7. Begleittherapien bei Multiplem Myelom – alle Fragen

Das Multiple Myelom kann verschiedene Organe betreffen und sowohl durch die Erkrankung selbst als auch durch die Behandlung Beschwerden auslösen. Manche dieser Nebenwirkungen lassen sich nicht vollständig vermeiden. Wenn Sie jedoch früh auf Anzeichen achten und gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam schnell reagieren, können viele Komplikationen reduziert oder besser kontrolliert werden.

In diesem Kurs erfahren Sie, welche Beschwerden bei Multiplem Myelom auftreten können und welche Nebenwirkungen durch die Therapie möglich sind. Sie lernen, wie Begleittherapien dabei helfen, solche Beschwerden zu vermeiden oder zu lindern, und welche Untersuchungen und Kontrollen während der Behandlung wichtig sind. Außerdem erhalten Sie praktische Tipps, wie Sie selbst mit Bewegung und Ernährung zu Ihrem Wohlbefinden beitragen können, wo Sie seelische Unterstützung erhalten und wie Sie sich gut auf Arztgespräche vorbereiten.

Einleitung durch Priv.-Doz.in Dr.in med. Amelie Boquoi

Mein Name ist Amelie Boquoi. Ich bin Fachärztin für Innere Medizin mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie . Ich bin tätig am Universitätsklinikum Essen und mein Schwerpunkt liegt in der Therapie des Multiplen Myeloms. Wir werden heute einmal darüber reden, was sowohl die Krankheit als auch die Therapie für Nebenwirkungen mit sich bringt – und was wir dagegen tun können.

Hier geht es zur Einleitung des Kurses: „Begleittherapien bei Multiplem Myelom“

Begleittherapie verstehen

Was sind Begleittherapien beim Multiplem Myelom?

Grundsätzlich kann sowohl die Krankheit als auch die Therapie des Multiplen Myeloms dazu führen, dass Nebenwirkungen auftauchen. Und diese Nebenwirkungen wollen wir mit Begleittherapien versuchen zu verhindern. Dazu gehören sowohl Schäden, die das Myelom selbst anrichtet, zum Beispiel Osteolysen, das heißt Löcher im Knochen – als auch Nierenschädigungen. Und diese sollten wir unbedingt behandeln, zum Beispiel mit einer Knochenhärtung, sogenannte Bisphosphonate. Und die Nieren werden wir regelmäßig untersuchen und gegebenenfalls mit den Nierenärzten zusammen eine Therapie vorschlagen. Darüber hinaus gibt es noch viele andere Begleittherapien. Hier stehen vor allem die Infektionen im Vordergrund. Das heißt, wir haben immer Sorge, dass Patienten eine Infektion unter der Therapie entwickeln und deswegen werden wir sie mit Antibiotika und auch mit Mittel gegen Viren kontinuierlich behandeln. Mit welcher Therapie hängt etwas von der primären Myelom Therapie ab. Das heißt, welche Begleittherapien wir Ihnen verabreichen, hängt davon ab, in welchem Krankheitsstadium Sie gerade sind oder welche Therapie Sie erhalten. Und davon sollten wir die Begleittherapie abhängig machen.

Die Osteolysen sind für Patienten häufig extrem schmerzhaft. Und deswegen müssen wir zusammen mit professionellen Schmerztherapeuten für eine ordentliche Schmerztherapie sorgen. Die kann aus vielen verschiedenen Substanzen bestehen und wird in einem ganzheitlichen Konzept den Patienten angeboten. Die Myelomtherapie kann außerdem noch kardiovaskuläre Nebenwirkungen mit sich bringen, das heißt Nebenwirkungen, die das Herz und das Gefäßsystem betreffen. Das Stichwort ist hier zum Beispiel die Thrombose . Und deswegen werden wir hier ebenfalls gut aufpassen, welche Primärtherapie Sie erhalten, in welchem Krankheitsstadium Sie sich befinden und Sie gegebenenfalls auch hier mit Begleittherapien behandeln.

