4. Diabetes und Vorhofflimmern – alle Fragen

Wenn bei Diabetes mellitus der Blutzucker dauerhaft erhöht ist, kann das auch das Herz und die Blutgefäße schädigen. Die Folgeschäden am Herzen können sich durch Vorhofflimmern, Herzschwäche, Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Aber warum erkrankt bei Diabetes-PatientInnen häufig auch das Herz und wie können Folgeschäden vermieden werden? Univ.-Prof. Dr. Festa und OA Mag. Dr. Fiedler erklären Ihnen was Sie über Diabetes und das Herz wissen sollten.

Vorhofflimmern durch hohen Blutzucker

Warum kann Diabetes mellitus die Blutgefäße bzw. das Herz schädigen?

Ein hoher Blutzucker, wie wir das beim Diabetes kennen, schädigt die Blutgefäße und damit auch die Organe. Denn alle Organe werden auch durch Blutgefäße mit den wichtigen und notwendigen Nährstoffen versorgt.

Und hierzu gehört das Herz. Und ein diabetisches Herz kann typischerweise, nämlich insbesondere dann, wenn der Blutzucker über lange Zeit zu hoch ist, durch diese Minderversorgung Schaden nehmen. Dazu kommt es eben häufig, wenn der Blutzucker nicht beachtet oder nicht richtig behandelt wird.

  • Es folgt eine Herzschwäche,
  • es folgen Herzrhythmusstörungen,
  • es folgt das Vorhofflimmern und damit verbunden ein Risiko, die gefürchteten Komplikationen zu erleiden: Schlaganfall, Herzinfarkt.

Das heißt: Wir müssen frühzeitig behandeln – den Blutzucker, den Hochdruck, das Vorhofflimmern, um diese Folgekrankheiten zu vermeiden.

Warum haben DiabetikerInnern ein erhöhtes Risiko, an Vorhofflimmern zu erkranken?

Wir kennen das metabolische Syndrom. Das ist eine Kombination von hohem Blutdruck, hohem Blutzucker, hohen Blutfetten. Übergewicht ist häufig dabei. Und all diese Faktoren wirken auf die Organe und schädigen die Organe. Je mehr dieser Faktoren vorliegen, desto mehr leiden die Organe, können die Organe Schaden nehmen.

Das betrifft vor allem das Herz, und das betrifft auch die Nieren.

  • Es kommt zur Herzschwäche,
  • es kommt zu Rhythmusstörungen,
  • es kommt zu Nierenschwäche.

Und je mehr diese Krankheiten vorliegen, desto höher ist das Risiko – auch die Folgekrankheiten zu erleiden, insbesondere den Schlaganfall oder den Herzinfarkt.

Spielt es für das Risiko an Vorhofflimmern zu erkranken eine Rolle, ob ich an Diabetes Typ I oder Typ II leide?

Beim Diabetes unterscheiden wir verschiedene Typen. Am häufigsten hören wir von Typ I oder Typ II.

Der Mechanismus, mit dem der Diabetes Schaden nimmt, ist aber immer der gleiche: Es ist der hohe Blutzucker. Wenn der Blutzucker hoch ist, dann leiden die Gefäße, dann leiden die Organe. Und die gefürchteten Komplikationen können auftreten.

Allerdings, das ist die gute Nachricht: Wir können sowohl den Blutzucker, als auch den Hochdruck und insbesondere auch das Vorhofflimmern heutzutage sehr gut behandeln.

Worauf sollte ich als DiabetikerIn achten, um mögliche Herzprobleme frühzeitig zu erkennen?

Jeder Patient mit Diabetes, mit erhöhtem Blutzucker, sollte ganz besonders auf bestimmte Organfunktionen untersucht werden.

Es ist sehr häufig, dass diese Menschen auch herzkrank sind ohne es womöglich zu wissen, dass Zeichen einer Herzschwäche auftreten, dass Rhythmusstörungen auftreten – insbesondere das Vorhofflimmern, das bei Diabetes sehr häufig beobachtet wird, aber häufig nicht erkannt wird.

Deswegen ist es wichtig, vor allem bei der Zuckerkrankheit, auch daran zu denken, die Organe, die besonders betroffen sein können (wie gesagt, insbesondere das Herz und die Nieren) regelmäßig einer Untersuchung zu unterziehen.

Dazu gehört das Herz. Es sollte auf jeden Fall ein EKG gemacht werden, eine Herzstrommessung. Und das genügt in vielen Fällen bereits, um ein Vorhofflimmern festzustellen. Natürlich wird man auch entsprechende Symptome sehr ernst nehmen: Herzstolpern, Herzrasen – immer ein Grund der Sache auf den Grund zu gehen. Und wenn man auch in dem Ruhe-EKG keine endgültige Diagnose stellt, so wird man andere diagnostische Maßnahmen in die Wege leiten, um diesen Symptomen auf den Grund zu gehen.

Was kann ich selbst dazu beitragen, um das Risiko an Vorhofflimmern zu erkranken, zu verringern?

Sie haben schon gesehen: Viele Krankheiten hängen zusammen.

  • Es ist der Blutdruck,
  • es ist der Blutzucker,
  • das Übergewicht gehört auch dazu,
  • vielleicht Störungen im Fettstoffwechsel.

Denken Sie daran, dass Sie selbst viel beitragen können. Sie können Ihren Arzt unterstützen in der Behandlung,

  • indem Sie Ihre Blutdruck-, Ihre Blutzuckerwerte dokumentieren und zur ärztlichen Visite mitbringen,
  • indem Sie Ihren Lebensstil hinterfragen,
  • indem Sie auch regelmäßig Ihre Medikamente einnehmen, die Ihr Arzt/Ihre Ärztin vorgeschrieben haben.

Hier geht es zum Video-Interview: „Vorhofflimmern durch hohen Blutzucker”

Vorhofflimmern bei Diabetes früh erkennen

Wie erkenne ich erste Anzeichen von Vorhofflimmern?

Die Symptome bei Vorhofflimmern können sehr subtil sein. Häufig kommt es zuerst in der Nacht zu Episoden von Vorhofflimmern, die verschlafen werden. Daher ist es vor allem untertags, wenn Sie unter Leistungsknick, Atemnot oder sehr schnellem Herzen leiden, wichtig, früh ein EKG schreiben zu lassen.

Gibt es Hilfsmittel, die mir anzeigen können, ob mein Herz gerade flimmert?

Das klinische Zeichen von Vorhofflimmern ist ein schneller unrhythmischer Puls. Ob man diesen selbst mit der Hand feststellt oder zum Beispiel mit einer Arhythmie-Erkennung im Blutdruckmessgerät, spielt keine Rolle. Wenn Sie den Verdacht haben, einen unrhythmischen, zu schnellen Puls zu haben, dann kontaktieren Sie den Arzt.

Was sind die Symptome des Vorhofflimmerns?

Die häufigsten Symptome des Vorhofflimmerns sind

  • ein schneller Puls,
  • aber auch Atemnot und
  • Leistungsknick

Und gelegentlich berichten auch Patienten, dass es zu

  • Schweißausbrüchen,
  • Übelkeit,
  • aber auch Schwindel

kommen kann.

Hier geht es zum Video-Interview: „Vorhofflimmern bei Diabetes früh erkennen”

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Geprüft Univ.-Prof. Dr. Andreas Festa, OA Mag. Dr. Lukas Fiedler: Stand Juli 2022 | PP-ELI-AUT-0819/07.2022 | CV-AT-2200002, 06/2022 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.