Wenn das Multiple Myelom nach einer erfolgreichen Behandlung zurückkehrt, gibt es heute eine Vielzahl moderner und hochwirksamer Therapieoptionen. Dank der enormen Fortschritte in der Krebsforschung kann ein Rückfall bei Multiplem Myelom meist sehr effektiv behandelt werden – in vielen Fällen mit zielgerichteten und immunbasierten Therapien, die individuell auf die Patientin oder den Patienten abgestimmt werden.
Moderne Therapieansätze beim Rezidiv des Multiplen Myeloms
Die Behandlung eines Rückfalls hängt von mehreren Faktoren ab: der bisherigen Therapie, dem allgemeinen Gesundheitszustand, der Tumorlast und den Laborwerten. Grundsätzlich stehen Ärzt:innen heute mehrere moderne Therapien zur Verfügung, die oft auch miteinander kombiniert werden:
Medikamente, die direkt in die Myelomzellen eingreifen
Diese Wirkstoffe zielen auf die Krebszellen selbst ab und stören lebenswichtige Abläufe in deren Innerem:
Proteasom-Inhibitoren
Myelomzellen stellen große Mengen an Eiweiß her, die sie zum Wachsen brauchen. Dabei entsteht ständig „Abfall“ in der Zelle, also überflüssige oder beschädigte Eiweißreste. Normalerweise sorgt ein spezielles System in der Zelle – das sogenannte Proteasom – dafür, dass dieser Zellabfall regelmäßig abgebaut und entsorgt wird. Man kann sich das Proteasom wie eine kleine Reinigungsstation vorstellen, die die Zelle sauber und funktionsfähig hält. Proteasom-Inhibitoren blockieren genau diese Reinigungsstation. Der „Abfall“ kann dadurch nicht mehr entsorgt werden, häuft sich an und stört die Abläufe in der Myelomzelle. Die Zelle wird überlastet und geht schließlich zugrunde. So wirken Proteasom-Inhibitoren gezielt gegen Myelomzellen, ohne gesunde Zellen in gleichem Maße zu schädigen.
Diese Medikamente werden meist als Injektion unter die Haut (subkutan) oder intravenös über eine Infusion verabreicht. Einige Wirkstoffe sind heute auch als Tablette verfügbar. Die Behandlung erfolgt meist in regelmäßigen Zyklen über mehrere Wochen. Je nach Wirkung und Verträglichkeit kann sie angepasst oder fortgeführt werden.
Immunmodulatoren (IMiDs)
Unser Immunsystem ist grundsätzlich in der Lage, veränderte Zellen wie Krebszellen zu erkennen und zu bekämpfen. Myelomzellen schaffen es jedoch oft, sich zu „verstecken“. Sie senden Signale aus, die das Abwehrsystem beruhigen – so werden die Immunzellen träge und greifen nicht mehr aktiv an. Immunmodulatoren helfen, dieses Gleichgewicht wiederherzustellen. Sie aktivieren die Immunzellen, sodass diese Krebszellen wieder als fremd erkennen und bekämpfen können. Gleichzeitig wirken die Medikamente direkt auf die Myelomzellen, indem sie deren Wachstum bremsen und die Umgebung der Krebszellen verändern, damit diese sich schlechter vermehren können. So unterstützen sie das Immunsystem dabei, Myelomzellen gezielt zu bekämpfen.
Immunmodulatoren werden in der Regel als Tabletten eingenommen, was die Anwendung zu Hause ermöglicht. Sie werden oft mit weiteren Wirkstoffen kombiniert, um die Wirksamkeit zu erhöhen. Immunmodulatoren werden meist täglich über längere Zeiträume eingenommen, häufig in Kombination mit Kortison oder anderen Medikamenten.
Bei allen Therapien sind regelmäßige Kontrollen des Blutbilds und der Organfunktionen wichtig, um die Wirkung und Verträglichkeit optimal im Blick zu behalten.
Welche Rolle spielen Chemotherapie und Stammzelltransplantationen beim Rezidiv des Multiplen Myeloms heute noch?
Klassische Chemotherapien haben beim Rezidiv des Multiplen Myeloms an Bedeutung verloren. Früher waren sie der wichtigste Baustein der Behandlung – heute werden sie nur noch in besonderen Situationen eingesetzt, etwa wenn:
die Tumorlast sehr hoch ist und schnell gesenkt werden muss, oder
die Erkrankung auf moderne Immuntherapien nicht ausreichend anspricht.
Auch die Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Stammzelltransplantation, die früher auch im Rezidiv teils häufig durchgeführt wurde, wird heute bei einem Rückfall nur noch selten empfohlen. Grund dafür ist die Wirksamkeit neuer Immuntherapien, vor allem der CAR-T-Zell-Therapieund bispezifischer Antikörper, die oft langanhaltende Remissionen bewirkt.