Warum sind Begleittherapien neben meiner Myelom-Behandlung so wichtig?

Die Begleittherapien sind deswegen so essenziell, weil nicht nur die Therapie des Myeloms selbst, sondern auch das Myelom an sich viele Organsysteme befällt und wir deswegen gut verhindern sollten, dass sie sowohl Nebenwirkungen haben als auch durch die Therapie selbst Nebenwirkungen entstehen können. Dazu gehören vor allem die Infektionen. Die Infektionen sind nicht nur bedrohlich, weil sie belasten, sondern auch weil eine Infektion auch zur Blutvergiftung und zum Tod führen kann. Und deswegen sind wir bei Infektionen immer besonders hinterher, diese gut zu behandeln und sie vor allem vorzubeugen.

Wie können Begleittherapien meinen Alltag und meine Lebensqualität positiv beeinflussen?

Die Begleittherapien können die Lebensqualität positiv beeinflussen. Und zwar auf mehrere Weisen: zum einen, weil wir die Krankheit behandeln und sie dadurch eine bessere Lebensqualität haben. Zum anderen, weil wir Nebenwirkungen vermeiden oder, wenn sie aufgetreten sind, behandeln. Wie bereits gesagt, die Infektion ist immer die bedrohlichste Nebenwirkung, aber da das Myelom gerne die Knochen angreift, ist eine adäquate Schmerztherapie sofort lebensqualitätsfördernd.

Darüber hinaus sorgt eine adäquate Medikation durch Begleitmedikation und auch durch verbesserte Lebensqualität auch dafür, dass die Therapie besser durchgeführt werden kann, dass sie ohne Nebenwirkungen zu uns kommen, und wir die Therapie kontinuierlich und deswegen erfolgreich verabreichen können.

Hier geht es zum Video-Interview: „Begleittherapien verstehen“

Nebenwirkungen erkennen

Welche Nebenwirkungen können während der Myelom-Therapie auftreten?

Darüber hinaus gibt es auch noch Nebenwirkungen der Nieren, das heißt, die Nierenfunktion wird beeinträchtigt durch Therapie und Krankheit. Grundsätzlich vor allem Schmerzen durch Osteolysen in den Knochen.

Es gibt diverse Nebenwirkungen, die während der Therapie auftreten können. Allen voran die Infektion. Denn die Therapie führt grundsätzlich zu einer Immunsuppression . Das bedeutet, das Immunsystem und die Abwehr wird gedrückt durch die Therapie. Und dadurch können sehr leicht Infektionen entstehen. Darüber hinaus wird auch die Blutgerinnung beeinträchtigt und deswegen kann es zu Blutungen kommen. Ein Teil der Therapie führt auch gerne mal zu einer sogenannten peripheren Polyneuropathie , das heißt eine Beeinträchtigung der kleinen Nerven in ihren Händen und Füßen, was auch gerne mal aufsteigen kann bis zum Knie, bis zum Oberschenkel. Und das zeigt sich vor allem durch Kribbeln Parästhesien – das heißt, es kribbelt in Händen und Füße. Die Füße sind taub und es kann auch gerne mal zu Schmerzen kommen, die tatsächlich wie Blitze einschießen in Händen und Füßen.

