2. Medikamentöse Therapie bei Polyneuropathie

Opioide bei Polyneuropathie

Opioide sind gut wirkende Schmerzmittel. Nehmen Sie diese  immer entsprechend der ärztlichen Anordnung ein, um schwere Nebenwirkungen zu vermeiden. Sich im Vorhinein über mögliche Nebenwirkungen zu informieren kann dazu beitragen, das Auftreten rechtzeitig zu erkennen.

Einsatz von Opioiden

Opioide sind wirksame Schmerzmittel, die vom Morphin abstammen. Sie wirken auf das Gehirn und im Rückenmark und hemmen somit die Schmerzempfindung. Da sie starke Nebenwirkungen haben können, werden sie nur eingesetzt, wenn andere Schmerzmittel nicht ausreichen.

Nicht-opioide Schmerzmittel

Nicht opioide-Schmerzmittel (Analgetika) verursachen meist geringere Nebenwirkungen als Opioide, wirken aber auch schwächer. Als Kompromiss kommt oft der Wirkstoff Tramadol zum Einsatz: Ein schwaches Opioid, das  auch gut schmerzlindernd wirkt.

Nebenwirkungen der Opioide

Die Nebenwirkungen treten dosisabhängig auf. Sie können umfassen:

  • Verstopfung
  • Erbrechen
  • Übelkeit
  • Müdigkeit
  • Schwindel
  • Hemmung der Atmung

Wichtig:

  • Die Einnahme von Opioiden muss ärztlich verordnet und die Dosis und Einnahme regelmäßig kontrolliert werden.
  • Opioide müssen regelmäßig eingenommen werden. Bei unsachgemäßem Absetzen können Entzugserscheinungen auftreten. Setzen Sie die Medikamente daher nie eigenmächtig ab.

Antidepressiva bei Polyneuropathie

Die CIPN führt zu Veränderungen (meist Minderungen) der Sensibilität der Körperoberfläche und der Beweglichkeit. Auch innere Organe können von Polyneuropathie betroffen sein.

Einsatz von Antidepressiva

Antidepressiva sind Medikamente, die vor allem zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden. Sie helfen aber auch bei Polyneuropathie, indem sie Schmerzen lindern.  Zwei Klassen sind für die Behandlung der Polyneuropathie besonders wichtig:

SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, z. B. Duloxetin) und Trizyklische Antidepressiva wirken ähnlich. Sie hemmen die Wiederaufnahme von Botenstoffen und erhöhen somit deren Konzentration im Gehirn.

Zur Behandlung der Polyneuropathie werden SSRIs und trizyklische Antidepressiva angewandt, um Schmerzen zu mindern. Sie sind Mittel erster Wahl. Mehr dazu finden Sie in der Lektion “Behandlung von Polyneuropathie bei Krebs”, „Behandlungsoptionen“.

Wirkungsweise der Antidepressiva

Die Antidepressiva verändern die Konzentration von Botenstoffen im Körper, die vor allem die Stimmung regulieren. Ihre schmerzlindernde Wirkung ist ein positiver Nebeneffekt.

Nebenwirkungen der Antidepressiva

Antidepressiva können folgende Nebenwirkungen haben:

  • Müdigkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Schwindelgefühl
  • Erregungszustände
  • Blutdruckschwankungen
  • Schweißneigung
  • Magen- und Verdauungsbeschwerden
  • Appetitmangel
  • Gewichtszunahme
  • Herzrhythmusstörungen (selten)

Nehmen Sie Antidepressiva immer gemäß ärztlicher Anordnung ein und berichten Sie Ihrem Behandlungsteam von neu auftretenden Beschwerden. So lassen sich die meisten Nebenwirkungen  behandeln oder das Medikament kann gewechselt werden.

Antikonvulsiva bei Polyneuropathie

Die Wirkstoffe Gabapentin und Pregabalin wurden eigentlich zur Behandlung von Krampfanfällen entwickelt. Sie helfen aber auch bei Polyneuropathie.

Einsatz von Antikonvulsiva

Antikonvulsiva sind Medikamente, die zur Behandlung der Epilepsie entwickelt wurden. Unter ihnen werden vor allem das Gabapentin und das Pregabalin zur Behandlung der Polyneuropathie eingesetzt. Sie werden bei Polyneuropathie oft als erstes Medikament angewandt. Mehr dazu finden Sie in der Lektion „Behandlungsoptionen bei Chemotherapie-induzierter Polyneuropathie“.

Wirkungsweise von Antikonvulsiva

Antikonvulsiva senken die Erregbarkeit von Nervenzellen im Gehirn. Da Krampfanfälle von Erregungen dieser Nervenzellen ausgehen, werden sie dadurch unterdrückt. Diese Wirkung lindert auch die Beschwerden der Polyneuropathie.

Nebenwirkungen der Antikonvulsiva

Schwindel, Benommenheit und Bewusstseinsstörungen sind wichtige Nebenwirkungen der Antikonvulsiva. Sie treten vor allem dann auf, wenn die Dosis zu schnell gesteigert wird. Ihre/Ihr behandelnde/r Ärztin/Arzt wird das Medikament daher folgendermaßen „einschleichen“:

  1. Mit niedriger Dosis anfangen
  2. Alle 4-7 Tage Dosis steigern
  3. Sobald deutliche Nebenwirkungen eintreten, ist Ihre individuelle Höchstdosis erreicht. Die Behandlung erfolgt dann mit einer Dosis unterhalb dieser Höchstdosis.

Ziel des „Einschleichens“ ist es, gefährliche Nebenwirkungen zu vermeiden, ohne die erwünschte Wirkung zu verlieren.

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Geprüft Prof. Dr. Thomas Licht: Stand August 2021 | Quellen und Bildnachweis

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