5. Therapieentscheidung beim Rezidiv des Multiplen Myeloms

Beim Rückfall des Multiplen Myeloms gibt es heute viele wirksame Behandlungsmöglichkeiten.
Oft wird dabei nicht nur ein Medikament, sondern eine Kombination aus mehreren Wirkstoffen eingesetzt.

Warum werden Kombinationstherapien eingesetzt?

Das Multiple Myelom ist eine komplexe Erkrankung. Im Laufe der Zeit kann die Krankheit Widerstandsmechanismen entwickeln, um sich gegen bestimmte Medikamente zu wehren. Wenn man aber mehrere Medikamente mit unterschiedlichen Wirkprinzipien kombiniert, wird es für die Myelomzellen deutlich schwieriger, sich anzupassen oder zu „entkommen“. Die Medikamente wirken dabei von verschiedenen Seiten – manche greifen direkt die Krebszellen an, andere unterstützen das Immunsystem oder blockieren bestimmte Wachstumsprozesse.

Studien zeigen eindeutig: Kombinationstherapien sind meist wirksamer als Einzeltherapien, verlängern die Zeit bis zum nächsten Rückfall und können oft tiefere Remissionen. Deshalb gelten Kombinationstherapien heute beim Rezidiv als Standardbehandlung.

Welche Faktoren beeinflussen die Therapieentscheidung?

Die Wahl der Therapie ist immer individuell. Es gibt nicht „die eine richtige Behandlung“. Aus verschiedenen Möglichkeiten werden diejenigen gewählt, die zu Ihrer persönlichen Situation passen. Ärzt:innen berücksichtigen dabei viele Faktoren, zum Beispiel:

  • Bisherige Behandlungen: Welche Medikamente wurden bereits eingesetzt? Wie gut haben sie gewirkt?
  • Krankheitsverlauf: Wie stark ist die Erkrankung aktuell? Gibt es Organschäden oder eine hohe Tumorlast?
  • Nebenwirkungen früherer Therapien: Welche Medikamente wurden gut vertragen, und welche haben Beschwerden verursacht (z. B. Nervenschäden oder Müdigkeit)?
  • Genetische Risikofaktoren: Bestimmte genetische Merkmale der Myelomzellen können beeinflussen, welche Therapien besonders wirksam sind.
  • Gesundheitszustand und Vorerkrankungen: Wie fit sind Sie? Gibt es Begleiterkrankungen (z. B. Herz, Niere, Nerven)?
  • Therapieziele: Geht es vor allem um Krankheitskontrolle, lange Remission oder möglichst gute Lebensqualität?
  • Alltag und persönliche Lebenssituation: Sind Sie noch berufstätig? Reisen Sie viel? Wie wichtig ist Ihnen eine ambulante Behandlung?
  • Zulassung und Studien: Welche Therapien sind in Ihrer Situation zugelassen? Gibt es Studien, an denen Sie teilnehmen könnten?

Das alles fließt in die Entscheidung ein, um die Therapie zu finden, die am besten zu Ihnen passt.

Wie kann ich mich aktiv an der Entscheidung beteiligen?

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind ein wichtiger Teil der Therapieentscheidung. Je mehr Sie über Ihre Erkrankung und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten wissen, desto besser können Sie mitentscheiden. Das können Sie konkret tun:

  • Fragen stellen: Bitten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, alle Optionen und deren Ziele zu erklären – auch mögliche Nebenwirkungen.
  • Zweitmeinung einholen: In spezialisierten Myelom-Zentren oder Studienzentren können Sie sich zusätzlich beraten lassen.
  • Informationsquellen nutzen: Auf den Webseiten der Deutschen Krebsgesellschaft oder Deutschen Krebshilfe, sowie bei der Krebsliga der Schweiz, der Österreichischen Krebshilfe und den lokalen Myelom-Selbsthilfegruppen, finden Sie aktuelle, verlässliche Informationen.
  • Eigene Lebensumstände einbeziehen: Überlegen Sie, welche Therapieform sich gut in Ihren Alltag einbauen lässt. Sprechen Sie offen über Ihre Wünsche und Grenzen.