Darüber hinaus kann durch viele Therapien eine sogenannte Fatigue entstehen. Das heißt, Patienten fühlen sich sehr müde und abgeschlagen, müssen sich teilweise am Tag nochmal hinlegen, obwohl sie auch in der Nacht genug geschlafen haben. Sie fühlen sich grundsätzlich eben einfach antriebsarm und müde. Das ist sicherlich eine der Hauptnebenwirkungen, die viele Patienten betrifft. Darüber hinaus wird durch unsere Therapien das Blutbild beeinträchtigt, das heißt, es kommt zu einem Abfall der weißen Blutkörperchen, der roten Blutkörperchen und der Plättchen. Und dies kann zur Folge haben, dass wir entweder die Therapie unterbrechen müssen oder diese Nebenwirkungen auch richtig behandeln müssen. Und manche Therapien sorgen auch dafür, dass das Auge beeinträchtigt wird und dadurch Patienten beschreiben, dass sie nicht ordentlich gucken können. Das kann tatsächlich in einer Veränderung der Schärfe des Bildes sich zeigen oder auch gerne mal in Augenbrennen, Augenjucken, so dass Patienten einfach in ihrem ganzen Sehen, Fernsehen gucken, Bücher lesen beeinträchtigt sind.

Was soll ich tun, wenn ich Veränderungen oder neue Beschwerden bemerke?

Grundsätzlich gilt bei Beschwerden aller Art, dass man so schnell wie möglich Kontakt mit dem behandelnden Arzt aufnimmt. Alternativ den Kontakt zum Hausarzt herstellen oder den Rettungsdienst zu alarmieren. Dies kann bei verschiedenen Nebenwirkungen der Fall sein und deswegen sollte man auch da nicht zurückhaltend sein und denken ich belästige meinen Arzt vielleicht – falsch. Das würde ich nie nie denken, sondern lieber den behandelnden Arzt oder Hausarzt oder Rettungsdienst so früh wie möglich alarmieren. Dies kann bei diversen Nebenwirkungen der Fall sein. Vor allem gilt dies bei Infekten und Infektzeichen. Allen voran das Fieber über 38 sollte hier immer ein Zeichen sein, einen Arzt zu informieren und mit ihm Kontakt aufzunehmen. Darüber hinaus bei einer Blutung, die nicht aufhört, das heißt Nasenbluten, Blutung beim Zähneputzen – passiert uns allen jeden Tag. Wichtig: Aber wenn diese Blutung nicht zu stoppen ist und es immer weiter blutet, auch dann unbedingt einen Arzt kontaktieren. Im Zweifel den Rettungsdienst.

Bei welchen Warnzeichen sollte ich sofort ärztliche Hilfe aufsuchen?

Risikowarnzeichen sind hier sicherlich plötzlich einsetzende Schmerzen, zum Beispiel Brustschmerzen wie plötzlich einsetzende Luftnot. Das sind absolute Warnzeichen, können Zeichen für eine Thrombose sein, für ein kardiales Ereignis. Also eines vom Herzen ausgehend. Das sind Zeichen, bei denen man sehr zügig den Arzt benachrichtigen sollte. Darüber hinaus gilt auch das Fieber über 38 Grad. Das Fieber kann tatsächlich nicht nur Zeichen für einen Infekt sein. Der Infekt kann sich in eine Blutvergiftung weiterentwickeln und die Blutvergiftung bringt Sie um. Und deswegen gilt hier „hit hard and early“. Das heißt, je schneller man einen Infekt mit Antibiotika ausreichend behandelt, umso besser ist der Outcome, das heißt „hit hard and early“. So schnell wie möglich einen Arzt kontaktieren, damit wir sie schnell behandeln können.

Darüber hinaus kann die Therapie auch das Auge betreffen. Hier bemerken Patienten vor allem eine Verschlechterung des Visus. Das heißt, sie können nicht mehr scharf sehen. Außerdem gerne mal Augenbrennen, Augenjucken, Fremdkörpergefühl. Auch bei diesen Nebenwirkungen sollten Sie schleunigst einen Arzt aufsuchen, idealerweise einen Augenarzt.

Hier geht es zum Video-Interview: „Nebenwirkungen erkennen“

Begleittherapien bei Nebenwirkungen

Was kann mein Behandlungsteam tun, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden?

Grundsätzlich werden wir alles tun, um mögliche Nebenwirkungen der Therapie zu verhindern. Dazu gehören diverse Prophylaxe , die wir verabreichen werden. Antibiotikamittel und Mittel gegen Viren.

