7. Biomarker bei Eierstockkrebs – Alle Fragen

In dieser Schulung erfahren Sie, wie Biomarker bei Eierstockkrebs helfen, Diagnose, Therapie und Nachsorge besser zu gestalten. Sie lernen, welche Rolle genetische Biomarker wie BRCA1, BRCA2 und HRD sowie Tumormarker wie CA125 und HE4 spielen, und wie diese Werte die Wahl der passenden Behandlung beeinflussen können.

Die Schulung beantwortet unter anderem Fragen wie:

  • Was sind Biomarker und welche Rolle spielen Sie bei Eierstockkrebs?
  • Wie können Biomarker zeigen, welche Therapie zu mir passt?
  • Wie kann ich sicherstellen, dass Biomarker bei meiner Therapieplanung berücksichtigt werden?

Ziel der Schulung ist es, dass Sie Ihre Behandlung aktiv mitgestalten, Fragen gezielt stellen und gut informiert Entscheidungen gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam treffen können.

Einleitung durch Prof. Dr. med. Dr. h.c. Alexander Mustea

Ich bin Alexander Mustea. Ich bin Direktor der Klinik für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie der Universitätsmedizin Bonn. Meine Fachrichtung ist Gynäkologie, Schwerpunkt Gynäkologische Onkologie, und ich möchte mit Ihnen heute über die Biomarker beim Ovarialkarzinom sprechen und auch über die personalisierte Therapie.

Hier geht es zur Einleitung des Kurses: „Biomarker bei Eierstockkrebs“

Biomarker bei Eierstockkrebs verstehen

Was sind Biomarker?

Also Biomarker oder biologische Biomarker sind Merkmale, die uns helfen, zum Beispiel über eine Krankheit mehr zu wissen, diese besser zu verstehen und auch Verläufe von dieser Krankheit zu verstehen. Es gibt verschiedene Biomarker. Das kann ein Eiweiß im Blut sein, das kann ein Laborwert sein. Das kann auch ein bildgebendes Verfahren sein, zum Beispiel ein CT oder MRT , das uns zeigt, wie der Verlauf von dieser Krankheit ist. Beim Ovarialkarzinom nehmen die genetische Biomarker in letzter Zeit eine große Rolle ein, um die Krankheit nicht nur zu verstehen, sondern auch, dass man Präzisionsmedizin betreibt. Das heißt, dass man auch das Ansprechen auf eine Therapie vorhersagen kann und auch bestimmte Medikamente verschreiben kann für die Patienten mit Eierstockkrebs

Welche Biomarker spielen bei Eierstockkrebs eine Rolle?

Bei Eierstockkrebs gibt es verschiedene Biomarker, zum Beispiel ein Eiweiß im Blut, CA125. Dieses Eiweiß wird von Tumorzellen produziert, wird dann ins Blut geschüttet und man kann das im Labor bestimmen. Dieser Biomarker wird nicht von jeder Tumorzelle produziert, deswegen muss man das immer vorsichtig betrachten, aber es hilft uns auch, diese Krankheit zu verstehen, Verläufe von dem Therapieerfolg, und auch in der Nachsorge kann man diese Tumormarker bestimmen. Es gibt beim Eierstockkrebs auch genetische Biomarker, zum Beispiel die Mutationen im BRCA1 und BRCA2 Gen. Und in der letzten Zeit wurde das in mehreren Studien untersucht, damit wir diese Biomarker und die Krankheit verstehen. Dann können wir bestimmte Medikamente auswählen, die bei den Patienten wirken, die eine BRCA2 oder 1 Mutation haben.

Warum sind Biomarker wichtig für die Behandlung bei Eierstockkrebs?

