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Kurs Pankreaskarzinom verstehen: Lektion 1 von 6

Von der gesunden Bauchspeicheldrüse zum Pankreaskarzinom

Video Transkript

Wie läuft der Kostaufbau nach der Operation ab?

Nach einer Bauchspeicheldrüsen-Operation werden Sie, sobald das aus medizinischer Sicht möglich ist, wieder Flüssigkeit zu trinken bekommen, das heißt Wasser, Tee, leicht gezuckerte Säfte, und innerhalb kürzester Zeit sollten Sie dann mit weichen breiigen Dingen, also zum Beispiel Obstmus, milden Suppen oder Weißbrot vorsichtig mit dem Essen beginnen. Entscheidend ist hier in erster Linie, dass Sie langsam essen, dass Sie gut kauen, dass Sie die Flüssigkeit vom Essen ein bisschen trennen. Das heißt: Es ist günstiger, dass Sie vorher eine Kleinigkeit essen, dann mindestens 10 Minuten warten und dann erst nachtrinken, damit einfach der Verdauungstrakt nicht gleich überfordert wird.

Und je nachdem, wie das Ausmaß Ihrer Operation war, sollte dieser Kostaufbau möglichst rasch erfolgen. Das heißt: Das Ziel ist, möglichst schnell wieder in eine abwechslungsreiche Ernährung überzugehen.

Natürlich wird man am Anfang schwer verdauliche oder stark blähende Speisen (sehr fettes Essen, Kraut, Kohl, Gurken, Paprika, Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen) meiden, weil dadurch Blähungen entstehen können. Blähungen sind grundsätzlich ungefährlich, aber sie machen Bauchschmerzen, und das ist etwas, das Sie in dieser Situation sicher nicht zusätzlich brauchen können.

Was können Betroffene daheim zur Ernährungsumstellung beitragen?

Ich glaube, die wichtigste Maßnahme ist, dass Sie auf Ihren Körper hören und ihrem Körper auch wieder einiges zutrauen. Das heißt: versuchen Sie bewusst zu essen, langsam zu essen und es immer wieder zu probieren. Wenn es momentan in der Situation nicht klappt, dann stellen Sie einen Handy-Alarm und probieren Sie in zwei Stunden noch einmal, eine Kleinigkeit zu essen, wie Weißbrot, Kipferl, Strietzel, Toastbrot, was auch immer.

Natürlich ist es viel einfacher, wenn Sie Angehörige haben, die Sie in dieser Phase unterstützen, die etwas für Sie einkaufen, etwas besorgen können, vielleicht einfache Mahlzeiten herrichten. Bitte kochen Sie keine aufwändigen und komplizierten Speisen. Häufig ist es nämlich so, dass bis Sie mit dem Kochen fertig sind der Betroffene schon viel zu müde ist, um diese dann zu essen oder der Appetit ist leider wieder weg. Versuchen Sie, Dinge zu bevorraten. Wenn man noch nicht so genau weiß, was klappt, könnten auch für einige Tage Kindergläschen eine gute Alternative sein, weil sie einfach weich, breiig sind und man sie bei Raumtemperatur lagern kann. Klar ist, dass das keine Langzeitlösung ist, weil sie den Kalorienbedarf von Kleinkindern decken sollen und nicht den von erwachsenen Menschen, die wieder zu Kräften kommen müssen.

Sie können natürlich auch jederzeit in dieser Phase auf Fertigprodukte zurückgreifen, die Sie lagern können. Oder vielleicht haben Sie vorab schon etwas vorbereitet, das Sie einfrieren und bei Bedarf eben dann sehr rasch zubereiten können.

Was ist parenterale Ernährung / Port?

Parenterale Ernährung ist Ernährung über den Blutweg. Das heißt: Die Patienten brauchen einen Zentralvenösen Zugang. Dieser zentralvenöse Zugang wird unter die Haut gelegt. Es wird dann eine Nadel gesetzt, und über diesen Zugang kann Ernährung direkt ins Blut verabreicht werden.

In diesen Ernährungsbeuteln sind alle Nährstoffe – das heißt Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate – in einer Struktur drinnen, so wie sie auch natürlich in unserem Blut vorkommen. Diese Ernährung enthält auch alle Mikronährstoffe, das heißt Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente. Und weil das Ganze in Wasser gelöst ist auch Flüssigkeit enthalten. Was Sie bedenken müssen ist, dass wir nur Bausteine infundieren, also Ihrem Körper per Infusion zuführen, können. Das heißt: Aus diesen Bausteinen muss Ihr Körper dann natürlich noch selbst Hormone, Muskeln, Körperzellen – was auch immer – machen. Deshalb muss man diese Form der Ernährung langsam zuführen, weil Ihr Körper Zeit braucht. Es ist ja auch über den natürlichen Weg über den Mund ähnlich: Wir können zwar zweimal am Tag essen, aber unser Magen gibt es dann langsam an den Körper weiter. Das heißt: Wir sind gewohnt, dass wir kontinuierlich versorgt werden. Weil andere Infusionen, die vielleicht tagsüber hängen, Ihre Situation einschränken, kann man diese Ernährungsinfusionen durchaus auch zuhause oder nachts machen.

Mittlerweile gibt es gute fertige Ernährungskonzepte und die Möglichkeit, dass Sie nach einer Schulung, die immer bei Ihnen zu Hause stattfindet, sich das selber an- und abhängen.

Geprüft Ao. Univ.-Prof. Dr. Martin Schindl: Stand 07.12.2018

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