Darüber hinaus würden wir Ihnen ein Mittel gegen eine Thrombose verabreichen. Dazu gehört eine Blutverdünnung und letztlich auch Augentropfen, um Beschwerden wie Augenjucken, Augenbrennen zu verhindern. Grundsätzlich gilt auch hier: die Therapie bringt diverse Nebenwirkungen mit sich. Und darauf können wir mit vielen Methoden reagieren. Wichtig ist vor allem, dass wir es frühzeitig tun. Und das würden wir auch machen, indem wir die Dosis der Myelomtherapie reduzieren oder eine Therapiepause einlegen. So kann sich zum Beispiel das Blutbild erholen. Die Neuropathie, das heißt „Kribbeln in Händen und Füßen“, kann sich erholen, indem wir die Dosis reduzieren oder die Therapie gänzlich absetzen. Wichtig ist, darüber zu reden und eine Rückmeldung zu geben an den Arzt, damit wir hier schnell reagieren können.

Welche regelmäßigen Kontrollen helfen dabei, Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen?

Zur regelmäßigen Kontrolle gehört vor allem das Gespräch. Sie werden regelmäßig einen Termin beim Arzt haben und sich hier über Nebenwirkungen unterhalten. Hier ist vor allem für mich wichtig, gezielt nachzufragen, aber auch für Sie über diese Therapiewirkungen nachzudenken und sie mir zu berichten. Häufig tun Patienten das, indem sie kleine Tagebücher führen und Nebenwirkungen aufschreiben und sich dann im Gespräch daran erinnern. Manchmal sind es einfache Ereignisse, die aber für mich trotzdem entscheidend sind und auf die wir reagieren können, indem wir die Dosis reduzieren oder Therapie pausieren oder Therapien einsetzen, um diese Nebenwirkungen zu behandeln.

Grundsätzlich werden Sie bei den meisten Besuchen beim Arzt auch eine Blutabnahme abgeben. Das heißt, wir werden regelmäßig Ihr Blutbild kontrollieren, aber auch die Nierenfunktion, die Leberfunktion und noch diverse andere Parameter abnehmen, um Ihre Organfunktionen zu kontrollieren. Wichtig ist hier vor allem das Blutbild. Das heißt, wir werden die weißen Blutkörperchen, die roten Blutkörperchen und die Plättchen kontrollieren. Denn so können wir reagieren, indem wir entweder Therapie pausieren oder die Dosis reduzieren oder sie ganz absetzen oder sie weiter behandeln. Da gibt es diverse Ansatzformen Wachstumsfaktoren, Transfusionen oder andere Dinge. Vor Therapiebeginn werden Sie außerdem einmal den Zahnarzt aufsuchen müssen, denn wir werden sie mit einer Substanz behandeln, die ihre Knochen härtet. Und diese Substanz hat als Nebenwirkung auch gerne mal eine Entzündung des Kiefers zur Folge. Deswegen werden wir versuchen, die Zähne und das Gebiss vor Therapiebeginn zu sanieren, wenn nötig, um dann spätere Nebenwirkungen zu vermeiden. Darüber hinaus werden sie auch einmal zum Kardiologen gehen müssen. Das heißt, wir werden einmal Ihr Herz untersuchen mit EKG und Echo, das heißt einem Herzultraschall, um die Pumpfunktion Ihres Herzens festzustellen.

Bei jedem Besuch in unserer Ambulanz werden die Vitalparameter gemessen. Dazu gehört der Blutdruck, der Puls und die Temperatur. Auch die Atemfrequenz messen wir und häufig werden wir sie auch nach Größe und Gewicht fragen. Dies wird jedes Mal gemacht, wenn Sie in unserer Ambulanz kommen. Vor allem werden wir Voruntersuchungen machen, bevor die Therapie losgeht. Im Laufe der Therapie werden wir weitere Untersuchungen in der Regel nur machen, wenn Sie Beschwerden entwickeln und sie dann zum jeweiligen Facharzt schicken, um weitere Untersuchungen zu leisten.

