4. Chronische Nierenerkrankung und Vorhofflimmern – alle Fragen

Die Nieren und das Herz stehen im menschlichen Körper in enger Verbindung. Nimmt die Nierenfunktion bei einer chronischen Nierenerkrankung ab, steigt gleichzeitig das Risiko für Herzkrankheiten an. Zu diesen Herzkrankheiten zählen insbesondere Vorhofflimmern, Herzinfarkt und Herzschwäche. Aber warum erkrankt bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung häufig auch das Herz und wie können Folgeschäden vermieden werden? Univ.-Prof. Dr. Festa und OA Mag. Dr. Fiedler erklären Ihnen was Sie über den Zusammenhang zwischen Nieren und Herz wissen sollten.

Nieren und Herz – eine enge Beziehung

Warum und wie kann sich eine Nierenerkrankung auf das Herz auswirken?

Die wichtigste Funktion der Niere ist die Ausscheidung von Schadstoffen aus dem Körper. Das ist immer auch, und das wissen wir aus täglicher Erfahrung, mit einem Flüssigkeitsaustausch verbunden.

Die Blutgefäße transportieren Flüssigkeit, da ist viel Wasser dabei, durch den Körper. Dies wird vom Herz, das sozusagen als Pumpe fungiert, gesteuert. Und so können wir leicht verstehen, dass jede Nierenkrankheit, nämlich eine Störung der Funktion (der Ausscheidungsfunktion) auch Folgewirkungen haben wird auf das zentrale Organ, das Herz, die Pumpe, die das alles hämodynamisch (also mechanisch) steuert.

Das heißt: Jede Nierenkrankheit kann auch eine Herzkrankheit zur Folge haben. Mit anderen Worten wissen wir Ärzte, dass wir bei herzkranken Personen auf die Niere achten müssen und umgekehrt bei Personen, die eine Störung der Nierenfunktion haben, auf die Herzfunktion achten müssen, weil eben diese beiden Organe sehr stark vernetzt sind.

Warum sind Menschen mit einer Nierenerkrankung häufig auch von Vorhofflimmern betroffen?

Menschen mit Nierenerkrankungen haben häufig Funktionsstörungen des Herzens. Das heißt, es gibt sogar einen Namen dafür: Das ist das Kardiorenale Syndrom, was nichts anderes heißt als: Es ist das Herz betroffen, es ist die Niere betroffen.

Und wenn wir das Herz betrachten, so gibt es häufige Funktionsstörungen:

  • Es kann die Pumpfunktion gestört sein.
  • Die Muskelkraft kann gestört sein, und dadurch können Folgeerscheinungen und auch Symptome einer Herzschwäche auftreten.
  • Es kann aber auch die Anatomie, der Aufbau des Herzens, so weit gestört werden, dass die Reizleitung, nämlich der Herzrhythmus, gestört ist. Mit anderen Worten: Es kommt zu Herzrhythmusstörungen, zum Beispiel einem Vorhofflimmern.

Deswegen sind Herz- und Nierenkrankheiten sehr oft Hand in Hand zu beobachten.

Warum birgt die Kombination dieser Erkrankungen ein erhöhtes Schlaganfallrisiko?

Ein Schlaganfall entsteht dadurch, dass zu wenig Blut, oder wenn Sie wollen Sauerstoff, ins Gehirn kommt.

Das kann zwei Ursachen haben:

  • Einerseits indem die Gefäße verengt sind, verkalkt sind. Sie sind verengt. Das Blut kann nicht durch. Es kann kein Sauerstoff ins Gehirn kommen.
  • Der zweite wichtige Grund ist der, dass sich im Körper ein Gerinnsel bilden kann. Ein Gerinnsel, das heißt ein kleines Ding, das etwa in der Herzkammer sich bildet und mit dem Blutstrom in die kleinen Gefäße ins Gehirn transportiert wird. Und dort kann dieses kleine Dings einen Verschluss eines Gefäßes verursachen. Und auch dadurch wird die Sauerstoffzufuhr zu dem entsprechenden Hirnareal blockiert. Auch in so einem Fall ist ein Schlaganfall die Folge.

Und diesen Zustand, diese Gerinnselbildung beobachten wir häufig bei Herzkrankheiten, aber auch, zeigt die Erfahrung, bei Krankheiten der Niere. Deshalb beurteilen wir immer diese beiden Organe nicht getrennt, sondern gemeinsam, um nämlich hier für das Herz und auch für die Niere eine bestmögliche Behandlung anbieten zu können.

Worauf sollte ich mit einer chronischen Nierenerkrankung achten, um mögliche Herzprobleme wie Vorhofflimmern frühzeitig zu erkennen?

Nierenkrankheiten und Herzkrankheiten treten häufig gemeinsam auf.

Wenn ein Mensch mit eingeschränkter Nierenfunktion, mit einer Nierenschwäche untersucht wird, dann wird Ihr Arzt/Ihre Ärztin typischerweise eine Herzstrommessung vornehmen, ein EKG. Und das genügt in vielen Fällen bereits, um ein Vorhofflimmern festzustellen.

Natürlich wird man auch entsprechende Symptome sehr ernst nehmen: Herzstolpern, Herzrasen –immer ein Grund, der Sache auf den Grund zu gehen. Und wenn man auch in einem Ruhe-EKG keine endgültige Diagnose stellt, so wird man andere diagnostische Maßnahmen in die Wege leiten, um diesen Symptomen auf den Grund zu gehen.

Hier geht es zum Video-Interview: „Nieren und Herz – eine enge Beziehung”

Vorhofflimmern früh erkennen

Wie erkenne ich erste Anzeichen von Vorhofflimmern?

Die Symptome bei Vorhofflimmern können sehr subtil sein. Häufig kommt es zuerst in der Nacht zu Episoden von Vorhofflimmern, die verschlafen werden. Daher ist es vor allem untertags, wenn Sie unter Leistungsknick, Atemnot oder sehr schnellem Herzen leiden, wichtig, früh ein EKG schreiben zu lassen.

Gibt es Hilfsmittel, die mir anzeigen können, ob mein Herz gerade flimmert?

Das klinische Zeichen von Vorhofflimmern ist ein schneller unrhythmischer Puls. Ob man diesen selbst mit der Hand feststellt oder zum Beispiel mit einer Arhythmie-Erkennung im Blutdruckmessgerät, spielt keine Rolle. Wenn Sie den Verdacht haben, einen unrhythmischen, zu schnellen Puls zu haben, dann kontaktieren Sie den Arzt.

Was sind die Symptome des Vorhofflimmerns?

Die häufigsten Symptome des Vorhofflimmerns sind

  • ein schneller Puls,
  • aber auch Atemnot und
  • Leistungsknick

Und gelegentlich berichten auch Patienten, dass es zu

  • Schweißausbrüchen,
  • Übelkeit,
  • aber auch Schwindel

kommen kann.

Hier geht es zum Video-Interview: „Vorhofflimmern früh erkennen”

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Geprüft Univ.-Prof. Dr. Andreas Festa, OA Mag. Dr. Lukas Fiedler: Stand 2022 | PP-ELI-AUT-0819/07.2022 | CV-AT-2200002, 06/2022 | Quellen und Bildnachweis

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