1. Therapieoptionen

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Ist Lungenkrebs gut behandelbar?

Lungenkrebs ist mittlerweile eine sehr gut behandelbare Tumorerkrankung. Mit den modernen Möglichkeiten der Medizin sind wir heute in der Lage, für sehr viele Patienten gute Therapieergebnisse zu erzielen.

Das bedeutet nicht, dass wir alle Patienten heilen können. Aber das bedeutet, dass sehr viele Patienten sehr, sehr gut von modernen Therapien profitieren.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei Lungenkrebs?

Um eine Lungenkrebserkrankung zu behandeln, stehen uns heute verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, und das bedeutet insbesondere auch, dass verschiedenste medizinische Fachdisziplinen sehr, sehr eng zusammenarbeiten müssen, um optimale Therapieergebnisse für unsere Patienten zu erzielen.

Im Wesentlichen sind es drei sogenannte Therapiemodalitäten, wie wir das nennen, die wir einsetzen.

  • Das sind chirurgisch operative Verfahren,
  • das sind die Verfahren der modernen Strahlentherapie und
  • insbesondere jener Bereich, wo vielleicht die allergrößten Fortschritte gemacht wurden, nämlich der Einsatz von modernen Medikamenten.

Was ist eine Kombinationstherapie?

Wir wissen heute, dass viele Lungenkrebserkrankungen erst dadurch optimal behandelt werden können, dass wir eben unterschiedliche Therapiewerkzeuge in Kombination einsetzen.

  • Das bedeutet, dass wir vor allem in frühen Krankheitsstadien oft beispielsweise eine Operation mit einer medikamentösen Therapie kombinieren,
  • oder dass wir auch eine Strahlentherapie mit einer medikamentösen Tumortherapie kombinieren.

Erst diese Kombinationstherapie und dieses Zusammenwirken auch der unterschiedlichen medizinischen Fachrichtungen ermöglicht optimale Behandlungsergebnisse.

Wie lange dauert die Therapie bei Lungenkrebs?

Die Dauer einer Lungenkrebstherapie ist extrem unterschiedlich und hängt vor allem vom Erkrankungsstadium ab:

  • In einem früheren Erkrankungsstadium ist meistens eine definitive Therapiedauer vorgegeben. Das bedeutet, dass Patienten zum Beispiel eine Operation hinter sich bringen und anschließend für einen gewissen Zeitraum, der sich üblicherweise zwischen drei und zwölf Monaten bewegt, eine medikamentöse Therapie erhalten.
  • Bei Patienten in fortgeschrittenen Krankheitsstadien, Patienten also, die bereits eine metastasierte Erkrankung haben, ist die Dauer der Therapie oft gar nicht klar vorgegeben, sondern man behandelt diese Patienten in den meisten Fällen medikamentös. Und diese medikamentöse Behandlung wird dann solange fortgeführt, solange der Patient davon profitiert und natürlich, solange die Verträglichkeit der Therapie akzeptabel ist.

Behandlungsmöglichkeiten bei Lungenkrebs

Für die Behandlung von Lungenkrebs steht eine Reihe von Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Einige davon kommen bereits seit vielen Jahren zur Anwendung, andere sind erst in jüngster Vergangenheit entwickelt worden. Die passende Therapie wird individuell für Sie ausgewählt und orientiert sich an der Art und dem Stadium Ihrer Erkrankung.

Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten bei Lungekrebs

Operation

Eine chirurgische Behandlung hat in aller Regel das Ziel, den Tumor, wenn möglich, vollständig zu entfernen. Sie kommt vor allem in frühen Tumorstadien zum Einsatz.

Chemotherapie

Als Chemotherapie bezeichnet man die Gabe von Medikamenten (sogenannte Zytostatika). Diese richten sich gegen Krebszellen, die sich gerade in Teilung befinden. Nebenwirkungen können dadurch entstehen, dass auch gesunde Zellen des Körpers (Zellen des Blutes, des Verdauungstrakts, der Haut oder der Haarwurzeln) von diesem Effekt betroffen sind.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie oder Radiotherapie macht sich die schädigende Wirkung von ionisierenden Strahlen auf Tumorzellen zu Nutze. Wie bei der Chemotherapie werden vor allem Zellen geschädigt, die sich gerade in Teilung befinden.

