2. Rezidiv bei Multiplem Myelom erkennen

Warum sind regelmäßige Kontrollen nach einer Myelom-Therapie so wichtig?

Auch wenn sich das Multiple Myelom nach einer erfolgreichen Therapie vollständig zurückgebildet hat, können vereinzelt Myelomzellen im Körper zurückbleiben. Diese Zellen können sich mit der Zeit wieder vermehren – ein sogenanntes Rezidiv . Ein Rückfall kann sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen: manchmal durch veränderte Laborwerte, manchmal durch neue Symptome.

Regelmäßige Blut- und Urinkontrollen dienen daher als eine Art Frühwarnsystem. Ärzt:innen können oft schon Veränderungen der Laborwerte erkennen, bevor Symptome auftreten. Das ermöglicht es, einen Rückfall frühzeitig zu entdecken und rechtzeitig mit einer passenden Behandlung zu reagieren. Eine Veränderung bestimmter Werte kann ein Hinweis darauf sein, dass die Erkrankung wieder aktiv wird – auch wenn Sie sich selbst noch gesund fühlen. Mehr dazu erfahren Sie in unserer Schulung „Befunde bei Multiplem Myelom verstehen“.

Wie oft Kontrollen durchgeführt werden, hängt vom Verlauf Ihrer Erkrankung ab. Direkt nach einer Therapie erfolgen sie meist alle 1–2 Monate, später können die Abstände größer werden. Ihr Behandlungsteam legt die Intervalle individuell für Sie fest. Wenn sich in den Kontrollen zeigt, dass die Erkrankung wieder aktiv ist, kann Ihr Behandlungsteam heute aus vielen modernen Therapieformen wählen. Welche das sind, erfahren Sie in der Lektion „Therapiemöglichkeiten beim Rezidiv des Multiplen Myeloms“

Woran erkennt man ein Rezidiv bei Multiplem Myelom?

Ein Rückfall kann auf zwei Arten erkannt werden:

  • Biochemisches Rezidiv: Das Myelom zeigt sich in den Laborwerten wieder aktiv. Das heißt, die Blut- oder Urinwerte steigen an, obwohl Sie selbst noch keine Beschwerden bemerken.
  • Klinisches Rezidiv: Es treten Symptome oder neue Organschäden auf – zum Beispiel an den Knochen oder den Nieren.

In manchen Fällen zeigt sich ein Rezidiv zuerst in der Bildgebung , etwa durch neue Knochenläsionen (Osteolysen), noch bevor sich Laborwerte verändern. Deshalb ist es wichtig, sich bei neuen Knochenschmerzen mit Ihrem Arzt über eine gezielte Untersuchung – zum Beispiel eine Röntgenaufnahme, CT- oder MRT-Untersuchung – zu beraten.

Veränderungen dokumentieren

  • Führen Sie ein kleines Kontrollheft oder eine App, in der Sie Ihre wichtigsten Laborwerte
    (M-Protein, Leichtketten , Nierenwerte) festhalten. So erkennen Sie selbst Trends und können gezielt nachfragen.
  • Notieren Sie körperliche Veränderungen wie z. B. neue Schmerzen, Infekte oder Müdigkeit. Kleine Notizen helfen, Muster zu erkennen.
  • Bleiben Sie im engen Kontakt mit Ihrem Behandlungsteam. Auch kleine Hinweise können wertvoll sein, um eine Verschlechterung früh zu entdecken.

Welche Warnsignale kann ich selbst wahrnehmen?

Neben den Laborwerten spielt auch Ihre eigene Beobachtung eine große Rolle. Achten Sie auf Veränderungen, die über mehrere Tage oder Wochen bestehen bleiben oder sich verstärken.

Typische Warnsignale eines Rezidivs können sein:

  • Neue oder zunehmende Knochenschmerzen, vor allem im Rücken, Becken oder in den Rippen.
  • Stärkere Müdigkeit oder Abgeschlagenheit, die sich nicht durch Schlaf oder Erholung bessert.
  • Häufige oder ungewöhnlich schwere Infekte, etwa wiederkehrende Atemwegs- oder Harnwegsinfektionen.
  • Unerklärlicher Gewichtsverlust oder Appetitlosigkeit.
  • Veränderungen des Urins, z. B. trüber, schäumender oder dunkler Urin.

Wenn Sie eines oder mehrere dieser Anzeichen bemerken, informieren Sie Ihr Behandlungsteam – auch, wenn Ihr nächster Kontrolltermin noch nicht unmittelbar bevorsteht.

Mein persönliches Symptomtagebuch

Ein Symptomtagebuch kann helfen, kleine Veränderungen früh zu bemerken.
Notieren Sie täglich oder wöchentlich, wie es Ihnen geht:

  • Schmerzen: Wo und wie stark?
  • Energie: Wie war Ihr allgemeines Befinden?
  • Infekte: Fieber, Husten, Harnwegsbeschwerden oder andere Symptome?
  • Stimmung: Wie geht es Ihnen? Fühlen Sie sich belastet, angespannt oder ängstlich?

Bringen Sie Ihr Tagebuch zu den Kontrollterminen mit – es kann Ihrem Behandlungsteam helfen, Muster besser zu erkennen.

Wann sollte ich mich ärztlich vorstellen?

Nicht jede kleine Veränderung bedeutet gleich ein Rezidiv. Wenn jedoch Knochenschmerzen stärker werden oder neue Symptome dazukommen, ist es wichtig, das frühzeitig abklären zu lassen.
Ihr ärztliches Team kann dann gezielt prüfen, ob die Beschwerden mit einem Rückfall zusammenhängen oder andere Ursachen haben.

Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Ihrem Behandlungsteam kann ein Rückfall früh erkannt und gezielt behandelt werden – oft, bevor er ernsthafte Beschwerden verursacht.

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    Geprüft Dr. med. Christoph Schaefers Stand: Januar 2026 | Quellen und Bildnachweis
    Bildgebende Verfahren
    Sind medizinische Techniken, mit denen Ärzte Bilder vom Inneren des Körpers erstellen können. Beispiele sind Röntgen, Ultraschall, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT). Diese Methoden helfen dabei, Krankheiten zu erkennen und zu überwachen, ohne dass eine Operation nötig ist.
    Leichtketten
    Leichtketten sind Bestandteile von Antikörpern, die eine wichtige Rolle bei der Bildung und Funktion des Immunsystems spielen.
    Rezidiv
    (Rückfall)
    Wiederauftreten einer Krankheit nach zunächst erfolgreicher Behandlung mit Heilung oder Verbesserung.