3. Psychotherapie bei Depression

Psychotherapie bei Depression erklärt

Medikamente (Antidepressiva) und Psychotherapie werden häufig in Kombination zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. In der Psychotherapie können Gefühle und Gedanken zur Sprache kommen und bearbeitet werden.

Was ist Psychotherapie?

Wörtlich beschreibt die Psychotherapie die “Behandlung der Seele”. In einer Gesprächstherapie können Betroffene ihre Gedanken, Sorgen und Probleme besprechen. Sie lernen eigene Verhaltensmuster kennen und verstehen und können Strategien entwickeln, die Ihre persönliche Entwicklung unterstützen.

Was bewirkt Psychotherapie bei Depression?

Das Ziel der Psychotherapie bei Depression ist, das Denken und Verhalten so zu adaptieren, dass ein Weg zu mehr Lebensfreude gut gelingt. Das psychische Wohlbefinden der PatientInnen soll gesteigert werden und das Leben im Alltag so wieder leichter zu bewältigen sein.

Therapien kombinieren

Die Standard-Therapie der Depression ist heute eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie. Medikamente gegen Depression schaffen dabei die Grundlagen und die Kapazität, auf der eine Psychotherapie gut fußt. Da eine Psychotherapie immer auch Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken und dem Verhalten bedeutet, ist es wichtig, dass PatientInnen bereits ein gewisses Maß an Stabilität mitbringen. Dies gelingt in der Regel am besten mit Medikamenten gegen Depression.

Wie finde ich eine Psychotherapeutin/einen Psychotherapeuten?

Eine Psychotherapie bei Depression begleitet PatientInnen im Idealfall über einen längeren Zeitraum. Somit sind Vertrauen in die Therapeutin/den Therapeuten und das Gefühl, sich im Gespräch gut aufgehoben zu fühlen, besonders wichtig.

Die Suche nach einer Therapeutin/einem Therapeuten kann durch Empfehlung von ÄrztInnen oder Bekannten erleichtert werden. Sie kann auch über Beratungsstellen oder auf eigene Faust im Internet erfolgen. Durch ein Erstgespräch können Sie herausfinden, ob “die Chemie stimmt” und Sie sich mit der Therapeutin/dem Therapeuten wohlfühlen.

Therapie ist kein Kaffee-Kränzchen, das ich aus Spaß mache. Ich stelle da mich und mein Handeln unter fachlicher Anleitung in Frage. Ich reflektiere mich und mein Handeln. Ich spreche Konflikte an, die ich mit anderen oder mit mir habe und versuche, neue Lösungswege zu finden.

Nora F.
Betroffene

Ablauf und Formen der Psychotherapie bei Depression

Zur Behandlung der Depression werden verschiedene Formen der Psychotherapie angeboten. Sie arbeiten auf unterschiedliche Art und Weise, aber alle mit dem Ziel, das Leben im Hier und Jetzt zu verbessern und einen gesunden Weg zurück in den Alltag zu ermöglichen.

Einen gemeinsamen Fahrplan erstellen

Sie fragen sich wahrscheinlich, wie der Psychotherapie-Ablauf funktioniert? Zu Beginn jeder Psychotherapie bei Depression wird der Ablauf besprochen und ein Konzept erstellt. Dabei stehen Ihre Wünsche und Ziele für die Psychotherapie bei Depression im Mittelpunkt: Warum möchten Sie die Psychotherapie machen? Was soll sich verändern?

Welche Psychotherapie bei Depression?

Es existieren verschiedene Formen der Psychotherapie. Jede setzt unterschiedliche Schwerpunkte. Drei Methoden, die häufig eingesetzt werden, sind die folgenden.

  • Kognitive Therapie bei Depression
    Die kognitive Therapie arbeitet lösungsorientiert. In der Therapie geht es darum, sich eigene Erwartungen, Wünsche und Gedanken zu vergegenwärtigen. Die PatientInnen lernen, eigene schädliche Denkmuster und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verstehen. Sie entwickeln Strategien, um diese durch gesündere Verhaltensweisen ersetzen zu können. Das Einüben und Trainieren dieser neuen Strategien ist ebenfalls Teil der Therapie.
  • Systemische Therapie bei Depression
    Die Systemische Therapie arbeitet ressourcen- und beziehungsorientiert. Sie betrachtet den Menschen in seinen zwischenmenschlichen Beziehungen und seinem Umfeld. Der Fokus liegt auf familiären, freundschaftlichen und beruflichen Beziehungen und „Systemen“. Ziel ist es, Strukturen zu verbessern, Muster und Motive zu erkennen und so eine gesunde Interaktion zu stärken.
  • Tiefenpsychologische Therapie bei Depression
    Die Tiefenpsychologische Therapie beschäftigt sich mit dem Unbewussten und der frühen Kindheit. Konflikte aus der Vergangenheit, die teilweise so früh stattfanden, dass womöglich keine konkrete Erinnerung existiert, können sich negativ auf das Erleben in der Gegenwart auswirken. In der tiefenpsychologischen Therapie werden frühe Belastungen und Traumata behandelt und deren Auswirkungen auf das Hier und Jetzt analysiert.

