6. Watch and Wait bei Gliomen

Was ist eine „Watch and Wait“-Strategie und wann wird sie bei einem Gliom empfohlen?

„Watch-and-Wait“ bedeutet, dass nach einer Operation zunächst keine weitere Behandlung wie Strahlen- oder Chemotherapie folgt. Stattdessen wird der Zustand regelmäßig kontrolliert, z. B. durch MRT-Bildgebung und ärztliche Gespräche.

In diesen Fällen wird eine „Watch-and-Wait“-Strategie empfohlen:

  • bei optimaler operativer Entfernung des Tumors und fehlenden Risikofaktoren
  • bei niedriggradigen Gliomen mit günstigem molekularem Profil (z. B. IDH-Mutation, 1p/19q-Codeletion)
  • bei jüngeren Patient:innen ohne neurologische Beschwerden und mit gutem Allgemeinzustand

Ob eine ‚Watch-and-Wait‘-Strategie sinnvoll ist, hängt nicht nur vom Resektionsgrad ab, sondern vor allem auch von molekularpathologischen Befunden, individuellen Risikofaktoren und dem Zustand des Patienten oder der Patientin. Das Ziel dieses Zuwartens ist es, mögliche Nebenwirkungen durch eine frühzeitige Therapie zu vermeiden. Der Tumor wird deshalb engmaschig überwacht, sodass bei Veränderungen frühzeitig reagiert werden kann.

Mit der Einführung neuer zielgerichteter Therapien wie Vorasidenib gibt es eine mögliche Alternative zum reinen Beobachten. Das Medikament kann das Risiko für ein weiteres Tumorwachstum nach der Operation verringern. Dadurch wird der Beginn der Strahlen- oder Chemotherapie häufig hinausgezögert.

Welche Befunde und Symptome werden bei „Watch and Wait“ von meiner Ärztin / meinem Arzt überwacht?

Auch wenn nach der Operation zunächst keine weitere Therapie folgt, sind ärztliche Kontrollen wichtig, um den Verlauf Ihrer Erkrankung zu beobachten. In regelmäßigen Abständen werden deshalb MRT-Untersuchungen durchgeführt – zu Beginn meist alle 3 Monate und später alle 6 Monate. Wenn der Tumor sich im Verlauf verändert, kann frühzeitig reagiert werden. In einigen Kliniken gibt es auch zusätzliche Bildgebungen (z.B. PET-CT, eine besondere Bildgebung bei der Stoffwechselvorgänge im Tumor sichtbar gemacht werden), mit welchen sich die Aktivität des Glioms beurteilen lässt.

Wichtig sind auch regelmäßige körperliche Untersuchungen, um Ihren Allgemeinzustand und mögliche neurologische Symptome zu beurteilen. Dazu zählen epileptische Anfälle, Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen aber auch neu aufgetretene psychische Veränderungen.

Worauf sollte ich als Patient:in während des „Watch and Waits“ besonders achten?

Neben den ärztlichen Untersuchungen fließen auch Ihre eigenen Beobachtungen in die Beurteilung ein. Achten Sie deshalb zwischen den Kontrollterminen auf Veränderungen in Ihrem Gesundheitszustand.

Bei folgenden Symptomen sollten Sie sich frühzeitig an Ihr Behandlungsteam wenden:

  • plötzliche, starke Kopfschmerzen
  • häufige epileptische Anfälle
  • deutliche neurologische Verschlechterung (z. B. Lähmungserscheinungen, Sprachverlust, Bewusstseinsstörungen)
  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
  • Schlafveränderungen, Erschöpfung oder Stimmungsschwankungen

Führen Sie ein Symptomtagebuch

Manche Symptome entwickeln sich langsam und werden im Alltag leicht übersehen. Ein Symptomtagebuch hilft Ihnen dabei, den zeitlichen Verlauf Ihrer Beschwerden zu beobachten. So können Sie Veränderungen in Ihrem Gesundheitszustand frühzeitig mit Ihrem Behandlungsteam besprechen.

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    Geprüft OÄ Dr.in Bernadette Calabek-Wohinz Stand: September 2025 | Quellen und Bildnachweis
    Bildgebende Verfahren
    Sind medizinische Techniken, mit denen Ärzte Bilder vom Inneren des Körpers erstellen können. Beispiele sind Röntgen, Ultraschall, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT). Diese Methoden helfen dabei, Krankheiten zu erkennen und zu überwachen, ohne dass eine Operation nötig ist.
    Chemotherapie
    Behandlung mit Medikamenten (Zytostatika), die das Wachstum von Krebszellen hemmen sollen.
    MRT
    (Magnetresonanztomografie, auch Kernspintomografie)
    Bildgebendes Verfahren, das sich besonders zur Darstellung von Weichteilen wie Muskeln oder Fettgewebe eignet. Magnetfelder lösen in den verschiedenen Geweben unterschiedliche Signale aus. Diese werden zu Bildern umgewandelt. Die Untersuchung ist schmerzlos und hat keine Strahlenbelastung.
    Tumor
    („Geschwulst“)
    Lokalisierte Vermehrung von Körpergewebe durch unkontrolliertes Wachstum von gutartigen oder bösartigen Zellen. Bösartige Tumore können in umliegendes Gewebe einwachsen und in entfernte Organe streuen. Der Begriff Tumor wird auch verwendet für eine Schwellung von Gewebe z.B. durch Einlagerung von Flüssigkeit im Rahmen von Entzündungsprozessen oder Blutungen.