5. Medikamentöse Therapie bei Gliomen

Wann kommt bei einem Gliom eine medikamentöse Behandlung in Frage?

Bei niedriggradigen Gliomen kann in einigen Situationen eine zusätzliche Chemo- oder zielgerichtete Therapie notwendig sein. Bestimmte Risikofaktoren sprechen für eine frühzeitige medikamentöse Behandlung. Dazu zählen ein Alter über 40 Jahre, ein eingeschränkter Allgemeinzustand oder das Auftreten neurologischer Beschwerden.

  • Zytostatische Therapie (Chemotherapie): Eine Chemotherapie kommt vor allem dann in Frage, wenn nach der Operation und Strahlentherapie noch ein erhöhtes Rückfallrisiko besteht. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Tumor nicht optimal entfernt werden konnte oder nach der Strahlentherapie weiter wächst. Sie wird meist nach der Strahlentherapie begonnen. Sollte eine Bestrahlung nicht möglich sein, kann sie in Einzelfällen auch direkt im Anschluss an die Operation erfolgen. Die Chemotherapie ist auch eine Option, wenn es nach einer längeren stabilen Phase zu erneutem Wachstum des Tumors kommt.
  • Zielgerichtete Therapie: Niedriggradigen Gliomen weisen eine IDH-Mutation vor. Dabei handelt es sich um eine genetische Veränderung in den Tumorzellen, die deren Wachstum beeinflusst. Findet sich diese genetische Veränderung in den Tumorzellen, kommt eine zielgerichtete Therapie in Frage. Sie kommt nach einer Operation in Frage, wenn zunächst keine Strahlen- oder Chemotherapie geplant ist.

Welche Medikamente können bei einem Gliom eingesetzt werden?

Bei niedriggradigen Gliomen stehen derzeit zwei medikamentöse Behandlungsansätze zur Verfügung: die Chemotherapie und die zielgerichtete Therapie.

  • Zytostatische Therapie (Chemotherapie): Chemotherapeutische Medikamente wirken vor allem auf Zellen, die sich schnell teilen. Da das vor allem bei Tumorzellen der Fall ist, eignen sich diese Wirkstoffe auch zur Behandlung von Gliomen. In einigen Fällen wird das sogenannte PCV-Schema eingesetzt, das drei verschiedene Medikamente kombiniert, die gemeinsam das Tumorwachstum bremsen sollen. Bei manchen Unterformen kommt auch das sogenannte Temozolomid, ein einzelnes Medikament zur Chemotherapie bestimmter Hirntumore, in Frage.
  • Zielgerichtete Therapie: Niedriggradige Gliome weisen eine sogenannte IDH-Mutation auf. Diese genetische Veränderung beeinflusst den Stoffwechsel der Tumorzellen und ist typisch für langsam wachsende Gliome. Der Wirkstoff Vorasidenib wurde entwickelt, um gezielt auf diese Mutation zu wirken. Wichtig zu beachten bei der Therapie mit Vorasidenib ist, dass die Leberwerte beeinflusst werden können. Daher sollten die Blutwerte in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden.

Wie läuft eine medikamentöse Therapie bei einem Gliom ab?

Die medikamentöse Behandlung bei niedriggradigen Gliomen erfolgt in der Regel ambulant . Sie kommen daher regelmäßig in die neuro-onkologische Ambulanz, wo ärztliche Gespräche, Blutuntersuchungen und Verlaufskontrollen stattfinden. Ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus ist in der Regel nicht notwendig.

Die meisten Medikamente werden in Tablettenform eingenommen. Nur bei bestimmten Therapiestrategien im Rahmen der Chemotherapie wird zusätzlich ein Wirkstoff namens Vincristin als Infusion über die Vene verabreicht. Auch diese Behandlung erfolgt ambulant.

Welche Nebenwirkungen können bei der Chemotherapie auftreten und was kann ich dagegen tun?

Nicht jede Chemotherapie verursacht starke Nebenwirkungen. Die meisten Patient:innen vertragen die Behandlung gut. Dennoch kann es zu Beschwerden kommen, die je nach Medikament und Dosierung unterschiedlich ausgeprägt sein können.

Hilfe bei Übelkeit während der Chemotherapie

Übelkeit und Erbrechen zählen zu den häufigsten Nebenwirkungen. Zur Vorbeugung erhalten Sie Medikamente, die Sie vor Beginn der Chemotherapie einnehmen können.