Immuntherapie

Eine Immuntherapie bei Lungenkrebs unterstützt das körpereigene Immunsystem bei der Bekämpfung von Krebs. Die Medikamente bewirken, dass die Immunabwehr die Krebszellen erkennen und angreifen kann.

Zielgerichtete Therapien

Zielgerichtete Therapien attackieren direkt Tumorzellen, indem sie in die Mechanismen ihres Zellwachstums eingreifen. Damit sie wirken können, müssen bestimmte Störungen der Wachstumsregulation der Tumorzelle vorhanden sein. Diese Störungen können ihre Ursache wiederum in bestimmten genetischen Veränderungen der Zelle haben.

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Wovon ist die Art meiner Behandlung abhängig?

Die Art der Behandlung einer Lungenkrebserkrankung ist heute von sehr vielen verschiedenen Faktoren abhängig:

  • Das ist einerseits der Gewebetyp der Lungenkrebserkrankung, wo wir unterschiedliche Formen des Lungenkrebs unterscheiden, die auch unterschiedlich behandelt werden.
  • Das geht auch bis hin zu genetischen Tumorprofilen, die wir erstellen, wo wir anhand der Geneveränderungen im Tumorgewebe entscheiden, ob bestimmte Therapieverfahren sinnvoll oder nicht sinnvoll sind.

Ganz besonders sind da aber natürlich auch Faktoren entscheidend wie

  • das Alter des Patienten,
  • der Allgemeinzustand des Patienten,
  • eventuelle Begleiterkrankungen,
  • frühere Erkrankungen,
  • welche Medikamente nimmt der Patient ein?

Man muss, um eine optimale Therapie auswählen zu können, den Patienten in seiner Gesamtheit beurteilen.

Was versteht man unter einem Tumorboard?

Unter einem Tumorboard verstehen wir ein Zusammentreffen von Spezialisten aus unterschiedlichsten medizinischen Fachrichtungen, die sich in diesem Fall mit der Behandlung von Patienten mit Lungenkrebserkrankungen beschäftigen.

Diese Tumorboards finden in aller Regel einmal wöchentlich statt, und Sinn und Zweck ist es dabei, wirklich die Behandlungsmöglichkeiten aus unterschiedlichster Sicht zu betrachten und damit für jeden betroffenen Patienten das individuell bestmögliche Therapiekonzept unter Zusammenwirken aller Fachexperten zu erarbeiten.

Zu den im Tumorboard vertretenen Fachrichtungen zählen

  • internistische Onkologen,
  • Pulmologen,
  • Radiologen,
  • Pathologen,
  • Nuklearmediziner,
  • Thoraxchirurgen und

Warum kann es nach der Diagnose etwas dauern, bis die Behandlung beginnt?

Die Diagnose einer Lungenkrebserkrankung wird in aller Regel durch eine Probenentnahme, eine sogenannte Biopsie, aus dem Tumorgewebe gestellt. Damit ist die Diagnose gegeben.

Und was dann oft folgt, ist eine für Sie als Patient unter Umständen etwas beunruhigende oder belastende Zeit. Das ist die Zeit, wo wir als behandelndes Ärzteteam damit beschäftigt sind, das Ausmaß der Erkrankung möglichst exakt zu definieren.

  • Das umfasst bildgebende Untersuchungen.
  • Das umfasst in manchen Situationen aber auch zusätzliche Probenentnahmen, zum Beispiel aus dem Bereich unterschiedlicher Lymphknotenstationen im Brustkorb.

Diese Untersuchungen und damit auch die Zeit, die wir für diese Untersuchungen benötigen, sind extrem wichtig, extrem wichtig dafür, dass Sie als Patient die bestmögliche Therapie bekommen. Denn die Therapie ist letztendlich entscheidend davon abhängig, welches Tumorstadium vorliegt. Und das Tumorstadium ist nur zu definieren, wenn wir alle dafür erforderlichen Untersuchungen auch durchführen.

Wahl der Therapie bei Lungenkrebs

Nicht jede der Behandlungsmöglichkeiten kommt bei jeder Patientin/jedem Patienten in Frage. Welche Therapie bei Ihnen zielführend, aussichtsreich und auch verträglich ist, wird anhand Ihrer Befunde individuell entschieden.

