Was kann mein Behandlungsteam tun, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden?
Grundsätzlich werden wir alles tun, um mögliche Nebenwirkungen der Therapie zu verhindern. Dazu gehören diverse Prophylaxe , die wir verabreichen werden. Antibiotikamittel und Mittel gegen Viren.
Darüber hinaus würden wir Ihnen ein Mittel gegen eine Thrombose verabreichen. Dazu gehört eine Blutverdünnung und letztlich auch Augentropfen, um Beschwerden wie Augenjucken, Augenbrennen zu verhindern. Grundsätzlich gilt auch hier: die Therapie bringt diverse Nebenwirkungen mit sich. Und darauf können wir mit vielen Methoden reagieren. Wichtig ist vor allem, dass wir es frühzeitig tun. Und das würden wir auch machen, indem wir die Dosis der Myelomtherapie reduzieren oder eine Therapiepause einlegen. So kann sich zum Beispiel das Blutbild erholen. Die Neuropathie, das heißt „Kribbeln in Händen und Füßen“, kann sich erholen, indem wir die Dosis reduzieren oder die Therapie gänzlich absetzen. Wichtig ist, darüber zu reden und eine Rückmeldung zu geben an den Arzt, damit wir hier schnell reagieren können.
Welche regelmäßigen Kontrollen helfen dabei, Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen?
Zur regelmäßigen Kontrolle gehört vor allem das Gespräch. Sie werden regelmäßig einen Termin beim Arzt haben und sich hier über Nebenwirkungen unterhalten. Hier ist vor allem für mich wichtig, gezielt nachzufragen, aber auch für Sie über diese Therapiewirkungen nachzudenken und sie mir zu berichten. Häufig tun Patienten das, indem sie kleine Tagebücher führen und Nebenwirkungen aufschreiben und sich dann im Gespräch daran erinnern. Manchmal sind es einfache Ereignisse, die aber für mich trotzdem entscheidend sind und auf die wir reagieren können, indem wir die Dosis reduzieren oder Therapie pausieren oder Therapien einsetzen, um diese Nebenwirkungen zu behandeln.
Grundsätzlich werden Sie bei den meisten Besuchen beim Arzt auch eine Blutabnahme abgeben. Das heißt, wir werden regelmäßig Ihr Blutbild kontrollieren, aber auch die Nierenfunktion, die Leberfunktion und noch diverse andere Parameter abnehmen, um Ihre Organfunktionen zu kontrollieren. Wichtig ist hier vor allem das Blutbild. Das heißt, wir werden die weißen Blutkörperchen, die roten Blutkörperchen und die Plättchen kontrollieren. Denn so können wir reagieren, indem wir entweder Therapie pausieren oder die Dosis reduzieren oder sie ganz absetzen oder sie weiter behandeln. Da gibt es diverse Ansatzformen Wachstumsfaktoren, Transfusionen oder andere Dinge. Vor Therapiebeginn werden Sie außerdem einmal den Zahnarzt aufsuchen müssen, denn wir werden sie mit einer Substanz behandeln, die ihre Knochen härtet. Und diese Substanz hat als Nebenwirkung auch gerne mal eine Entzündung des Kiefers zur Folge. Deswegen werden wir versuchen, die Zähne und das Gebiss vor Therapiebeginn zu sanieren, wenn nötig, um dann spätere Nebenwirkungen zu vermeiden. Darüber hinaus werden sie auch einmal zum Kardiologen gehen müssen. Das heißt, wir werden einmal Ihr Herz untersuchen mit EKG und Echo, das heißt einem Herzultraschall, um die Pumpfunktion Ihres Herzens festzustellen.
Bei jedem Besuch in unserer Ambulanz werden die Vitalparameter gemessen. Dazu gehört der Blutdruck, der Puls und die Temperatur. Auch die Atemfrequenz messen wir und häufig werden wir sie auch nach Größe und Gewicht fragen. Dies wird jedes Mal gemacht, wenn Sie in unserer Ambulanz kommen. Vor allem werden wir Voruntersuchungen machen, bevor die Therapie losgeht. Im Laufe der Therapie werden wir weitere Untersuchungen in der Regel nur machen, wenn Sie Beschwerden entwickeln und sie dann zum jeweiligen Facharzt schicken, um weitere Untersuchungen zu leisten.
