2. Maßnahmen zur Akutbehandlung bei COPD

Was kann ich selbst tun, wenn sich meine COPD plötzlich verschlechtert?

Eine akute Verschlechterung der COPD kann Angst und Unsicherheit auslösen. Wichtig ist, dass Sie Ruhe bewahren, um Ihre Atmung nicht zusätzlich zu erschweren.

Eine gute Vorbereitung hilft Ihnen, im Ernstfall schnell und richtig auf eine COPD-Exazerbation zu reagieren. Beispielsweise können Sie folgende Techniken einüben, die Ihnen im Notfall helfen, besser Luft zu bekommen:

Lippenbremse
Durch das Ausatmen gegen einen leichten Widerstand bleibt die Luft länger in den Atemwegen und hält sie offen. Eine bekannte Technik ist die sogenannte Lippenbremse:

  1. Legen Sie die Lippen locker aufeinander und lassen Sie einen kleinen Spalt frei.
  2. Atmen Sie langsam und ruhig durch diesen Spalt aus, ohne zu pressen.
  3. Die Ausatmung sollte etwa doppelt so lange dauern wie die Einatmung.

Tipp: PEP-Systeme (Positive Expiratory Pressure) sind kleine Atemhilfen mit Mundstück, die das Ausatmen gegen einen Widerstand erleichtern. Sie können sowohl regelmäßig zum Üben als auch gezielt während einer Exazerbation eingesetzt werden. Besprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam, ob sich diese Therapie für Sie eignet.

Körperhaltung
Bestimmte Haltungen entlasten bei der Körperhaltung zudem den Brustkorb und unterstützen die Atmung. Bekannte Beispiele sind der Kutschersitz und die Torwartstellung.

Kutschersitz

  1. Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl und beugen Sie sich leicht nach vorne.
  2. Stützen Sie die Ellbogen auf den Knien oder einem Tisch ab.
  3. Atmen Sie ruhig und entspannt in dieser Haltung weiter.

Torwartstellung

  1. Stellen Sie sich schulterbreit und mit leicht gebeugten Knien hin.
  2. Beugen Sie sich etwas nach vorne und stützen Sie die Hände oder Unterarme auf die Oberschenkel.
  3. Entspannen Sie Schultern und Nacken und achten Sie auf eine gleichmäßige Atmung.

Hinweis: Sie können den Kutschersitz und die Torwartstellung sehr gut mit der Lippenbremse kombinieren.

Schleim lösen
Zäher Auswurf lässt sich durch stoßartiges Ausatmen („Huffing“) besser lösen, ohne die Atemwege zu belasten.

  1. Lehnen Sie den Oberkörper leicht nach vorne.
  2. Atmen Sie tief ein und halten Sie für einen Moment die Luft an.
  3. Stoßen Sie die Luft anschließend kräftig aber kontrolliert aus, als würden Sie eine Brille anhauchen.

Welche Behandlungen gibt es bei COPD-Exazerbationen und wie wird die passende Therapie für mich ausgewählt?

Eine akute Verschlechterung der COPD lässt sich in den meisten Fällen rasch stabilisieren. Je nach Schweregrad der Exazerbation kommen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zum Einsatz.

  • Bronchodilatatoren
    Bei leichten bis mittelschweren Exazerbationen helfen schnell wirksame bronchienerweiternde Medikamente. Sie werden meist inhaliert und entspannen die Muskulatur in den Atemwegen innerhalb weniger Minuten. Daher eignen sie sich gut als Bedarfsmedikamente für zu Hause.
  • Entzündungshemmer
    Wenn die Atemwege entzündet und angeschwollen sind, kann eine kurzfristige Therapie mit Kortison-Tabletten die Beschwerden deutlich lindern. Sie kommen vor allem bei mittelschweren bis schweren Exazerbationen zum Einsatz und können zu Hause angewendet werden.
  • Antibiotika
    Bei Exazerbationen mit bakteriellen Infektionen kann ein Antibiotikum zu einer raschen Besserung der Symptome führen. Leichtere Erkrankungen lassen sich oft ambulant behandeln. Bei schweren Verläufen kann auch ein kurzer Aufenthalt im Krankenhaus nötig sein.
  • Sauerstofftherapie
    Wenn der Sauerstoffgehalt im Blut zu niedrig ist, kann eine kurzfristige Sauerstoffgabe sinnvoll sein. Diese Therapie erfolgt unter ärztlicher Überwachung und kann wenige Stunden bis Tage andauern.
  • Nicht-invasive Beatmung
    Manchmal kann der Körper trotz Sauerstoffgabe nicht mehr genug Kohlendioxid abatmen. Bei starker Atemnot kann eine sogenannte nicht-invasive Beatmung die Atemmuskulatur zusätzlich unterstützen. In der Regel wird sie für kurze Zeit auf einer spezialisierten Überwachungsstation durchgeführt.

Wie funktioniert eine Sauerstofftherapie und welche Rolle spielt sie bei einer COPD-Exazerbation?

Bei einer schweren COPD-Exazerbation fällt der Sauerstoffgehalt im Blut vorübergehend stark ab. Um diesen Mangel auszugleichen, kann eine passagere Sauerstofftherapie erforderlich sein. Darunter versteht man eine kurzfristige Behandlung mit hochkonzentriertem Sauerstoff, bis sich die Werte wieder stabilisieren.