Was ist ein Tumorboard?

Als „Tumorboard“ bezeichnet man ein Gremium von FachärztInnen, das gemeinsam über die individuelle Behandlung Ihrer Erkrankung berät. Im Falle einer Lungenkrebserkrankung sind das:

OnkologInnen, PulmologInnen, RadiologInnen, StrahlentherapeutInnen, PathologInnen, ChirurgInnen und NuklearmedizinerInnen

Sie diskutieren fachübergreifend Ihre Krankengeschichte und alle Untersuchungsergebnisse. In der Folge wird ein Behandlungsplan erstellt, der auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Die drei wichtigsten Aspekte bei der Therapiewahl sind:

Der Tumortyp:

Bei kleinzelligen Bronchialkarzinomen ist ein anderes Vorgehen sinnvoll als bei nicht-kleinzelligen.
Bestimmte Genveränderungen, die bei nicht-kleinzelligen Tumoren vorkommen können, ermöglichen spezifische Behandlungen.

Das Tumorstadium:

Befindet sich eine Tumorerkrankung in einem eher frühen Stadium, zielt die Behandlung auf eine Heilung ab. Man nennt das einen „kurativen“ Ansatz.
Bei fortgeschrittener Krankheit soll die Behandlung ein weiteres Voranschreiten verhindern und die Lebensqualität der PatientInnen verbessern. Man spricht von „palliativer“ Behandlung.

Die Verfassung der Patientin/des Patienten:

Die Wahl der Therapie muss auf Ihren Zustand als PatientIn Rücksicht nehmen. Lebensalter, körperliche und psychische Verfassung fließen in die Entscheidung ein, welche Therapie verträglich bzw. zumutbar ist.

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Wie können Metastasen behandelt werden?

Bösartige Tumoren wie der Lungenkrebs sind in der Lage, so genannte Tochtergeschwülste, also verstreute Tumorherde im Körper, sogenannte Metastasen zu verursachen.

  • In diesen Fällen tritt meistens die Bedeutung von Operationen oder Strahlentherapien, also von Therapieverfahren, die auf bestimmte Körperregionen beschränkt sind, in den Hintergrund. Im Vordergrund steht dabei die Behandlung der Erkrankung, der Gesamtheit der Erkrankung mit Medikamenten – Medikamente, die sich auf dem Blutweg im gesamten Körper verteilen und auf diese Art und Weise in der Lage sind, den Krebs an allen Stellen, wo er sich im Körper manifestiert, zu behandeln.
  • In manchen Fällen kombinieren wir diese medikamentöse Therapie dann auch mit lokal-therapeutischen Verfahren wie zum Beispiel Bestrahlungen, manchmal auch chirurgischen Metastasen-Entfernungen, um vor allem lokale Komplikationen wie Schmerzen oder die Bedrängung wichtiger Organe durch diese Metastasen zu behandeln.

Welche Unterstützung bekomme ich als PatientIn, damit ich meine Therapie gut bewältige?

Als Patient ist es für Sie von großer Bedeutung, dass Sie in ein gutes und umfassendes medizinisches Umfeld eingebettet sind.

  • Das besteht natürlich einerseits aus Ihrem behandelnden Onkologen, aus Ihrem behandelnden Ärzteteam, aber dieses Team reicht noch sehr, sehr viel weiter.
  • Da ist wichtig, dass Sie eine professionelle onkologische Pflege bekommen, dass Sie auch betreut werden von diätologischen Diensten, die Sie hinsichtlich Ihrer Ernährung unterstützen.
  • Das reicht bis hin zu Physiotherapie
  • und natürlich auch zu einer psychologischen Betreuung durch ein professionelles, psycho-onkologisches Team.

Einer der größten Fortschritte, die wir in der Onkologie in den letzten Jahren gemacht haben, ist ohne Zweifel diese zunehmende Interdisziplinarität, die es dem Patienten ermöglicht, wirklich auch aus unterschiedlichsten Richtungen optimal betreut zu werden.

