RSV – das Respiratorische Synzytial-Virus – ist eine weit verbreitete Infektion der Atemwege, die besonders für ältere Menschen, Säuglinge und chronisch Kranke belastend sein kann. Viele fragen sich: Wie gefährlich ist RSV für mich persönlich? Und was kann ich tun, um mich bestmöglich zu schützen?
Einleitung durch Frau Dr.in Dominique Moy-Wagner, HCM-AE
Mein Name ist Dominique Moy-Wagner. Ich bin Allgemein- und Familienmedizinerin, arbeite auf der Notfall- und auf der Infektionsambulanz in der Klinik Donaustadt und bin in der Tropenordination tätig.
Hier geht es zur Einleitung des Kurses: „RSV-Impfung verstehen“
RSV verstehen
Was genau ist RSV?
Die Abkürzung RSV oder RS-Virus steht für respiratorisches synzytial Virus. „Respiratorisch“ beschreibt den oberen oder den unteren Atemweg, wo sich das Virus festsetzt, „synzytial“ bedeutet das, was das Virus macht. Das Virus verschmilzt mit den Zellen und bildet dadurch einen vermehrten Schleim, der schwer abgehustet werden kann, und führt zu einer Entzündungsreaktion der Schleimhäute, die anschwellen. Das RS-Virus kommt in mehreren Subtypen vor, aber es gibt zwei Haupttypen, die uns besonders beschäftigen Der RSV-A und der RSV-B-Typ.
Wie steckt man sich mit RSV an?
RSV ist ganz schön tückisch. Es ist ein respiratorischer Infekt, der sowohl als Tröpfcheninfektion aber auch als Schmierinfektion für uns schwierig werden kann. Tröpfcheninfektion bedeutet, dass wir durch Husten, durch Niesen einen ganzen Raum mit unseren Viren erfüllen können. Und jeder, der im ungefähren Abstand von zwei Metern zu uns steht, kann sich damit anstecken. Genauso, wie wenn wir uns die Hand vorhalten – wie wir das gelernt haben bei Covid, dass wir das eigentlich nicht machen sollten – können sich die Viren auf den Händen finden oder auf den Oberflächen. Auf den Händen haben wir festgestellt, dass es durchaus bis zu einer halben Stunde bleiben können. Und wenn wir dann einander die Hände geben, sollten wir das Virus übertragen können, genauso wie auf den Oberflächen. Da kann es sogar länger bleiben. Das bedeutet, dass wir uns so sehr leicht infizieren können. Das RS-Virus ist ein Virus, an dem wir uns immer wieder infizieren können. Das heißt, wir können uns innerhalb von einer Saison an einer RSV A oder dann an einem anderen Subtypus, dem B infizieren. Wir können uns aber auch innerhalb von mehreren Jahren immer wieder infizieren. Warum? Weil unser Immunsystem keine dauerhafte Immunität aufbauen kann.
Wie unterscheidet sich RSV von einer Grippe oder Erkältung?
Die RSV-Infektion ähnelt einem grippalen Infekt oder einer Grippe. Daher ist der Influenza-Infektion genauso der Covid-Infektion am Anfang. Nicht umsonst haben wir auch einen Antigen-Test, der alle drei Infektionen, nämlich Covid, RSV und Influenza , testen kann. In dieser Saison sind alle diese Viren vorhanden. Das heißt, am Anfang ist es vielleicht gar nicht so einfach, das zu unterscheiden. Man kann sagen, dass der grippale Infekt eher kürzer ist, nicht ganz so heftig und seltener mit Fieber. Bei der Influenza, das ist eine schwere Erkrankung, haben wir meistens einen sehr raschen Beginn, hohes Fieber und fühlen uns wirklich sehr schlecht. Die RSV-Infektion ist sehr ähnlich, hat aber vor allem die Angewohnheit, sich dann hinaus nach hinten länger zu ziehen. Das heißt, man hat lange einen Husten. Es braucht recht lange, bis sich das wieder beruhigt.