Orientierung bei vielen Möglichkeiten
Die heutigen Behandlungsmöglichkeiten bei Multiplem Myelom sind vielfältig – das ist eine gute Nachricht, kann aber auch verwirrend sein.
Lassen Sie sich die einzelnen Therapien von Ihrem Behandlungsteam in einfachen Worten erklären.
Bitten Sie um eine schriftliche Übersicht, damit Sie zu Hause nachlesen können.
Notieren Sie sich Fragen, die Ihnen später einfallen – jede Rückfrage ist wichtig und berechtigt.
So behalten Sie den Überblick und können gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam entscheiden, welche Therapie am besten zu Ihnen und Ihrem Alltag passt.
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• Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO): Leitlinie Multiples Myelom, Stand 2024
• American Cancer Society: Multiple Myeloma – Treatment of Relapsed Myeloma, 2023
• Cancer Research UK: Remission and relapse in myeloma, 2024
• Onkopedia Leitlinien: Multiples Myelom – Empfehlungen der DGHO, abrufbar unter onkopedia.com.
• Deutsche Krebsgesellschaft e.V.: Multiples Myelom – Informationen für Patientinnen und Patienten.
• Deutsche Krebshilfe: Blutkrebs – Multiples Myelom.
• Robert Koch-Institut (RKI): Krebs in Deutschland – Multiples Myelom, Epidemiologie und Verlauf.
• European Hematology Association (EHA): Guidelines for the diagnosis and management of multiple myeloma.
• National Comprehensive Cancer Network (NCCN): Clinical Practice Guidelines in Oncology: Multiple Myeloma (Version 2025).
• Rajkumar, S.V. (2022): Multiple Myeloma: 2022 update on diagnosis, risk stratification, and management. American Journal of Hematology, 97(8).
• Kumar, S. et al. (2021): Treatment of relapsed multiple myeloma: Current approaches and new strategies. Blood Cancer Journal, 11(7).
Eiweiße (Proteine), die von Zellen des Immunsystems gebildet werden, um Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren zu bekämpfen. Bei manchen Erkrankungen kann es zu einer fehlgeleiteten Bildung von Antikörpern gegen körpereigene Zellen oder Strukturen kommen.
CAR-T-Zell-Therapie
Bei einer CAR-T-Zell-Therapie werden körpereigene Abwehrzellen, die sogenannten T-Zellen, entnommen und im Labor so verändert, dass sie Myelomzellen gezielt erkennen können. Anschließend werden diese Zellen zurückgegeben, damit sie die Erkrankung im Körper bekämpfen.
Eiweiße
(Proteine)
Eiweiße, auch bekannt als Proteine, sind Makromoleküle, die aus Ketten von Aminosäuren bestehen. Sie spielen eine entscheidende Rolle im Aufbau und der Funktion von Zellen und Geweben im Körper.
Infusion
Verabreichung einer Flüssigkeit (mit oder ohne darin gelösten Medikamente) über einen Zugang in ein Blutgefäß.
Injektionen
Verabreichung einer Flüssigkeit, meist eines Medikaments, in den Körper mithilfe einer Spritze und einer Hohlnadel. Dabei wird die Substanz direkt in das Gewebe oder die Blutbahn eingebracht, um eine schnelle oder gezielte Wirkung zu erzielen.
intravenös
(Abkürzung: IV)
Medikamente, Flüssigkeiten oder Nährstoffe werden über eine Vene in den Blutkreislauf eingebracht. Dazu wird eine Spritze oder eine Infusion mit einer Nadel oder einem Katheter verwendet.
Kortison
Kortison ist ein körpereigenes Hormon. Für therapeutische Zwecke wird es meist in höheren Konzentrationen verwendet und wirkt dann vor allem entzündungshemmend.
Krebsforschung
Bezeichnet die wissenschaftliche Untersuchung von Krebserkrankungen. Ziel der Forschung ist es, Ursachen von Krebs zu erforschen und neue Therapiemöglichkeiten zu entwickeln.
Rezidiv
(Rückfall)
Wiederauftreten einer Krankheit nach zunächst erfolgreicher Behandlung mit Heilung oder Verbesserung.
Stammzelltransplantation
Verfahren, bei dem einer Patientin/einem Patienten gespendete Stammzellen verabreicht werden. Dadurch wird das blutbildende System und das Immunsystem nach einer Therapie (z.B. Chemotherapie oder Bestrahlung) wieder aufgebaut.
Nach einer Vorbereitungsphase werden die gespendeten Stammzellen mithilfe einer Infusion verabreicht.
subkutan
Verabreichung von einer Injektion unter die Haut, also ins Unterhautfettgewebe.
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Die heutigen Behandlungsmöglichkeiten bei Multiplem Myelom sind vielfältig – das ist eine gute Nachricht, kann aber auch verwirrend sein.
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