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Kurs B-Zell-Lymphome verstehen: Lektion 1 von 6

Was ist ein B-Zell-Lymphom?

Beim B-Zell-Lymphom handelt es sich um eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems. Es werden verschiedene Arten von B-Zell-Lymphomen unterschieden. In dieser Lektion erfahren Sie, wodurch sich B-Zell- und T-Zell-Lymphome, Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome sowie aggressive und indolente Lymphome unterscheiden.

Video Transkript

Was ist das lymphatische System und welche Aufgaben hat es?

Die Aufgaben des lymphatischen Systems sind es, den menschlichen Körper vor krankmachenden Erregern zu schützen.

Und das lymphatische System hat eigene Organe im menschlichen Körper:

  • Das sind die Lymphknoten. Die kennen wir. Wenn wir krank werden, schwellen die manchmal an. Das ist ein Zeichen, dass sie auch reagieren und arbeiten.
  • Und nachgeschaltet als eigenes Organ die Milz,
  • und im Grunde das gesamte Blutbildende System, da ja diese lymphatischen Zellen zum überwiegenden Teil aus Blutzellen bestehen, die im Knochenmark gebildet werden.

Was bedeutet Hodgkin und Non-Hodgkin-Lymphom?

Das Hodgkin Lymphom, der Name des Hodgkin Lymphoms geht zurück auf die pathologischen Zellen, das sind die Hodgkin-Reed-Sternberg-Zellen, benannt nach dem Herrn Hodgkin. Und dies ist eine ganz spezielle Art von Lymphdrüsenkrebs, bei der die eigentlichen krankmachenden Zellen nur einen ganz kleinen Anteil, nur ein, maximal zwei Prozent der Tumormasse ausmachen. Die restlichen Zellen, die die Tumormasse ausmachen, sind Begleitzellen, meistens eine immunologische Reaktion, die eben insuffizient ist, d.h. nicht ausreicht, diese Hodgkin-Reed-Sternberg-Zellen zu beseitigen.

Die andere Gruppe von den Lymphomen sind die sogenannten Lymphome, die sich vorwiegend aus den krankmachenden Zellen in ihrer Masse bilden. Und das sind eben Lymphomzellen. Und eben die Unterscheidung ist, dass die Körper oder dieses Lymphomvolumen dann auch nicht so sehr von der entzündlichen Begleitreaktion gebildet wird, sondern eben von den eigentlichen entarteten Lymphomzellen.

Was unterscheidet das B-Zell-Lymphom vom T-Zell-Lymphom?

Das B-Zell- Lymphom leitet sich von gesunden B-Zellen ab und unterscheidet sich von T-Zell-Lymphomen durch bestimmte Oberflächenmerkmale, die wir mittels Immunhistochemie auch bestimmen können.

Die überwiegende Zahl der Lymphome sind B-Zell-Lymphome. Wir haben im lymphatischen System spezialisierte Zellen mit unterschiedlichen Aufgaben. Und das B steht für Bone Marrow (Knochenmark), also das B leitet sich davon ab, und das sind Zellen, die vorwiegend im peripheren Blut patrouillieren und auch im Bone Marrow, also im Knochenmark gebildet werden. Und deren Aufgabe ist es, sich zu einer Plasmazelle zu entwickeln und Antikörper zu bilden, um virale Erreger zu eliminieren.

  • T-Zell-Lymphome oder T-Zellen, von denen sich T-Zell-Lymphome ableiten oder die aus entarteten T-Zellen bestehen, sind Zellen, die unterschiedliche spezialisierte Aufgaben haben.
  • Da gibt es unterstützende Zellen, also T-Helferzellen,
  • es gibt zytotoxische T-Zellen sind Zellen, die selbst befallene Zellen auch eliminieren können.
  • Und so gibt es auch verschiedene regulatorische T-Zellen, die alle eine ganz spezielle Aufgabe in diesem fein gesteuerten immunologischen System haben.

Worum handelt es sich beim B-Zell-Lymphom?

Beim B-Zell-Lymphom handelt es sich um bösartige transformierte Zellen des B-Zell-lymphatischen Systems. Das sind also Zellen, die im Gesunden für vorwiegend virale Abwehr zuständig sind.