Eine BRCA1 und 2 und HRD-Testung ist ein Bestandteil bei der Therapie von Patienten mit Ovarialkarzinom. Diese zwei Gene. Wir wissen, Patienten, die dort Mutationen haben, neigen zu circa 50 bis 70% dazu, dass sie irgendwann einen Eierstockkrebs oder einen Brustkrebs entwickeln. Deswegen bestimmen wir diese Gene bei den Patienten, die schon einen Eierstockkrebs haben, 100%ig. Außerdem haben wir neue Medikamente für die Erhaltungstherapie . Die werden bei diesen Patienten mit der Mutation eingesetzt. Außerdem können wir auch die Familien von diesen Patienten beraten. Falls eine Mutation bei den Patienten da ist, dann könnte es sein, dass die Familienmitglieder auch eine Mutation und damit ein erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs oder ein Mammakarzinom haben.

Hier geht es zum Video-Interview: „Biomarker bei Eierstockkrebs verstehen“

Genetische Marker im Körper

Welche Rolle spielen die Gene BRCA1 oder BRCA2 und die HRD-Testung bei Eierstockkrebs?

Also wir wissen jetzt, dass Eierstockkrebs zu circa 25-30 % genetisch bedingt ist und wir haben aus verschiedenen Studien auch erfahren, dass viele Patienten Mutationen in dem BRCA1 und 2 Gen, und HRD-Mutationen haben, und diese Gene spielen eine Rolle in die Reparatur von Tumorzellen. Während der Replikation oder während der Multiplizierung von Tumorzellen entstehen kleine Fehler in der DNA und es gibt Enzyme, die diese Fehler reparieren. Und die beiden Gene BRCA1 und BRCA2, die sind zuständig für diese Reparatur. Das heißt, wenn eine Mutation entsteht, dann könnte man mit bestimmten Medikamenten diese Enzyme blocken und damit wird der Effekt von der Chemotherapie und von den PAPR-Inhibitoren noch höher. Und damit töten wir die Tumorzellen. Außerdem bieten wir bei den Patienten, die eine Mutation im BRCA1 oder 2 Gen haben, auch eine genetische Beratung an, um einzuschätzen, ob es ein erhöhtes Risiko für ein Mammakarzinom gibt. Und wenn das wirklich so ist, dann bieten wir auch eine genetische Beratung für die Familienmitglieder an, um auszuschließen, dass die auch eine Mutation im BRCA1 oder 2 Gen haben und zur Entwicklung anderer Tumore neigen. Wenn wir Fälle haben, wo BRCA1 und BRCA2 negativ im Blut sind, dann werden wir eine HRD-Testung in Tumorzellen machen, und damit können wir sehen, ob die Tumorzellen ähnliche Mutationen haben wie ein BRCA1 und BRCA2 Gen. Damit wissen wir auch, dass die Ansprechrate sehr hoch wird, wenn wir PARP-Inhibitoren nutzen, mit dem gleichen Synergismus oder mit dem gleichem Effekt wie bei den Patienten, die BRCA1 und BRCA2 im Blut haben.

Wer sollte einen Gentest machen und wie läuft dieser ab?

Also, wir bestimmen bei allen Patienten mit Eierstockkrebs das BRCA1 und BRCA2 Gen. Wir nennen das Fast Track. Wir bestimmen das im Blut bzw. machen das die Genetiker. Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem Institut für Humangenetik, wo wir die Patienten hinschicken. Dort wird Blut abgenommen und dann werden diese Mutationen getestet. Aufgrund dieser Mutation, also wenn die Patientin positiv ist, dann hat die Patienten das Recht auf eine genetische Beratung, auch in der speziellen Sprechstunde im Institut für Humangenetik. Die Patientin wird aufgeklärt: Wie hoch ist zum Beispiel das Risiko, in Zukunft einen Brustkrebs zu bekommen? Und sie wird auch aufgeklärt, dass diese Mutationen auch bei Familienmitgliedern vorhanden sein könnten. Und dann kann man die Patienten aufklären, ob sie das Familienmitgliedern mitteilt und ob die Familienmitglieder auch Recht auf diese genetische Beratung haben. Es gibt spezielle Kriterien, wo die Genetiker das untersuchen und dann beraten und gegebenenfalls eine Blutuntersuchung für die BRCA1 und 2 Mutationen durchführen.

Wie verlässlich ist das Ergebnis eines Gentests?

