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Kurs Behandlung der Angina pectoris: Lektion 3 von 7

Medikamentöse Langzeittherapie bei Angina pectoris

Die bei Angina pectoris verabreichten Medikamente haben zum Ziel, das Fortschreiten der ursächlichen koronaren Herzerkrankung sowie ernste Folgeerscheinungen wie den Herzinfarkt zu verhindern. Zugleich geht es darum, die Lebensqualität der PatientInnen zu steigern, indem Angina-pectoris-Beschwerden vermieden werden und die Belastungsfähigkeit erhalten bleibt. In dieser Lektion lernen Sie, woraus die Basistherapie bei Angina pectoris besteht und welche weiteren Medikamente zur Anwendung kommen.

Video Transkript

Warum werden die stabile und die instabile Angina pectoris teilweise unterschiedlich behandelt?

Eine stabile Angina pectoris zeichnet sich dadurch aus, dass sie immer bei der gleichen Gelegenheit bei dem gleichen Belastungsgrad auftritt. Viele Patienten können sehr gut damit umgehen.

Instabil bedeutet immer: neu, unvorhergesehen. Das ist der erste Anfall. Das sind Anfälle, die vielleicht schon bei einem ganz anderen Belastungsniveau auftreten. Und es sind auch Anfälle, die in kurzer Zeit immer wiederkehren. Deswegen ist eine instabile Symptomatik meist akut zu behandeln. Eine stabile Angina pectoris kann im Intervall behandelt werden.

Welche Medikamente können bei Angina pectoris verschrieben werden?

Man unterscheidet zwischen sogenannten Firstline- und Secondline-Medikamenten. Dabei unterscheiden sich die Wirkmechanismen grundsätzlich.

Es gibt Medikamente, die haben Kreislauf-Nebenwirkungen oder sind als Kreislauf-Medikamente überhaupt im Einsatz. Es gibt auch Medikamente, die den Stoffwechsel des Herzmuskels verändern und die nicht oder die keine Kreislauf-Nebenwirkungen haben.

Man muss für jeden Patienten und jede Patientin die geeignete Mischung finden, damit ein möglichst gutes Aktivitätsniveau erreicht werden kann.

Was bewirken die verschiedenen eingesetzten Medikamente?

Bei den gerinnungshemmenden Medikamenten unterscheidet man zwei große Gruppen: Das sind

  • Blutplättchen-hemmende Substanzen und
  • Blutgerinnungs-hemmende-Substanzen.

Warum geben wir überhaupt solche Substanzen bei Patienten mit Angina pectoris? – Wir wollen verhindern, dass die Herzgefäße sich akut verschließen.

Betablocker sind schon seit Jahrzehnten im Einsatz bei Angina-pectoris-Patienten. Sie haben zwei Haupt Wirkmechanismen:

  • Einerseits verlangsamen sie den Herzschlag,
  • und andererseits führen sie zu einer Ökonomisierung der Herzarbeit.

Bei der Sekundär-Prävention, also wenn man bereits eine nachgewiesene koronare Herzerkrankung hat, ist es bedeutsam, die Risikofaktoren einzustellen. Einer der wichtigsten Risikofaktoren ist das erhöhte LDL-Cholesterin. Statine senken dieses LDL-Cholesterin signifikant, meistens 50 bis 60 Prozent, und das kann das Weiterentwickeln der Arteriosklerose verhindern.

Kalzium-Antagonisten sind auch schon lange bei Patienten mit Angina pectoris im Einsatz.

  • Sie führen zu einer Gefäßerweiterung einerseits
  • und andererseits verbessern sie die Stoffwechsellage des Herzmuskels

und können dadurch die Beschwerden deutlich mindern.

Ich nehme noch weitere Medikamente. Worauf sollte ich achten?

Es kann manchmal notwendig sein, viele antiangionöse Substanzen einzunehmen. Es gibt Medikamente, die wirken auf den Kreislauf, und Medikamente, die verhalten sich neutral, was den Kreislauf angeht. Es ist nicht ratsam, selber an der Dosierung herumzuschrauben, denn es können doch Blutdruckabfälle oder aber auch zu langsame Herzschläge damit verbunden sein. Eine Dosierung muss sorgsam erfolgen. Und erst langsam kann man auf die gewünschte Zieldosierung kommen.

Wie sinnvoll ist es, zusätzlich zu meinen Medikamenten ein Magnesiumpräparat einzunehmen?