Welche Möglichkeiten gibt es, Nebenwirkungen durch Medikamente zu lindern?

Zuallererst wird sich sicherlich das Blutbild verändern durch unsere Therapie. Denn die Blutbildveränderungen, das heißt eine Anämie , eine Blutarmut, führen zu einem Abfall der weißen Blutkörperchen, das heißt zu einer Immunsuppression oder auch zu niedrigen Plättchen. Das heißt, Veränderungen der Blutgerinnung ist eine bedrohliche Veränderung. Insofern wird das allem zuvor stehen und das sollten wir auch immer unbedingt behandeln. Hier gibt es diverse Therapiestrategien. Die erste Strategie ist sicherlich immer, die Therapie zu pausieren und danach gegebenenfalls auch die Dosis zu reduzieren. Das ist das Allerwichtigste. Natürlich können wir diese Nebenwirkungen auch konkret behandeln. Das heißt, wir können zum Beispiel Ihnen eine Blutkonserve geben, falls der rote Blutfarbstoff zu niedrig ist. Das Gleiche gilt für die Thrombozyten , die Plättchen. Auch hier können wir Ihnen einen Beutel Thrombozytenkonzentrat geben. Die weißen Blutkörperchen können wir anregen mit Wachstumsfaktoren, die die Produktion von weißen Blutkörperchen anregt, so dass sie eine bessere Abwehr haben. Andere Substanzen stehen uns zur Verfügung, um viele Nebenwirkungen zu behandeln. Leider stehen uns für die Polyneuropathie, sehr wenig Substanzen zur Verfügung. Deswegen ist hier wichtig, dass wir frühzeitig darüber reden, damit wir die Dosis reduzieren können oder die Therapie komplett absetzen können. Wir können die Neuropathie behandeln, vor allem mit Physiotherapie , das heißt Übungen, um die Nerven zu reizen und hier wieder eine bessere Funktion der Nerven in den Händen und Füßen zu erreichen. Falls Sie von der Polyneuropathie Schmerzen haben, müssen wir auch hier mit Schmerzmitteln eingreifen. Das gleiche gilt auch für Schmerzen durch die Osteolysen, das heißt die Löcher, die im Knochen entstanden sind. Auch hier werden wir gemeinsam mit Schmerztherapeuten Ihnen eine ordentliche Schmerztherapie anbieten. Veränderungen der Nieren werden wir auch gemeinsam mit den Nierenärzten behandeln. Hier haben wir Wachstumsfaktoren zur Verfügung, das EPO beispielsweise und auch diverse andere Therapien, die wir aber in der Regel mit den Nephrologen zusammen einleiten. Letztlich können wir die Therapie vor allem auch mit der Dialyse behandeln, das heißt die Niereninsuffizienz mit der Dialyse behandeln. Dies ist aber natürlich nur die Ultima Ratio und sollte nur dann bei einer ausgeprägten Niereninsuffizienz erfolgen.

Teil der Therapie ist auch das Dexamethason. Das heißt Cortison. Cortison führt häufig zu einer Entgleisung des Blutzuckers, vor allem wenn bereits ein Diabetes mellitus, eine Zuckerkrankheit vor bekannt ist und auch schon behandelt wird. Aber auch bei Patienten, die keinen Diabetes haben, kann der Blutzucker durch hohe Dosen an Steroiden gerne mal entgleisen. Deswegen werden wir regelmäßig Blutzucker-Kontrollen machen und wenn der Blutzucker zu hoch ist, sie dementsprechend behandeln. Auch hier arbeiten wir eng mit den Endokrinologen, unseren Blutzuckerexperten, zusammen. Nichtsdestotrotz werden wir das regelmäßig kontrollieren und wenn nötig den Zucker senken.