Welche Arten von B-Zell-Lymphomen gibt es und wie unterscheiden sie sich?

Aufgrund ihrer Pathogenese, also der Entstehungsursache und der Zellen, von denen sie abstammen, gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen B-Zell-Lymphomen.

  • Im Wesentlichen unterscheiden wir solche, die sich von einer sehr unreifen jungen Zelle ableiten, sogenannte Vorläufer-B-Zell-Lymphome, die einen sehr aggressiven akuten Verlauf haben,
  • und dann reifzellige B-Zell-Lymphome. Von diesen reifzelligen B-Zell-Lymphomen gibt es wiederum solche mit einem aggressiven klinischen Verlauf und solche mit einem langsamen indolenten Verlauf.

Was bedeutet aggressives B-Zell-Lymphom?

Das aggressive B-Zell-Lymphom ist ein sehr rasch sich teilendes Lymphom. Die Lymphomzellen teilen sich sehr rasch, das heißt, es wächst auch sehr rasch. Die häufigste Form ist das diffus großzellige B-Zell-Lymphom.

Und dieses Lymphom betrifft beinahe die Hälfte aller Lymphom-Patienten. Und der therapeutische Zielansatz ist es, diese Patienten tatsächlich zu heilen. Und das gelingt auch in über 60 Prozent der Fälle. Das heißt, aggressive Lymphome sind kurativ zu therapieren.

Was bedeutet indolentes B-Zell-Lymphom?

Indolente B-Zell-Lymphome haben eine geringere Teilungsrate, das heißt, dass die Lymphomzellen selbst nur zu 10 oder 15 Prozent sich den Zeitpunkt nehmen, auf die es blickt mittels Histologie, sich gerade teilen. Und diese zeigen einen sehr, sehr langsamen Verlauf, klinischen Verlauf, ein sehr langsames Wachstum.

Und die Therapie richtet sich nach den Beschwerden der Patienten. Der Therapieansatz ist kein kurativer, sondern ein symptomatischer bzw. es ist das Ziel, dass man quasi sich mit der Krankheit arrangiert, dass man die Krankheit auch, die ja chronisch ist, aber weiter so chronifiziert, dass sie keine Beschwerden macht, und dass sie die Lebensqualität und auch die Lebenserwartung der Patienten nach Möglichkeit nicht einschränkt. Und das gelingt bei indolenten B-Zell-Lymphomen schon sehr gut.

 

Auf den Punkt gebracht

Was ist ein B-Zell-Lymphom?

  • Bei B-Zell-Lymphomen sind die B-Zellen des lymphatischen Systems bösartig verändert.
  • Es gibt viele verschiedene Arten von B-Zell-Lymphomen, die nach ihrer Entstehungsursache und nach dem Verlauf unterschieden werden können.

Entstehung eines Lymphoms

Vermehren sich die Lymphozyten aufgrund einer Entartung unkontrolliert, so entsteht ein Lymphom. Je nachdem, welche Lymphozytenart betroffen ist, wird das Lymphom den B-Zell-Lymphomen oder den T-Zell-Lymphomen zugeordnet. Der mit Abstand größte Teil (über 90 Prozent) aller Lymphome sind B-Zell-Lymphome.

B- und T-Lymphozyten

Lymphozyten sind eine bestimmte Art von weißen Blutzellen und ein wichtiger Teil des Immunsystems. Man unterscheidet zwei Unterarten von Lymphozyten. B- und T-Lymphozyten arbeiten bei der Bekämpfung von Krankheitserregern oder Krebszellen zusammen:

  • B-Zelle

    B-Zellen

    B-Zellen produzieren Abwehrstoffe, sogenannte Antikörper . Diese Antikörper richten sich spezifisch gegen körperfremde Strukturen (Antigene), oder markieren diese.

  • T-Zelle

    T-Zellen

    T-Zellen erkennen die als körperfremd markierten Fremdzellen und bekämpfen sie direkt. Sogenannte Killerzellen vernichten von Viren befallene Körperzellen und auch Krebszellen.