Also dieser Gentest, BRCA1 und 2, ist sehr verlässlich und das zeigt uns neue Therapiemöglichkeiten bei diesen Patienten. Außerdem wissen wir, wie hoch das Risiko ist, dass die Patientin ein zweites Karzinom , zum Beispiel Brustkrebs, entwickelt. Das heißt nicht unbedingt, dass die Patienten das bekommt. Das Risiko ist circa 50 bis 70%, dass dieses zweite Brustkrebskarzinom bekommt. Das Gleiche bezieht sich auch auf die Familienmitglieder: Wenn eine Patientin eine Mutation hat, heißt das nicht unbedingt, dass die Familienmitglieder auch Eierstockkrebs bekommen. Und diese Abklärung, dass ist es eine Sache, was man sich in dieser genetischen Sprechstunde als Ziel setzen sollte, und dass man ein Beratungsgespräch dort bekommt.

Hier geht es zum Video-Interview: „Genetische Marker im Körper“

Tumormarker im Blut

Was zeigen die Tumormarker CA125 und HE4 genau an und wo liegen ihre Grenzen?

Beim Ovarialkarzinom haben wir noch zwei Tumormarker, CA125 und HE4, das sind Eiweiße im Blut. Und normalerweise – aber nicht 100%ig – ist bei Patienten mit Eierstockkrebs dieses Eiweiß erhöht. Leider ist es nicht 100%ig so, deswegen gibt es auch kein Screening beim Ovarialkarzinom. Dieses Eiweiß kann zum Beispiel auch bei einer schwangeren Frau hoch sein, die keinen Krebs hat, oder bei einer Patientin, die zurzeit eine Lungenentzündung hat oder eine Entzündung in einem anderen Organ. Dann geht der Eiweißwert nach oben, CA125. Aber das heißt nicht, dass sie unbedingt Eierstockkrebs hat. Damit möchte ich sagen, dass es keine 100%ige Sensibilität und Spezifizität für diese Krankheit ist. Wir nutzen CA125 und HE4 nur beim Verdacht auf Ovarialkarzinom oder dass man diese Krankheit oder Verläufe oder auch das Ansprechen auf die Chemotherapie besser zu verstehen. Der CA125 Wert ist nicht so hoch, aber wenn man dazu noch den HE4 Wert nimmt und den sogenannten Roma-Score bildet, wo außerdem auch das Alter der Patienten oder der Menopause Status berücksichtigt wird, dann kommt durch diese Formel ein prozentueller Satz raus. Und damit können wir sagen, wie hoch ist das Risiko bei den Patienten für einen Eierstockkrebs ist. Diese Kombination oder dieser Roma-Score ist nicht für die gesamte Population geeignet, das heißt, für das Screening. Es ist zum Beispiel nur bei einem Patienten geeignet, wo ich im Ultraschall einen Ovarialbefund sehe, freie Flüssigkeit, und dann kann ich diesen Roma-Score machen und das wird uns auch zeigen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es wirklich ein Eierstockkrebs ist. Außerdem, das könnte man nutzen, haben wir auch Studien, wo wir im Rahmen der Studien schauen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass dieser Roma-Score uns zeigt, dass diese Krankheit wieder da ist, als Rezidiv , und ob wir eine Behandlung brauchen.

Was bedeutet ein Anstieg von Tumormarkern bei Eierstockkrebs?