Weitere Maßnahmen bei Lungenkrebs

Behandlung von Metastasen bei Lungenkrebs

Tumorzellen können über den Blutweg oder über Lymphbahnen in andere Körperregionen gelangen, dort anhaften und sich weiter vermehren. Solche Absiedelungen bezeichnet man als Metastasen.
Die häufigsten Orte für Metastasen bei Lungenkrebs sind die Lunge selbst, benachbarte Lymphknoten, Knochen (Wirbelsäule und lange Röhrenknochen wie z. B. Oberschenkel- oder Oberarmknochen), Leber, Nebennieren sowie das Gehirn.

Systemische (ganzkörperliche) Therapien wie Chemotherapie, Immuntherapie oder zielgerichtete Therapien wirken auch auf Metastasen.

Lokale Behandlungsmöglichkeiten sind abhängig von der Lage, der Größe und der Anzahl der Metastasen.

Strahlentherapie: Um die Nebenwirkungen der Strahlentherapie gering zu halten, wird das Bestrahlungsfeld möglichst streng auf das konkrete Krankheitsareal fokussiert. Z. B. bei Knochen- oder Gehirnmetastasen.

Operative Entfernung: Sie kommt in Frage, wenn Metastasen die Funktionsfähigkeit eines Organs einschränken oder durch Druck auf Körperstrukturen Beschwerden bzw. Schmerzen verursachen, z. B. bei Knochen- oder Gehirnmetastasen.

Medikamente: Bisphosphonate greifen in den Knochenstoffwechsel ein. Sie werden eingesetzt um die Knochenzerstörung durch den Tumor zu verhindern und Schmerzen zu lindern.

Sonstige Möglichkeiten: Sogenannte thermoablative Verfahren (wie Radiofrequenzablation oder laserinduzierte Thermotherapie) zerstören Metastasen mithilfe von Hitze – z.B. bei Lebermetastasen.

Begleitende therapeutische Maßnahmen bei Lungenkrebs

Einige weitere Maßnahmen dienen nicht unmittelbar der Behandlung Ihrer Krebserkrankung, können  aber für Ihr Befinden und Ihre Lebensqualität von entscheidender Bedeutung sein.

Psychoonkologische Unterstützung durch PsychiaterInnen/PsychologInnen/PsychotherapeutInnen, die auf die Betreuung von Krebskranken spezialisiert sind, hilft Ihnen dabei, die seelischen Belastungen zu verarbeiten.

Die Supportivtherapie hilft Ihnen, die Komplikationen der Krebserkrankung und ihrer Therapie so gut wie möglich zu bewältigen. Maßnahmen sind die Vorbeugung und Behandlung z. B. von Übelkeit und Erbrechen, Blutarmut (Anämie) oder fehlenden weißen Blutzellen (Neutropenie), von Infektionen oder Haut- und Schleimhautentzündungen.

Palliativmedizinische Betreuung dient der Unterstützung und der Verbesserung Ihrer Lebensqualität bei fortgeschrittener Erkrankung. „Palliative Care“ umfasst die Behandlung von Atemnot, Schmerzen und anderen körperlichen Beschwerden ebenso wie Hilfestellung bei psychosozialen Herausforderungen. Ihre individuellen Bedürfnisse als PatientIn stehen dabei im Mittelpunkt.

Komplementärmedizinische Maßnahmen kommen begleitend zur Krebsbehandlung zum Einsatz. Ihr Ziel ist die Minderung erkrankungsbedingter oder therapiebedingter Beschwerden zur Erhöhung der Lebensqualität. Beispiele sind Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen, Akupunktur, progressive Muskelrelaxation oder Hypnose.

Alternativmedizinische Methoden können im Einzelfall als Ergänzung zu den schulmedizinischen Behandlungen erwogen werden. Zu solchen Verfahren zählen zum Beispiel naturheilkundliche Arzneimittel, Misteltherapie, Lichttherapie und Harmonisierungsmethoden wie Yoga oder Meditation.

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  • Fragen an die Ärztin/den Arzt bei Lungenkrebs Im hektischen Klinikalltag bleibt häufig kaum Zeit für ausführliche Unterhaltungen. Um sicherzugehen, dass Sie nichts vergessen, können Sie sich mit dieser Fragenliste schon zu Hause auf das Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt vorbereiten und die wichtigsten Fragen schriftlich festhalten.

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Geprüft OA Dr. Georg Pall: Stand 07.09.2020 | AT-3781 | Quellen und Bildnachweis

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