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Kurs Ernährung beim Pankreaskarzinom: Lektion 4 von 6

Einnahme von Verdauungsenzymen beim Pankreaskarzinom

Video Transkript

Was deutet auf eine Resorptionsstörung hin?

Resorptionsstörung bedeutet immer, dass Nährstoffe, die wir gegessen haben, nicht aufgespalten werden können, das heißt von den Scheren kleingeschnitten und vom Dünndarm aufgenommen. Das heißt wir: Wir haben etwas gegessen, das nicht in unserem Körper landet, sondern von den Darmbakterien verdaut wird. Und die Konsequenz der Darmbakterien ist, dass sie Blähungen machen. Das heißt: Eine Auswirkung ist immer Blähungen. Wenn zu viel Fett im Dickdarm ankommt, dann kann der Dickdarm gar nichts damit anfangen, und er schickt das nach draußen, was wir dann auch eben Fettstuhl nennen. Fettstuhl sehen Sie daran, dass der Stuhl heller wird, dass er vom Volumen her im Verhältnis zu dem, was Sie gegessen haben, überraschend viel sein kann. Sie können Fettstuhl auf daran sehen, dass er glänzt, dass er in der Toilette klebt und dass er unangenehm riecht. Das heißt: Wenn Sie in diesem Selbsttest mehr als eine Frage mit Ja beantworten können, dann sollten Sie eine Probe-Therapie mit Bauchspeicheldrüsenentzündung machen.

Wie wirken die Verdauungsenzyme in meinem Körper?

Die Verdauungsenzyme wirken grundsätzlich nur im Darm. Das heißt: Sie werden gar nicht im Körper aufgenommen. Verdauungsenzyme schneiden die Nahrung klein, und sie bleiben im Darm. Eine gesunde Bauchspeicheldrüse produziert bis zu 2 Liter Verdauungssaft. Das heißt: Sie ist eine kleine, aber sehr fleißige Drüse.

Grundsätzlich ist es so, dass es einen hormonellen Befehl zwischen Magen und Bauchspeicheldrüse gibt. Man kann sich das bildlich so vorstellen: Wenn der Magen Nahrung bemerkt, dann schickt er ein Signal an die Bauchspeicheldrüse und sagt: „Bitte produziere Enzyme. Jetzt kommt gleich Nahrung in den Darm.“ Nachdem es aber da kein Feintuning gibt und der Magen nicht weiß, wie viel wir vorhaben zu essen, produziert im Regelfall die Bauchspeicheldrüse zur Sicherheit immer etwas mehr. Weil, es könnt ja das Schnitzel etwas größer ausfallen. Das heißt: Diese Enzyme werden im Darm abgegeben. Dort spalten sie unsere Ernährung. Und Enzyme, die wir nicht benötigen, weil unsere Portion dann doch kleiner war, werden einfach mit dem Stuhl ausgeschieden.

Das heißt: Man kann nicht zu viele Enzyme schlucken, und man kann und sollte diese Enzyme zusätzlich zur normalen Therapie, man kann es mit jedem Medikament kombinieren, einnehmen. Das hat keine Auswirkung auf Ihren Körper.

Was passiert, wenn ich zu wenige oder zu viele Enzyme einnehme?

Wenn sie zu wenige Enzyme einnehmen, dann wird Ihre Nahrung nicht gespalten, und es kommt zu Fettstühlen.

Wenn Sie die Enzyme zu einem Falschen Zeitpunkt einnehmen, dann sind sie ebenfalls unwirksam. Das heißt: Es ist entscheidend, dass Enzyme (= „Scheren“) zugleich mit Ihrer Nahrung im Magen landen.

Wenn Sie mehr Enzyme nehmen, als es unbedingt nötig wäre, passiert faktisch gar nichts, weil diese, wie gesagt, ausgeschieden werden.

Klar ist, dass diese Enzyme industriell hergestellt werden und dass sie der Arzneimittelverordnung unterlegen. Das heißt: Es muss vom Arzt rezeptiert werden, und Sie bekommen diese Enzyme in der Apotheke. Enzyme machen das, was Ihr Körper, wenn er ganz fit ist, selber macht. Sie sehen aus wie ein Medikament, aber machen nur das was der Körper sonst selbst machen würde. Enzyme sind vergleichbar mit einer Gehhilfe. Das heißt: Wenn ich Schwierigkeiten beim Gehen habe, brauche ich eine Gehhilfe. Wenn ich mir mit der Verdauung schwertue, brauche ich eine Verdauungshilfe.