Hier geht es zum Video-Interview: „Begleittherapien bei Nebenwirkungen“

Lebensqualität erhalten

Wie kann ich selbst durch Ernährung und Bewegung dazu beitragen, meine Beschwerden zu lindern?

Jeder Patient kann dazu beitragen, dass die Therapie gelingt. Und das lässt sich vor allem mit ganz banalen Maßnahmen häufig schon leisten. Das heißt Bewegung und Ernährung. Bewegung ist essenziell für uns alle. Aber vor allem während der Krebstherapie sorgt sie dafür, dass die Krebstherapie nicht nur besser wirkt, sondern dass sie auch besser vertragen wird. Das heißt weniger Nebenwirkungen haben. Nun ist beim Multiple Myelom die Bewegung nicht immer möglich. Gerade durch Osteolysen werden Sie Schmerzen haben oder einige Bewegungseinschränkungen. Nichtsdestotrotz werden sie sich bewegen müssen, weil dies Ihre Lebensqualität enorm verbessert. Auch hier häufig: Bei Fatigue und Müdigkeit wird der Antrieb fehlen zur Bewegung. Aber das Einzige, was gegen die Fatigue hilft, ist Bewegung. Deswegen ist die Bewegung tatsächlich essenziell. Hier reicht schon tatsächlich Treppen laufen jeden Tag oder Haushaltsarbeiten oder Wäsche machen. Ganz banal. Das reicht völlig aus. Sie sollen nicht unbedingt ins Fitnessstudio gehen und hier Kurse belegen, sondern vor allem in Bewegung bleiben. Da reicht es auch nur mit dem Hund zu gehen oder eine Runde um den Block zu drehen. Das alles ist für Sie so viel besser, als tatsächlich nichts zu tun. Steigert die Lebensqualität enorm.

Tatsächlich ist mein Grundsatz, bei der Ernährung ausgewogen sich zu ernähren. Sie sollen nicht nur vegan essen, aber Sie sollen auch nicht nur deutsche Hausmannskost essen. Wichtig ist ausgewogen. Das heißt, ein bisschen was von allem ist der beste Weg hier für Sie. Es gibt tatsächlich Daten, dass sowohl die Therapie besser wirkt als auch weniger Nebenwirkungen eintreten, wenn sie sich ketogen ernähren. Das ist super, aber Sie brauchen vor allem Lebensqualität. Wenn die ketogene Ernährung nichts für Sie ist, ist sie nicht in Stein gemeißelt, sondern wichtig ist vor allem ausgewogen, dass Sie vor allem Gemüse Essen, Kohlenhydrate, Eiweiß . Von allem ein bisschen. Trotzdem sollen sie weiter Zucker essen. Sie können auch mal einen Schluck Alkohol trinken, in Maßen. Aber vor allem ist der Grundsatz hier ausgewogen. Keine speziellen Diäten einzuhalten, sondern ausgewogen zu ernähren. Das fördert die Lebensqualität und auch die Verträglichkeit der Therapie.

Wie kann ich mit psychischen Belastungen umgehen und wo finde ich Unterstützung?

Sowohl die Krankheit als auch die Therapie sind für Patienten enorm belastend. Sie werden oft zu uns in die Ambulanz kommen müssen und sind vor allem durch Therapie und die Diagnose seelisch sehr belastet. Das ist völlig klar. Hier gilt es vor allem darum, einen Ausgleich zu schaffen. Das heißt, verbringen Sie so viel Zeit wie möglich mit der Familie. Gehen Sie nach draußen, schaffen Sie sich Hobbys, Haben Sie schöne Erlebnisse. Trotzdem nimmt manchmal der Stress überhand und Patienten sind einfach deprimiert und traurig. Dann können wir dagegen arbeiten, indem wir Profis dazu holen. Das heißt Psychoonkologen. Diese Kollegen sind speziell ausgebildet für Patienten, die bösartige Erkrankung haben und wissen, wie sehr sie die Erkrankung und die Therapie belastet und können sie hierbei unterstützen. Sowohl mit Gesprächstherapie, manchmal auch medikamentös, aber vor allem mit durch Kontaktaufnahme und durch regelmäßige Visits, in denen Sie miteinander reden. Hier müssen Sie einfach uns als Behandler frühzeitig ansprechen, damit wir hier Termine für Sie vereinbaren und damit Sie Unterstützung finden.

