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Kurs Behandlung der CML: Lektion 1 von 5

Tyrosinkinasehemmer

Die wichtigste Wirkstoffgruppe zur Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie (CML) sind die Tyrosinkinasehemmer. Sie wirken dort, wo die CML entsteht: Beim fehlerhaften Eiweiß BCR-ABL, für dessen Bildung das Philadelphia-Chromosom verantwortlich ist. Hier erfahren Sie die wichtigsten Fakten über Tyrosinkinasehemmer und ihre Wirkung.

Video Transkript

Was sind Tyrosinkinasehemmer?

Tyrosinkinasehemmer sind Substanzen, die ganz gezielt die Ursache der chronisch-myeloischen Leukämie bekämpfen. Es sind Medikamente, die man in Tablettenform einnehmen kann. Sie blockieren die typische Veränderung der chronisch-myeloischen Leukämie, die dazu führt, dass sich die Zellen ungehemmt vermehren können.

Wie wird entschieden mit welchem Tyrosinkinasehemmer behandelt wird?

Für die Behandlung der chronisch-myeloischen Leukämie stehen unterschiedliche Tyrosinkinasehemmer zur Verfügung. In Abhängigkeit Ihres Alters, Ihrer Komorbiditäten, das heißt anderer Erkrankungen, die vorliegen, und auch in Abhängigkeit des Risikoprofils der Erkrankung wird letztlich entschieden, welcher Tyrosinkinasehemmer bei Ihnen zum Einsatz kommt.

Was geschieht, wenn die ausgewählte Therapie nicht wie gewünscht wirkt?

Im Verlauf der Erkrankung mit dem Medikament, mit dem die Erkrankung als erstes behandelt wird, wird überprüft, ob die entsprechenden Meilensteine erreicht werden. Das heißt: Im Verlauf der Erkrankung bzw. auch im Verlauf der Therapie wird zu bestimmten Zeitpunkten kontrolliert, ob die Leukämielast auch entsprechend absinkt und die Leukämiezellen auch entsprechend weniger werden. Wenn dies nicht erreicht wird zu bestimmten Zeitpunkten, dann kann auch hier eine Umstellung des Tyrosinkinasehemmers erforderlich sein.

Welche Nebenwirkungen können bei der Behandlung auftreten?

Die Nebenwirkungen der Tyrosinkinasehemmer, die uns für die Behandlung der chronisch-myeloischen Leukämie zur Verfügung stehen, unterscheiden sich etwas.

  • Es gibt Tyrosinkinasehemmer, bei denen die gastrointestinalen Nebenwirkungen, das heißt Nebenwirkungen auf den Magendarmtrakt wie Übelkeit oder Durchfall im Vordergrund stehen.
  • Andere können einen Einfluss auf die Stoffwechselsituation haben, das heißt: Es kann eine Zuckerstoffwechselerkrankung sich verschlechtern oder entstehen.
  • Es können Nebenwirkungen auf das Gefäßsystem auftreten, das heißt: Es kann zu Myokardinfarkt, das heißt zu einem Herzinfarkt kommen oder auch zu Verschlüssen in den peripheren Gefäßen an den Beinen.
  • Andere Tyrosinkinasehemmer können eher Nebenwirkungen im Bereich der Lunge machen.

Deswegen ist es sehr wichtig, vor Einleitung einer Behandlung mit einem Tyrosinkinasehemmer genau die Begleiterkrankungen, die bei einem Patienten vorhanden sind, zu kennen und schließlich so den am besten verträglichen Tyrosinkinasehemmer für die Behandlung der Erkrankung einzusetzen.

Worauf muss ich bei der Einnahme von Tyrosinkinasehemmern achten?

Bei der Einnahme des Tyrosinkinasehemmers ist es wichtig, je nach Präparat die Anleitungen, die Ihnen von Ihrem Arzt gegeben werden, zu befolgen.

  • Wenn der Tyrosinkinasehemmer einmal täglich verabreicht wird, dann ist es wichtig, diesen immer zur gleichen Zeit einzunehmen.
  • Bei zweimal täglichen Verabreichungen ist das ebenfalls der Fall.
  • Wichtig ist es auch, je nach Substanz die Abstände zwischen Tabletteneinnahme und Nahrungsaufnahme einzuhalten.

Dies wird aber bei einem entsprechenden Präparat immer ganz genau mit Ihnen besprochen.

Was ist eine Mutationsanalyse und wann ist sie sinnvoll?

Eine Mutationsanalyse wird durchgeführt, wenn während der Einnahme eines bestimmten Tyrosinkinasehemmers Anzeichen auftreten, dass diese Substanz nicht mehr ausreichend wirksam ist. Dann ist es wichtig zu schauen, ob sich die Veränderungen im BCR-ABL verändert hat und ob hier Mutationen aufgetreten sind, die bewirken, dass der Tyrosinkinasehemmer nicht mehr wirksam sein kann.
Und durchgeführt wird eine Mutationsanalyse nur dann, wenn sich im peripheren Blutbild Zeichen zeigen, die auf eine Progression der Erkrankung, das heißt auf eine Nicht-mehr-Wirksamkeit des verwendeten Medikaments, hindeuten.

Ist bei starken Nebenwirkungen eine Dosisreduzierung möglich?

Wenn sehr ausgeprägte Nebenwirkungen auftreten, sind grundsätzlich Dosisreduktionen möglich. Wenn die Dosisreduktion aber in einem Ausmaß notwendig ist, dass keine ausreichende Wirkung mehr zu erwarten ist, dann kann man auch eine Umstellung auf einen anderen Tyrosinkinasehemmer vornehmen.

