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Kurs Über Lungenhochdruck sprechen: Lektion 3 von 6

Bedürfnisse bei Lungenhochdruck kommunizieren

Ihre Angehörigen und FreundInnen wollen Sie sicherlich unterstützen. Doch dazu müssen sie möglichst genau wissen, was Sie brauchen und sich wünschen. Genauso wichtig ist es, Ihre Grenzen gut abzustecken. So mancher schießt beim gut gemeinten Versuch zu unterstützen etwas über das Ziel hinaus. Weiters haben natürlich auch Ihre Angehörigen Bedürfnisse und Grenzen, die es zu berücksichtigen gilt. Deshalb ist eine gute und regelmäßige Absprache sehr wichtig.

So erkennen Sie Ihre Bedürfnisse

Vielleicht wissen Sie gar nicht so genau, was Sie eigentlich brauchen? Bedürfnisse können sich je nach Situation stark unterscheiden. Je früher Sie sie bemerken, umso besser geht es Ihnen und umso leichter können Sie gut für sich sorgen. Mit diesen kleinen Übungen erkennen Sie, was Sie brauchen und was Ihnen guttut:

Übung: Zwischendurch innehalten

Gewöhnen Sie sich an, mehrfach am Tag kurz innezuhalten und in sich hineinzuhorchen. Fragen Sie sich: Geht es mir gut? Beobachten Sie genau und geben Sie sich nicht mit der erstbesten Antwort zufrieden.

Beachten Sie verschiedene Aspekte:

  • Haben Sie Schmerzen oder Atemnot?
  • Fühlen Sie sich gestresst?
  • Wie steht es mit Ihren Gefühlen?

Wenn Sie feststellen, dass es Ihnen nicht gut geht, dann versuchen Sie herauszufinden, was Ihnen fehlt.

  • Was brauchen Sie jetzt gerade?
  • Ist Ihnen nach Rückzug oder Ansprache zumute?
  • Nach Ruhe oder Bewegung?
  • Haben Sie genügend gegessen und getrunken?
  • Brauchen Sie vielleicht frische Luft?

Wenn Sie nicht genau wissen, was Ihnen hilft, experimentieren Sie ein wenig.

Wenn Sie diese Übung im Alltag mehrfach täglich durchführen, gelingt es Ihnen auf Dauer immer besser, frühzeitig Ihre Bedürfnisse zu erkennen.

Übung: Was tut mir gut?

Übung: Was mir gut tut

Legen Sie eine Liste an, auf der Sie sammeln, welche Dinge oder Situationen Ihnen guttun und welche Sie belasten. Achten Sie dabei auch auf Tageszeiten, Wetter und andere Rahmenbedingungen.

Führen Sie eine Weile Buch über Ihr Befinden und tragen Sie alles ein, was Ihnen auffällt. Vielleicht stellen Sie fest, dass Ihnen ein Besuch am Nachmittag oder Abend schnell zu viel wird? Dann bitten Sie Freunde und Familie, lieber am Vormittag vorbeizukommen.

Richten Sie Ihr Augenmerk vor allem auf die positiven, unterstützenden Dinge. Diese Liste ist Ihre „Schatzkiste“. Mit den Dingen, die hier vermerkt sind, können Sie Kraft tanken.

Bedürfnisse und Grenzen kommunizieren: So klappt es

Diese Tipps helfen Ihnen dabei, gute Gespräche über Ihre Bedürfnisse zu führen:

  • Vermeiden Sie Tür- und Angel-Gespräche, sorgen Sie für ausreichend Zeit und Ruhe für einen ausführlichen Austausch.
  • Achten Sie darauf, dass alle Beteiligten zu Wort kommen und ihre Sichtweise ausdrücken können.
  • Verzichten Sie auf Vorwürfe oder Forderungen. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die gemeinsame Suche nach Lösungen.
  • Lassen Sie andere ausreden und nehmen Sie Gesagtes ernst.
  • Ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen sind genauso wichtig wie die Ihrer Angehörigen. Berücksichtigen Sie deshalb, was die anderen leisten können und wollen.
  • Sollte die Kommunikation sehr schwierig sein, können Sie einen neutralen Außenstehenden als Vermittler einschalten. Sprechen Sie dies aber vorher mit allen Beteiligten ab.

Ich-Botschaften statt Du-Botschaften

Um Konflikte zu vermeiden, können Ich-Botschaften sehr hilfreich sein. Dabei formulieren Sie nicht, was andere tun (sollen), sondern Sie drücken aus, wie es Ihnen geht. Ein Beispiel:

„Du kümmerst dich nie um mich!“ Eine solche Du-Botschaft wird leicht als Angriff verstanden. Ihr Gegenüber wird in die Defensive gedrängt und muss sich verteidigen. Im schlechtesten Fall wird aus so einem Gesprächsstart ein Austausch mit gegenseitigen Vorwürfen.

Besser: „Ich fühle mich alleine gelassen.“ Diese Ich-Botschaft drückt aus, wie es Ihnen geht. Das entspannt die Situation. Sie können nun gemeinsam die Gründe für Ihr Gefühl herausfinden und an einer Lösung arbeiten. Noch besser ist es, wenn Sie Ihre Ich-Botschaft gleich genauer erklären können. Drücken Sie aus, wie Sie sich fühlen und welche Bedürfnisse Sie haben. Bleiben Sie dabei sachlich und vermeiden Sie Wertungen und Vorwürfe. Wenn Sie möchten, können Sie eine konkrete Bitte anschließen. Eine solche Ich-Botschaft ist eine gute Basis, um Probleme gemeinsam und ohne Verletzungen zu besprechen.

Aber Vorsicht: „Ich finde, du kümmerst dich nie um mich!“ ist keine echte Ich-Botschaft, sondern eine sogenannte „verkleidete Du-Botschaft“. Schließlich geht es dabei nicht wirklich um Sie, sondern doch wieder um einen Vorwurf.

Erkennen Sie echte Ich-Botschaften?

Testen Sie sich: Welche Formulierungen sind echte Ich-Botschaften und welche sind verkleidete Du-Botschaften?

„Ich habe das Gefühl, du hörst mir gar nicht richtig zu.“

Ich-Botschaft
Verkleidete Du-Botschaft.

Richtig!

Falsch!

„Ich habe mich vielleicht ungeschickt ausgedrückt.“

Ich-Botschaft
Verkleidete Du-Botschaft

Richtig!

Falsch!

„Ich bin sauer, weil du mich nicht ernst nimmst.“

Ich-Botschaft
Verkleidete Du-Botschaft

Richtig!

Falsch!

„Ich wünsche mir, dass wir ein Gespräch auf Augenhöhe führen können.“

Ich-Botschaft
Verkleidete Du-Botschaft

Richtig!

Falsch!

„Ich schaffe nicht alles alleine und brauche häufiger Unterstützung.“

Ich-Botschaft
Verkleidete Du-Botschaft

Richtig!

Falsch!

„Ich finde, du solltest mich mehr unterstützen.“

Ich-Botschaft
Verkleidete Du-Botschaft

Richtig!

Falsch!

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Geprüft Dr. med. Iris Herscovici: Stand Dezember 2019

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Dieser Kurs ist Teil der Kursreihe „Leben mit Lungenhochdruck“

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Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

Bildnachweis: pikepicture, eveleen | Bigstock