4. Immuntherapie

Einsatz der Immuntherapie bei Lungenkrebs

Die Immuntherapie ist eine sehr junge Behandlungsmöglichkeit. Sie hat beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom in fortgeschrittenen Krankheitsstadien bereits gute Wirksamkeit und Verträglichkeit gezeigt. Aber auch beim kleinzelligen Bronchialkarzinom bringt die Immuntherapie Vorteile.

Weltweit werden derzeit viele Studien mit Immuntherapie bei verschiedenen Formen und Stadien von Lungenkrebs durchgeführt. Die Einsatzmöglichkeiten können dadurch erweitert und festgelegt werden.

Bisher wird diese Behandlung üblicherweise eingesetzt, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Es liegt ein fortgeschrittenes Tumorstadium vor.
  • Die Tumorzellen weisen eine bestimmte Oberflächeneigenschaft auf.
  • Der Tumor ist nicht operabel.

Gründe, die besondere medizinische Beobachtung erfordern:

  • Wenn eine Autoimmunerkrankung vorliegt.
  • Wenn eine Organtransplantation stattgefunden hat.
  • Während Schwangerschaft und Stillzeit.

Wie funktioniert die Immuntherapie?

Der Ansatz der Immuntherapie besteht darin, das körpereigene Immunsystem der PatientInnen im Kampf gegen die Krankheit zu unterstützen. Dies geschieht, indem der Wirkstoff Tumorzellen enttarnt und so für die Immunzellen wieder sichtbar macht.

Mithilfe von Oberflächeneiweißen können sich Krebszellen als ungefährliche Zellen maskieren und für das Immunsystem unerkannt bleiben.

Diese Eiweiße werden Immun-Checkpoint-Proteine genannt. Eines von ihnen ist „PD-L1“. Wenn ein PD-L1-Eiweiß („Schlüssel“) an ein PD-1-Eiweiß („Schloss“) auf der Immunzelle andockt, wird die Tumorzelle nicht als krank erkannt und nicht angegriffen.

PD-1 und PD-L1 können durch spezifische Medikamente blockiert werden, so dass die Immunzellen die Tumorzelle wieder als krank erkennen und bekämpfen. Darüber hinaus aktivieren sie das Immunsystem, gegen Krebszellen vorzugehen.

Diese Wirkstoffe nennt man Immun-Checkpoint-Inhibitoren. Ihre Namen enden mit der Silbe „-mab“, z. B. Durvalumab, Pembrolizumab oder Atezolizumab („mab“ steht für „monoklonale Antibody“ = Antikörper).

Ablauf einer Immuntherapie bei Lungenkrebs

Eine Immuntherapie wird ambulant in Form von Infusionen verabreicht. Vor der Infusionsgabe erfolgt ein ärztliches Gespräch und, falls erforderlich, eine körperliche Untersuchung. Die Infusion wird über einen Venenzugang oder, falls vorhanden, einen Port-Katheter gegeben und nimmt etwa 30 bis 60 Minuten in Anspruch. Der Abstand zwischen zwei Infusionen kann zwei bis sechs Wochen betragen.

Wie lange dauert eine Immuntherapie?

Die Dauer einer Immuntherapie ist abhängig von ihrer Wirksamkeit und ihrer Verträglichkeit. In jedem Fall ist sie jedoch langfristig angelegt. Ob eine Therapie bei gutem Ansprechen über 2 Jahre hinaus ausgedehnt werden soll, ist derzeit Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen.

Mögliche Nebenwirkungen der Immuntherapie bei Lungenkrebs

Eine Immuntherapie ist grundsätzlich gut verträglich. Nebenwirkungen sind dennoch nicht auszuschließen.

Welche Nebenwirkungen können im Rahmen der Infusion auftreten?

  • Während der Infusion kann es zu grippeähnlichen Symptomen wie Schwitzen, Schüttelfrost oder Fieber kommen.
  • Auch Schwindelgefühl, Juckreiz oder Kurzatmigkeit sind möglich.
  • Solche direkten Infusionsreaktionen treten etwa 30 Minuten bis 2 Stunden nach Infusionsbeginn auf und klingen spätestens nach 24 Stunden wieder ab.

Welche Nebenwirkungen können später auftreten?

  • Hautsymptome wie Ausschlag und Juckreiz sind die häufigsten immunvermittelten Nebenwirkungen. Zur Schonung der Haut sollten Sie intensive Sonneneinstrahlung meiden.
  • Auch immunvermittelte Entzündungen innerer Organe kommen vor, z. B. von Lunge (Husten, Kurzatmigkeit) oder Leber, seltener von Hormondrüsen.
  • Entzündliche Nebenwirkungen an Schleimhäuten können zu Bauchschmerzen oder Durchfall führen.
  • Mögliche allgemeine Nebenwirkungen einer Immuntherapie sind Appetitlosigkeit, Müdigkeit oder Kopfschmerzen.
  • Grundsätzlich kann eine Immuntherapie jegliche Art von Entzündung im Körper der Patientin/des Patienten verursachen. In äußerst seltenen Fällen können daraus auch bedrohliche Krankheitsbilder (Herzmuskelentzündung, Nervenentzündungen) resultieren.

Wussten Sie schon

Wenden Sie sich bei Auftreten von Nebenwirkungen umgehend an Ihr Behandlungsteam. Je früher etwas gegen immunbedingte Nebenwirkungen unternommen wird, desto besser sind diese behandelbar. In aller Regel werden sie durch eine Unterbrechung der Therapie und Einleitung einer Kortisonbehandlung therapiert.

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  • Fragen an die Ärztin/den Arzt bei Lungenkrebs Im hektischen Klinikalltag bleibt häufig kaum Zeit für ausführliche Unterhaltungen. Um sicherzugehen, dass Sie nichts vergessen, können Sie sich mit dieser Fragenliste schon zu Hause auf das Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt vorbereiten und die wichtigsten Fragen schriftlich festhalten.

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Geprüft OA Dr. Georg Pall: Stand 07.09.2020 | AT-3781 | Quellen und Bildnachweis

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