Hier geht es zum Video-Interview: „RSV verstehen„
Verlauf einer RSV-Infektion
Wie läuft eine RSV-Erkrankung typischerweise ab?
Die RSV-Infektion ist ja eine Infektion der oberen und der unteren Atemwege. Wenn es sich vor allem bei den oberen Atemwegen festsetzt, dann haben wir die Symptome wie zum Beispiel Husten, Schnupfen, Halsweh. Bei kleinen Kindern kann vor allem auch gerne eine Ohrinfektion dazukommen. Wenn es sich dann doch weiter hinuntersetzt, dann kann es, wenn wir uns die Lunge vorstellen, haben wir die breiten Bronchien, dann die kleineren Bronchien und in den kleineren Bronchien kann es dann eben zu Verschmelzungen führen von den Zellen. Das ist eben das Synzytium. Wie das im Wort selber schon drinnen ist. Und das bedeutet, dass sich die Zellen verschmelzen, hier ein dicker, zäher Schleim entsteht und dadurch vermehrt dieses Entzündungsgeschehen zu Problemen wird. Da führt es dann zu sogenannten Bronchiolitis, kann eben auch zu Lungenentzündung führen. Das kann zu schweren Folgen kommen, wie zum Beispiel zur Atemnot und auch Hospitalisierungen dadurch bedingen. Bei den kleinen Kindern, den Neugeborenen oder den Frühchen haben wir hier besondere Schwierigkeiten, weil diese Atemwege alle noch sehr klein sind. Das heißt, hier kommt es sehr rasch zur Verengung und zu einer Sauerstoffunterversorgung bei den Erwachsenen, vor allem im höheren Alter, wo das Immunsystem nicht mehr ganz so gut funktioniert, wie wir das gewohnt sind, kann es hier bei den chronischen Krankheiten, die wir zusätzlich noch haben, den sogenannten Komorbiditäten anschieben, das heißt bei Asthma, COPD, der chronischen Lungenerkrankung, chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus oder Herzerkrankungen können hier verstärkt in den Vordergrund gedrängt werden. Und das RSV schiebt an.
Die RSV-Erkrankung typischerweise bei den immunkompetenten; also das heißt bei Kindern fünf bis zu den erwachsenen 50 Jahren, wo das Immunsystem gut ist und gesund ist, ist an und für sich selbst limitierend und keine großen Schwierigkeiten zu erwarten. Die Problematik liegt vor allem dann bei den Frühgeborenen, den Neugeborenen und bei den Älteren oder den chronisch Kranken.
Wann sollte man bei RSV ärztliche Hilfe suchen?
Ärztliche Hilfe aufsuchen, wenn man eine Erkrankung hat und sich nicht ganz sicher ist. Da gibt es ein paar Punkte, die auf jeden Fall relevant sind. Wenn hohes Fieber langanhaltend ist, wenn man Atemnot verspürt bei Kindern, wenn wir sehen, dass sie die Atemmuskulatur vermehrt verwenden müssen, die Einziehungen bei den Rippen zu sehen sind oder eine verstärkte Bauchatmung. Aber vor allem im Vordergrund steht, wenn Kleinkinder nicht mehr ausreichend trinken. Bei Erwachsenen und chronisch Kranken haben wir hier auch im Vordergrund die Atemnot. Vor allem bei Asthmatikern und bei COPDlern ist es klassisch zu sehen. Und wenn die Erkrankung so gar nicht abheilen möchte und man das Gefühl hat, es wird nicht und nicht besser. Dann empfehlen wir immer einen Arzt aufzusuchen.
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Schutz vor RSV
Wie kann ich mich und andere schützen?
Eine Sache, die haben wir in den letzten Jahren gelernt: Hygienemaßnahmen. Wir haben gelernt, durch die Tröpfcheninfektion können wir auf der einen Seite uns bemühen, hier darauf zu achten, vermehrt Hände zu waschen, damit wir es nicht so schnell übertragen oder wir desinfizieren unsere Hände. Genauso die Oberflächen, weil wir auch gelernt haben, dass das Virus doch relativ lange auch auf Oberflächen überleben kann. Aber eine der wichtigsten Sachen ist sicherlich, oder ein wichtiger zweiter Aspekt ist hier die Hilfestellung, das Immunsystem zu unterstützen, durch eine Impfung.