Magnesium konnte nicht zeigen, dass es die Prognose der Patienten mit Angina pectoris verbessert. Magnesium kann manchmal eingesetzt werden bei ganz spezifischen Situationen, bei Herzrhythmusstörungen, aber generell empfehlen wir heute Magnesium bei der sekundären Prävention nicht mehr.

Macht es Sinn die Therapie durch alternative Behandlungsmethoden zu ergänzen?

Wichtig ist eine gute Sekundär-Prävention. Wenn man darüber hinaus andere Präparate einnimmt, bin ich immer der Meinung, dass es zu einem Lebensstil passen muss. Das heißt also: Wenn man davon selber ein besseres Lebensgefühl entwickelt, so ist dagegen nichts zu sagen. Es sollte aber nicht eine effektive Sekundär-Prävention ersetzen.
Wichtig ist in dem Zusammenhang, dass man einzelne Therapieschritte mit seinem betreuenden Arzt im Vorfeld bespricht.

Warum ist es so wichtig, die Medikamente regelmäßig einzunehmen?

Die volle Wirkung der sekundärpräventiven Medikamente entfaltet sich nur, wenn wir sie täglich einnehmen. Das betrifft auch Medikamente gegen die Angina pectoris. Es hat keinen Sinn, die langwirksamen Präparate nur hin und wieder einzunehmen. Es soll ein stabiles Niveau erreicht werden, damit wir unseren Alltag gut bewältigen können.

Auf den Punkt gebracht

  • Eine breite Palette an Therapiemöglichkeiten für Angina pectoris ermöglicht eine individuelle Anpassung.
  • Die richtige Einstellung der Medikamente erfordert Geduld und eine gute Zusammenarbeit zwischen PatientIn und Ärztin/Arzt.

Basistherapie bei Angina pectoris (First-Line-Therapie)

Obwohl die invasiven Behandlungsmethoden bei der koronaren Herzerkrankung immer weiter verfeinert werden, hat die medikamentöse Therapie nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert. Hierbei kommen im Rahmen der Basis- oder First-Line-Therapie verschiedene Medikamentengruppen zum Einsatz. Als First-Line-Therapie wird die bevorzugte Behandlungsoption einer Erkrankung bezeichnet, die nach Stellung der Diagnose eingeleitet wird. Setzt sich die Krankheit nach dieser Behandlung fort oder flammt erneut auf, kommt die Second-Line-Therapie zur Anwendung.

Wie wirken blutplättchenhemmende - blutgerinnungshemmende Mittel?

Blutgerinnungshemmende Substanzen mindern die Neigung des Blutes, sich zu verklumpen und senken damit das Risiko für einen Herzinfarkt. Es gibt verschiedene Medikamente, die sich hinsichtlich ihrer Wirkungsweise voneinander unterscheiden. Zu den wichtigsten zählen blutplättchenhemmende Substanzen wie Acetylsalicylsäure (ASS), welche die Verklumpung der Thrombozyten (Blutplättchen) hemmt.

Wie wirken Betablocker?

Beta-Rezeptoren-Blocker, kurz auch Betablocker genannt, senken den Blutdruck und die Herzfrequenz. Dadurch benötigt Ihr Herz weniger Sauerstoff und die Angina-pectoris-Beschwerden werden gelindert. Am häufigsten kommen Bisoprolol, Metoprolol und Nebivolol zu Einsatz. Diese Medikamente dürfen Sie nicht abrupt absetzen, da es sonst zu einem plötzlichen, starken Anstieg des Herzschlags und des Blutdrucks kommen kann.

Wie wirken Cholesterinsenkende Mittel?

Die sogenannten Statine hemmen ein Enzym, das der menschliche Körper für die Cholesterinproduktion benötigt. Aufgrund des dadurch in den Zellen entstehenden Cholesterinmangels wird das schädliche LDL-Cholesterin aus dem Blutkreislauf entfernt. Somit sinkt das Herzinfarktrisiko. Darüber hinaus schützen diese Medikamente die Gefäßwände, indem sie Entzündungsprozesse eindämmen. Deshalb werden sie häufig auch bei PatientInnen mit normalen Cholesterinwerten eingesetzt.

Wie wirken lang wirksame Kalzium-Antagonisten?