Also, wenn man einen Anstieg von CA125 während Therapie oder nach der Therapie in der Nachsorge hat, bedeutet das nicht unbedingt, dass diese Krankheit wieder da ist oder dass das ein Rückfall ist. Der Anstieg vom Biomarker CA125 oder Schwankungen können auch sein, wenn man ein bisschen erkältet ist, eine Entzündung oder Durchfall hat, dann geht das nach oben. Wenn man wieder gesund ist, geht das nach unten. Deswegen muss man sich nicht unbedingt Sorgen machen, wenn das ein bisschen gestiegen ist. Und außerdem haben wir als Gynäkologen so Empfehlungen, zum Beispiel die Kriterien, wo man schaut und sagt: „Okay, hier ist wirklich ein Anstieg von CA125. Dieser Anstieg muss eine Verdoppelung von dem Normalwert sein und man muss das kontrollieren, zweimal. Das heißt, ich habe jetzt einen Anstieg. Ich mache noch eine Blutuntersuchung in circa 14 Tagen, und wenn das wirklich hoch bleibt oder noch höher geht, dann könnte man denken, dass es wirklich ein CA125 Tumormarker Anstieg ist. Das heißt nicht, dass ich jetzt unbedingt eine Therapie empfehlen werde, nur weil der Tumormarker CA125 angestiegen ist. In dem Fall werden wir versuchen, ein bildgebendes Verfahren zu machen, zum Beispiel ein CT Thorax Abdomen, wo wir Peritonealkarzinose oder Anderes entdecken können und damit erklären, warum CA125 angestiegen ist. Allein ein CA125 Tumormarker Anstieg reicht für mich nicht für eine Therapie oder für eine Umstellung auf eine neue Therapie. Auch in der Tumornachsorge. Ein alleiniger Anstieg des Tumormarkers bedeutet keinen Rückfall. Und wir empfehlen auch nicht unbedingt, CA125 in der Nachsorge regelmäßig zu kontrollieren – es sei denn, dass die Patienten das unbedingt möchten. Dann werden wir das machen. Es gibt auch sehr gute Daten mit circa 500 Patienten, die in zwei Gruppen untersucht wurden. In einer Gruppe wurde in der Nachsorge CA125 bestimmt, in der anderen Gruppe wurde CA125 nicht bestimmt. Die Therapie wurde in der ersten Gruppe ab dem Moment gegeben, wo der Wert angestiegen ist und in der zweiten Gruppe nur, wenn es symptomatisch war oder man in bildgebenden morphologischen CTs was sehen konnte. Am Ende gab es keinen Vorteil im Gesamtüberleben, aber in der ersten Gruppe, wo die Therapie früher gegeben wurde, wo ein Anstieg von CA125 war, da hatten die Patienten eine schlechtere Lebensqualität und haben mehr Chemotherapie und mehr Nebenwirkungen bekommen. Deswegen ist ein Anstieg von CA125 kein starker prognostischer Marker und hat nicht so eine große Relevanz. Nur eine Kombination von CA125, einem Anstieg klinischer Symptome oder einem CT bzw. bildgebenden Verfahren, das hat für mich eine Relevanz bezüglich der Entscheidung für die Therapie.

Wie kann man Tumormarker messen und wie oft sollten diese kontrolliert werden?

Also während der Therapie gibt es bei CA125 keine genaue Empfehlung, wie oft man das macht und wie man das bestimmt. Also bei uns sind meistens Patienten im Rahmen von klinischen Studien mit neuen Medikamenten in Behandlung und da gibt es genaue Regime, wann man CA125 bestimmt, zum Beispiel vor jedem Zyklus, alle drei Wochen oder alle drei Monate. Wenn man eine normale Therapie macht, könnte man CA125 auch bei dem Beginn der Therapie bestimmen, nach drei Zyklen bestimmen und dann anschließend nach sechs Zyklen. Die Bestimmung läuft mit normaler Blutentnahme. Wenn man zur Chemotherapie kommt, wird sowieso Blut abgenommen. Dann könnte man da auch CA125 ankreuzen und mitbestimmen. Wir machen es so, dass wir die Patienten immer über diese Werte informieren und dass wir transparent sind und dass die Patienten wissen, wo sie stehen.

Hier geht es zum Video-Interview: „Tumormarker im Blut“

Biomarker und Therapieentscheidung

Wie können Biomarker zeigen, welche Behandlung bei Eierstockkrebs zu mir passt?