Nicht die Anzahl der Kapseln entscheidet, sondern einfach, dass Sie eine gute Verdauung haben. Das heißt: Wichtig wäre, dass Sie so viel Enzyme schlucken, dass Sie eine geregelte Verdauung haben, keinen Durchfall, keinen Hinweis auf Fettstuhl, dass Sie Ihr Gewicht halten können, oder wenn sie stark abgenommen haben, durchaus auch Gewicht zunehmen.

Zusammenfassend: Es sieht aus wie ein Medikament, ist aber das, was Ihr Körper, wenn er ganz fit wäre, von selbst tun würde.

Wann und wie nehme ich die Enzyme am besten ein?

Entscheidend ist, dass Sie die Enzyme zu Ihrem Essen dazu nehmen. Das heißt: Sie schlucken die erste Kapsel, wenn sie mit dem Mahlzeit beginnen, und schlucken bei Bedarf weitere, wenn Sie ausreichend essen können.

Wenn Ihr Magen entfernt werden musste oder ein Teil des Magens, dann sollten Sie diese Kapseln öffnen oder auch, wenn Sie umgangssprachlich einen Magenschutz nehmen. Magenschutz dient dazu, dass die Magensäure reduziert wird. Wenn Sie jetzt eine reduzierte Magensäure haben oder eben gar keinen Magen oder weniger Magen, dann werden diese Kapseln unter Umständen zu spät geöffnet, weil diese Enzyme sollen ja im Dünndarm wirken. Das heißt: Die Hülle der Kapsel ist dazu da, dass die Enzyme den sauren Magen überleben. Wenn es keinen sauren Magen gibt, dann sollten Sie bitte die Kapseln öffnen und nur die Kugeln schlucken.

Wovon hängt die einzunehmende Menge ab?

Die Menge der Enzyme hängt grundsätzlich mit der Art Ihrer Ernährung zusammen.

Fett ist jener Nährstoffe, der am schwierigsten zu verdauen ist. Das heißt: Je mehr Fett Ihre Ernährung enthält, desto mehr Enzyme brauchen Sie, sehr einfach gesprochen.

Wir gehen davon aus, dass man pro Gramm Nahrungsfett ungefähr 2.000 Lipase-Einheiten braucht. Die Anzahl der Lipase-Einheiten steht immer beim Produktnamen dabei, zum Beispiel 10.000 IE, 25.000 IE oder auch 40.000 IE. Das bezieht sich auf die Menge an Enzymen, die da drinnen sind, um Fett zu verdauen.

Aber in diesen Produkten sind nicht nur Enzyme für Fettverdauung, sondern auch für Eiweiß- und Kohlenhydratverdauung. Das heißt: Je mehr Sie essen hier, je fetter Ihre Nahrung ist, desto mehr Enzyme brauchen Sie.

Wichtig scheint mir hier noch zu sagen: Wenn Sie Trinknahrung nehmen, was ich individuell für sehr sinnvoll halte, dann müssen Sie die natürlich auch verdauen. Und gerade hier ist es auch wichtig, dass Sie gerade für Ihre Trinknahrung oder Astronautennahrung (das sind diese Fläschchen oder Päckchen, die es im Handel gibt und die Ihnen wahrscheinlich auch Ihr Behandlungsteam empfehlen wird, wenn Sie unter Gewichtsverlust leiden), dass Sie dann gerade für diese Produkte unbedingt an Ihre Enzym-Einnahme denken, sonst wirken die nämlich nicht. Und diese Nahrungen liegen ja in flüssiger und sehr konzentrierter Form vor.

Gibt es auch Großpackungen für Enzyme?

In Österreich ist die Lage so, dass Sie 500 Stück für ein Rezept bekommen können. Diese Rezepte müssen vom Chefarzt bewilligt werden. Da man aber viele Enzyme pro Tag braucht, also 6 Kapseln aufwärts im Schnitt, macht es schon Sinn, dass Sie sich von ihrem Arzt so eine Bündelpackung verordnen lassen. Mit dem Hinweis, dass Sie an Bauchspeicheldrüsenkrebs leiden, Fettstühle und Gewichtsverlust haben, werden die auch von allen Sozialversicherungsträgern im Regelfall bewilligt.

Download “Einnahme von Verdauungsenzymen”

Im Download “Einnahme von Verdauungsenzymen” haben wir hilfreiche Informationen für Sie zusammengestellt:

  • Ein Selbsttest hilft Ihnen dabei festzustellen, ob Sie eine Enzymtherapie in Betracht ziehen sollten.
  • Einnahmetipps, Informationen zur Dosierung sowie Beispielmahlzeiten helfen Ihnen im Alltag.

Geprüft Diätologin Elisabeth Hütterer: Stand 24.10.2018

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