Hier geht es zum Video-Interview: „Lebensqualität erhalten“

Gut begleitet durch die Myelom-Therapie

Warum sind bei Multiplem Myelom Spezialist:innen aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen beteiligt?

Das Multiple Myelom betrifft mehrere Organsysteme. Es ist grundsätzlich eine Krankheit des Knochenmarkes, aber das Knochenmark ist in diversen Knochen vorhanden und das multiple Myelom produziert ein krankes Eiweiß. Und dieses Eiweiß kann Effekte auf verschiedene Organsysteme haben, allen voran die Niere. Und da die Krankheit in Knochen stattfindet, eben auch genau dort auf den Knochen. Deswegen werden wir in einem Ärzteteam sie behandeln. Dazu gehören wir als Hämatoonkologen, aber eben auch häufig Nierenärzte, Orthopäden, Neurochirurgen, aber eben auch Psychoonkologen, die sie unterstützen. Und deswegen werden sie wahrscheinlich zu mehreren Ärzten gehen müssen, um eben diese verschiedenen Organsysteme zu behandeln, auch Neurologen, um so was wie die periphere Polyneuropathie zu behandeln oder die Zahnärzte, um Kontrollen durchzuführen. Hier werden sie in der Tat von einem Ärzteteam versorgt, weil es sich bei einer Blutkrankheit häufig um den Fall handelt, dass eben diverse Organsysteme betroffen sind. Und deswegen werden Sie auch verschiedene Fachrichtungen sehen im Verlauf der Myelom Therapie.

Wie kann ich mich gut auf das Arztgespräch vorbereiten?

Wichtig ist, dass wir im Arztgespräch über alles reden. Es gibt keine Frage, die tabu ist. Häufig, aber, das erfahre ich jeden Tag, sind Patienten nervös vor diversen Arztgesprächen und haben alle Fragen vergessen, wenn Sie vor mir sitzen. Das ist überhaupt nicht schlimm. Um das zu vermeiden, helfen häufig Tagebücher und Notizzettel. Sie kriegen häufig von ihren behandelnden Ärzten sowieso einen Therapietagebuch. Und in dem Therapietagebuch sind häufig auch Seiten für Notizen und für Fragen. Grundsätzlich vor allem auch dafür gibt es Apps. Unter anderem, dass Sie einfach, wenn Sie die Frage haben, sie aufschreiben und sie dann mitbringen beim nächsten Termin. Wie gesagt, keine Frage ist tabu. Wir sollten immer offen miteinander reden und wichtig einfach, dass sie sie aufschreiben und dann mir sagen, wenn sie zum Termin kommen.

Wie spreche ich Beschwerden, Nebenwirkungen und Wünsche beim Behandlungsteam an?

Essentiell ist für mich, dass Sie mir tatsächlich alles erzählen, was ihnen im Kopf herumspukt. Dazu gehören gute Dinge und auch schlechte Dinge. Wünsche, Ziele, Beschwerden, die Sie haben. Mögen Sie noch so unangenehm für Sie sein, das ist mir egal. Ich filtere daraus, was Sie mir erzählen, was relevant ist und frage auch gezielt nach und sage Ihnen sonst: „Da muss ich mehr wissen“. Und hier müssen wir weiter nachforschen. Das ist meine Erfahrung und mein Job. Wichtig wäre mir nur, dass Sie mir erzählen, was auf dem Herzen liegt und was Sie betrifft, was Sie belastet, was auch gut ist. Darüber freue ich mich auch. Wichtig einfach, dass Sie mir sagen, was los ist.

