5. Psychische Stärke bei Amyloidose aufbauen

Was bedeutet psychische Stärke bei Amyloidose?

Psychische Stärke bedeutet nicht, Belastungen einfach auszuhalten. Vielmehr geht es darum, herauszufinden, was Ihnen in schwierigen Momenten guttut und neue Kraft gibt. Entspannungsübungen, persönliche Kraftquellen, der Austausch mit anderen und professionelle Unterstützung können Ihnen dabei helfen.

Psychische Stärke heißt nicht, immer stark sein zu müssen.

Mit einer Erkrankung umzugehen, kann Kraft kosten. Es wird deshalb Tage geben, an denen Sie zuversichtlich sind, und andere, an denen Ihnen vieles schwerfällt.

Versuchen Sie, an schwierigen Tagen nicht zusätzlich streng mit sich selbst zu sein. Fragen Sie sich beispielsweise:

„Was würde ich einer guten Freundin oder einem guten Freund in meiner Situation sagen?“

Vielleicht würden Sie Verständnis zeigen, zu einer Pause raten oder daran erinnern, dass nicht jeden Tag alles gelingen muss. Versuchen Sie, auch mit sich selbst so umzugehen.

Psychische Stärke zeigt sich nicht darin, immer positiv oder belastbar zu sein. Sie kann auch bedeuten, die eigenen Grenzen wahrzunehmen, Hilfe anzunehmen und sich an schwierigen Tagen weniger abzuverlangen.

Welche Übungen helfen bei Stress und innerer Anspannung?

Ob Bewegung, Yoga, Musik oder Atemübungen – was bei Anspannung hilft, ist individuell. Probieren Sie eine Übung für wenige Minuten aus und integrieren Sie sie bei Wohlbefinden regelmäßig in Ihren Alltag. Beenden Sie Übungen, die unangenehm sind oder Beschwerden verstärken.

Wie finde ich meine persönlichen Kraftquellen?

Kraftquellen sind Dinge, die Ihnen Freude, Ruhe, Zuversicht oder neue Energie geben. Was als Kraftquelle erlebt wird, ist sehr persönlich und kann sich im Laufe der Zeit verändern.

Auch kleine Dinge können im Alltag Kraft geben, zum Beispiel:

  • Spazierengehen
  • Zeit in der Natur verbringen
  • Musik hören
  • lesen oder Hörbücher hören
  • malen, basteln, handarbeiten oder fotografieren
  • Pflanzen oder einen Garten pflegen
  • kochen oder etwas genießen, das Ihnen schmeckt
  • mit einem Haustier Zeit verbringen
  • Erinnerungen aufschreiben oder ein Fotoalbum ansehen
  • kleine Rituale pflegen, etwa einen ruhigen Morgenkaffee
  • sich bewusst auf etwas freuen, zum Beispiel einen Besuch oder einen Ausflug
  • Meditation, Gebet oder andere Formen von Spiritualität

Eine Kraftquelle muss nichts Besonderes oder Großes sein. Entscheidend ist, was Ihnen persönlich guttut und zu Ihrer aktuellen Belastbarkeit passt.

Eigene Kraftquellen entdecken

Überlegen Sie:

  • Was gibt mir im Alltag Kraft, ohne mich zu überfordern?
  • Welche Aktivitäten oder Momente haben mir schon früher gutgetan?
  • Wobei kann ich zur Ruhe kommen oder meine Gedanken für eine Weile loslassen?
  • Was macht mir Freude oder gibt mir Zuversicht?
  • Welche Kraftquelle steht mir auch an Tagen mit wenig Energie zur Verfügung?

Manche Kraftquellen kosten mehr Energie als andere. Es kann deshalb hilfreich sein, sowohl aktive Kraftquellen, wie einen Spaziergang oder ein Hobby, als auch ruhige Kraftquellen, wie Musik, Fotos oder Lesen, zu kennen. So können Sie je nach Tagesform auswählen.

Kraftquellen können sich verändern

Vielleicht gibt es Dinge, die Ihnen früher besonders viel Kraft gegeben haben, die aufgrund Ihrer körperlichen Belastbarkeit heute nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich sind. Das kann zunächst enttäuschend sein.

