5. Alltag und besondere Situationen

Wie schütze ich mich auf Reisen, bei langem Sitzen und in besonderen Lebenslagen effektiv?

Langes Sitzen – egal ob im Auto, im Zug oder im Flugzeug – erhöht das Risiko für Thrombosen . Deshalb ist es wichtig, regelmäßig in Bewegung zu bleiben.

  • Stehen Sie mindestens alle zwei Stunden auf und gehen Sie ein paar Schritte.
  • Bewegen Sie im Sitzen regelmäßig Füße und Beine, z. B. durch Kreisen oder Wippen.
  • Tragen Sie bei Langstreckenflügen Kompressionsstrümpfe. Sie helfen, die Durchblutung in den Beinen zu verbessern und sind in Apotheken oder Sanitätshäusern erhältlich.
  • Trinken Sie viel Wasser, vermeiden Sie Alkohol und koffeinhaltige Getränke.
  • Klären Sie mit Ihrem Arzt, ob eine zusätzliche Blutverdünnung notwendig ist.

Fußübungen gegen Thrombose im Sitzen

Schon kleine Bewegungen halten die Durchblutung in Schwung und verringern das Thromboserisiko. Diese Mini-Übungen können Sie während langen Sitzphasen, z. B. beim Reisen oder im Büro, alle 30–60 Minuten durchführen:

  • Fußkreisen: Heben Sie einen Fuß leicht an und kreisen Sie ihn 10–15-mal im Uhrzeigersinn, danach genauso oft in die andere Richtung. Wiederholen Sie das mit dem anderen Fuß.
  • Fußwippen: Stellen Sie beide Füße nebeneinander und wippen Sie abwechselnd auf die Fersen und auf die Zehen, etwa 10–15-mal.
  • Mini-Marsch: Ziehen Sie abwechselnd die Knie nach oben, so als würden Sie im Sitzen auf der Stelle marschieren. Wiederholen Sie das 10–15-mal.

Was muss ich bezüglich meiner Medikamente auf Reisen beachten?

Wenn Sie Medikamente einnehmen oder spritzen, ist eine gute Vorbereitung wichtig. Sprechen Sie vor der Reise mit Ihrem Ärzteteam, damit Ihre Medikation optimal auf die Reisedauer abgestimmt ist. Besonders bei Interferon-Injektionen sollten Sie die Intervalle in Ihre Planung einbeziehen.

Checkliste vor einer Reise mit Polycythaemia Vera

Ärztliche Rücksprache

  • Vor Reisebeginn Arzt oder Ärztin über Dauer und Ziel informieren
  • Medikamentendosis und Therapieintervalle (z. B. Interferon-Injektionen) anpassen lassen
  • Klären, ob eine zusätzliche Blutverdünnung notwendig ist (z. B. bei langen Flügen)

Medikamente organisieren

  • Genügend Medikamente für die gesamte Reisedauer mitnehmen (plus kleine Reserve)
  • Ärztliche Bescheinigung für die Mitnahme im Flugzeug oder ins nicht europäische Ausland einholen
  • Aktuellen Medikamentenplan bereithalten, möglichst auch auf Englisch

Lagerung und Transport

  • Kühltasche und Ice-Packs für Medikamente, die gekühlt werden müssen
  • Ice-Packs immer in ein Tuch wickeln, damit die Medikamente nicht einfrieren
  • Vor Ort prüfen, ob Kühlmöglichkeiten vorhanden sind (Hotel, Ferienwohnung)

Notfall-Vorsorge

  • Abklären, ob im Notfall ein Rezept an eine Apotheke im Reiseland geschickt werden kann
  • Adressen und Telefonnummern von Ärzt:innen oder Kliniken am Urlaubsort notieren, zusätzlich Telefonnummer Ihrer Auslandskrankenversicherung oder der Botschaft
  • Europäische Krankenversicherungskarte (oder passende Auslandskrankenversicherung) mitführen: Mit der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) können Sie sich in den meisten europäischen Ländern ärztlich behandeln lassen – ähnlich wie zu Hause. Für Länder außerhalb Europas brauchen Sie eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung.

Wie wirken sich Hitze, Infekte oder Stress auf mein Risiko aus?

Besondere Alltagssituationen können Ihren Körper zusätzlich belasten. An heißen Tagen verlieren Sie mehr Flüssigkeit, das Blut wird dickflüssiger und das Risiko für Thrombosen steigt.

Tipps für den Umgang mit Hitze

  • Trinken Sie ausreichend Wasser oder Tee
  • Legen Sie Ruhepausen ein
  • Vermeiden Sie körperliche Anstrengung in der Mittagshitze
  • Planen Sie anstrengende Tätigkeiten lieber in den kühleren Morgen- oder Abendstunden

Auch Infekte oder Fieber erhöhen den Flüssigkeitsbedarf und können die Blutwerte verändern. Suchen Sie frühzeitig ärztlichen Rat, wenn Sie krank werden. So lassen sich Komplikationen vermeiden und die Behandlung kann bei Bedarf angepasst werden.

Stress kann unbemerkt den Blutdruck erhöhen. Achten Sie auf Warnsignale wie Schlafstörungen, innere Unruhe oder schnelle Erschöpfung. Gönnen Sie sich Pausen, achten Sie auf ausreichend Schlaf und sprechen Sie offen mit Angehörigen über Belastungen. Entspannungsmethoden oder auch professionelle Beratung können Sie zusätzlich unterstützen.

Wachsamkeit und Gelassenheit im Alltag

Ein bewusster Umgang mit Ihrer Erkrankung bedeutet, wachsam zu bleiben, ohne sich dauerhaft zu sorgen. Beobachten Sie, wie es Ihnen geht, und achten Sie auf Veränderungen wie Schwellungen, plötzliche Schmerzen oder starke Müdigkeit.

Fragen zur Selbstbeobachtung

  • Wie geht es mir heute?
  • Habe ich genug getrunken?
  • Gibt es neue oder ungewohnte Beschwerden?
  • Hat sich mein Gewicht verändert?

Zögern Sie nicht, Warnzeichen mit Ihrem Ärzteteam zu besprechen. Oft bemerken Angehörige Veränderungen schneller – nehmen Sie deren Hinweise ernst. Je besser Sie Ihre Erkrankung verstehen, desto mehr Sicherheit gewinnen Sie im Alltag. Dieses Wissen gibt Ihnen Gelassenheit und stärkt das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit.

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    Geprüft Prof.in Dr.in Konstanze Döhner Stand: Januar 2025 | Quellen und Bildnachweis
    Thrombose
    Bildung eines Blutgerinnsels in einem Blutgefäß, das den Blutfluss blockieren kann. Kann in Venen oder Arterien auftreten.