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Kurs Hämophilie Gelenke Grundlagen: Lektion 1 von 5

Gesunde Gelenke

Aufbau und Funktion

Gelenke sind eine Grundvoraussetzung für Beweglichkeit. Durch ein perfektes Zusammenspiel mit der zugehörigen Muskulatur ermöglichen sie das schmerzfreie Gehen, Treppensteigen, Greifen und die sportliche Betätigung. Je nach Aufgabe und mechanischer Belastung unterscheiden sich die einzelnen Gelenke zwar in Form und Aufbau, grundsätzlich umfassen sie jedoch folgende Strukturen:

  • Gelenkkörper (die über das Gelenk beweglich miteinander verbundenen Knochenenden),
  • Gelenkknorpel (überzieht die Knochenenden),
  • Gelenkschmiere (befindet sich im Spalt zwischen den Knochenenden sowie um diese herum),
  • Gelenkkapsel (umgibt diese Strukturen),
  • Gelenkbänder (halten das Gelenk zusammen) und
  • Gelenkhaut (produziert die Gelenkflüssigkeit).

Nicht alle Gelenke sind gleich beweglich. Während Kugelgelenke wie das Schulter- oder das Hüftgelenk allseitige Bewegungen um drei Achsen ermöglichen, erlauben Sattelgelenke wie das Daumengrundgelenk eine Beweglichkeit nur in zwei Achsen. Scharniergelenke wie die Fingermittel- und Endgelenke beschränken sich auf das Beugen und Strecken in einer einzigen Richtung. Gleiches gilt für das Zapfengelenk, das beispielsweise im Ellbogen zwischen Elle und Speiche zu finden ist.

Eine wichtige Schlüsselrolle für die einwandfreie Funktion der Gelenke spielt der Gelenkknorpel. Bislang ist es niemandem gelungen, eine Substanz herzustellen, die über annähernd so gute Gleiteigenschaften verfügt wie die Knorpelsubstanz in den Gelenken. Das Knorpelgewebe besteht aus einem dichten Geflecht aus Knorpelzellen und elastischen, von einer wasserbindenden Grundsubstanz umgebenen Kollagenfasern. Da dem Knorpel eine direkte Anbindung an den Blutkreislauf  fehlt, wird er über die Gelenkschmiere mit Nährstoffen versorgt. Die sauerstoff- und nährstoffreiche Schmiere wird bei jeder Bewegung in den Gelenkspalt hineingeschwemmt. Bewegungsmangel führen dazu, dass der Knorpel „hungert“ und anfällig für Schäden wird.

Animation: Gelenkblutungen bei Hämophilie

Video Trankript

Gelenkblutungen zählen zu den stärksten Bedrohungen für Menschen mit Hämophilie, wie Peter. Wenn sie öfter auftreten, schädigen sie langfristig die Gelenke und die umliegende Muskulatur. Am häufigsten betroffen sind Sprung- und Kniegelenke. Blutungen in Ellbogen, Schulter oder Hüfte kommen vor, sind jedoch seltener.
Gelenke sind die beweglichen Verbindungsstellen zwischen den Knochen. Ihr Aufbau unterscheidet sich je nach Aufgabe und mechanischer Belastung. Grundsätzlich bestehen alle Gelenke aus folgenden Strukturen:

  • den Gelenkkörper, also die Knochenenden, die das Gelenk beweglich miteinander verbindet,
  • den Gelenkknorpel, der die Gelenkflächen überzieht,
  • die bindegewebige Gelenkkapsel, die das Gelenk umgibt
  • die Gelenkschmiere, die den Gelenkspalt ausfüllt und wie ein Gleitmittel wirkt.

Gelenke sind wahre Multitalente. Sie verleihen dem Körper seine Beweglichkeit und dienen bei plötzlichen, harten Bewegungen als Stoßdämpfer. Ihre Hauptaufgabe besteht in der flexiblen, aber dennoch stabilen Verbindung der einzelnen Knochen.

Da unsere Gelenke für jede von uns ausgeführte Bewegung unerlässlich sind, unterliegen sie tagtäglich großen Belastungen. So wirken beispielsweise auf das Kniegelenk:

  • im Stehen circa 70 Kilogramm
  • beim Laufen etwa 315 Kilogramm
  • beim Springen sogar um die 490 Kilogramm

Grundsätzlich gilt: Je höher das Körpergewicht ist, desto größer ist die Belastung.

Neben der täglichen hohen Beanspruchung gibt es weitere Faktoren, die sich negativ auf die Gelenkgesundheit auswirken können. Dazu zählen:

  • schlechte Ernährungsgewohnheiten,
  • Übergewicht,
  • Körperfehlhaltungen,
  • Bewegungsmangel,
  • falsches Heben und Tragen schwerer Lasten,
  • hohes Alter sowie
  • Verschleißerscheinungen und Arthrose.

Auch Gelenkblutungen können zu Schäden an den Gelenken und im schlimmsten Fall zur schmerzhaften hämophilen Arthropathie führen. Daher ist es wichtig, die Blutungen durch eine regelmäßige Prophylaxe zu verhindern.
Man sollte dennoch nicht denken, dass man die Gelenke durch wenig Bewegung schont, denn bei Erwachsenen fördert Bewegung die Produktion von Gelenkschmiere. So sind viele Sportarten (wie Schwimmen oder Fahrradfahren) auch bei Hämophilie fördernd für die Gesundheit der Gelenke.

Gesunder Gelenkstoffwechsel

Knorpelzellen unterliegen ständigen auf- und abbauenden Prozessen, die durch bestimmte Stoffwechselfaktoren gesteuert werden. Fehlende Bewegung, falsche Ernährung und negative Umwelteinflüsse können diese empfindliche Steuerung beeinflussen. Die Zellen regenerieren sich nicht mehr korrekt. Die Folge ist eine zelluläre Mangelernährung, die zu Arthrose, Arthritis, Gicht und Rheuma führen kann. Ist der Knorpel einmal zerstört, reiben die Knochen direkt aufeinander, wodurch jede Bewegung schmerzt.

Eine dauerhafte Umstellung des Körpers auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung beugt in Verbindung mit ausreichender Bewegung den genannten Beschwerden langfristig vor. Wichtige Mikronährstoffe wie Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe gelangen über das Blut in die Gelenkflüssigkeit und über diese auch in den Gelenkknorpel.

Folgende Nahrungsmittel sind besonders gelenkfreundlich:

  • Gemüse, Obst, frische Kräuter und Gewürze,
  • pflanzliche Öle und Fette (Lein-, Oliven-, Raps- oder Avocadoöl),
  • Seefisch,
  • Vollkornprodukte, Nüsse und Samen,
  • fettarme Milch und Milchprodukte wie Kefir, Buttermilch und Käse unter 45 % Fett i.Tr.,
  • Mineralwasser, Kräutertees und stark verdünnte Säfte.

Inhalte wurden in Zusammenarbeit mit dem Sportwissenschaftler Ralf Kalinowski entwickelt: Stand Mai 2017

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