Dann kann es helfen, sich zu fragen:

„Was genau hat mir daran gutgetan?“

Wenn Sie beispielsweise gerne lange Wanderungen gemacht haben, war vielleicht nicht nur die Bewegung wichtig, sondern auch die Natur, die Ruhe oder das Gefühl, unterwegs zu sein. Diese Erfahrung lässt sich möglicherweise anders gestalten – etwa durch einen kurzen Spaziergang, Zeit im Garten oder einen Ausflug an einen schönen Ort.

Wenn ein früheres Hobby zu anstrengend geworden ist, kann vielleicht eine angepasste Form davon weiterhin Freude machen.

Es geht nicht darum, etwas vollständig zu ersetzen. Vielmehr können Sie herausfinden, welcher Teil einer früheren Kraftquelle Ihnen besonders wichtig war und wie Sie diesen heute in Ihren Alltag holen können.

Wie kann mir der Austausch mit anderen helfen?

Der Austausch mit vertrauten Menschen kann entlasten. Zusätzlich kann der Kontakt zu anderen Menschen mit Amyloidose hilfreich sein. In Selbsthilfegruppen können Sie erleben, dass andere ähnliche Sorgen, Fragen oder Erfahrungen haben.

Der Austausch kann:

  • das Gefühl vermitteln, nicht allein zu sein,
  • Unsicherheiten verringern,
  • praktische Erfahrungen zugänglich machen und
  • helfen, Fragen für die eigene Behandlung zu erkennen.

Dabei gilt: Erfahrungen anderer Betroffener können Orientierung geben, ersetzen aber keine medizinische Beratung. Krankheitsverlauf und Behandlung können sich von Person zu Person unterscheiden.

Wo finde ich Gruppen oder Möglichkeiten zum Austausch?

Fragen Sie Ihr Behandlungsteam oder ein spezialisiertes Amyloidose-Zentrum nach passenden Selbsthilfeangeboten. Patientenorganisationen und regionale Selbsthilfekontaktstellen finden Sie auch über eine gezielte Internetsuche. Auch Online-Gruppen in sozialen Netzwerken können eine Möglichkeit zum Austausch bieten.

Es ist schön, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. In der Uniklinik habe ich zufällig im Wartebereich eine Mitstreiterin kennengelernt, mit der ich bis heute locker in Kontakt bin. Durch die Seltenheit der Erkrankung sind Online-Kontakte wahrscheinlich häufiger. Es gibt auch Facebook- und Whatsapp-Gruppen mit Betroffenen und Angehörigen, die einen guten Austausch bieten.

Jutta J.
Betroffene Patientin

Welche Möglichkeiten gibt es für seelische Unterstützung?

Sie müssen nicht warten, bis eine seelische Belastung sehr stark geworden ist. Wenn Ängste zunehmen, Sie sich immer mehr zurückziehen oder das Gefühl haben, allein nicht mehr gut zurechtzukommen, können Sie sich frühzeitig Unterstützung holen.

Eine erste Anlaufstelle kann Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt sein. Bei Bedarf kann von dort weitere Unterstützung vermittelt werden, zum Beispiel durch:

  • Psychotherapeut:innen,
  • Psychokardiolog:innen (spezialisiert auf das Zusammenspiel von Psyche und Herzerkrankungen) oder
  • Psychoonkolog:innen (spezialisiert auf das Zusammenspiel von Psyche und Krebserkrankungen).

Welche Anlaufstelle am besten zu Ihnen passt, hängt von Ihrer persönlichen Situation und Ihren Beschwerden ab.

Auch Angehörige dürfen Unterstützung brauchen

Eine Amyloidose kann auch für Angehörige belastend sein – besonders, wenn im Alltag zunehmend Unterstützung oder Pflege notwendig wird. Auch Angehörige sollten deshalb eigene Sorgen und Belastungen ansprechen. Das Behandlungsteam kann beispielsweise auf Beratungsangebote, Sozialdienste oder Unterstützungsmöglichkeiten für die Versorgung zu Hause hinweisen.

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    Geprüft Prof.in Dr.in med. Ingrid Kindermann: Stand Oktober 2026 | Quellen und Bildnachweis
    Psychoonkolog:innen
    Psychologische Unterstützung von Menschen, die an Krebs erkrankt sind. Hauptziel ist es, den Patienten bei der Bewältigung der emotionalen, sozialen und psychologischen Herausforderungen zu helfen, die mit der Krebsdiagnose und -behandlung verbunden sind.