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Kurs Lungenhochdruck verstehen: Lektion 5 von 7

Wie verläuft Lungenhochdruck?

„Wie geht es nun weiter?“ Diese Frage ist wohl die wichtigste, wenn Sie oder ein Angehöriger die Diagnose Lungenhochdruck bekommen haben. In dieser Lektion beantworten wir die häufigsten Fragen. Beachten Sie aber: Wie sich die Krankheit bei Ihnen entwickeln wird, können wir Ihnen natürlich nicht genau sagen. Je nach Ursache, Ausprägung und Gesundheitszustand kann dies sehr unterschiedlich sein. Details kann Ihnen deshalb nur Ihr behandelnder Arzt mitteilen.

Video Transkript

Woher weiß man wie schwer meine Erkrankung ist?

Die Schwere der Erkrankung wird Ihnen als Patient von Ihrem Arzt definiert. Er oder sie verwendet dafür das Grün-gelb-rote Ampelschema der Leitlinien, in das Ihre individuellen Werte hineinprojizierbar sind, wodurch man Ihr jährliches Sterberisiko berechnen kann.

Was sollten PatientInnen mit Lungenhochdruck vermeiden?

Patienten mit Lungenhochdruck sollten nicht schwanger werden, sollten nicht Opern singen und Trompeten blasen. Denn alle diese Aktivitäten steigern den Druck im kleinen Kreislauf.

Es ist sicher für Lungenhochdruck-Patienten auch nicht klug, auch wenn sie es können, dass sie Gewichte heben und in einem Fitnesscenter schwerste körperliche Beanspruchungen machen.

Warum ist eine Schwangerschaft bei Lungenhochdruck riskant?

Lungenhochdruck und Schwangerschaft sind nicht miteinander kompatibel. Warum? –Die Schwangerschaft führt zu einer Verdoppelung des zirkulierenden Volumens. Das heißt, dass unter Lungenhochdruck wird allein durch die physiologische Umstellung des Kreislaufs in der Schwangerschaft schwerer. Die nächste Hürde ist dann die Vergrößerung des Fötus und der Druck auf die Zirkulation, auf die Hohlvene. Und letztlich die mechanische Geburt, sei sie eine Sectio oder auch eine natürliche Geburt, ist eine enorme Herz-Kreislauf-Belastung, die von Patienten mit schwerem Lungenhochdruck dann nicht überlebt wird.

Darf ich als Lungenhochdruck-PatientIn Sex haben?

Lungenhochdruck-Patienten dürfen Sex haben. Ich gehe davon aus, dass Lungenhochdruck-Patienten exzellent behandelt sind. Wenn sie das sind, können sie eigentlich im Leben alles tun, was ein normaler gesunder Mensch tut. Wobei ich diese speziellen Aktivitäten wie Kugelstoßen, Opernsingen und Trompetenblasen da ein bisschen ausnehmen würde.

Kann ich trotz Lungenhochdruck Flugreisen unternehmen?

Patienten mit Lungenhochdruck, der gut behandelt ist, können Flugreisen machen. Wobei man immer davon ausgehen muss, dass in einer Flugkabine in 10.000 Meter Höhe die Sauerstoffspannung auf etwa 92-93 Prozent beim Gesunden abfällt. Das heißt: In demselben Ausmaß würde er auch etwa 5-Prozent abfallen bei einem Patienten mit Lungenhochdruck. Und manchmal ist es vernünftig, doch Sauerstoff mitzunehmen, wenn man schon in Ruhe grenzwertige Sättigungsspiegel hat.

Was sollte ich tun wenn ich als Lungenhochdruck-PatientIn bewusstlos war?

Patienten, die im Rahmen einer Lungenhochdruck-Erkrankung eine Bewusstlosigkeit erleben, sollten möglichst rasch an ein Zentrum gehen oder ihren betreuenden Arzt aufsuchen, damit eine Therapiesteigerung stattfinden kann.

Welchen Einfluss haben die PatientInnen selbst auf ihren Gesundheitszustand?

Patientinnen und Patienten beeinflussen stark mit, welcher Therapie für sie durchgeführt wird und nehmen ihr Schicksal mit in die Hand.

Welche sozialen Hilfen kann man sich erwarten?