Also zum Beispiel durch die genetische Biomarker haben wir jetzt ein sehr gutes Tool, um zu verstehen, welche Therapie für welche Patienten geeignet ist. Und wir machen eine so genannte individualisierte Therapie. Durch diese genetischen Biomarker wie BRCA 1 und 2, wenn diese mutiert sind oder positiv, dann haben wir mehrere Medikamente, die dafür geeignet sind, bei den Patienten eine Erhaltungstherapie durchzuführen. Und während diese Erhaltungstherapie empfehlen wir auch die Testung vom Eiweiß CA125 im Blut, um damit zu sehen, ob diese Therapie, diese Erhaltungstherapie mit PARP-Inhibitoren wirkt. Und wir wollen, dass wir diese Therapie nicht zu lange geben, dass wir nicht so viele Nebenwirkungen haben. Deswegen bestimmen wir regelmäßig, alle drei Monate, CA125. Wenn dieser Wert normal ist oder nicht steigt, dann wird die Erhaltungstherapie weiter durchgeführt, wenn dieser Wert während der Erhaltungstherapie steigt, dann werden wir ein CT Thorax Abdomen machen, einen Ultraschall, um zu schauen, ob wirklich irgendwo ein Progress ist oder ein Rezidiv, ein Rückfall von Eierstockkrebs.

Wie gut können Biomarker vorhersagen, ob eine Therapie bei Eierstockkrebs wirkt?

Beim Eierstockkrebs, das ist bekannt, ist die platinhaltige Therapie die Haupttherapie nach der Operation. Und es gibt Tumore, die sprechen an auf die platinhaltige Therapie. Das heißt, der Tumor wird kleiner und wächst nicht. Und es gibt Tumore, die sehr aggressiv sind und trotz der Therapie mit Carboplatin wachsen, sogenannte platinresistente Ovarialkarzinome. Es gibt bis jetzt leider keinen Test, der eine Vorhersage machen kann, ob das ein platinresistenter Patient mit Ovarialkarzinom ist. Dann geben wir kein Platinum, wir werden andere Medikamente geben. Wir versuchen jetzt auch im Rahmen der Studien neue genetische oder neue Biomarker zu finden, die uns eine Vorhersage zeigen können. Bis jetzt nutzen wir nur CA125. Man könnte das im Verlauf nutzen, während Therapie und nach der Operation. Wenn der Wert gesunken ist und während Therapie unten bleibt oder tiefer wird, könnte man ihn theoretisch als Surrogate Marker nutzen und schauen, ob man auf die Chemotherapie anspricht oder nicht. Wenn dieser Tumormarker während der Therapie steigt und sich verdoppelt, trotz Chemotherapie mit Carboplatin, dann ist die Patientin oder der Tumor wahrscheinlich platinresistent und dann werden wir diesen Tumor weiter dokumentieren, mit einem CT Thorax Abdomen, um zu schauen, ob da ein Progress ist. Und dann werden wir die Therapie entweder abbrechen oder wir werden ein anderes Medikament dazu geben. Es sind alles Daten, die retrospektiv und aus verschiedenen Studien sind, aber es gibt keine sichere Studie, die gezeigt hat, dass CA125 wirklich ein sehr starker Tumormarker ist, der eine Vorhersage für den Erfolg der Therapie ist.

Wie hängen Biomarker mit der Entscheidung für eine Erhaltungstherapie zusammen?

Also meiner Meinung nach, oder meine Philosophie ist, dass Ovarialkarzinome in spezialisierten Zentren behandelt werden sollen, besonders in NRW. Hier bei uns gibt es bestimmte Zentren, die sich mit Ovarialkarzinomen beschäftigen und bei uns, in diese Zentren, werden diese genetische Biomarker, zum Beispiel BRCA1 und BRCA1 und HRD, bei allen Patienten getestet. Wahrscheinlich wird in anderen Häusern oder in andere Praxen, wo das Ovarialkarzinom eine seltene Krankheit ist, wo es vielleicht nur 5 bis 15 Patienten pro Jahr gibt, da wird das nicht getestet oder man vergisst das einfach und die Patienten verpassen vielleicht diese Möglichkeit, eine individualisierte Therapie oder eine Erhaltungstherapie zu bekommen. Deswegen ist diese Zentralisierung in Tumorzentren sehr wichtig, dass wir die Qualität in der Behandlung von Patienten mit Ovarialkarzinom nach vorne bringen und verbessern. Und damit werden unsere Patienten mit Ovarialkarzinom nur profitieren. Wir testen BRCA 1 und BRCA2 und HRD und wir wissen, wenn diese Mutation da ist, dann werden die Patienten ansprechen auf die PARP-Inhibitoren und wir werden unbedingt eine Erhaltungstherapie bei diesen Patienten vorschlagen und durchführen. Wenn die Mutation BRCA1 und BRCA2 oder der HRD-Test positiv sind, werden wir das unbedingt empfehlen.

