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Kurs Behandlung von metastasiertem Brustkrebs: Lektion 1 von 6

Operation und Strahlentherapie

Das Hauptaugenmerk in der Therapie von metastasiertem Brustkrebs liegt auf der systemischen, also der ganzkörperlichen Behandlung. Nur so können im Körper verstreute Krebszellen erreicht werden.

Dennoch sind bei Krebs Behandlungen an lokaler Stelle manchmal hilfreich oder notwendig. Wichtig ist, welche Belastungen und welchen Gewinn die Maßnahmen für Sie als Patientin bringen.

Video Transkript

In welchen Fällen wird bei metastasiertem Brustkrebs operiert?

Wenn wir von der Operation bei metastasiertem Brustkrebs sprechen, dann müssen wir zwei Möglichkeiten unterscheiden:

  • die Operation des Primärtumors, also des Tumors in der Brust beziehungsweise der Achsellymphknoten
  • und die Metastasen-Operation.

An sich ist die Operation bei metastasiertem Brustkrebs selbst keine Standard-Behandlungsmethode. Die Operation kommt im Einzelfall sicherlich in Frage. Dass der Primärtumor entfernt wird, das wird vor allem dann gemacht, wenn wenige Metastasen vorliegen, vor allem Metastasen im Bereich der Knochen oder der Weichteile. Die Operation wird eher nicht durchgeführt, wenn Metastasen in inneren Organen vorliegen.

Bezüglich der Operation von Fernmetastasen, also Brustkrebs-Absiedelungen in den anderen Organen, ist auch hier zu sagen, dass das kein universell akzeptierter Standard ist. Aber das kann ebenfalls angedacht werden, und zwar bei einzelnen Metastasen, zum Beispiel beim Vorliegen nur einer einzigen Lebermetastase. Dabei sollte ansonsten eine sehr gute Kontrolle der Erkrankung oder ein gutes Ansprechen auf die Systemische Therapie vorliegen.

Welche Arten von Brust-Operation gibt es?

Bezüglich der Operation der Brust selbst ist zu sagen, dass die brusterhaltende Operation als Standard gilt. Das bedeutet die Entfernung des Tumors alleine, gegebenenfalls in Kombination mit der Entfernung befallener Achsel-Lymphknoten.

In allen anderen Fällen spielt nach wie vor die Entfernung des gesamten Brustgewebes eine große Rolle. Dies gilt

  • bei sehr großen Tumoren,
  • bei Tumoren in unterschiedlichen Bereichen der Brust,
  • bei ungünstigem Brust-Tumor-Verhältnis
  • auch dann, wenn aufgrund der Tumorgröße kein gutes kosmetisches Ergebnis zu erwarten ist.

Im Hinblick auf die Lymphknoten ist zu sagen, dass hier als Standard heute die sogenannte Wächterlymphknotenentnahme, die Sentinel-Lymphknoten Biopsie gilt. Als Wächterlymphknoten bezeichnet man den ersten Lymphknoten oder die ersten Lymphknoten im Abflussgebiet des Tumors. Bei der Wächterlymphknotenentnahme werden nach zunächst die Wächterlymphknoten markiert. Anschließend werden diese Lymphknoten entnommen. Dann wird untersucht, ob die Lymphknoten mit Tumorzellen befallen sind. Und nur dann, wenn tatsächlich Tumorzellen in den Lymphknoten zu finden sind, dann spielt nach wie vor die Entfernung der Achsel-Lymphknoten eine Rolle.

Was ist nach der Operation zu beachten?