  • Essen Sie kleine, leichte Mahlzeiten über den Tag verteilt. Ein leerer Magen kann die Übelkeit verstärken.
  • Vermeiden Sie stark riechende oder fettige Speisen. Auch zu heiße Gerichte oder intensive Gewürze können Übelkeit auslösen.
  • Manchen Patient:innen hilft bei Übelkeit auch Ingwer, zum Beispiel als Tee, Bonbon oder dünne Scheibe im Wasser. Sprechen Sie die Anwendung vorher mit Ihrem Behandlungsteam ab.

Hilfe bei Magen-Darm-Beschwerden während der Chemotherapie

Auch Durchfall, Blähungen oder Appetitlosigkeit sind mögliche Nebenwirkungen, da einige Medikamente den Verdauungstrakt reizen.

  • Achten Sie auf eine leicht verdauliche Ernährung. Gut geeignet sind zum Beispiel Zwieback, Reis, Bananen oder milde Gemüsesuppen.
  • Meiden Sie stark blähende Lebensmittel wie Kohl, Hülsenfrüchte oder kohlensäurehaltige Getränke, wenn Sie zu Blähungen neigen.
  • Trinken Sie ausreichend – am besten schluckweise und über den Tag verteilt. Wasser, Kräutertees oder verdünnte Säfte sind gut verträglich. Pfefferminztee beispielsweise hilft Blähungen, Völlegefühl und Krämpfe zu reduzieren.

Die Chemotherapie kann das Blutbild beeinflussen. Das Blutbild zeigt unter anderem, wie viele Abwehrzellen (weiße Blutkörperchen), Sauerstoffträger (rote Blutkörperchen) und Gerinnungszellen (Blutplättchen) im Blut vorhanden sind. Mögliche Anzeichen sind Müdigkeit, Infektanfälligkeit oder Neigung zu blauen Flecken. Um Veränderungen frühzeitig zu erkennen, werden regelmäßig Blutuntersuchungen durchgeführt.

Bei welchen Nebenwirkungen sollte ich rasch ärztliche Hilfe suchen?

Die meisten Nebenwirkungen einer Chemotherapie sind vorübergehend und gut behandelbar. In bestimmten Situationen ist es jedoch wichtig, frühzeitig das Behandlungsteam zu informieren:

  • plötzliches hohes Fieber (über 38 °C) oder Schüttelfrost
  • Durchfall, Erbrechen oder Bauchschmerzen über mehrere Tage
  • rascher, ungewollter Gewichtsverlust und körperliche Schwäche
  • vermehrte Blutungen (z. B. Zahnfleischblutungen) oder ungewöhnliche blaue Flecken
  • Benommenheit, Verwirrtheit oder andere neurologische Beschwerden.

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    Geprüft OÄ Dr.in Bernadette Calabek-Wohinz Stand: September 2025 | Quellen und Bildnachweis
    ambulant
    Die Behandlung erfolgt ohne einen nächtlichen Aufenthalt im Krankenhaus.
    Chemotherapie
    Behandlung mit Medikamenten (Zytostatika), die das Wachstum von Krebszellen hemmen sollen.
    Infusion
    Verabreichung einer Flüssigkeit (mit oder ohne darin gelösten Medikamente) über einen Zugang in ein Blutgefäß.
    Leberwerte
    Blutwerte, die Aufschluss über die Funktion der Leber geben.
    Stoffwechsel
    Biochemische Vorgänge, die innerhalb und zwischen den Zellen ablaufen und zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen notwendig sind.
    Strahlentherapie
    Behandlung mit hochenergetischen Strahlen, um Krebszellen abzutöten.
    Tumor
    („Geschwulst“)
    Lokalisierte Vermehrung von Körpergewebe durch unkontrolliertes Wachstum von gutartigen oder bösartigen Zellen. Bösartige Tumore können in umliegendes Gewebe einwachsen und in entfernte Organe streuen. Der Begriff Tumor wird auch verwendet für eine Schwellung von Gewebe z.B. durch Einlagerung von Flüssigkeit im Rahmen von Entzündungsprozessen oder Blutungen.
    Vene
    Venen sind Blutgefäße, die dafür verantwortlich sind, sauerstoffarmes Blut aus den verschiedenen Körperbereichen aufzunehmen und zurück zum Herzen zu transportieren.
    zielgerichtete Therapie
    Behandlung, die spezifisch auf genetische Mutationen, Proteine oder das Gewebeumfeld abzielt, das das Krebswachstum fördert.