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Kurs Behandlung der Angina pectoris: Lektion 5 von 7

Bypass bei Angina pectoris

Die Bypass-Operation ist eine häufige Therapiemaßnahme bei Verengungen von Herzkranzgefäßen. Was ein Bypass ist, wann diese Alternative zur Ballondilatation und zum Stent zur Anwendung kommt und wie der chirurgische Eingriff – Bypass bei Angina pectoris – durchgeführt wird, erfahren Sie in dieser Lektion. Darüber hinaus erhalten Sie wichtige Informationen, die Ihnen nach einer Bypass-Operation nützlich sein können.

Video Transkript

Was ist ein Bypass?

Wenn wir zu viele Engstellen in unseren Herzgefäßen haben, dann ist es manchmal nicht mehr sinnvoll, viele verschiedene Stents einzusetzen. Hier kann eine Bypass-Operation der bessere Weg sein, um den Herzmuskel wieder mit Blut zu versorgen. Man kann sich das so vorstellen: Wenn irgendwo ein Kanal verstopft ist, macht es manchmal keinen Sinn mehr, diesen Kanal wieder gut durchgängig zu machen. Sondern es sinnvoll, einen anderen Weg darum zu bauen.
Die Bypass-Chirurgie ist heute eine sichere Methode. Und in routinierter Hand wird es heute in vielen Fällen sinnvoll eingesetzt.

Wann ist eine Bypass-Operation notwendig?

Wenn Herzgefäße zu stark verengt sind, macht es manchmal keinen Sinn mehr, Stents einzusetzen. Man kann sich das so vorstellen: Man kann ja nicht die ganzen Gefäße mit einer Stentstraße auskleiden. Hier ist es sinnvoll, Umgehungskreisläufe zu bilden.
Hier ist die Bypass-Operation die Methode der Wahl. Hier kann man eigene Arterien verwenden, die eine hervorragende Langzeit-Offenheit darstellen. Und manchmal ist es auch sinnvoll, eigene Venen einzusetzen.

Wie läuft eine Bypass-Operation normalerweise ab?

Eine Bypass-Operation ist eine Operation am offenen Herzen. Man braucht dazu eine Allgemein-Narkose. Man braucht dazu eine Intensivstation. Es ist aber zu sagen, dass heute eine Bypass-Operation eine Routinemethode ist.
Nach einer Bypass-Operation muss ich typischerweise 14 Tage im Krankenhaus bleiben. Und nach einer Phase von zirka 4 bis 6 Wochen sind die meisten Patienten wieder voll belastungsfähig.

Wie unterscheiden sich die Operation mit und ohne Herz-Lungen-Maschine?

In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, auf eine Herz-Lungen-Maschine bei der Bypass-Operation zu verzichten.
Was ist eine Herz-Lungen-Maschine? – Die Herz-Lungen-Maschine ersetzt für kurze Zeit den eigenen Kreislauf. Geübte Operateure können heute auch am schlagenden Herzen eine Bypass-Operation durchführen. Das hat aber nur dann Sinn, wenn man ein, maximal zwei Bypässe einsetzt.

Was ist eine minimalinvasive Bypass-Operation?

Unsere chirurgischen Kollegen schaffen es heute, die Zugangswege immer kleiner zu machen. Es geht über eine Minithorakotomie, das heißt: Die Schnitte werden immer kleiner, und die Eröffnung des Brustraums wird auch immer kleiner.
Es kann sinnvoll sein, wenn eine kleine Bypass-Operation notwendig ist. Manchmal ist es besser, das Herz optimal mit Blut zu versorgen und den operativen Eingriff nicht zu klein zu wählen.

Welche Risiken birgt die Bypass-Operation?

In geübter Hand ist heute eine Bypass-Operation eine sichere Prozedur. Man muss allerdings dazu sagen: Wenn man mehrere Vorerkrankungen hat oder älter ist, muss man sich gut überlegen, ob eine Bypass-Operation vielleicht für den Gesamtkörper als zu belastend zu betrachten ist.

Was muss ich nach einer Bypass-Operation beachten?

Nach einer Bypass-Operation ist es durchaus üblich, ein Anschluss-Heilverfahren durchzuführen. Das heißt, dass ich wieder die alte Kraft erlangen kann, indem ich ein kontrolliertes Aufbauprogramm danach absolviere. Hier haben wir in Österreich mehrere hervorragende Rehabilitationszentren, die auf diese Patienten besonders spezialisiert sind.

Wie lange nach der Operation sind Schmerzen normal?

Das Schmerzspektrum nach Bypass-Operationen variiert grundlegend. Manche Patienten verspüren fast keine Schmerzen, manche brauchen doch eine einige Zeit, um wieder ganz schmerzfrei zu werden.
In der Regel sind die Schmerzen nach 4 bis 6 Wochen beendet.

Darf ich nach einer Bypass-Operation Sport treiben?

