meiner Symptome bei COPD?
Ein Rauchstopp hat sehr positive Auswirkungen auf die Lunge, aber auch auf den gesamten Organismus. Sie spüren nach ungefähr drei Monaten eine signifikante Verbesserung der Dyspnoe, des Hustens, aber auch der Lungenfunktion. Das kann man auch nachweisen. Nach sechs Monaten haben Sie ein deutlich verringertes kardiovaskuläres Risiko. Also sprich ein Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Das heißt, ein Rauchstopp zahlt sich immer aus.
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Entwöhnung von Nikotin
Was kann mir dabei helfen, das Rauchen aufzugeben?
Wichtig ist, zuerst einmal herauszufinden, wann muss ich überhaupt rauchen. Wann brauche ich eigentlich eine Zigarette? Wenn ich das weiß, kann ich gezielt Hilfe suchen. Hilfe suchen sollte sein, Sie wenden sich an Ihren Arzt oder Ihre Ärztin oder an Fachpersonal. Es gibt aber auch die Möglichkeit, über das Rauchfrei Telefon, Hilfe zu holen. Telefonisch. Kostenlos. Ein ganz wichtiger Punkt dabei ist, der Rauchstopp sollte nicht alleine erfolgen. Sie sollten sich immer Unterstützung holen und diesen Weg nicht alleine gehen. Weil es ist natürlich so, dass schon viele von uns schon angefangen haben mit einer Nikotinkarenz, trotzdem aber immer wieder angefangen haben. Und das steigert natürlich umso mehr das Frustrationspotenzial. Deshalb suchen Sie sich Hilfe und Unterstützung in Ihrem Bekanntenkreis, aber auch medizinische Hilfe.
Wie funktioniert eine Nikotinersatztherapie und welche Vor- und Nachteile bringt sie?
Eine Nikotinersatztherapie im eigentlichen Sinn ist eigentlich das, was man beim Apotheker bekommen kann. Also klar definierte Substanzen. Entweder Pflaster, Lutscher, Kaugummis und viele andere Substanzen auch, die ich bekommen kann, wo ich genau weiß, was da drinsteckt. Was eine Nikotinersatztherapie definitiv nicht ist, sind Snus oder andere Sachen, wo ich überhaupt keine Ahnung habe, was genau die Konzentration in diesen Beuteln oder was auch immer ist. Deshalb ist es wichtig, eine Nikotinersatztherapie kann auch nur einen Weg darstellen aus dem Rauchen heraus und aus dem Nikotin heraus. Es ist nicht eine Dauerlösung und auch nicht als solche gedacht. Daher möchte ich noch mal darauf verweisen. Es ist wichtig, dass wir diesen Weg dann auch zusammen gehen.
Welche gesunden Alternativen gibt es zu Nikotin?
Nikotin ist ein Nervengift. Dementsprechend gibt es zu einem Nervengift keine Alternativen. Was aber eine Möglichkeit ist, sind Achtsamkeit, Awareness zu steigern, von einer Sucht nicht auf die andere umzuswitchen. Zum Beispiel wissen wir aus verschiedenen Daten, dass manche Menschen, nachdem sie mit dem Rauchen aufgehört haben, vermehrt Alkohol trinken. Das sollten wir auch vermeiden. Wir sollten nicht eine Abhängigkeit in eine andere umswitchen. Was kann ich am besten anschließend machen? Das wäre Bewegung, Sport, Ernährung, Achtsamkeit auf das Umfeld.
Hier geht es zum Video-Interview: „Entwöhnung von Nikotin“
Langfristig ohne Zigarette leben
Was kann mir im Alltag helfen, der Versuchung nach Rauchen zu widerstehen?
Hier ist es wichtig, auf die Umgebung zu achten. Natürlich ist es wichtig, wenn Sie einen Partner haben, der raucht, und Sie wollen generell aufhören, dass er mit Ihnen aufhört. Gemeinschaftlich werden Sie es schaffen oder leichter schaffen, als wenn Sie nur alleine sind. Auch mit Kollegen, Mitarbeitern zu sprechen, auch auf das Rauchen zu verzichten, Einrichtungen dahingehend zu ändern, dass man sagt, okay, wir machen rauchfreie Zonen, das wären alles Sachen, die Ihnen helfen können, in Zukunft auch auf das Rauchen prohibitiv zu verzichten. Unsere Aufgabe ist aber auch weiterhin die Prävention und natürlich auch die Nikotinrestriktion. Wir müssen weiter zusammen daran arbeiten, dass eine rauchfreie Gesellschaft möglich werden kann.
Wie kann ich Stress abbauen, ohne zu Nikotin zu greifen?
Wir empfehlen, viel Sport zu treiben, Bewegung, mit dem Hund rausgehen, Gassi gehen, Freunde besuchen, aber auch auf die Ernährung achten, die Ernährung umstellen. Aber auch natürlich in der Freizeit mit Freund:innen einfach in einer nikotinfreien Umgebung sein, in einer rauchfreien Umgebung, sich zu treffen und gemeinschaftliche Unternehmungen zu machen.
Was hilft langfristig auf Zigaretten zu verzichten und wie kann ich mich für erreichte Ziele belohnen?
Wenn Sie anfangen, für jede Zigarettenpackung, die Sie eingespart haben, die Sie nicht mehr geraucht haben, das Geld in eine Sparbüchse zu stecken, können Sie garantiert innerhalb kürzester Zeit einen Urlaub finanzieren. Damit könnten Sie sich auch belohnen, das heißt, Sie hätten sich positiv emotional belohnt für die Leistung, die Sie erbracht haben. Und nochmal, ich würde Ihnen ganz herzlich dazu gratulieren, wenn Sie dafür eine Möglichkeit hätten.
Was kann ich tun, wenn ich einen Rückfall hatte?
Wenn Sie einen Rückfall haben, ist es wichtig, das anzunehmen. Es kann passieren. Das ist auch ganz normal, dass sowas ab und zu mal passieren kann. Wichtig ist, dass Sie dann das mit Freunden, mit Ihrem Umfeld besprechen, aber auch mit Ihrem Arzt, mit Ihrer Ärztin besprechen und auch analysieren, warum hat das stattgefunden und wie kann ich es in Zukunft verhindern? Dann können Sie die Rückfallquote noch weiter reduzieren und vielleicht am Ende dann auch ganz aufhören.
Hier geht es zum Video-Interview: „Langfristig ohne Zigaretten leben“
Meine Nachricht an Sie
Rauchstopp bei COPD bringt Ihnen auf jeden Fall zu jeder Zeit etwas. Es verbessert die Lungenfunktion, es verbessert die Dyspnoe-Symptomatik, die Luftnot, es verbessert den Husten, den Auswurf und letztendlich verbessert es auf jeden Fall die Lebensqualität.
Hier geht es zum Video: „Meine Nachricht an Sie“