Hier geht es zum Video-Interview: „Biomarker und Therapieentscheidung“

Biomarker im Arztgespräch

Wie bekomme ich im Arztgespräch alle Informationen zu meinen Biomarkern?

Wenn man zum Arztgespräch geht, ist es sehr wichtig, dass man sich vorbereitet und sich Gedanken macht, was ich frage, wie ich mich verhalte und mit welcher Information ich nach Hause gehen möchte. Ich empfehle Patienten mit Eierstockkrebs immer, dass sie nicht alleine zum Gespräch kommen, dass sie einen Partner mitbringen, eine Freundin mitbringen. Und wenn ich sehe, dass die Patienten allein in meine Sprechstunde kommen, frage ich immer: Ist jemand im Auto? Wartet jemand? Vielleicht kommt wer dazu. Warum ist das so wichtig? Wenn man aufgeregt ist und man zu diesem Gespräch kommt, dann vergisst man viele Sachen. Zweitens: Man versteht nicht genau, was ich sagen möchte. Aber wenn eine Person daneben sitzt, dann ist die Wahrnehmung ganz anders. Und dann abends, wenn man nach Hause geht oder am nächsten Tag, wenn man aufwacht, dann könnte man das noch mal diskutieren und die Gedanken austauschen, mit der Begleitperson. Was würde ich empfehlen, wenn man zum Erstgespräch geht? Am besten machen Sie sich eine Liste von allen Fragen, die Sie im Kopf haben. Zum Beispiel: Was habe ich genau für eine Krankheit? Was für ein Stadium ist das? Ist das schon gestreut? Warum ist das bei mir entstanden? Was für eine Therapie empfehlen Sie mir? Welche Alternative habe ich? Soll ich überhaupt eine Therapie bekommen? Wenn Sie schon wissen, dass eine Therapieform für Sie vorgesehen ist, dann muss man sich erst Mal Gedanken machen: Was für eine Therapie möchten Sie selbst haben? Möchten Sie eine Therapie sofort anfangen? Oder möchten Sie vielleicht noch ein paar Wochen Urlaub machen und später anfangen? Möchten Sie eine Therapie, die aggressiv ist und diese Zeit ohne Krebs vielleicht ein bisschen verlängert? Oder möchten Sie lieber eine bessere Lebensqualität haben und eine milde Therapie mit weniger Nebenwirkungen, und damit besser leben? Das muss man schon im Vorfeld klären. Jede Chemotherapie, jede Erhaltungstherapie hat Nebenwirkungen. Das heißt nicht unbedingt, dass sie bei jedem Patienten da sind. Die sind alle unterschiedlich, Aber jeder Patient bekommt von der Therapie Nebenwirkungen. Wir wollen das vermeiden. Wir wollen die Lebensqualität besser zu machen. Dann ist es auch wichtig, nach der Therapie, wie man sich verhält und wie man die Nachsorge macht. Und da sollten Sie auch mit Ihrem Arzt besprechen: Was bedeutet Nachsorge? Welche Ziele hat diese Nachsorge für mich? Für mich ist eine Nachsorge nicht nur ein Treffen alle drei Monate in den ersten drei Jahren, und nach drei Jahren alle sechs Monate, und nach fünf Jahren einmal im Jahr. Für mich ist es ein Gespräch. Man schaut nicht nur, ob der Tumor da ist, ob der Ultraschall in Ordnung ist und die Blutwerte in Ordnung sind. Das ist eine Möglichkeit, auch über die Nebenwirkungen von der Chemotherapie und der Erhaltungstherapie zu sprechen. Es ist eine Möglichkeit, auch über die Verbesserung der Lebensqualität zu sprechen, über die Sexualität zu sprechen. Es geht aber auch über alle anderen Veränderungen, die Frauen auch ohne Chemotherapie erfahren. Besonders Frauen, die in die Menopause gehen. Und wir als Gynäkologen können Sie während dieser Sprechstunde beraten.