Hier geht es zum Video-Interview: „Gut begleitet durch die Myelom Therapie“

Meine Nachricht an Sie

Das Multiple Myelom ist eine Krankheit, die diverse Organsysteme betrifft und alle Patienten in verschiedener Weise belastet. Wir können es sehr gut behandeln. Das ist die gute Nachricht beim Multiplem Myelom, aber wir werden es nicht heilen. Deswegen werden wir Sie langfristig behandeln und die Krankheit gut kontrollieren und das auch häufig über Jahre und Jahrzehnte. Aber die Therapie wird auch Nebenwirkungen mit sich bringen. Zum Glück können wir diese Nebenwirkungen sehr gut behandeln und das können wir vor allem, indem wir miteinander reden und schnell und konkret dafür Lösungen finden. Dafür bin ich da und das werden wir weiter so verfolgen und dafür sorgen, dass das Myelom bei Ihnen und bei anderen Patienten kontrolliert gut behandelt wird und letztlich eine Krankheit wie andere auch wird.

Hier geht es zum Video: „Meine Nachricht an Sie“

Geprüft Priv.-Doz.in Dr.in Amelie Boquoi Stand: Februar 2026 | Quellen und Bildnachweis
Anämie
Verminderung der roten Blutkörperchen oder des Hämoglobins im Blut, die zu einer reduzierten Sauerstoffversorgung des Körpers führt. Symptome können Müdigkeit, Schwäche und Blässe sein.
Dialyse
Verfahren, um den Körper von Stoffwechselabbauprodukten und überschüssigen Flüssigkeiten zu befreien.
Eiweiße
(Proteine)
Eiweiße, auch bekannt als Proteine, sind Makromoleküle, die aus Ketten von Aminosäuren bestehen. Sie spielen eine entscheidende Rolle im Aufbau und der Funktion von Zellen und Geweben im Körper.
Fatigue
Häufige Begleiterkrankung von schweren Krankheiten, die mit anhaltender Müdigkeit, Kraftlosigkeit und fehlendem Antrieb einhergeht. 
Hämatologie
Fachgebiet der Medizin, das sich mit Erkrankungen des Blutes, des Knochenmarks und der blutbildenden Organe beschäftigt.
Immunsuppression
Unterdrückung des körpereigenen Immunsystems oder Abschwächung des Immunsystems. Diese Wirkung kann im Rahmen einer Therapie erwünscht oder eine Nebenwirkung sein.
Onkologie
Fachbereich der Medizin, der sich mit bösartigen Tumoren und anderen Krebserkrankungen beschäftigt.
Physiotherapie
Therapieform zur Verbesserung von Beweglichkeit und Kraft durch gezielte Übungen.
Polyneuropathie
Bei einer Polyneuropathie kommt es zu einer Schädigung der Nerven. Dabei ist die Reizweiterleitung durch diese Nerven gestört. Oftmals können vor allem sensible Reize wie Berührungen nicht mehr richtig wahrgenommen werden. So kann es auch dazu kommen, dass die Betroffenen unter Gleichgewichtsstörungen leiden.
Prophylaxe
(Vorbeugung)
Maßnahmen, die der Verhütung sowie Vorbeugung von Krankheiten beziehungsweise deren Folgen dienen. Anders als eine Bedarfstherapie wird eine Therapie zur Prophylaxe zur Vorbeugung einer Erkrankung oder deren Folgen durchgeführt und nicht nur bei Symptomen.
Thrombose
Bildung eines Blutgerinnsels in einem Blutgefäß, das den Blutfluss blockieren kann. Kann in Venen oder Arterien auftreten.
Thrombozyten
(Blutplättchen)
Zellfragmente im Blut, die bei der Blutgerinnung und Wundheilung sehr wichtig sind.