Wir ermutigen unsere Patienten, sei es nach Stent- oder nach Bypass-Operationen, körperlich aktiv zu bleiben. Das heißt: Nach einer kurzen Ruhepause, bis alle Wunden gut verheilt sind, soll Sport ausgeübt werden. Wir ermutigen alle Patienten, nicht zu Hause zu sitzen, sondern möglichst aktiv in den Alltag zu gehen.

Auf den Punkt gebracht

  • Ein Bypass wird dann eingesetzt, wenn Gefäße so stark geschädigt sind, dass ein Stent nicht mehr ausreicht.
  • Dabei wird das betroffene Herzkranzgefäß durch eine Umgehung überbrückt.
  • Ein Bypass kann auch mit anderen Therapiemaßnahmen kombiniert werden.

Was genau ist ein Bypass bei Angina pectoris ?

Der Begriff „Bypass“ bedeutet übersetzt „Umleitung“. Während der Bypass-Operation werden Umgehungskreisläufe angelegt, um verengte Gefäßabschnitte zu überbrücken und dadurch die Sauerstoffversorgung des Herzens zu gewährleisten. Als Spendergefäße kommen patienteneigene Gefäße, beispielsweise die Brustwandarterie, Unterarmarterien oder Venen des oberflächlichen Venensystems an den Ober- oder Unterschenkeln, infrage.

Grundsätzlich können Bypässe in verschiedenen Regionen des Körpers angelegt werden. Am bekanntesten ist jedoch die Bypass-Operation am Herzen. Diese ist mittlerweile Routine und zählt zu den häufigsten Herzoperationen überhaupt. Abhängig von der Anzahl der zu erstellenden Gefäßbrücken dauert ein solcher Eingriff zwei bis fünf Stunden.

Gründe für die Bypass-Operation

Eine Bypass-Operation wird unabhängig vom klinischen Beschwerdebild immer dann in Betracht gezogen, wenn:

  • mehrere Verengungen bestehen,
  • Verengungen im Hauptstamm der Herzarterie oder direkt daneben vorliegen,
  • das Therapieziel mittels interventioneller Therapie – also mit Ballondilatation und Stent – nicht zu erreichen ist,
  • eine Ballondilatation aufgrund einer ungünstigen Gefäßstruktur nicht möglich ist,
  • bei einer/einem DiabetikerIn eine Mehrgefäßerkrankung besteht,
  • ein Wiederverschluss von Stents oder Bypässen vorliegt.

Im Unterschied zur Ballonaufdehnung und Stentimplantation können durch eine Bypass-Operation nicht nur einzelne Engstellen therapiert, sondern auch längerstreckig erkrankte Gefäßabschnitte überbrückt werden.

Durchführung der Bypass-Operation

Die klassische Bypass-OP bedarf einer Eröffnung des Brustbeins. Da das offenliegende Herz dabei nicht schlagen darf, wird der Kreislauf währenddessen mit einer Herz-Lungen-Maschine aufrechterhalten. Anschließend legt die/der OperateurIn einen Arterienbypass oder einen Venenbypass.

Ist nur eine an der Herzvorderwand liegende Koronararterie betroffen, genügt zum Teil auch ein minimalinvasiver Eingriff am schlagenden Herzen. Diese sehr anspruchsvolle, für die/den PatientIn aber schonendere Operation wird über einen kleinen Schnitt zwischen den Rippen durchgeführt. Als Bypass dient vorzugsweise die linke Brustwandarterie, welche die/der ChirurgIn zum Herzkranzgefäß umleitet. Alternativ kann sie/er aber auch die rechte Brustwandarterie oder ein Armgefäß verwenden.

Wichtige Informationen für PatientInnen

Verläuft die Bypass-Operation ohne Komplikationen, treten danach in aller Regel keine Angina-pectoris-Beschwerden mehr auf. Das bedeutet aber nicht, dass ihre koronare Herzerkrankung der Vergangenheit angehört. Gelingt es Ihnen nicht, herzschädigende Risiken zu vermeiden, können sich jederzeit neue Verengungen bilden.

Was kann ich tun, um den Operations-Erfolg langfristig zu sichern?

Den wichtigsten Grundstein hierfür legen Sie durch einen gesunden Lebensstil. Verzichten Sie unbedingt auf das Rauchen, zu fettes oder zu salzhaltiges Essen und ausgiebigen Alkoholgenuss. Reduzieren Sie überflüssiges Gewicht und versuchen Sie, Stress zu vermeiden. Bewegen Sie sich dazu noch regelmäßig und gehen Sie möglichst oft an die frische Luft, haben Sie die bestmöglichen Voraussetzungen für den langfristigen Erfolg der Bypass-Operation geschaffen.

Wussten Sie schon

Die gute Haltbarkeit der linken Brustwandarterie als Bypass für die vordere linke Koronararterie ist in Studien belegt. Das Gefäß weist im Langzeitverlauf fast keine Arteriosklerose auf. Circa 90 Prozent der damit erstellten Bypässe sind nach 10 Jahren noch offen.

Geprüft Prim. Priv.-Doz. Dr. Georg Delle Karth: Stand Februar 2019 | AT-RAN-30-06-2019

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