Welche Möglichkeiten gibt es, Nebenwirkungen durch Medikamente zu lindern?
Zuallererst wird sich sicherlich das Blutbild verändern durch unsere Therapie. Denn die Blutbildveränderungen, das heißt eine Anämie , eine Blutarmut, führen zu einem Abfall der weißen Blutkörperchen, das heißt zu einer Immunsuppression oder auch zu niedrigen Plättchen. Das heißt, Veränderungen der Blutgerinnung ist eine bedrohliche Veränderung. Insofern wird das allem zuvor stehen und das sollten wir auch immer unbedingt behandeln. Hier gibt es diverse Therapiestrategien. Die erste Strategie ist sicherlich immer, die Therapie zu pausieren und danach gegebenenfalls auch die Dosis zu reduzieren. Das ist das Allerwichtigste. Natürlich können wir diese Nebenwirkungen auch konkret behandeln. Das heißt, wir können zum Beispiel Ihnen eine Blutkonserve geben, falls der rote Blutfarbstoff zu niedrig ist. Das Gleiche gilt für die Thrombozyten , die Plättchen. Auch hier können wir Ihnen einen Beutel Thrombozytenkonzentrat geben. Die weißen Blutkörperchen können wir anregen mit Wachstumsfaktoren, die die Produktion von weißen Blutkörperchen anregt, so dass sie eine bessere Abwehr haben. Andere Substanzen stehen uns zur Verfügung, um viele Nebenwirkungen zu behandeln. Leider stehen uns für die Polyneuropathie, sehr wenig Substanzen zur Verfügung. Deswegen ist hier wichtig, dass wir frühzeitig darüber reden, damit wir die Dosis reduzieren können oder die Therapie komplett absetzen können. Wir können die Neuropathie behandeln, vor allem mit Physiotherapie , das heißt Übungen, um die Nerven zu reizen und hier wieder eine bessere Funktion der Nerven in den Händen und Füßen zu erreichen. Falls Sie von der Polyneuropathie Schmerzen haben, müssen wir auch hier mit Schmerzmitteln eingreifen. Das gleiche gilt auch für Schmerzen durch die Osteolysen, das heißt die Löcher, die im Knochen entstanden sind. Auch hier werden wir gemeinsam mit Schmerztherapeuten Ihnen eine ordentliche Schmerztherapie anbieten. Veränderungen der Nieren werden wir auch gemeinsam mit den Nierenärzten behandeln. Hier haben wir Wachstumsfaktoren zur Verfügung, das EPO beispielsweise und auch diverse andere Therapien, die wir aber in der Regel mit den Nephrologen zusammen einleiten. Letztlich können wir die Therapie vor allem auch mit der Dialyse behandeln, das heißt die Niereninsuffizienz mit der Dialyse behandeln. Dies ist aber natürlich nur die Ultima Ratio und sollte nur dann bei einer ausgeprägten Niereninsuffizienz erfolgen.
Teil der Therapie ist auch das Dexamethason. Das heißt Cortison. Cortison führt häufig zu einer Entgleisung des Blutzuckers, vor allem wenn bereits ein Diabetes mellitus, eine Zuckerkrankheit vor bekannt ist und auch schon behandelt wird. Aber auch bei Patienten, die keinen Diabetes haben, kann der Blutzucker durch hohe Dosen an Steroiden gerne mal entgleisen. Deswegen werden wir regelmäßig Blutzucker-Kontrollen machen und wenn der Blutzucker zu hoch ist, sie dementsprechend behandeln. Auch hier arbeiten wir eng mit den Endokrinologen, unseren Blutzuckerexperten, zusammen. Nichtsdestotrotz werden wir das regelmäßig kontrollieren und wenn nötig den Zucker senken.
Hier geht es zum Video-Interview: „Begleittherapien bei Nebenwirkungen“