3. Medizinische Vorsorge ernst nehmen

Welche Werte müssen regelmäßig kontrolliert werden und warum?

Damit die Behandlung von Polycythaemia Vera (PV) sicher und wirksam ist, müssen bestimmte Blutwerte regelmäßig überprüft werden. Ein komplettes Blutbild gibt alle zentralen Informationen.

  • Hämatokrit : Er zeigt, wie viele rote Blutkörperchen im Blut vorhanden sind. Liegt er über 45 %, steigt das Risiko für Blutgerinnsel (Thrombosen ). Deshalb sollte er möglichst unter 45 % bleiben.
  • Leukozyten (weiße Blutkörperchen) wehren Infektionen ab und Thrombozyten (Blutplättchen) helfen Blutungen zu stoppen. Wenn diese allerdings zu hoch sind, erhöht sich ebenfalls das Risiko für Komplikationen.
  • Leberwerte und Gerinnungswerte: Diese werden kontrolliert, wenn Sie Medikamente einnehmen, die Leber oder Blutgerinnung beeinflussen.
  • JAK2-Allel-Last: Dieser spezielle Laborwert zeigt, wie viele Blutzellen die krankheitsauslösende Veränderung (Mutation) tragen. Er wird nicht bei allen Patient:innen regelmäßig bestimmt, kann aber in bestimmten Fällen für die Verlaufskontrolle hilfreich sein.
  • Milzgröße: Da die Milz bei PV größer werden kann, wird sie regelmäßig von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin getastet oder per Ultraschall kontrolliert.

Wie oft Blutkontrollen?

Regelmäßige Kontrollen der Blutwerte sind wichtig, um den Verlauf der Polycythaemia Vera im Blick zu behalten. Diese Intervalle sind typisch:

  • Am Anfang oder bei Therapieänderungen: alle 2–4 Wochen.
  • Wenn die Krankheit stabil ist: meist alle 3 Monate.

Wie wirken die Medikamente und was muss ich beachten?

Zur Behandlung von PV gibt es verschiedene Medikamente. Alle Medikamente können Nebenwirkungen haben. Wichtig ist, dass Sie Beschwerden sofort mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin besprechen.

Acetylsalicylsäure (ASS)

Auch bekannt als Aspirin. Es wird in niedriger Dosis eingesetzt, um das Blut flüssiger zu halten und Gerinnsel zu verhindern. In dieser niedrigen Dosierung wirkt es nicht als Schmerzmittel, sondern speziell gegen Blutgerinnsel.

Mögliche Nebenwirkungen: Reizung des Magens, hier kann ein zusätzliches Magenschutzmittel entgegenwirken.

Hydroxyurea (Hydroxycarabamid)

Medikament in Tablettenform, das die übermäßige Bildung von roten und weißen Blutzellen und Blutplättchen bremst und dafür sorgt, dass das Blut nicht zu dick wird.

Mögliche Nebenwirkungen betreffen die Blutbildung, Magen-Darm oder Haut. Bei längerer Einnahme sind Hautarztkontrollen wichtig.

JAK-Inhibitoren

Moderne Medikamente in Tablettenform. Werden eingesetzt, wenn andere Therapien nicht ausreichend wirken. Sie blockieren bestimmte Signale im Knochenmark, die für die übermäßige Blutbildung verantwortlich sind. So können sie die Zahl der Blutzellen senken, die Milz verkleinern und die Beschwerden lindern.

Mögliche Nebenwirkungen: Meist gut verträglich, manchmal aber Übelkeit oder Schwindel.

Pegylierte Interferone

Diese Injektionen wirken langfristig und können nicht nur das Blutbild und die Beschwerden verbessern, sondern in manchen Fällen auch die Krankheitszellen selbst zurückdrängen. Dadurch haben sie das Potenzial, den Verlauf der Erkrankung günstig zu beeinflussen.

Mögliche Nebenwirkungen: Können grippeähnliche Beschwerden (Fieber, Glieder- oder Kopfschmerzen) auslösen.

Tipp: Abends injizieren und ggf. leichte Schmerzmittel (z. B. Paracetamol) nehmen.

Vorbereitung einer Operation mit Polycythaemia Vera

Vor einer Operation, auch bei kleinen Eingriffen wie beim Zahnarzt, sind die folgenden Punkte wichtig:

  • Der Hämatokrit sollte unter 45% liegen und die Blutplättchen (Thrombozyten) im Normalbereich sein. So wird das Risiko für Blutgerinnsel (Thrombosen) oder Blutungen verringert.
  • Informieren Sie alle behandelnden Ärzt:innen rechtzeitig über Ihre Erkrankung. Ihr Operationsteam sollte sich mit Ihrem Hämatologen abstimmen.
  • Manchmal ist es nötig, Medikamente wie Blutverdünner vorübergehend abzusetzen. Tun Sie dies aber nur nach ärztlicher Rücksprache!

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    Geprüft Prof.in Dr.in Konstanze Döhner Stand: Januar 2025 | Quellen und Bildnachweis
    Hämatokrit
    Anteil der festen Blutbestandteile am gesamten Blutvolumen, vor allem der roten Blutkörperchen. Ein hoher Wert macht das Blut zähflüssiger.
    Hämatologe
    Facharzt oder Fachärztin für Erkrankungen des Blutes und des blutbildenden Systems.
    Injektionen
    Verabreichung einer Flüssigkeit, meist eines Medikaments, in den Körper mithilfe einer Spritze und einer Hohlnadel. Dabei wird die Substanz direkt in das Gewebe oder die Blutbahn eingebracht, um eine schnelle oder gezielte Wirkung zu erzielen.  
    Leberwerte
    Blutwerte, die Aufschluss über die Funktion der Leber geben.
    Leukozyten
    Der medizinische Begriff für "weiße Blutkörperchen". Sie sind ein Teil des Immunsystems und spielen dort eine wichtige Rolle, indem sie dort Krankheitserreger bekämpfen. 
    Thrombose
    Bildung eines Blutgerinnsels in einem Blutgefäß, das den Blutfluss blockieren kann. Kann in Venen oder Arterien auftreten.
    Thrombozyten
    (Blutplättchen)
    Zellfragmente im Blut, die bei der Blutgerinnung und Wundheilung sehr wichtig sind.