Wie kann eine Impfung vor RSV schützen und was bringt es, wenn mein Umfeld geimpft ist?
Bei RSV haben wir jetzt seit 2023 die Möglichkeit, uns impfen zu können. Das heißt, es gibt eine passive Immunisierung und es gibt eine aktive Immunisierung. Für wen ist was? Die aktive Immunisierung ist, die Immunisierung vor allem für die ältere Generation oder die Schwangere. Warum die Schwangeren? Weil wir hier über die Schwangere das Neugeborene schützen, indem wir die Schwangere impfen. Sie baut Antikörper auf. Die können über die Plazenta an das Kind weitergegeben werden. Und das Kind, das Neugeborene, ist in der vulnerablen Zeit, das heißt in der Zeit, wo es am meisten davon Schaden nehmen kann. Eine RSV-Infektion zu haben, geschützt für Erwachsene, das heißt, in dem Fall für die Risikogruppe der Älteren ab 50 ist es zugelassen, ab 60 empfohlen oder für alle, die ein Risiko haben, eine schwerere Erkrankung zu haben, das heißt für alle mit chronischen Erkrankungen: Wie gesagt, Diabetes mellitus, Herzerkrankungen, Asthma, COPD sind die klassischen oder aber auch Krebserkrankungen oder Tumorerkrankungen. Für diese Menschen gibt es die aktive Impfung.
Im Gegensatz zur aktiven Immunisierung kennen wir auch die passive Immunisierung. Passiv heißt in dem Fall, dass ich das Neugeborene impfen kann und dem Neugeborenen Antikörper direkt gebe. Das heißt, es braucht sie nicht selber aufbauen, sondern es bekommt direkt die Antikörper, die gleich starten können. Die passive Immunisierung ist tatsächlich nur für Neugeborene und Kleinkinder zugelassen.
Wie wirksam und verträglich ist die Impfung?
Die Impfung gegen RSV ist hochwirksam und ist vor allem gut kombinierbar mit weiteren Impfstoffen. Wir haben gesehen, dass es ja eben genau in einer Saison im Herbst und Winter, wo viele Viren sind, wo wir aber auch impfpräventablen Erkrankungen haben und uns mehrfach impfen sollten. In den Studien hat man gesehen und konnte man gut zeigen, dass die Kombination mit zum Beispiel einer COVID-Impfung oder einer Influenza-Impfung kein Problem darstellt. Das einzige, was man immer wieder sieht, was bei jeder Impfung sein kann, ist eine leichte Rötung, eine leichte Schwellung oder dass der Impfarm ein wenig weh tut.
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Impfung für gefährdete Gruppen
Wer sollte sich gegen RSV impfen lassen?
Die RSV-Impfung ist nicht dazu da, um die Erkrankung völlig zu verhindern. Die RSV-Impfung ist vor allem für den Menschen, der geimpft wird. Das bedeutet, er baut Antikörper auf, die dazu helfen, das Virus abzufangen. Bedeutet aber auch, dass man sich anstecken kann. Es geht bei der Impfung vor allem darum, die schwere Erkrankung zu verhindern, das heißt die Hospitalisierungsraten zu senken. Ich kann auch mit einer Impfung nicht mein Umfeld schützen, denn eine geringe Zahl an diesen Viren ist bereits möglich, hier eine Infektion auszulösen. Aber ich kann eben vor allem den chronisch kranken oder die ältere Person davor schützen, schwer zu erkranken.
Warum ist die RSV-Impfung für Ältere und chronisch Kranke besonders wichtig?
