1. Rezidiv bei Multiplem Myelom verstehen

Einteilung des Multiplen Myeloms

Das Multiple Myelom ist eine Erkrankung des Knochenmarks, die in verschiedenen Stadien verläuft.

Oft beginnt sie mit sogenannten Vorstufen, die noch keine Behandlung erfordern, sondern nur beobachtet werden. Dazu gehören:

  • Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) ist eine frühe, meist harmlose Vorstufe, bei der veränderte Plasmazellen vorhanden sind, ohne dass Organe geschädigt werden.
  • Schlafendes Myelom (auch „smouldering Myelom“ genannt) ist eine fortgeschrittenere Vorstufe, bei der sich bereits mehr Plasmazellen im Knochenmark befinden, die Erkrankung aber noch keine Symptome verursacht.

Erst wenn die Erkrankung Organe schädigt oder Schäden drohen, spricht man von einem behandlungsbedürftigen Multiplem Myelom. Ziel der Therapie ist es dann, die Krankheit in Remission zu bringen. Das bedeutet, die Myelomzellen so weit zu unterdrücken, dass sie kaum oder gar nicht mehr nachweisbar sind und keine Beschwerden verursachen.

Die verschiedenen Stufen der Remission

Ärzt:innen unterscheiden mehrere Grade der Remission, je nachdem, wie stark die Krankheit zurückgedrängt werden konnte:

  • Partielle Remission: Die Krankheitsaktivität hat sich um etwa 50 % verringert. Die Myelomwerte im Blut oder Urin gehen deutlich zurück, die Erkrankung ist aber noch nachweisbar.
  • Sehr gute partielle Remission (VGPR): Die Krankheitszeichen haben sich um etwa 90 % reduziert und es sind nur noch minimale Mengen des Myelomproteins nachweisbar.
  • Komplette Remission: Es sind keine Myelomzellen mehr im Blut, Urin oder Knochenmark nachweisbar – die Erkrankung ist vollständig zurückgedrängt.
  • Minimale Resterkrankung (MRD): Mit sehr empfindlichen Tests kann überprüft werden, ob trotz kompletter Remission noch vereinzelte Myelomzellen im Körper vorhanden sind. Ist das der Fall, spricht man von einer minimalen Resterkrankung.

Diese feinen Abstufungen helfen Ärzt:innen, den Therapieerfolg genau zu beurteilen und die Behandlung gezielt fortzusetzen.

Was versteht man unter einem Rezidiv bei Multiplem Myelom?

Von einem Rezidiv spricht man, wenn die Myelomerkrankung nach einer Remission wieder aktiv wird. Das bedeutet: Obwohl die Krankheit zwischenzeitlich stark zurückgedrängt oder nicht mehr nachweisbar war, beginnen sich erneut Myelomzellen zu vermehren. Dies kann sich in steigenden Laborwerten, neuen Symptomen oder Hinweisen auf Organschäden äußern. Ein Rezidiv ist kein plötzliches Ereignis, sondern meist ein schleichender Prozess. Oft erkennt man erste Anzeichen in Blut- oder Urinuntersuchungen, bevor Beschwerden auftreten. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen auch in der Remission so wichtig.

Ein Rückfall bedeutet nicht, dass die bisherige Therapie „versagt“ hat. Das Multiple Myelom ist eine chronische Erkrankung, die in vielen Fällen mehrere Behandlungsphasen durchläuft. Ziel ist es, bei jedem Rezidiv wieder eine möglichst stabile und langanhaltende Remission zu erreichen.

Ist das Multiple Myelom heilbar?

Das Multiple Myelom gilt heute zwar noch als nicht vollständig heilbar, aber als sehr gut behandelbar. Dank moderner Therapien können viele Betroffene über viele Jahre in Remission leben – oft mit guter Lebensqualität. Neue Immun- und Zelltherapien verlängern diese Phasen immer weiter, sodass bei einem Teil der Patient:innen dadurch eine sogenannte funktionelle Heilung erreicht werden kann, also eine langfristige Unterdrückung der Erkrankung ohne dauerhafte Therapie.

Wann ist eine Behandlung beim Rezidiv notwendig?

Ein Rezidiv (Rückfall) bedeutet, dass das Myelom nach einer Phase der Ruhe wieder aktiv wird. Allerdings ist nicht jeder Anstieg der Laborwerte sofort ein Grund zur Sorge. Ärzt:innen beurteilen die Situation meist in drei Stufen: 

  • Stabile Werte: Keine Therapie notwendig, regelmäßige Kontrolle reicht aus. 
  • Leichter Anstieg der Werte: Engmaschige Überwachung, aber noch keine Behandlung. 
  • Deutlich erhöhte Werte oder neue Organschäden: Beginn oder Umstellung der Therapie erforderlich. 

Das Ziel einer neuen Behandlung ist stets dasselbe: die Krankheit wieder so weit zu unterdrücken, dass sie keine Symptome verursacht und nicht mehr nachweisbar ist. 

Was bedeutet ein Rückfall für mich persönlich?

Die Diagnose eines Rezidivs löst verständlicherweise viele Gefühle aus – oft Angst oder Unsicherheit. Dabei kann es hilfreich sein zu wissen: Ein Rezidiv bei Multiplem Myelom ist heute gut behandelbar. Dank der großen Fortschritte in der Myelomforschung stehen mittlerweile zahlreiche moderne und sehr wirksame Therapien zur Verfügung. Ärzt:innen können heute auf einen „Werkzeugkasten“ aus vielen verschiedenen Wirkstoffen zugreifen, die individuell kombiniert werden können – auch solche, die Sie aus Ihrer ersten Behandlung vielleicht noch gar nicht kennen.

Sprechen Sie daher offen mit Ihren Fachärzt:innen für Hämatologie oder Hämatoonkologie über Ihre Möglichkeiten. In spezialisierten Myelom-Zentren oder im Rahmen von Klinischen Studien   können oft noch weitere moderne Therapieansätze angeboten werden.

So finde ich Halt, wenn das Multiple Myelom zurückkehrt

Ein Rezidiv bedeutet nicht, dass Sie etwas „falsch“ gemacht haben – es ist ein Teil des Krankheitsverlaufs, den viele Menschen mit Multiplem Myelom erleben.

  • Sprechen Sie offen über Ihre Sorgen – mit Angehörigen, Ärzt:innen oder psychoonkologischen Fachkräften.
  • Planen Sie kleine, realistische Ziele im Alltag, um sich Schritt für Schritt Stabilität zurückzuholen.
  • Nutzen Sie seriöse Informationsquellen (z. B. Krebsinformationsdienst oder Patientenorganisationen), um aktiv mitzuentscheiden, welche Therapien für Sie passen.

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    Geprüft Dr. med. Christoph Schaefers Stand: Januar 2026 | Quellen und Bildnachweis
    Hämatologie
    Fachgebiet der Medizin, das sich mit Erkrankungen des Blutes, des Knochenmarks und der blutbildenden Organe beschäftigt.
    klinische Studie
    In klinischen Studien wird getestet, ob ein neues Medikament oder Therapieverfahren sicher und wirksam ist.
    Plasmazellen
    Plasmazellen sind eine besondere Form der weißen Blutkörperchen, welche Antikörper bilden.
    Rezidiv
    (Rückfall)
    Wiederauftreten einer Krankheit nach zunächst erfolgreicher Behandlung mit Heilung oder Verbesserung.