Wie kann ich sicherstellen, dass Biomarker bei meiner Therapieplanung berücksichtigt werden?

Also ich würde empfehlen, auf jeden Fall beim Arztgespräch nachzufragen, ob eine BRCA1 und 2 Testung durchgeführt wurde. Wenn da keine Mutation ist, dann fragen Sie aktiv nach der HRD-Testung im Tumorgewebe. Damit sind Sie sicher, dass die Entscheidung für die Erhaltungstherapie richtig getroffen wurde. Außerdem fragen Sie: Wie ist das mit CA125 während der Erhaltungstherapie oder in der Nachsorge? Sie sollten gemeinsam mit dem Arzt entscheiden, ob Sie das bestimmen möchten oder nicht. Besonders die Nachsorge ist auch wichtig. Fragen Sie bitte: Wie oft soll ich ein CT Thorax Abdomen machen, ist das überhaupt notwendig? Das ist auch ein Biomarker, wo man den Tumor in Centimetern messen oder einen Rückfall sehen kann, und das stärkt auch die Kombination zwischen CA125 und einem CT Thorax Abdomen.

Wie treffe ich zusammen mit meinem Behandlungsteam eine Therapieentscheidung?

Bei der Therapieentscheidung ist es sehr wichtig, dass Sie alle Fragen beantwortet bekommen, alle Gedanken klar sind und Sie wissen, was Sie möchten. Dann können Sie auch Ihre Meinung sagen, was für eine Therapie Sie möchten, und der Arzt sagt, was er für eine Therapie empfiehlt. Und ich empfehle immer ein Decision Sharing bei der Therapieentscheidung, dass die beiden Parteien genauso beteiligt und alle Wünsche berücksichtigt sind. Zum Beispiel: Ich möchte jetzt die Therapie nicht so aggressiv haben, weniger Nebenwirkungen, eine bessere Lebensqualität. Und in diesem Gespräch müssen Sie nicht emotional sein, aber sehr komfortabel. Dass Sie mit der Entscheidung klarkommen, weil wenn Sie sich jetzt für eine Chemotherapie entscheiden, dann dauert die circa 5,5 oder 6 Monate. Die Erhaltungstherapie dauert 2 Jahre und Sie müssen diese Therapie durchführen, dadurch haben Sie eine Beschäftigung für mindestens 2 Jahre. Sie müssen auch wissen, Sie können die Therapie immer abbrechen, auch wenn Sie keine Nebenwirkungen haben. Sie können einfach abbrechen und sagen: Ich möchte diese Therapie nicht mehr haben, ich möchte was anderes machen. Das ist auch Ihr Recht, Aber wir empfehlen immer, aufgrund unseres klinischen Wissens und Studien, dass Sie die Therapie bis zum Ende durchführen.

Hier geht es zum Video-Interview: „Biomarker im Arztgespräch“

Meine Nachricht an Sie

Also meine Worte, oder eine wichtige Message wäre: Fragen Sie aktiv nach BRCA1 und 2 Mutationen. Wenn die negativ sind, dann fragen Sie nach einer HRD-Testung. Und das ist wichtig, nicht nur für die Therapieentscheidung, sondern auch für die Prognose. Das ist auch für Ihre Familie sehr wichtig und es ist auch wichtig, dass Sie die Therapie in spezialisierten Zentren für das Ovarialkarzinom bekommen. Warum? Weil es da auch Möglichkeiten gibt, neue Medikamente im Rahmen einer klinischen Studie zu bekommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass da ein Fehler passiert oder dass ein Biomarker nicht bestimmt wird, ist sehr, sehr gering, weil das wird einmal im Jahr zertifiziert und alle Patienten werden untersucht und die Akten werden geprüft. Und deswegen ist das Ziel von dieser Zentralisierung auch, dass man die Qualität von der Behandlung erhöht und dass eine homogene Qualität von der Therapie des Ovarialkarzinoms überall in Deutschland gegeben ist.