Die Impfung gegen das RSV-Virus ist vor allem für die vulnerablen Menschen gedacht. Was heißt „vulnerabel“? Das heißt all jene Menschen, die in Gefahr sind, schwerer zu erkranken oder eben ins Krankenhaus aufgenommen werden zu müssen. Da nennen wir oft die Hospitalisierungszahlen als Referenz. Um das zu verhindern, versuchen wir besonders die Gruppen zu schützen, die eben zum Beispiel im mittleren, genauso wie im höheren Alter entweder Komorbiditäten haben, das heißt mehrere Erkrankungen oder chronische Erkrankungen, zum Beispiel Diabetes mellitus, zum Beispiel immunsupprimierende Therapien nehmen müssen, Krebserkrankungen haben, Asthma oder COPD haben. Diese Gruppe versuchen wir besonders zu schützen und besonders vom Immunsystem her zu stärken durch diese Impfung. Auf der anderen Seite haben wir die Kinder, das heißt in dem Fall aber die Neugeborenen und unter 1-jährigen, die wir mit der passiven Immunisierung schützen können.
Wie finde ich heraus, ob die RSV-Impfung für mich persönlich sinnvoll ist?
Eine wichtige Frage herauszufinden: ist diese Impfung für mich relevant oder nicht? Das sollte man immer überlegen und am besten mit dem Arzt seines Vertrauens oder der Ärztin seines Vertrauens besprechen. Gehen Sie zu Ihrem Hausarzt oder zu Ihrer Hausärztin. Besprechen Sie dieses Thema. Reden Sie darüber. Haben Sie Risiken, schwerer zu erkranken? Sind Sie schwanger? Gibt es in Ihrem Umfeld Kleinkinder, Neugeborene oder chronisch Kranke?
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Organisatorisches zur Impfung
Wo kann ich mich gegen RSV impfen lassen und wer übernimmt die Kosten für die RSV-Impfung?
Wenn Sie sich mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin oder dem Arzt Ihres Vertrauens unterhalten, dann sind Sie auch schon an der richtigen Adresse, wo Sie Ihre Impfung erhalten können. Diese Impfung ist überall erhältlich und kann vor allem gerne über den Hausarzt oder über zum Beispiel ein reisemedizinisches Zentrum, jedes Institut, das sich vor allem mit Impfungen auseinandersetzt, verabreicht werden. Die RSV-Impfung wird derzeit von der Krankenkasse nicht erstattet.
Wann und wie oft sollte man sich impfen lassen?
Die RSV-Impfung wird derzeit nur einmal empfohlen. Das heißt, ich muss mich nur einmal impfen lassen. Die Studienlage zeigt derzeit bei beiden Impfstoffen, die wir derzeit zur Verfügung haben, dass sie wahrscheinlich sogar zwei bis drei Saisonen lang hält. Hier wird noch weiter geforscht und hier werden die Studiendaten noch weitere Ergebnisse geben. Und sobald wir die Ergebnisse haben, werden unsere Empfehlungen auch dementsprechend angepasst. Derzeit aber nur einmal.
Was sollte man mit Ärzt:innen vor dem Impfen besprechen?
Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob für Sie eine RSV-Impfung sinnvoll ist. Überlegen Sie sich Ihre Grunderkrankungen mit Ihrem Arzt gemeinsam. Erkundigen Sie sich, ob Ihre Erkrankungen womöglich Asthma oder COPD, Herzerkrankungen oder andere Therapien hier ein höheres Risiko für Sie darstellen und dadurch die RSV-Impfung für Sie von großem Vorteil sein könnte.
Hier geht es zum Video-Interview: „Organisatorisches zur Impfung“
Meine Nachricht an Sie
Das RS-Virus ist eine ernstzunehmende Erkrankung, vor allem für die Jüngeren und für die Älteren in unserer Gesellschaft sowie die, die chronisch krank sind. Es ist eine impfpräventable Erkrankung. Das bedeutet, wir haben eine Impfung und können etwas dagegen tun.
Erkundigen Sie sich bei dem Arzt Ihres Vertrauens oder Ihrem Hausarzt, Ihrer Hausärztin. Sprechen Sie darüber und finden Sie heraus, ob Sie geimpft werden sollten.
Hier geht es zum Video: „Meine Nachricht an Sie“