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Kurs Pankreaskarzinom verstehen: Lektion 3 von 6

Operationsarten beim Pankreaskarzinom

Video Transkript

In welchen Fällen erfolgt eine Operation?

Eine Operation des Bauchspeicheldrüsenkrebses erfolgt dann, wenn der Tumor komplett entfernt werden kann. Das heißt, wenn noch keine Metastasen in entfernten Organen vorliegen und wenn auch von der Umgebung zu erwarten ist, dass das Tumorgewebe und die lokale Infiltration in die Umgebung komplett entfernt werden kann. Sollte das nicht in der Erstdiagnose der Fall sein, dann muss vor einer geplanten Operation eine andere Therapie durchgeführt werden, die in Form einer Chemotherapie oder einer kombinierten Chemotherapie zusammen mit Strahlentherapie erfolgt, um den Tumor so weit zu verkleinern und die Tumorzellen so weit zu behandeln, dass dann in einem zweiten Schritt die Operation komplett, das heißt radikal, erfolgen kann.

Wie wird entschieden welche Operation durchgeführt wird?

Die Entscheidung über die Art der Operation erfolgt anhand der bildgebenden Untersuchungen, das ist die Computertomographie und die Magnetresonanztomographie. Die Entscheidung fällt mit dem Ziel eine radikale Entfernung des Tumors, das heißt des Primärtumors, der sich in der Bauchspeicheldrüse befindet, sowie der Zellen die bereits in die Umgebung vorgewachsen sind, einschließlich der mit betroffenen Lymphknotenstationen in der Umgebung durchzuführen und wird anhand der vorliegenden bildgebenden Untersuchungen geplant.

Was passiert bei einer Pankreaskopfresektion?

Bei einer Pankreaskopfresektion wird, wie der Name sagt, der Kopf, das ist der rechte Anteil der Bauchspeicheldrüse, entfernt zusammen mit dem Zwölffingerdarm und dem durch die Bauchspeicheldrüse verlaufenden Gallengang. Das ist notwendig weil der Tumor in den seltensten Fällen ausschließlich punktuell auf die Bauchspeicheldrüse begrenzt ist sondern meist auch schon entlang von Lymphgefäßen, Blutgefäßen und den Nervenscheiden Tumorzellen vorgewachsen sind und daher das „en-block“, also komplett, entfernt wird. Das ist die erste Phase der Operation, die sogenannte Resektion. In der zweiten Phase, der Rekonstruktion, wird die normale Funktion der Organe durch Verbindungen der offenen bzw. abgetrennten Organe oder Organabschnitte wiederhergestellt. Das nennt man Anastomose. Es muss die Restbauchspeicheldrüse, der linke Teil der Bauchspeicheldrüse, wieder in ihrem Abfluss hergestellt werden. Der Gallenabfluss aus der Leber, der Gallengang, muss wiederhergestellt werden und zu guter Letzt auch der Abfluss aus dem Magen in den Dünndarm muss ebenfalls wieder rekonstruiert werden.

Was passiert bei einer Pankreaslinksresektion?

Bei einer Pankreaslinksresektion wird der linke Anteil der Bauchspeicheldrüse, das ist der Bauchspeicheldrüsenkörper und -schwanz entfernt. Das ist bei Tumoren die ab der Mitte der Bauchspeicheldrüse lokalisiert sind. Beim Pankreaskarzinom in dieser Lokalisation ist es so, dass nicht nur die linke Seite der Bauchspeicheldrüse, sondern auch die Milz mit entfernt wird – en-block – zusammen mit der Bauchspeicheldrüse. Das ist deswegen notwendig, weil die Abflüsse, die Drainage aus der Bauchspeicheldrüse auf der linken Seite über Lymphbahnen und Lymphknotenstationen erfolgt, die eine enge Nahebeziehung zu Milzgefäßen und zur Milz haben, sodass, wenn man diesen Tumor radikal komplett behandeln möchte, man auch die Lymphknotenstationen in diesem Bereich mit entfernt. Macht man eine Pankreaslinksresektion, so ist keine Rekonstruktion nötig, weil Galleabfluss, Bauchspeicheldrüsengangabfluss und der Magenabfluss erhalten bleiben. Es ist aber eine dichte Naht der Resektionsfläche, dort wo die Bauchspeicheldrüse in der Mitte abgesetzt wird, erforderlich.