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Geprüft Prof. Dr. med. Dr. h.c. Alexander Mustea: Stand ?? | Quellen und Bildnachweis
BRCA
(Abkürzung des englischen "BReast CAncer")
Mutationen der Gene BRCA1 und BRCA2 führen zu einem höheren Risiko an Brustkrebs, Eierstockkrebs oder Prostatakrebs zu erkranken.
Chemotherapie
Behandlung mit Medikamenten (Zytostatika), die das Wachstum von Krebszellen hemmen sollen.
CT
(Computertomografie)
Bildgebendes Verfahren. Dabei werden Röntgenstrahlen aus verschiedenen Richtungen durch den Körper geführt. Ein Computer verarbeitet die so erzeugten Bilder zu einer Schnittbildreihe. Dadurch ist eine genaue Beurteilung des untersuchten Körperteiles möglich. So können beispielsweise Lage und Größe von Organen und Tumoren dargestellt werden. Die Untersuchung ist schmerzlos.
Eiweiße
(Proteine)
Eiweiße, auch bekannt als Proteine, sind Makromoleküle, die aus Ketten von Aminosäuren bestehen. Sie spielen eine entscheidende Rolle im Aufbau und der Funktion von Zellen und Geweben im Körper.
Erhaltungstherapie
Eine Erhaltungstherapie wird nach der erfolgreichen Erstbehandlung einer Erkrankung eingesetzt, um den Behandlungserfolg langfristig zu sichern und einem Rückfall vorzubeugen. Sie kann über einen längeren Zeitraum erfolgen und besteht oft aus Medikamenten, die regelmäßig verabreicht werden.
Karzinom
Bösartiger Tumor.
klinische Studie
In klinischen Studien wird getestet, ob ein neues Medikament oder Therapieverfahren sicher und wirksam ist.
MRT
(Magnetresonanztomografie, auch Kernspintomografie)
Bildgebendes Verfahren, das sich besonders zur Darstellung von Weichteilen wie Muskeln oder Fettgewebe eignet. Magnetfelder lösen in den verschiedenen Geweben unterschiedliche Signale aus. Diese werden zu Bildern umgewandelt. Die Untersuchung ist schmerzlos und hat keine Strahlenbelastung.
Mutation
Eine Veränderung im Erbgut (DNA), die dazu führen kann, dass ein Gen anders oder nicht richtig funktioniert.
Onkologie
Fachbereich der Medizin, der sich mit bösartigen Tumoren und anderen Krebserkrankungen beschäftigt.
PARP-Inhibitor
PARP-Inhibitoren sind Medikamente, die in bestimmte Reparaturmechanismen von Zellen eingreifen. Sie werden häufig bei bestimmten genetischen Veränderungen eingesetzt, um die Vermehrung von Tumorzellen zu verlangsamen oder zu stoppen.
Rezidiv
(Rückfall)
Wiederauftreten einer Krankheit nach zunächst erfolgreicher Behandlung mit Heilung oder Verbesserung.
Screening
Ein Screening ist eine vorbeugende Untersuchung, die darauf abzielt, Krankheiten oder gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen, bevor Symptome auftreten. Das Ziel ist es, Erkrankungen in einem frühen Stadium zu entdecken, um die Behandlungschancen zu verbessern und schwere Verläufe zu verhindern.
Tumor
(„Geschwulst“)
Lokalisierte Vermehrung von Körpergewebe durch unkontrolliertes Wachstum von gutartigen oder bösartigen Zellen. Bösartige Tumore können in umliegendes Gewebe einwachsen und in entfernte Organe streuen. Der Begriff Tumor wird auch verwendet für eine Schwellung von Gewebe z.B. durch Einlagerung von Flüssigkeit im Rahmen von Entzündungsprozessen oder Blutungen.
Tumormarker
Tumormarker sind Substanzen im Blut oder anderen Körperflüssigkeiten, die bei bestimmten Krebserkrankungen erhöht sein können. Sie dienen zur Verlaufskontrolle oder als Hinweis auf eine mögliche Erkrankung, sind jedoch meist nicht allein aussagekräftig für eine Diagnose.