1. Polycythaemia Vera kurz erklärt

Was ist Polycythaemia Vera (PV) und was passiert dabei im Körper?

Polycythaemia Vera ist eine langsam verlaufende, dauerhafte Erkrankung des Blutes, bei der im Knochenmark zu viele Blutzellen gebildet werden. Normalerweise sorgt der Körper dafür, dass neue Blutzellen entstehen, wenn alte abgebaut werden. Bei PV ist diese Regulation gestört. Eine Veränderung in den blutbildenden Zellen des Knochenmarks führt dazu, dass sie dauerhaft zu viele Zellen produzieren.

Das betrifft alle drei Zellarten:

  • Rote Blutkörperchen: sie transportieren Sauerstoff durch den Körper.
  • Weiße Blutkörperchen: sie sind Teil des Immunsystems und wehren Krankheitserreger ab.
  • Blutplättchen: sie helfen, Blutungen zu stoppen, indem sie kleine Gefäße abdichten.

In der Regel kommt es vor allem zu einer gesteigerten Bildung roter Blutkörperchen. Aber auch die Zahl der weißen Blutkörperchen und der Blutplättchen kann erhöht sein.

Durch die vermehrte Bildung dieser Zellen wird das Blut „dickflüssiger“ und fließt langsamer. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Blutgerinnsel (Thrombosen ) bilden. Diese können Gefäße teilweise oder vollständig verschließen und so die Durchblutung behindern. Besonders wichtig ist daher, das Blutbild regelmäßig zu kontrollieren und den Blutfluss durch Bewegung, ausreichendes Trinken und eine angepasste Behandlung zu unterstützen. So lässt sich das Risiko für Thrombosen gut verringern.

Welche genetischen Veränderungen spielen eine Rolle?

In über 90 % der Fälle findet sich eine JAK2-Mutation. Diese genetische Veränderung sorgt dafür, dass das Knochenmark dauerhaft aktiv bleibt und zu viele Blutzellen bildet. In seltenen Fällen sind andere Gene betroffen oder keine Mutation nachweisbar. Der JAK2-Test ist eines der wichtigsten Diagnosekriterien, aber erst die Kombination mit den Blutwerten und weiteren Untersuchungen bestätigt die Diagnose.

Wie unterscheidet sich PV von anderen Ursachen erhöhter Blutzellen?

Nicht jede Erhöhung der Blutwerte bedeutet eine Polycythaemia Vera.
Kurzfristige Auslöser können sein:

  • Infekte,
  • Flüssigkeitsmangel,
  • Aufenthalte in großer Höhe oder
  • bestimmte Medikamente.

Diese Werte normalisieren sich meist wieder. Bei PV bleibt die Überproduktion bestehen, weil sie genetisch bedingt ist.

Wann sollten erhöhte Blutwerte untersucht werden?

Erhöhte Blutwerte sind oft harmlos, manchmal aber auch ein Hinweis auf eine Erkrankung.

  • Abwarten: nach Infekten, Anstrengung oder Flüssigkeitsmangel
  • Abklären lassen: wenn Werte mehrfach erhöht sind oder mehrere Zellarten betroffen sind
  • Tipp: Bitten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt um einen Vergleich mit früheren Blutbildern.

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    Geprüft Priv.-Doz.in Dr.in Susanne Isfort: Stand Januar 2025 | Quellen und Bildnachweis
    Thrombose
    Bildung eines Blutgerinnsels in einem Blutgefäß, das den Blutfluss blockieren kann. Kann in Venen oder Arterien auftreten.