Nach der Operation ist zu beachten, dass in Abhängigkeit von der Ausdehnung der Operation nicht sofort wieder eine volle Belastung durchgeführt werden sollte, z.B. ein Heben schwerer Gewichte. Man muss damit rechnen, dass es im Operationsgebiet zu Flüssigkeitsansammlungen kommt. Das wird dann als Serom bezeichnet. Das ist eine Flüssigkeitsfüllung, eine pralle Flüssigkeitsfüllung der Operationshöhle. Dies kann dann immer wieder dazu führen, dass das auch abpunktiert werden muss. Mit einem Lymphstau, einem Lymphödem ist eigentlich nur dann zu rechnen, wenn eine große Zahl an Achsel-Lymphknoten entfernt worden ist. Dann kann es sogar noch nach Jahren darauf zum Auftreten eines solchen Lymphstaus kommen kann.

Was ist eine neoadjuvante Therapie?

Eine neoadjuvante Therapie ist eine systemische Therapie, d.h. eine Therapie, die im ganzen Körper wirken kann. Sie wird vor einer Operation eingesetzt wird mit dem Ziel, die Tumorgröße zu verkleinern. Klassische Indikation war immer dann gegeben, wenn eine primäre brusterhaltende Operation nicht möglich war und beispielsweise mit einer präoperativen Chemotherapie der Tumor kleiner gemacht werden sollte, um so eine Brusterhaltung zu ermöglichen. Die neoadjuvante Therapie wird heute bei besonders aggressiven Brustkrebsformen bevorzugt eingesetzt. Das sind etwa die HER2-positiven Brustkrebse oder die triple-negativen Brustkrebsarten. Triple-negativ bedeutet, dass weder Hormonrezeptoren noch der HER2-Rezeptor gegeben sind.

Was bewirkt die Strahlentherapie?

Die Strahlentherapie bewirkt ein Abtöten der Tumorzellen, indem Brüche an der DNA, an der Erbinformation der Tumorzellen hervorgerufen werden. Die Tumorzellen sind nicht in der Lage, diese Brüche in adäquater Art und Weise zu reparieren. Und ein Strangbuch, ein DNA-Strangbruch, der nicht repariert werden kann, ist dann ein Ereignis, das zum Absterben der Krebszellen führt.

Wann wird bei metastasiertem Brustkrebs eine Strahlentherapie durchgeführt?

Klassische Indikation zur Strahlentherapie beim metastasierten Brustkrebs ist die Knochenbestrahlung. Da geht es in erster Linie darum,

  • Schmerzen zu behandeln,
  • einen Bruch zu vermeiden, also eine Stabilisierung der Knochenstruktur durch die Strahlentherapie
  • oder auch nach einem Bruch, nach entsprechender orthopädischer Lokaltherapie, den Knochen durch Strahlentherapie zusätzlich zu stabilisieren.

Andere Indikationen zur Strahlentherapie bei metastasierten Erkrankungen sind beispielsweise Hautmetastasen. Das ist dann sinnvoll, wenn dort eine deutlich geringere Wirkung in der Chemotherapie gegeben ist und die Strahlentherapie dort einen guten oberflächlichen Effekt erzielen kann.

Wie erfolgt eine strahlentherapeutische Behandlung?

Bei der strahlentherapeutischen Behandlung wird eine definierte Dosis pro Tag in ein vorab festgelegtes Zielgebiet gelenkt. Dabei wird der Plan üblicherweise anhand einer Computertomographie erstellt. Dies dient dazu, dann tatsächlich den Großteil der Strahlendosis nur in dem Bereich zu haben, wo man ihn auch haben will, im sogenannten Zielgebiet, und um umliegende Organe optimal zu schonen.

Welche Nebenwirkungen hat die Strahlentherapie?

Bei der Strahlentherapie werden als Teilchen Photonen verwendet. Da sind also im Prinzip die gleichen Teilchen wie im Sonnenlicht. Sie werden aber sie auf deutlich höhere Energie beschleunigt. Und daraus ergibt sich die Hauptnebenwirkung der Strahlentherapie: Das ist im Endeffekt eine Art Sonnenbrand, eine Art intensiveren Sonnenbrandes, mit einer Rötung und später dann einer Dunkelfärbung der Haut. Dieses Hautareal bleibt noch über einen längeren Zeitraum besonders sonnenempfindlich.