Die beste Entscheidung entsteht immer gemeinsam – im offenen Austausch zwischen Ihnen und Ihrem Behandlungsteam.

Die Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten bedeutet auch: Sie sind nicht allein auf eine Therapie angewiesen. Gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam können Sie die Behandlung so gestalten, dass sie zu Ihnen, Ihrem Alltag und Ihren Zielen passt.

Checkliste für mein Therapiegespräch

Diese Fragen können Ihnen helfen, gemeinsam mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin die passende Therapie zu finden:

  1. Behandlungsmöglichkeiten
    • Welche Therapien stehen mir aktuell zur Verfügung?
    • Warum empfehlen Sie diese Kombination?
  2. Wirksamkeit und Nebenwirkungen
    • Welche Erfolge wurden mit dieser Behandlung erzielt?
    • Welche Nebenwirkungen können vorkommen – und wie lassen sich diese behandeln?
  3. Ablauf und Alltag
    • Wie wird die Therapie verabreicht (Infusion , Spritze, Tablette)?
    • Muss ich ins Krankenhaus oder kann ich ambulant behandelt werden?
    • Wie oft sind Kontrollen nötig?
  4. Persönliche Situation
    • Wie lässt sich die Behandlung mit meinem Alltag, meinem Berufs- und Familienleben vereinbaren?
    • Gibt es Anpassungen, wenn ich mich zu schwach fühle oder verreisen möchte?
  5. Zweitmeinung und Studien
    • An welche Kliniken, die auf Multiples Myelom spezialisiert sind, kann ich mich wenden?
    • Kommt für mich die Teilnahme an einer klinischen Studie infrage?

Tipp: Schreiben Sie Ihre Fragen auf und bringen Sie die Liste zum Arztgespräch mit – das hilft, den Überblick zu behalten und nichts Wichtiges zu vergessen.

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    Geprüft Dr. med. Christoph Schaefers Stand: Januar 2026 | Quellen und Bildnachweis
    ambulant
    Die Behandlung erfolgt ohne einen nächtlichen Aufenthalt im Krankenhaus.
    Infusion
    Verabreichung einer Flüssigkeit (mit oder ohne darin gelösten Medikamente) über einen Zugang in ein Blutgefäß.
    klinische Studie
    In klinischen Studien wird getestet, ob ein neues Medikament oder Therapieverfahren sicher und wirksam ist.
    Kombinationstherapien
    Behandlungsmethoden, bei denen mehrere verschiedene Arten von Medikamenten oder Therapien zusammen verwendet werden, um eine Krankheit zu behandeln. Anstatt nur eine einzelne Behandlung zu verwenden, werden verschiedene Ansätze kombiniert, um bessere Ergebnisse zu erzielen.
    Multiples Myelom
    Das Multiple Myelom ist eine bösartige Tumorerkrankung, die von den Plasmazellen des Knochenmarks ausgeht und zur Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome zählt.
    Rezidiv
    (Rückfall)
    Wiederauftreten einer Krankheit nach zunächst erfolgreicher Behandlung mit Heilung oder Verbesserung.
    Zulassung
    Die (Arzneimittel-)Zulassung ist eine von den Behörden erteilte Genehmigung, die benötigt wird, um ein Medikament oder Therapieverfahren öffentlich anbieten zu können. Sie wird erst erteilt, sobald durch klinische Studien nachgewiesen wurde, dass das Arzneimittel sicher und wirksam ist.  
    Zweitmeinung
    Einschätzung eines zweiten Arztes oder einer zweiten Ärztin zur Diagnose oder Behandlung einer Erkrankung, um die Richtigkeit und Angemessenheit der vorgeschlagenen Therapie zu überprüfen.