Was passiert bei einer totalen Pankreatektomie?

Bei einer totalen Pankreatektomie aufgrund eines sehr ausgedehnten Pankreaskarzinoms wird die komplette Bauchspeicheldrüse entfernt. In den meisten Fällen zusammen mit der Milz, den Milzgefäßen, dem Zwölffingerdarm und dem Gallengang, der durch den Bauchspeicheldrüsenkopf fließt. Es muss dann im zweiten Schritt, in der Rekonstruktion, der Galleabfluss in den Dünndarm und auch der Abfluss des Magens in den Dünndarm wiederhergestellt werden. Bei einer totalen Pankreatektomie ist zu beachten, dass sämtliche Insulin und Glukagon produzierenden Zellen, die in der Bauchspeicheldrüse vorhanden waren, mit der Bauchspeicheldrüse entfernt wurden und Patienten und Patientinnen nach einer total Pankreatektomie insulinpflichtig sind.

Welche Auswirkungen hat die Operationsart auf die Ernährungssituation?

Die geringste Auswirkung hat die Pankreaslinksresektion auf die Ernährung. Hier kommt es zu keiner Veränderung der Passage vom Nahrungsmittelbrei aus dem Magen in den Zwölffingerdarm. Der Galleabfluss und das Bauchspeicheldrüsensekret über den Restpankreas werden ebenfalls normal abgegeben. Es ist hier zu beachten, dass aufgrund des Verlustes des linken Anteils der Bauchspeicheldrüse hier möglicherweise eine Reduktion in den Bauchspeicheldrüsenenzymen vorliegt, die in der postoperativen Phase mittels Enzympräparaten substituiert werden müssen. Es ist auch möglich, dass die Insulinproduktion in der Restbauchspeicheldrüse, zumindest für eine Zeit, nicht ausreichend ist um eine normoglykämische Stoffwechsellage zu gewährleisten und hier auch mit Antidiabetika, die in Tablettenform gegeben werden, oder auch zeitweise einer Insulingabe, der Blutzuckerspiegel kontrolliert werden muss. Bei einer Bauchspeicheldrüsenkopfresektion ist die Regeneration und die Aufnahme der Verdauung etwas langsamer. Es muss sich der Körper auf die veränderten Verdauungsprozesse einstellen. Insbesondere ist es so, dass die Vermischung mit der Galleflüssigkeit und mit dem Bauchspeicheldrüsensekret in einer anderen Art und Weise erfolgt. Es kommt der Nahrungsbrei aus dem Magen erst zuletzt zu dieser Mischung hinzu. Es braucht für gewöhnlich ein bis zwei Wochen bis sich hier der Körper auf die veränderten Verdauungsgewohnheiten umgestellt hat.

Wie lange dauert die stationäre Behandlung nach einer Pankreasoperation?

Die stationäre Behandlung nach einer Bauchspeicheldrüsenoperation hängt vom Ausmaß der Operation und vom postoperativen Verlauf ab. Idealerweise ist es zwischen einer Woche und zwei Wochen. Bei Pankreaslinksresektionen, welche vom Ausmaß die kleineren Eingriffe sind, ist die Regeneration für gewöhnlich sehr rasch und Patienten und Patientinnen können nach einer Pankreaslinksresektion nach einer Woche aus der stationären Pflege entlassen werden. Nach einer Pankreaskopfresektion ist die Erholung etwas langsamer. Im Schnitt nach 10 bis 12 Tagen können die Patienten und Patientinnen aus der stationären Pflege entlassen werden.

Geprüft Ao. Univ.-Prof. Dr. Martin Schindl: Stand 07.12.2018

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