Dauer der Psychotherapie bei Depression

Die Dauer einer Psychotherapie bei Depression ist individuell. Sie kann zwischen einigen Wochen und mehreren Jahren variieren. Häufig ist eine kontinuierliche Begleitung und langfristige Behandlung über mehrere Jahre sinnvoll.

Meine Therapeutin ist kognitive Verhaltenstherapeutin und Schematherapeutin. Letzteres fand ich besonders hilfreich, vor allem in der Analyse des eigenen Verhaltes und bezüglich des Einordnens sich wiederholender Muster. Im Rahmen von diversen Krankenhaus-/Reha-/stationären Aufenthalten habe ich aber eine Fülle von Methoden kennengelernt. Wichtiger als die Therapiemethode ist die Beziehung zur Therapeutin.

Beatrice F.
Betroffene

Inhalte der Psychotherapie bei Depression

In der Psychotherapie bei Depression können Ängste und Unsicherheiten, Wut und Trauer besprochen und bearbeitet werden. Die Psychotherapie bietet idealerweise einen Rahmen, in dem Sie geschützt und ehrlich reflektieren können, wie es Ihnen geht und was sich in Ihrem Leben verändern soll.

Was passiert bei einer Psychotherapie bei Depression?

In der Psychotherapie bei Depression geht es speziell um Sie und Ihren Leidensdruck. Eine Psychotherapie ist eine Möglichkeit, sich Stück für Stück aus emotionaler Belastung zu befreien oder einen besseren Umgang mit der Belastung zu finden. Es gibt keine bestimmten Themen, die abgearbeitet und verfolgt werden müssen. Sie können gemeinsam mit Ihrer Therapeutin/Ihrem Therapeuten herausfinden und entwickeln, welche Probleme Sie besprechen und woran Sie arbeiten möchten. Oft tauchen erst durch das Gespräch Themen auf, derer man sich nicht bewusst war und die dann in einer neuen Sitzung wieder aufgenommen werden können.

Weitere Therapien bei Depression

Neben Therapien, bei denen das Gespräch im Mittelpunkt steht, gibt es weitere Therapiemöglichkeiten bei Depression, die gerne ergänzend angewendet werden.

  • Entspannungstherapie: Entspannungstechniken, wie Autogenes Training oder die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen, können dabei helfen, Anspannung zu lösen. Das Training hilft, in akuten Stresssituationen gezielt Entspannung zu bewirken und fördert die innere Ausgewogenheit.
  • Tanz- und Bewegungstherapien: Bewegung tut Körper und Geist gut, denn es werden dabei Endorphine ausgeschüttet, die positive Gefühle hervorrufen. Zudem stärkt die Bewegungstherapie das Gefühl und den Bezug zum eigenen Körper und kann Sie von zehrenden Gedankenspiralen befreien.
  • In der Kunsttherapie können Emotionen und Gedanken ohne Worte zum Ausdruck gebracht werden. Hier gilt es nicht einen künstlerischen Anspruch zu erfüllen, sondern es geht um die Beschäftigung mit sich, den eigenen Emotionen, Wünschen und Ängsten.

Entspannungsübung für Zuhause

Suchen Sie sich einen angenehmen und ruhigen Ort, legen Sie sich beispielsweise auf eine Matte oder setzen sich auf einen Stuhl. Schließen Sie die Augen. Atmen Sie tief durch die Nase ein und durch den Mund wieder aus. Spüren Sie, wie Ihr Atem ruhiger wird. Versuchen Sie, Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren Atem und Ihr Inneres zu richten. Wiederholen Sie die Übung einige Male hintereinander. Entspannungsübungen kann man trainieren, sie gelingen mit der Zeit immer leichter und können bald schon zu kleinen Verbesserungen des Befindens führen.

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Geprüft Prim. Dr. Christian Wunsch: Stand 22.05.2022 | TT_11654_22042022 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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