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Kurs Verletzungen bei Hämophilie: Lektion 4 von 5

Schmerzen bei Hämophilie

Gelenk- und Muskelblutungen verursachen starke Schmerzen. Die Schmerzbehandlung ist daher für Hämophiliepatienten ein wichtiges Thema.

Video Transkript

Was sind die Hauptgründe für Schmerzen bei Hämophiliepatienten?

Bei Patienten, die noch keine Gelenksveränderungen haben, sind die Hauptgründe für Schmerzen das Auftreten neuer Gelenkblutungen oder Blutungen in die Muskulatur. Die führen zum Teil zu ganz, ganz schweren Schmerzen, die auch dann mit Schmerzmitteln behandelt werden müssen.

Bei Personen, die bereits Schäden in Gelenken haben und bei denen eine massive Knorpel- und Knochenveränderung vorhanden ist, sind es die Schmerzen der sogenannten hämophilen Arthropathie, die zu einer starken Einschränkung der Mobilität und einer manchmal kontinuierlichen Schmerzhaftigkeit führen kann. Aber besonders stark sind die Schmerzen in der Frühe nach dem Aufstehen oder nach längerem Sitzen. Wenn Patienten wieder gehen, dann sind die ersten Schritte manchmal sehr schmerzhaft.

Welchen Ansatz verfolgt die Schmerztherapie bei Hämophilen?

Die Schmerztherapie bei Hämophilie-Patienten ist nicht so wesentlich anders im Vergleich zur Schmerztherapie bei nicht-Hämophilie-Patienten. Es ist aber in besonderer Weise darauf zu achten, dass gewisse Medikamente, die die Blutgerinnung und besonders die Blutplättchen stören, nicht angewendet werden. Also es wird mit bestimmten Medikamenten begonnen, die Ihnen Ihr Hämophilie-Therapeut verschreibt, die Sie einnehmen können. Es gibt auch Antirheumatika, die anwendbar sind und die Blutgerinnung nicht verändern,

Wenn chronische Schmerzen vorhanden sind, ist auch eine Physiotherapie gut und erleichternd in Bezug auf Schmerzen bei manchen Patienten.

Warum dürfen Hämophile manche Schmerzmittel nicht verwenden? Welche sind das?

In diese Gruppe von Medikamenten, die Sie als Hämophilie-Patient nicht verwenden dürfen, fallen alle, die Acetylsalicylsäure (ASS) beinhalten, weil dieses die Plättchenfunktion, die Thrombozytenfunktion beeinflusst und herabsetzt. Aber auch viele sogenannte Antirheumatika, die breit verschrieben werden bei nicht-Hämophilie-Patienten, da müssen Sie darauf achten, dass Sie nur ganz bestimmte, die die Blutgerinnung nicht beeinflussen, von Ihrem Arzt erhalten.

Schmerzen bei Hämophilie auf den Punkt gebracht.

Zu den Schmerzen ist zu sagen, dass viele junge Personen mit Hämophilie heute nicht mehr viele Schmerzen haben, aber trotz der Prophylaxe wir immer wieder das Auftreten einer hämophilen Arthropathie in den Sprunggelenken beobachten und dadurch auch Schmerzen auftreten.

Schmerzen können am besten dadurch vermieden werden, langfristig, dass die Prophylaxe ausreichend gut durchgeführt wird.

Wenn Schmerzen auftreten, dann stehen Akutschmerzmedikamente zur Verfügung, die speziell bei Hämophilie-Patienten eingesetzt werden. Es ist aber besonders wichtig, dass bestimmte Schmerzmedikamente, die die Blutplättchenfunktion stören, nicht angewendet werden. Das sind die überwiegende Zahl der Antirheumatika und alle Medikamente, die Acetylsalicylsäure (ASS) beinhalten.

Wie entstehen Schmerzen?

Akute Schmerzen resultieren meist aus Spontanblutungen in die Gelenke, die Haut, Muskeln oder andere Organe, chronische Schmerzen aus einer Gelenkschädigung (hämophile Arthropathie). Die Beschwerden sind häufig so stark, dass sie einen Teufelskreis aus Schonhaltung, Muskelverspannungen, Bewegungsmangel, Muskelschwund und Fehlbelastungen auslösen. Um dies zu verhindern, sollte die Schmerztherapie frühzeitig in die Hämophiliebehandlung einbezogen werden.

Schmerzmanagement und Schmerztherapie

Das Schmerzmanagement wird bei Hämophilen nach denselben Kriterien durchgeführt wie bei anderen Schmerzpatienten. Allerdings sind viele gut wirksame Schmerzmittel für Menschen mit Blutgerinnungsstörungen nicht geeignet, da sie die Blutgerinnung verzögern beziehungsweise die Blutplättchenfunktion stören. Strikt verboten sind beispielsweise Medikamente, die Acetylsalizylsäure (ASS; Aspirin) enthalten. Gleiches gilt für pflanzliche Präparate mit Weidenextrakt.

Für hämophile Kleinkinder empfehlen Ärzte das Schmerzmittel Paracetamol. Dieses gibt es nicht nur in Tablettenform, sondern auch als Zäpfchen und Saft.

Für Erwachsene kommen je nach Schmerzintensität Metamizol oder auch Opioide infrage. Medikamente wie Diclofenac oder Ibuprufen hemmen ebenfalls leicht die Blutgerinnung, können aber bei Bedarf in Absprache mit dem zuständigen Mediziner bei vielen Patienten zumindest vorübergehend eingesetzt werden.

Eine wichtige Voraussetzung für eine gezielte Schmerzbehandlung ist das Führen eines sogenannten Schmerztagebuches, in dem Sie alle für die Behandlung wichtigen Informationen notieren, zum Beispiel:

  • den Zeitpunkt und die Stärke der Schmerzen,
  • den Medikamentenbedarf sowie
  • Angaben über Ihr allgemeines Wohlbefinden und Ihre Aktivität.

Inhalte wurden in Zusammenarbeit mit Univ. Prof. Dr. Pabinger-Fasching entwickelt: Stand Jänner 2017

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.