Die weiteren Nebenwirkungen der Strahlentherapie ergeben sich dann daraus, wo genau die Strahlentherapie erfolgt ist. Wenn es zum Beispiel zwischen den beiden Lungen im sogenannten Mediastinum erfolgt, dann wird es zur Entzündung der Schleimhaut der Speiseröhre mit entsprechenden Schluckbeschwerden kommen. Wenn Darm im Bestrahlungsfeld zu finden ist, dann besteht die Gefahr von Durchfällen. Das ist immer sehr individuell in Abhängigkeit mit der behandelten Strahlentherapeutin und dem behandelnden Strahlentherapeuten zu klären, je nach Zielgebiet, welche Nebenwirkungen realistisch zu erwarten sind.

Wie kann die Haut der bestrahlten Körperteile gepflegt werden?

Zur Hautpflege empfehlen die strahlentherapeutischen Kollegen üblicherweise zuerst eine trockene Hautpflege während der Strahlentherapie und danach eine feuchte Hautpflege mittels kortisonhaltiger Salben. Damit soll eben dieser Sonnenbrand, der die Hauptnebenwirkung der Strahlentherapie darstellt, bekämpft werden.

Auf den Punkt gebracht

Operation und Strahlentherapie

  • Bei fortgeschrittenem Brustkrebs spielt die Operation eher eine untergeordnete Rolle.
  • In Einzelfällen werden der Primärtumor oder einzelne Metastasen jedoch operiert.
  • Bei Knochen- oder Hautmetastasen kann eine Strahlentherapie eingesetzt werden.
  • Systemische Therapien, die im ganzen Körper wirken, stehen im Vordergrund.

Die Operation des Tumors

Im metastasierten Brustkrebs-Stadium sind die meisten ÄrztInnen mit einer Operation des Brusttumors eher zurückhaltend.

Was spricht gegen eine Operation?

In der Theorie spricht für eine Operation, dass dadurch eine weitere Streuung von Tumorzellen in den Körper verhindert werden kann. Leider konnte dieses an sich schlüssige Konzept bislang in der Praxis nicht bestätigt werden.

Wann wird eher doch operiert?

  • Bei PatientInnen mit wenigen Metastasen und stabiler Erkrankung.
  • Wenn der lokale Tumor fortschreitet und Beschwerden verursacht.

Im gemeinsamen Gespräch aller zuständigen SpezialistInnen, im sogenannten „Tumorboard“, sollte Ihr Wunsch auf jeden Fall mitberücksichtigt werden.

Was sollte ich nach einer Operation der Brust beachten?

  • Nach einer Operation sollten Sie für mindestens sechs Wochen nichts heben, das schwerer als etwa 5 Kilogramm ist.
  • Im OP-Gebiet kann es durch Flüssigkeitsansammlungen (Serom) zu Schwellungen kommen. Falls Ihnen diese Schmerzen bereiten sollten, kann die Flüssigkeit in der Regel durch medizinisches Personal einfach punktiert, also mit einer Spritze abgezogen werden.
  • Wenn im Rahmen der Operation Achsellymphknoten entfernt wurden, kann sich im Arm ein Lymphstau, ein sogenanntes Lymphödem, entwickeln. Hier können Kompressionsstrümpfe, Lymphdrainage und Bewegungsübungen helfen.

Die Operation von Metastasen

Da jede Operation eine Belastung darstellt und bislang nicht bewiesen ist, dass die lokale Behandlung von Metastasen bei Brustkrebs einen Vorteil aufweist, werden Metastasen nur in Ausnahmefällen operativ behandelt.

Wann kann eine Operation der Metastasen in Erwägung gezogen werden?

  • bei einzelnen Lungen- oder Lebermetastasen, wenn sich die Erkrankung noch nicht weiter ausgebreitet hat
  • bei leicht zugänglichen Metastasen z. B. in der Haut oder in Lymphknoten
  • bei einer einzelnen Hirnmetastase.

