Was zeigen die Tumormarker CA125 und HE4 genau an und wo liegen ihre Grenzen?
Beim Ovarialkarzinom haben wir noch zwei Tumormarker, CA125 und HE4, das sind Eiweiße im Blut. Und normalerweise – aber nicht 100%ig – ist bei Patienten mit Eierstockkrebs dieses Eiweiß erhöht. Leider ist es nicht 100%ig so, deswegen gibt es auch kein Screening beim Ovarialkarzinom. Dieses Eiweiß kann zum Beispiel auch bei einer schwangeren Frau hoch sein, die keinen Krebs hat, oder bei einer Patientin, die zurzeit eine Lungenentzündung hat oder eine Entzündung in einem anderen Organ. Dann geht der Eiweißwert nach oben, CA125. Aber das heißt nicht, dass sie unbedingt Eierstockkrebs hat. Damit möchte ich sagen, dass es keine 100%ige Sensibilität und Spezifizität für diese Krankheit ist. Wir nutzen CA125 und HE4 nur beim Verdacht auf Ovarialkarzinom oder dass man diese Krankheit oder Verläufe oder auch das Ansprechen auf die Chemotherapie besser zu verstehen. Der CA125 Wert ist nicht so hoch, aber wenn man dazu noch den HE4 Wert nimmt und den sogenannten Roma-Score bildet, wo außerdem auch das Alter der Patienten oder der Menopause Status berücksichtigt wird, dann kommt durch diese Formel ein prozentueller Satz raus. Und damit können wir sagen, wie hoch ist das Risiko bei den Patienten für einen Eierstockkrebs ist. Diese Kombination oder dieser Roma-Score ist nicht für die gesamte Population geeignet, das heißt, für das Screening. Es ist zum Beispiel nur bei einem Patienten geeignet, wo ich im Ultraschall einen Ovarialbefund sehe, freie Flüssigkeit, und dann kann ich diesen Roma-Score machen und das wird uns auch zeigen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es wirklich ein Eierstockkrebs ist. Außerdem, das könnte man nutzen, haben wir auch Studien, wo wir im Rahmen der Studien schauen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass dieser Roma-Score uns zeigt, dass diese Krankheit wieder da ist, als Rezidiv , und ob wir eine Behandlung brauchen.
Was bedeutet ein Anstieg von Tumormarkern bei Eierstockkrebs?
Also, wenn man einen Anstieg von CA125 während Therapie oder nach der Therapie in der Nachsorge hat, bedeutet das nicht unbedingt, dass diese Krankheit wieder da ist oder dass das ein Rückfall ist. Der Anstieg vom Biomarker CA125 oder Schwankungen können auch sein, wenn man ein bisschen erkältet ist, eine Entzündung oder Durchfall hat, dann geht das nach oben. Wenn man wieder gesund ist, geht das nach unten. Deswegen muss man sich nicht unbedingt Sorgen machen, wenn das ein bisschen gestiegen ist. Und außerdem haben wir als Gynäkologen so Empfehlungen, zum Beispiel die Kriterien, wo man schaut und sagt: „Okay, hier ist wirklich ein Anstieg von CA125. Dieser Anstieg muss eine Verdoppelung von dem Normalwert sein und man muss das kontrollieren, zweimal. Das heißt, ich habe jetzt einen Anstieg. Ich mache noch eine Blutuntersuchung in circa 14 Tagen, und wenn das wirklich hoch bleibt oder noch höher geht, dann könnte man denken, dass es wirklich ein CA125 Tumormarker Anstieg ist. Das heißt nicht, dass ich jetzt unbedingt eine Therapie empfehlen werde, nur weil der Tumormarker CA125 angestiegen ist. In dem Fall werden wir versuchen, ein bildgebendes Verfahren zu machen, zum Beispiel ein CT Thorax Abdomen, wo wir Peritonealkarzinose oder Anderes entdecken können und damit erklären, warum CA125 angestiegen ist. Allein ein CA125 Tumormarker Anstieg reicht für mich nicht für eine Therapie oder für eine Umstellung auf eine neue Therapie. Auch in der Tumornachsorge. Ein alleiniger Anstieg des Tumormarkers bedeutet keinen Rückfall. Und wir empfehlen auch nicht unbedingt, CA125 in der Nachsorge regelmäßig zu kontrollieren – es sei denn, dass die Patienten das unbedingt möchten. Dann werden wir das machen. Es gibt auch sehr gute Daten mit circa 500 Patienten, die in zwei Gruppen untersucht wurden. In einer Gruppe wurde in der Nachsorge CA125 bestimmt, in der anderen Gruppe wurde CA125 nicht bestimmt. Die Therapie wurde in der ersten Gruppe ab dem Moment gegeben, wo der Wert angestiegen ist und in der zweiten Gruppe nur, wenn es symptomatisch war oder man in bildgebenden morphologischen CTs was sehen konnte. Am Ende gab es keinen Vorteil im Gesamtüberleben, aber in der ersten Gruppe, wo die Therapie früher gegeben wurde, wo ein Anstieg von CA125 war, da hatten die Patienten eine schlechtere Lebensqualität und haben mehr Chemotherapie und mehr Nebenwirkungen bekommen. Deswegen ist ein Anstieg von CA125 kein starker prognostischer Marker und hat nicht so eine große Relevanz. Nur eine Kombination von CA125, einem Anstieg klinischer Symptome oder einem CT bzw. bildgebenden Verfahren, das hat für mich eine Relevanz bezüglich der Entscheidung für die Therapie.
Wie kann man Tumormarker messen und wie oft sollten diese kontrolliert werden?
Also während der Therapie gibt es bei CA125 keine genaue Empfehlung, wie oft man das macht und wie man das bestimmt. Also bei uns sind meistens Patienten im Rahmen von klinischen Studien mit neuen Medikamenten in Behandlung und da gibt es genaue Regime, wann man CA125 bestimmt, zum Beispiel vor jedem Zyklus, alle drei Wochen oder alle drei Monate. Wenn man eine normale Therapie macht, könnte man CA125 auch bei dem Beginn der Therapie bestimmen, nach drei Zyklen bestimmen und dann anschließend nach sechs Zyklen. Die Bestimmung läuft mit normaler Blutentnahme. Wenn man zur Chemotherapie kommt, wird sowieso Blut abgenommen. Dann könnte man da auch CA125 ankreuzen und mitbestimmen. Wir machen es so, dass wir die Patienten immer über diese Werte informieren und dass wir transparent sind und dass die Patienten wissen, wo sie stehen.
Hier geht es zum Video-Interview: „Tumormarker im Blut“