Kalzium-Antagonisten kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn Betablocker nicht anwendbar sind oder keine ausreichende Linderung bewirken. Ihre Wirkung besteht darin, dass sie die Blutgefäße erweitern und dem Blut mehr Raum verschaffen. Dadurch sinkt auch der Blutdruck.

Weitere Medikamente (Second-Line-Therapie)

Genügt die Basistherapie nicht oder bestehen Gegenanzeigen oder Unverträglichkeiten gegen Substanzen der First-Line-Behandlung, stehen verschiedene Second-Line-Präparate zur Verfügung, die als Ersatz für Basis-Medikamente oder zusätzlich angewendet werden.

Wie wirken ACE-Hemmer und Sartane?

Zur Gruppe der blutdrucksenkenden Medikamente gehören auch ACE-Hemmer und Sartane. Diese bewirken unter anderem, dass sich die Gefäße erweitern, und senken auf diese Weise den Blutdruck.

ACE-Hemmer und Sartane sind nicht Teil der Standardbehandlung bei Angina pectoris. Sie können jedoch bei PatientInnen mit Herzschwäche das Risiko für Folgeerkrankungen mindern und die Lebenserwartung verbessern. Daher werden sie bei dieser Personengruppe manchmal zusätzlich zu einem Betablocker angewandt.

Wie wirkt Ranolazin?

Reichen Betablocker oder Kalziumantagonisten nicht aus oder werden nicht vertragen, kann bei chronisch stabiler Angina pectoris auch Ranolazin als Ergänzungstherapie zur Anwendung kommen. Der Wirkmechanismus beruht auf einer Beeinflussung von Natriumströmen an der Herzmuskelzelle, was zu einer verminderten Ansammlung von Kalzium innerhalb der Zelle führt. Dadurch kann sich der Herzmuskel besser entspannen und die Durchblutung wird verbessert.

Wie wirkt Ivabradin?

Für PatientInnen mit normalem Sinusrhythmus, die Betablocker nicht einnehmen dürfen oder nicht vertragen, ist Ivabradin zur symptomatischen Behandlung der chronisch stabilen Angina pectoris zugelassen. Das Medikament hemmt den Gewebebereich im Herzen, der für die Regulation der Herzfrequenz verantwortlich ist.

Wie wirkt Trimetazidin?

Trimetazidin wird bei erwachsenen PatientInnen als Ergänzungstherapie zur symptomatischen Behandlung der stabilen Angina pectoris eingesetzt, bei denen die Basistherapie nicht ausreicht oder eine Unverträglichkeit vorliegt.

Dieses Medikament hemmt den Fettsäure-Abbau, wodurch die Glukose-Oxidation verstärkt wird. Dadurch verbrauchen die mangeldurchbluteten Zellen weniger Sauerstoff.

Adhärenz/Therapietreue als Basis für den Behandlungserfolg

Um die optimale Wirkung der Medikamente zu gewährleisten, müssen Sie diese nach den Angaben der Ärztin/des Arztes einnehmen. Damit Sie die Einnahme nicht vergessen, können folgende Hilfsmittel und Vorgehensweisen helfen:

Patiententagebuch

Führen Sie ein Patiententagebuch. Aufzeichnungen helfen nicht nur Ihnen die Übersicht zu bewahren, sondern können auch wichtige Hinweise für die Ärztin/den Arzt liefern.

Medikamentenboxen

Verwenden Sie Medikamentenboxen. Damit wissen Sie, ob sie ein Medikament bereits eingenommen haben oder noch nicht. Auch können Sie beispielsweise die Medikamente für die gesamte Woche vorbereiten und so Einnahmefehlern vorbeugen.

Routine

Nehmen Sie die Medikamente immer zur gleichen Zeit ein – das schafft Routine und hilft dabei, die Einnahme nicht zu vergessen.

Erinnerungen

Schreiben Sie sich Erinnerungen. Sie können dafür zum Beispiel Funktionen auf dem Smartphone nutzen, sich eine Notiz für die Pinnwand schreiben, oder es im Kalender vermerken.

Wussten Sie schon

Die besten Medikamente helfen nichts, wenn Sie sie nicht regelmäßig einnehmen und selbst beeinflussbare Risikofaktoren nicht meiden – Medikamente ersetzen einen gesunden Lebensstil nicht.

Geprüft Prim. Priv.-Doz. Dr. Georg Delle Karth: Stand Februar 2019 | AT-RAN-30-06-2019

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Dieser Kurs ist Teil der Kursreihe „Leben mit Angina pectoris“

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