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Kurs Ernährung beim Pankreaskarzinom: Lektion 3 von 6

Kostaufbau nach der Pankreaskarzinom Operation

Video Transkript

Wie wirkt sich ein Pankreaskarzinom auf die Ernährung aus?

Die Auswirkungen des Pankreaskarzinoms auf die Ernährung sind sehr unterschiedlich. Das hängt von der Lage des Tumors ab.

Am Anfang beginnen diese Tumore sehr klein, und man hat im Regelfall gar keine Auswirkung auf die Ernährung. Deswegen werden diese Art von Karzinomen leider häufig sehr spät diagnostiziert.

Es ist unterschiedlich, je nachdem wo der Tumor liegt. Wenn er zum Beispiel die Gallenwege betrifft, die Galle nicht mehr so gut abfließen kann, dann wird man zum Beispiel gelb, bekommt einen ganz dunklen Urin, einen hellen Stuhl, hat Übelkeit, Appetitlosigkeit. Es kommt auch häufig zum Gewichtsverlust. Das heißt: Die Patienten merken zu Beginn gar nichts, außer, dass sie Gewicht abnehmen, dass eine Diät, die sie schon lange machen wollen, plötzlich von selbst funktioniert. Sie haben nicht mehr so viel Hunger und denken zu Beginn, das sei eine gute Diät.

Bei anderen Patienten wird erst der Diabetes gefunden, das heißt Zuckerkrankheit. Es besteht plötzlicher Insulinbedarf, aber sie haben sonst kaum Auswirkungen auf die Ernährung.

Das heißt: Je nachdem, wie groß der Tumor ist und wo er liegt, kommt es dann zu Auswirkungen in der Ernährung.

Welche emotionalen Probleme können die Ernährungsprobleme mit sich bringen?

Ernährungsprobleme können deshalb emotional schwierig sein, weil wir auf der einen Seite mit essen können Gesundheit verbinden, mit nicht essen können Krankheit und letztlich Tod. Das kann ganz viel Stress machen. Aber wir wissen auch, dass zum Beispiel Mangelernährung oder fehlende Eiweißzufuhr zu Veränderungen im Gehirn führen. Und diese Veränderungen können zum Beispiel Depressionen auslösen.

Welche Auswirkungen hat die Behandlungsart auf die Ernährungssituation?

Die Auswirkungen der Behandlungsart auf die Ernährung hängen von der Art der nötigen Therapie ab. Das heißt, man wird immer eine Therapie wählen, die den Patienten möglichst wenig belastet, ihm aber eine gute Heilungschance bietet.

Wenn jetzt ein Teil des Organs entfernt werden kann oder muss, dann ist immer die Frage, welcher Teil.

Verallgemeinernd kann man sagen, dass im Kopf der Bauchspeicheldrüse die Enzyme produziert werden. Wir brauchen diese Enzyme, um unsere Nährstoffe aufzuspalten und zu verdauen. Das werde ich ein bisschen später erklären.

Im Schwanz der Bauchspeicheldrüse wird Insulin produziert. Dieses Insulin brauchen wir für unseren Blutzuckerstoffwechsel. Das heißt: Damit Energie, also Zucker, in jede Zelle kommt, wird Insulin benötigt. Und dieses Insulin wird von der Bauchspeicheldrüse produziert.

Zusammenfassend: Je nachdem, welcher Teil bei der Operation betroffen ist – Kopf mehr Enzyme, Schwanz eher Insulin.

Wenn Sie nach so einer Operation kein Diabetiker oder Diabetikerin sind, dann werden Sie höchstwahrscheinlich auch keine mehr werden. Das heißt: Das Organ kann das dann für immer meist gut aufrechterhalten. Aber Sie sollten den Blutzucker beobachten und kennen.

Chemotherapie hat meistens auf unseren ganzen Körper Auswirkungen. Hier sind Dinge wie zum Beispiel Übelkeit ein Punkt. Dafür gibt es aber tolle Medikamente. Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt drüber und nehmen Sie diese Medikamente so ein, wie es Ihnen auch der Arzt empfiehlt.

Auch die Strahlentherapie kann natürlich Übelkeit machen.

Und Appetitlosigkeit ist ein großes Thema. Aber dem Thema Appetitlosigkeit möchte ich später noch einen kurzen Beitrag widmen.

Warum kann es nach der ersten Operation zu Verdauungsstörungen kommen?

Verdauungsenzyme fehlen. Verdauungsenzyme wirken wie Scheren, sie schneiden unsere Ernährung kleiner. Nahrung, die wir zu uns nehmen wird zwar im Mund mechanisch gekaut, also geschnitten. Sie wird auch vom Magen bearbeitet. Aber sie ist von der Struktur her immer noch zu groß, dass sie der Dünndarm aufnehmen kann. Das heißt: Wir brauchen die Enzyme der Bauchspeicheldrüse. Die kann man sich bildlich vorstellen wie eine Schere. Die schneidet die Nährstoffe dann kleiner, damit sie der Dünndarm aufnehmen kann.

Wenn es so einen Enzymmangel gibt, also bildlich gesprochen einen Mangel an Scheren, dann bedeutet das, dass die Nahrung vom Dünndarm nicht aufgenommen werden kann, und der Körper kann dadurch diese Energie nicht nützen. Das heißt: Man nimmt ab, obwohl man eigentlich ausreichend isst.

Warum kann es nach der Operation zu Diabetes mellitus kommen?

Wenn bei einer Operation der Schwanz der Bauchspeicheldrüse entfernt werden muss, dann werden auch die Zellen entfernt, die für die Produktion von Insulin zuständig ist. Und wenn wir einen Insulinmangel haben, dann kann der Blutzucker nicht mehr in die Zellen aufgenommen werden, und wir sprechen von Diabetes mellitus.

Sollten Sie betroffen sein, gibt es keinen Grund, sich wegen Insulin zu fürchten. Es gibt wirklich gute Konzepte. Der Unterschied zu einem herkömmlichen Diabetiker, der als Ursache meist Übergewicht hat, ist bei Ihnen, dass Sie einen Mangel haben aufgrund ihrer Erkrankung. Und daher gelten für Sie leicht andere Ernährungsmaßnahmen.

Wodurch unterscheidet sich ein übergewichtiger Diabetiker von einem Patienten mit Pankreaskarzinom?

Der wesentliche Ernährungsunterschied ist, dass Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs einer bekömmlichen, leicht verdaulichen Nahrung bedürfen. Das heißt: Wenn Sie merken, dass Sie mit Vollkorn zum Beispiel eher Bauchschmerzen bekommen, dann sollten Sie auf fein vermahlenes Brot umsteigen, eher Weißbrot bevorzugen. Und ganz, ganz wichtig ist, dass Ihre Kalorienzufuhr an Ihre Bedürfnisse angepasst wird und dass Sie so viel Insulin spritzen, wie Sie brauchen, damit Sie Ihre Muskulatur, Ihr Gewicht halten können. Das heißt, der Zugang ist: Die Insulintherapie muss sich an Ihre Bedürfnisse anpassen und nicht Ihr Essen an die Insulintherapie. Es wäre ein Fehler, wenn Sie sagen: „Ich esse nicht, damit ich kein Insulin verabreichen muss.“

Geprüft Diätologin Elisabeth Hütterer: Stand 24.10.2018

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