Auf den Punkt gebracht

  • Die Behandlung mit Tyrosinkinasehemmern ist heute die Standardtherapie bei CML.
  • Tyrosinkinasehemmer werden als Tabletten eingenommen und sind in der Regel gut verträglich.
  • Unter Berücksichtigung möglicher Begleiterkrankungen wird für jede Patientin/für jeden Patienten der geeignete Tyrosinkinasehemmer ausgewählt.

Was sind Tyrosinkinasehemmer?

Tyrosinkinasehemmer werden auch Tyrosinkinaseinhibitoren (kurz TKI) genannt. Die aktuellen Leitlinien empfehlen den Einsatz von Tyrosinkinasehemmern als Standardtherapie bei allen CML-PatientInnen, bei denen ein Philadelphia-Chromosom vorhanden ist.

Tyrosinkinasehemmer blockieren das Eiweiß BCR-ABL, das für die unkontrollierte Teilung der CML-Zellen verantwortlich ist. Das bedeutet, sie wirken gezielt auf die Leukämiezellen. Man spricht deshalb auch von einer zielgerichteten Therapie.

Wirkungsweise der Tyrosinkinasehemmer

1 Bildung von BCR-ABL in CML-Zellen

Das Philadelphia-Chromosom, eine genetische Veränderung, führt zur Bildung des Eiweißes BCR-ABL.

Tyrosinkinase BCR-ABL

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2 BCR-ABL regt Zellen zur Teilung an

BCR-ABL kommt bei gesunden Menschen nicht vor. Es regt betroffene Zellen zur unkontrollierten Teilung an und macht sie zu Leukämiezellen.

Tyrosinkinase BCR-ABL Unkontrollierte Zellteilung

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Wirkungsweise Tyrosinkinasehemmer bei CML3 Tyrosinkinasehemmer Tyrosinkinase-Hemmerbindet an BCR-ABL

Der Tyrosinkinasehemmer passt in eine Bindestelle von BCR-ABL. Dort dockt normalerweise ein aktivierendes Molekül an, das BCR-ABL Energie liefert.

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4 Aktivierung von BCR-ABL wird verhindert

Durch Blockierung der Bindestelle kann BCR-ABL nicht aktiviert werden. Dadurch wird die Zelle nicht mehr zur unkontrollierten Teilung angeregt.

Tyrosinkinasehemmer bei CML: Keine unkontrollierten Zellteilung

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5 Leukämiezelle vermehrt sich nicht

Fehlt das BCR-ABL-Signal, vermehrt sich die Zelle nicht mehr oder stirbt sogar ab.

STOPP

Tyrosinkinasehemmer: Das sollte man beachten

Was kann bei der regelmäßigen Einnahme helfen?

Tyrosinkinasehemmer werden in Tablettenform verabreicht und müssen ein- oder zweimal täglich eingenommen werden. Für die optimale Wirkung ist besonders wichtig, das Präparat jeden Tag möglichst zur gleichen Zeit anzuwenden.

Tipps: So denken Sie an die Einnahme

  • Stellen Sie sich einen Wecker oder eine Erinnerung im Online-Kalender
  • Nutzen Sie Smartphone-Apps, die Sie an die Einnahme erinnern
  • Platzieren Sie das Medikament an einer Stelle, an der Sie es nicht übersehen können
  • Bitten Sie gegebenenfalls Familienmitglieder, mit auf die regelmäßige Einnahme zu achten

Warum sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig?

Durch regelmäßige Untersuchungen erkennt der Arzt/die Ärztin, ob die Therapie optimal wirkt oder ob Änderungen nötig sind. Mehr dazu erfahren Sie in der Lektion zur Therapiekontrolle bei CML.

Was passiert bei Mutationen und Resistenz-Entwicklung?

Bei einem kleinen Teil der CML-PatientInnen wirken die Medikamente weniger gut als bei anderen. Der Grund kann eine sogenannte Wirkstoff-Resistenz sein. In solchen Fällen kann die Ärztin/der Arzt eine Mutationsanalyse durchführen. Diese zeigt, ob neben dem bereits veränderten BCR-ABL noch weitere genetische Veränderungen (Mutationen) vorliegen. In diesem Fall können je nach Mutation alternative Tyrosinkinasehemmer oder andere Therapien eingesetzt werden.

Können bei Tyrosinkinasehemmern Nebenwirkungen und Wechselwirkungen auftreten?

Da Tyrosinkinasehemmer gezielt auf die CML-Zellen wirken, haben sie relativ wenige Nebenwirkungen und können langfristig eingesetzt werden.

Folgende Nebenwirkungen können unter anderem auftreten:

  • Verminderung der Blutzellen (Zytopenie)
  • Magen-Darm-Probleme (Erbrechen, Durchfall, Übelkeit)
  • Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme)
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Hautveränderungen (Ausschlag, Juckreiz)
  • Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe
  • Haarausfall

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Damit Ihr Tyrosinkinasehemmer optimal wirken kann, sollten Sie weitere Medikamente nur mit Zustimmung ihres Arztes/Ihrer Ärztin einnehmen. Unter Umständen könnten Wechselwirkungen auftreten, die die Aufnahme des Tyrosinkinasehemmers ins Blut oder seinen Abbau in der Leber verändern.

Wussten Sie schon

Die Einführung der Tyrosinkinasehemmer 2001 führte zu einer Revolutionierung der CML-Therapie. Durch die Behandlung mit Tyrosinkinasehemmern können die meisten CML-PatientInnen heute ein weitgehend normales Leben führen.

AT1811921702 | Geprüft OÄin Dr.in Sonja Burgstaller: Stand Oktober 2018

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