Die soziale Hilfe für Patienten mit Lungenhochdruck ist sehr getragen durch die Selbsthilfegruppe Lungenhochdruck. Die vermittelt einerseits die Invalidisierungsanträge, die Sauerstoffhilfen bei Reisen und andere kleine Hilfen im täglichen Leben, wie z.B. die Verfügbarkeit von Sauerstoffgeräten auch zu Hause, den Umgang mit den Pumpen und sonstigen Devices, die Ihnen mit der Medikation verbunden sind.

Es gibt auch die Möglichkeit, um Teilbehinderung anzusuchen, um damit verschiedenste Hilfen im täglichen Leben in Anspruch nehmen zu können.

Wie verläuft unbehandelter Lungenhochdruck?

Wird eine PAH nicht behandelt, verschlechtern sich die Symptome weiter. Das Herz, das immer stärker gegen den erhöhten Druck ankämpfen muss, kann irgendwann versagen. Deshalb ist unbehandelter Lungenhochdruck eine lebensgefährliche Erkrankung. Allerdings gibt es verschiedene therapeutische Möglichkeiten, um das Fortschreiten zu verlangsamen und die Lebensqualität zu verbessern.

Ist Lungenhochdruck heilbar?

Lungenhochdruck kann derzeit leider nicht geheilt werden. Es gibt aber wirkungsvolle Therapien, die Ihre Beschwerden eindämmen, den Gesundheitszustand stabilisieren und die Lebensqualität deutlich verbessern können.

Was bedeuten die Schweregrade I bis IV?

Je nachdem, wie weit die Krankheit schon fortgeschritten ist, wird sie in die NYHA Klasse I bis IV eingeteilt (NYHA: New York Heart Association).

Klasse
I
Die Patienten sind in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit nicht eingeschränkt und entwickeln unter normalen körperlichen Belastungen keine stärkeren Symptome.
Klasse
II
Es gibt keine Beschwerden in Ruhe, aber die körperlichen Aktivitäten sind leicht eingeschränkt. Atemnot, Ermüdung und andere Symptome entstehen bei normaler körperlicher Anstrengung.
Klasse
III
Die Patienten müssen deutliche Einschränkungen hinnehmen. Zwar treten in Ruhe keine Symptome auf, aber schon leichte Belastungen verursachen deutliche Beschwerden.
Klasse
IV
In diesem Schweregrad treten schon im Ruhezustand Symptome auf, die sich schon bei geringster Aktivität verstärken. Dazu kommen deutliche Zeichen einer Herzschwäche.

Wie wirkt sich Lungenhochdruck auf den Alltag der Patienten aus?

Da körperliche Aktivitäten nur noch eingeschränkt möglich sind, hat die Erkrankung auch auf den Alltag und das Berufsleben Auswirkungen. Wie stark diese sind, ist im Einzelfall sehr unterschiedlich.

Wie ist die Lebenserwartung von Patienten mit Lungenhochdruck?

Die Lebenserwartung hängt stark davon ab, wie viele Schäden im Gewebe bereits entstanden sind und ob eine bzw. welche Grunderkrankung vorliegt. Manche Patienten leben noch viele Jahre gut mit ihrer Erkrankung.

Wie wird Lungenhochdruck behandelt?

Auch wenn die Erkrankung nicht heilbar ist, lassen sich die Beschwerden zum Teil sehr wirksam behandeln. Dazu stehen verschiedene Medikamente und andere Therapiemaßnahmen zur Verfügung. Auch die Behandlung der Grunderkrankung ist sehr wichtig. Außerdem können auch Sie selbst viel dafür tun, Ihre Lebensqualität und Ihre Belastungsfähigkeit deutlich zu verbessern: Ernähren Sie sich gesund, bauen Sie Übergewicht ab, bleiben Sie nach Ihren individuellen Möglichkeiten körperlich aktiv und vermeiden Sie Infektionen und Überlastung.

Wussten Sie schon

Lange Zeit hat man PatientInnen mit Lungenhochdruck empfohlen, sich zu schonen. Inzwischen weiß man: Angepasstes Training (nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt) und körperliche Bewegung sind wichtig und verbessern den Gesundheitszustand. Nur überfordern sollten Sie sich nicht. Wichtigstes Merkmal ist Ihre Atemnot: Wenn sie entsteht, war die Belastung zu viel und Sie sollten einen Gang zurückschalten.

Geprüft Univ.-Prof.in Dr.in Irene Lang: Stand Januar 2019

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