Auch hier ist Ihr persönlicher Wunsch mitentscheidend.

Strahlentherapie

  • Eine Strahlentherapie erfolgt zumeist von außen durch die Haut (perkutan).
  • Um den Körper zu schonen, wird die Gesamtstrahlung auf mehrere wöchentliche Bestrahlungstermine aufgeteilt.
  • Die Bestrahlung selber dauert nur wenige Sekunden und ist nicht zu spüren.

Wann wird bestrahlt?

  1. Rund um eine Operation kann eine Strahlentherapie der Brust erfolgen:
    • Im Vorfeld einer Operation kann bestrahlt werden, um den Tumor zu verkleinern. Dieses Konzept wird jedoch bei Brustkrebs nur selten angewandt.
    • Nach einer Operation kann eine Bestrahlung eingesetzt werden, um einem Wiederauftreten des Tumors vorzubeugen.
  2. Bei Knochenmetastasen stellt die Strahlentherapie eine wichtige Behandlungsmöglichkeit dar. Sie lindert Schmerzen und trägt zur Stabilisierung des betroffenen Knochenabschnitts bei.
  3. In Frage kommen kann eine Strahlentherapie auch bei Hirnmetastasen, Weichteil– oder Hautmetastasen.

Verursacht eine Strahlentherapie Nebenwirkungen an der Haut?

Obwohl eine Strahlentherapie heute so schonend wie möglich durchgeführt wird, sind Nebenerscheinungen vor allem an der Haut nicht ausgeschlossen. Dabei handelt es sich üblicherweise um eine Form des Sonnenbrandes.

Hautnebenwirkungen beginnen 2 bis 3 Wochen nach der ersten Bestrahlung, erreichen ihren Höhepunkt zum Behandlungsende hin und bilden sich innerhalb weniger Wochen zurück, zumeist ohne dauerhafte Folgen.

Die Haut kann jucken, gerötet, trocken bis schuppig und empfindlich sein, ähnlich wie bei einem (starken) Sonnenbrand.

Tipps zur Hautpflege:

  • Meiden Sie scheuernde Kleidung und starke Sonneneinstrahlung.
  • Verwenden Sie zur Hautpflege nur lauwarmes Wasser und milde Seifen, keine parfümierten Seifen oder Deos.
  • Cremes oder Öle können angenehm sein.
  • Besprechen sie mit Ihrem Behandlungsteam die Nützlichkeit medizinischer Salben.

Welche sonstigen Nebenwirkungen sind noch möglich?

Durch den schonenden Einsatz der Strahlentherapie haben die meisten Patientinnen heutzutage nur wenige Nebenwirkungen zu erwarten. Deutlich seltener als Nebenerscheinungen an der Haut sind bei Bestrahlung der Brust die folgenden Nebenwirkungen:

  • Manche Patientinnen verspüren während der Strahlentherapie eine allgemeine Müdigkeit.
  • Durch eine Mitbestrahlung kann es selten zu entzündlichen Reizungen von Luft- oder Speiseröhre, Lunge, Herz oder Schilddrüse kommen.
  • Die Bestrahlung der Achselhöhle und anderer Lymphabflusswege birgt das Risiko eines Lymphödems.
  • Weitere Nebenwirkungen richten sich danach, welcher Bereich des Körpers bestrahlt wird – z.B. Durchfälle bei Bestrahlung im Bauchbereich, Müdigkeit und Haarausfall bei Bestrahlung im Kopfbereich

Wussten Sie schon

In der Frage der Therapie ist das Wichtigste, ob sie für Sie Verbesserungen bringt. Nur wenn der Nutzen für Sie die Belastungen überwiegt, sollten Maßnahmen in Erwägung gezogen werden.

PP-AL-AT-0046 | Geprüft Prof. Dr. Rupert Bartsch: Stand 13.12.2018

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