Nicht alle Patient:innen profitieren von zusätzlichem Sauerstoff. In manchen Fällen kann eine zu hohe Menge den natürlichen Atemantrieb dämpfen. Um Ihren individuellen Sauerstoffbedarf zu ermitteln, ist eine ärztliche Überwachung und Anpassung der Dosis notwendig.

Wie wird der Sauerstoffgehalt im Blut gemessen?

  • Pulsoximetrie: Ein Fingerclip mit Lichtsensor misst schmerzfrei die Sauerstoffsättigung im Blut.
  • Blutgasanalyse: Eine kleine Blutprobe aus dem Ohrläppchen oder einer Arterie reicht, um den genauen Sauerstoff- und CO2 Gehalt im Blut zu bestimmen.
  • Verabreichung
    Der Sauerstoff strömt über eine Nasenbrille oder eine lockere Gesichtsmaske durchgehend ein. Die genaue Dosierung legt eine Ärztin oder ein Arzt je nach Sauerstoffgehalt im Blut fest.  Bei schweren Exazerbationen erfolgt die Sauerstofftherapie mit Kontrolle der Blutgasanalyse in der Regel im Krankenhaus.
  • Dauer der Behandlung
    Sobald sich die Werte stabilisieren, wird die Sauerstoffmenge schrittweise reduziert und meist vollständig abgesetzt. Nur wenn der Sauerstoffmangel dauerhaft bestehen bleibt, kommt eine Langzeit-Sauerstofftherapie (LTOT) in Frage (Weitere Informationen finden sie in unserer Schulung  „COPD behandeln“).Dabei ist das Ziel, die Therapie mindestens 16 Stunden täglich durchzuführen. Für COPD-Patient:innen sind Sauerstoffkonzentrationen von 88-92% optimal.

Hinweis:  Bei einer LTOT passt Ihr Behandlungsteam die Dosierung an ihren individuellen Sauerstoffbedarf an. Während einer Exazerbation kann dieser jedoch vorübergehend erhöht sein.  Ändern Sie die Sauerstoffmenge in diesem Fall nicht selbstständig und sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam.

Was versteht man unter einer nicht-invasiven Beatmung (NIV) und was bringt sie bei einer COPD-Exazerbation?

Manchmal reichen Medikamente oder eine Sauerstofftherapie allein nicht aus, um die Atmung bei einer COPD-Exazerbation ausreichend zu unterstützen. In solchen Fällen kann eine nicht-invasive Beatmung (NIV) helfen. Bei der NIV wird über eine gut sitzende Maske Luft mit leichtem Überdruck in die Lunge geleitet. Beim Ausatmen hält ein geringer Restdruck die Bronchien offen. Dadurch kann verbrauchtes Kohlendioxid schneller abgeatmet und die Atemmuskulatur entlastet werden. In vielen Fällen verhindert diese schonende Methode eine invasive Beatmung über einen Schlauch.

Wichtig zu wissen: Die NIV unterscheidet sich von der Langzeit-Sauerstofftherapie (LTOT). Bei der LTOT wird dauerhaft hochkonzentrierter Sauerstoff zugeführt. Die NIV unterstützt die Atmung aktiv – meist mit Raumluft oder niedrig dosiertem Sauerstoff. Je nach Bedarf können beide Verfahren auch kombiniert werden.

Die nicht-invasive Beatmung wird immer unter ärztlicher Aufsicht begonnen. Meist erfolgt das in spezialisierten Zentren oder auf einer Überwachungsstation. Die Therapiedauer richtet sich nach dem Schweregrad der Exazerbation. Meist kommt es jedoch rasch zu einer Besserung der Symptome. Eine längere Behandlung über mehrere Tage ist nur selten notwendig.

Kann ich die nicht-invasive Beatmung auch zu Hause durchführen?

In bestimmten Fällen kann eine NIV auch nach dem Krankenhausaufenthalt weitergeführt werden. Das kann zum Beispiel nachts sinnvoll sein, um die Atmung im Schlaf zu entlasten. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob diese Methode für Sie in Frage kommt.

Wir freuen uns über Ihr Feedback

Wir entwickeln fortlaufend neue Kurse und lernen dabei nie aus. Dabei berücksichtigen wir gerne Ihre Wünsche und Anregungen. Wir freuen uns daher sehr über Ihr Feedback. Bitte beachten Sie, dass wir keine personenbezogenen medizinischen Auskünfte geben können. Sollten Sie dazu Fragen haben, klären Sie diese bitte in einem persönlichen Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt.


    (Optional - Sollten Sie eine Antwort wünschen)

    Diesen Kurs bewerten

    Ihr Feedback hilft anderen Nutzern die für sie passenden Kurse zu finden.
    Bitte bewerten Sie den Online-Kurs
    Geprüft Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour: Stand ?? | Quellen und Bildnachweis
    Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.
    ambulant
    Die Behandlung erfolgt ohne einen nächtlichen Aufenthalt im Krankenhaus.
    Exazerbation
    Eine Exazerbation kann bei vielen chronischen Erkrankungen auftreten. Dabei kommt es zu einer vorübergehenden Verschlimmerung der Symptome, die akut behandelt werden muss. 
    invasive Beatmung
    Invasive Beatmung bedeutet, dass die Atmung mithilfe eines Beatmungsgeräts unterstützt wird, wobei ein Schlauch durch den Mund oder die Nase in die Luftröhre eingeführt wird.