Morbus Hodgkin und Non-Hodgkin-Lymphome

Maligne (bösartige) Lymphome werden werden in zwei große Gruppen eingeteilt: Hodgkin-Lymphome (HL, auch Morbus Hodgkin) und Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL). Die Einteilung erfolgt je nachdem, ob unter dem Mikroskop sogenannte Reed-Sternberg-Riesenzellen gefunden werden. B-Zell-Lymphome können Hodgkin-Lymphome oder Non-Hodgkin-Lymphome sein.

Was sind Hodgkin-Lymphome?

  • Hodgkin-Lymphome sind nach ihrem Entdecker Thomas Hodgkin benannt.
  • Sie machen ca. 15 Prozent aller Lymphome aus.
  • In der überwiegenden Zahl der Fälle handelt es sich um B-Zell-Lymphome.
  • Sie befallen vorwiegend Lymphknoten, können aber auch Organe wie Milz, Leber oder Knochenmark betreffen.
  • Am häufigsten machen sie sich in Lymphknoten am Hals, hinter dem Brustbein oder in der Leistengegend bemerkbar.
  • Charakteristisch für Hodgkin-Lymphome ist das Vorhandensein sogenannter Hodgkin-Sternberg-Reed-Zellen im Mikroskop.
  • Bei entsprechender Behandlung stehen die Heilungschancen gut.

Was sind Non-Hodgkin-Lymphome (NHL)?

Lymphome, bei denen keine Hodgkin-Sternberg-Reed-Zellen im Mikroskop nachweisbar sind, werden als Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) zusammengefasst:

  • Sie machen ca. 85 Prozent aller Lymphome aus.
  • 90 Prozent der NHL sind B-Zell-Lymphome.
  • Non-Hodgkin-Lymphome können überall im Körper vorkommen, bevorzugt in Lymphknoten, aber auch in Milz, Leber, Knochenmark oder dem Verdauungstrakt.

Nach dem Grad der Entartung der Zellen und der Geschwindigkeit ihres Wachstums unterscheidet man zwei Arten von Non-Hodgkin-Lymphomen:

  • Indolente („nicht schmerzhafte“) NHL wachsen langsam und bleiben oft lange unbemerkt. Derzeit sind die meisten indolenten NHL nicht heilbar.
  • Aggressive (hoch-maligne) NHL wachsen rasch und haben unbehandelt eine schlechte Prognose. Die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung sind aber gut.

Welche Arten von B-Zell-Lymphomen gibt es?

Es gibt viele verschiedene Arten von B-Zell-Lymphomen. Das häufigste B-Zell-Lymphom ist das diffus großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL). Es handelt sich dabei um ein B-Zell-Lymphom, das zu den aggressiven, also schnell wachsenden, Non-Hodgkin-Lymphomen zählt:

Überblick Einteilung Lymphome

Überblick Einteilung Lymphome

Weitere B-Zell-Lymphome sind:

  • Morbus Waldenström (MW),
  • Mantelzell-Lymphom (MCL),
  • follikuläres Lymphom (FL),
  • Marginalzonen-Lymphom (MZL),
  • das Burkitt Lymphom (BL) und
  • das Multiple Myelom (Plasmozytom).

Zu den B-Zell-Lymphomen zählen außerdem manche Leukämien wie die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) oder die Haarzellleukämie (HZL).

Das diffus großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL)

Das diffus großzellige B-Zell-Lymphom zählt zu den aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen und stellt weltweit das häufigste Lymphom bei Erwachsenen dar. Pro 100.000 Einwohner erkranken jedes Jahr 7 Menschen an diesem Lymphomtyp.

Diffus großzelliges B-Zell-Lymphom: Männer sind häufiger betroffen als FrauenDiffus großzelliges B-Zell-Lymphom: Das Durchschnittsalter beträgt 70 JahreDiffus großzelliges B-Zell-Lymphom: 30 Prozent aller Non-Hodgkin-Lymphome

  • Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei etwa 70 Jahren, allerdings können auch wesentlich jüngere Menschen an einem DLBCL erkranken.
  • Grundsätzlich kann die Erkrankung bei beiden Geschlechtern auftreten, Männer sind jedoch etwas häufiger betroffen als Frauen.
  • Das diffus großzellige B-Zell-Lymphom macht etwa 30 Prozent aller Non-Hodgkin-Lymphome aus.

Geprüft Assoc. Prof. Priv.-Doz. DDr. Philipp Staber: Stand Februar 2020

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