Welche Übungen helfen mir bei Stress und innerer Anspannung?
Das ist natürlich von Patient zu Patient unterschiedlich. Ich zum Beispiel gehe gerne shoppen und kann dabei unheimlich gut entspannen. Aber es gibt auch andere Formen der Entspannung, wie zum Beispiel leichte körperliche Betätigung oder aber auch Yoga, autogenes Training bis hin zu leichten Atemübungen, die man auch im Alltag, gerade auch im beruflichen Alltag durchaus mal machen kann, damit man etwas entspannter wird.
Wenn ich merke, ich bin jetzt sehr angespannt und unruhig, dann sind so kleine Atemübungen zum Beispiel sehr hilfreich. Die kann ich auch während eines Arztbesuches machen, wenn ich im Wartezimmer sitze oder eben bei der Arbeit in der Pause. Zum Beispiel eine Atemübung, bei der man sich nur einfach ruhig hinsetzen muss.
Ich darf Ihnen das mal vormachen: Sie atmen vier Sekunden ein und sechs Sekunden aus. Und das wiederholen Sie in einem Zyklus von 10 bis 12 Mal. Fangen wir mal an: Ich atme ein. Und aus. Und ein. Drei. Vier. Und aus: drei, vier, fünf, sechs. Und eins, zwei, drei, vier. Und aus: eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs. Und durch dieses verlängerte Ausatmen kommt es dann zu einer Entspannung des Körpers. Deswegen ist es wichtig, dass man diese Übung auch mehrfach wiederholt und vor allen Dingen auf die Ausatmungsphase achtet.
Wie finde ich meine persönliche Kraftquellen und nutze sie im Alltag?
Wichtig ist es für jeden Patienten, dass er weiß, welche Kraftquellen er hat. Und das ist natürlich auch hier von Patient zu Patient unterschiedlich. Das kann zum Beispiel das Hören von Musik, das Spazierengehen, das Nachgehen von Hobbys, aber eben auch leichte Entspannungsübungen sein, die man machen kann, bis hin zum Anschauen von Fotos, um an schöne Urlaubsziele und schöne Orte zu denken, die einem dann auch wieder etwas Kraft und Mut geben können, weiter zu machen.
Wie kann mir der Austausch mit meinem Umfeld oder anderen Betroffenen helfen?
Ein ganz wichtiger Punkt für betroffene Patienten mit Amyloidose ist der Kontakt zu anderen Betroffenen. Und das ist sehr gut möglich, zum Beispiel über Selbsthilfegruppen. Es gibt in Deutschland eine Amyloidose-Selbsthilfegruppe, die man kontaktieren kann, auch online, um hier mit anderen Patienten in Kontakt zu kommen und zu erleben, dass auch diese Patienten ähnliche Probleme, Sorgen, Ängste haben. Aber natürlich um Informationen auszutauschen über die Erkrankung und Therapiemöglichkeiten. Das ist ein ganz, ganz wichtiges Instrument. Und deswegen kann ich nur jeden Patienten ermutigen, Kontakt mit den Selbsthilfegruppen aufzunehmen, zum Beispiel über die Amyloidose-Selbsthilfegruppe. Es gibt auch Selbsthilfegruppen für seltene Erkrankungen. Die sind über das Internet gut auffindbar und man kann sie sehr gut kontaktieren.
Der Austausch mit betroffenen Patienten nimmt einem etwas Unsicherheit. Es kann einem mehr Informationen liefern und vor allen Dingen das Gefühl, dass man nicht alleine mit dieser Erkrankung dasteht. Dass es auch andere Betroffene gibt, die einen unterstützen, die einem Hilfe und Rat anbieten können. Deshalb ist es sehr wichtig, dass man auch mit anderen betroffenen Patienten in Kontakt kommt. Das führt auch dazu, dass man mit seinem Umfeld auch anders umgehen kann, weil man anders informiert ist und auch andere Informationen hat.
Welche Möglichkeiten habe ich, mir frühzeitig seelische Unterstützung zu holen?
Es ist sehr wichtig, dass man frühzeitig Hilfe aufsucht, gerade wenn man auch psychische Probleme hat. Wenn man bemerkt: Ich habe Angst, ich ziehe mich immer weiter zurück, ich brauche Unterstützung. Und da ist zum Beispiel das Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt sehr, sehr wichtig. Hier kann man schon erste Hilfe bekommen. Und gerade auch wenn das Problem stärker wird, kann der Hausarzt oder die Hausärztin dann auch weitere Kontakte vermitteln, zum Beispiel zu Psychotherapeuten, zu Psychokardiologen oder auch Psychoonkologen, die sich mit diesen psychischen Belastungen bei dieser Erkrankung sehr gut auskennen und auch weiter helfen können.
Wie können sich Angehörige seelische Unterstützung holen?
Oft sind auch die Angehörigen, die Lebenspartner, durch die Erkrankung des Patienten sehr belastet. Gerade auch, wenn der Patient sehr pflegebedürftig ist, wenn er sehr viel Hilfe und Unterstützung braucht. Und da ist es dann wichtig, dass man zum Beispiel als Arzt und Ärztin auch auf die Angehörigen eingeht und fragt: Wie geht es Ihnen denn? Was haben Sie für Sorgen und Nöte? Wie können wir Sie unterstützen? Wie können wir Ihnen helfen? Zum Beispiel auch durch das Angebot von Sozialdiensten von Pflegeeinrichtungen. Deswegen ist es auch für die Angehörigen sehr, sehr wichtig, mitzuteilen, welche Probleme es in der Betreuung des Patienten zu Hause gibt. Und wir sind immer sehr froh, wenn wir das dann auch erfahren, um dort helfen zu können.
Hier geht es zum Video-Interview: „Psychische Stärke bei Amyloidose aufbauen“