4. Zielgerichtete Therapien beim Rezidiv des Multiplen Myeloms

Die Behandlungsmöglichkeiten beim Rückfall des Multiplen Myeloms haben sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Besonders die sogenannten Antikörper-Therapien und Zelltherapien eröffnen heute neue Chancen: Sie greifen Myelomzellen gezielt an und aktivieren gleichzeitig das Immunsystem.

Moderne Therapieansätze beim Rezidiv des Multiplen Myeloms

Medikamente, die direkt in die Myelomzellen eingreifen

Diese Wirkstoffe zielen auf die Krebszellen selbst ab und stören lebenswichtige Abläufe in deren Innerem. Dazu zählen neben den Proteasom-Inhibitoren auch die Immunmodulatoren. Mehr zu diesen Therapien erfahren Sie in der Lektion Therapiemöglichkeiten beim Rezidiv des Multiplen Myeloms

Therapien, die das Immunsystem gezielt aktivieren

Hierbei wird das körpereigene Abwehrsystem genutzt, um die Myelomzellen gezielt zu erkennen und zu zerstören:

Wann kommt welche Therapie zum Einsatz?

Welche Therapieform beim Rezidiv eines Multiplen Myeloms gewählt wird, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Mehr zur Therapiewahl erfahren Sie in der Lektion „Therapieentscheidung beim Rezidiv des Multiplen Myeloms“. Grundsätzlich gilt:

  • Proteasom-Inhibitoren und Immunmodulatoren gehören meist zu den ersten Medikamenten beim Rückfall und werden oft miteinander kombiniert.
  • Monoklonale Antikörper kommen häufig bereits früh im Rezidiv zum Einsatz, besonders wenn sie in der Ersttherapie noch nicht verwendet wurden.
  • Auch Antikörper-Wirkstoff-Konjugate sind in Deutschland ab dem ersten Rückfall zur Behandlung zugelassen.
  • Bispezifische Antikörper werden aktuell eher bei späteren Rückfällen eingesetzt. Die Zulassung einer sehr effektiven Kombinationstherapie für eine Behandlung des ersten Rezidivs soll bald folgen.
  • Die CAR-T-Zelltherapie ist in Deutschland ab dem ersten Rezidiv zugelassen und wird vor allem in spezialisierten Zentren angewendet, wenn eine intensive, einmalige Therapie sinnvoll erscheint.

In den meisten Fällen werden heute Kombinationstherapien eingesetzt – also mehrere Medikamente mit unterschiedlichen Wirkmechanismen. Dadurch kann das Myelom von verschiedenen Seiten gleichzeitig bekämpft werden, was die Wirksamkeit deutlich erhöht. Welches Vorgehen in Ihrer Situation am besten geeignet ist, entscheidet Ihr Behandlungsteam gemeinsam mit Ihnen – basierend auf medizinischen Kriterien, bisherigen Erfahrungen und Ihren persönlichen Wünschen.

Portkatheter

Da viele moderne Therapien über Infusionen verabreicht werden, kann in manchen Fällen ein sogenannter Portkatheter sinnvoll sein. Dieser kleine, unter der Haut liegende Zugang erleichtert wiederholte Infusionen und schont die Venen. Ihr Behandlungsteam bespricht mit Ihnen, ob das in Ihrer Situation empfehlenswert ist. Mehr zum Portkatheter finden Sie in der Schulung „Verabreichungsformen in der Onkologie“ unter der Lektion „Intravenöse Krebstherapie“.

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    Geprüft Dr. med. Christoph Schaefers Stand: Januar 2026 | Quellen und Bildnachweis
    ambulant
    Die Behandlung erfolgt ohne einen nächtlichen Aufenthalt im Krankenhaus.
    Antikörper
    (Immunoglobuline)
    Eiweiße (Proteine), die von Zellen des Immunsystems gebildet werden, um Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren zu bekämpfen. Bei manchen Erkrankungen kann es zu einer fehlgeleiteten Bildung von Antikörpern gegen körpereigene Zellen oder Strukturen kommen.
    Immuntherapie
    Therapie, die das Immunsystem beeinflusst und bei verschiedenen Erkrankungen, wie z.B. Krebs, eingesetzt wird. Je nach Krankheitsursache kann das Immunsystem gehemmt, stimuliert oder durch die Gabe von Antikörpern verändert werden.
    Infusion
    Verabreichung einer Flüssigkeit (mit oder ohne darin gelösten Medikamente) über einen Zugang in ein Blutgefäß.
    intravenös
    (Abkürzung: IV)
    Medikamente, Flüssigkeiten oder Nährstoffe werden über eine Vene in den Blutkreislauf eingebracht. Dazu wird eine Spritze oder eine Infusion mit einer Nadel oder einem Katheter verwendet.
    Kombinationstherapien
    Behandlungsmethoden, bei denen mehrere verschiedene Arten von Medikamenten oder Therapien zusammen verwendet werden, um eine Krankheit zu behandeln. Anstatt nur eine einzelne Behandlung zu verwenden, werden verschiedene Ansätze kombiniert, um bessere Ergebnisse zu erzielen.
    Monoklonale Antikörper
    Monoklonale Antikörper sind im Labor hergestellte Antikörper, welche spezifisch auf einzelne Bindungsstellen bestimmter Antigene abzielen. Sie können zur Diagnose und Behandlung von Krankheiten verwendet werden.
    Rezidiv
    (Rückfall)
    Wiederauftreten einer Krankheit nach zunächst erfolgreicher Behandlung mit Heilung oder Verbesserung.
    stationär
    Vor oder nach der Behandlung befindet sich die Patientin/der Patient mindestens eine Nacht im Krankenhaus.
    T-Zellen
    Untergruppe der weißen Blutkörperchen und ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems.
    Zulassung
    Die (Arzneimittel-)Zulassung ist eine von den Behörden erteilte Genehmigung, die benötigt wird, um ein Medikament oder Therapieverfahren öffentlich anbieten zu können. Sie wird erst erteilt, sobald durch klinische Studien nachgewiesen wurde, dass das Arzneimittel sicher und wirksam ist.