selpers
Zurück zur Kursübersicht

Kurs Lungenhochdruck und Angehörige: Lektion 3 von 6

Unterstützung für PatientInnen

Die Medizin kennt inzwischen gute Möglichkeiten, die Lebensqualität von PatientInnen mit Lungenhochdruck zu verbessern, trotzdem können sie früher oder später auf Unterstützung angewiesen sein. Dies ist für alle Beteiligten nicht einfach. Wie lässt sich Hilfe organisieren? Wie gelingt der Spagat zwischen den eigenen Bedürfnissen und denen des/der Betroffenen? Wie hilft man am besten und welche Maßnahmen sind besonders wichtig? Diese Fragen beantworten wir in dieser Lektion.

Tipps: So können Sie helfen

Fragen Sie den/die PatientIn, was er/sie braucht

Jeder Mensch ist anders, jede Erkrankung auch. Sie sind unsicher, welche Hilfe sinnvoll oder notwendig ist? Fragen Sie doch einfach den/die Betroffene/n, denn er/sie weiß am besten, was ihm/ihr besonders schwerfällt und wo die Hilfe am meisten gebraucht wird.

Bieten Sie bei alltäglichen Aufgaben Hilfe an

Konkrete Hilfen im Alltag können viel ausmachen. Bieten Sie zum Beispiel an, die Einkäufe zu erledigen, beim Fensterputzen zu helfen oder bei Terminen als Begleitung beizustehen.

Denken Sie praktisch

Überlegen Sie gemeinsam mit dem/der PatientIn, welche Maßnahmen den Alltag erleichtern könnten. Räumen Sie zum Beispiel die Wohnung so um, dass wichtige Dinge besser greifbar sind und unnötige Wege wegfallen. Viele Supermärkte und Apotheken bieten “Bringdienste” an, welche Sie nutzen können. Schaffen Sie einen Trockner an, wenn das Aufhängen der Wäsche schwerfällt, und so weiter …

Organisieren Sie schöne Erlebnisse

Freude und Spaß kommen leicht zu kurz, wenn eine Erkrankung plötzlich so viel Raum im Denken einnimmt. Sorgen Sie deshalb für schöne gemeinsame Erlebnisse: Gehen Sie spazieren oder ins Kino, organisieren Sie ein Picknick oder einen Spieleabend. Was immer Ihnen gemeinsam Freude bereitet, ist eine große Hilfe.

Seien Sie eine emotionale Stütze

Manchmal geht es gar nicht um große Aktionen, sondern um emotionale Unterstützung. Bieten Sie Gespräche an und hören Sie zu, machen Sie Mut, lachen und weinen Sie gemeinsam, wenn es nötig ist.

Informieren Sie sich über die Erkrankung

Möglicherweise macht Ihnen die Erkrankung Ihres/Ihrer Angehörigen Angst. Dies ist sehr verständlich, aber für Sie beide nicht besonders hilfreich. Informieren Sie sich deshalb über Lungenhochdruck und lernen Sie zum Beispiel, wie Sie sich bei einem Atemnotanfall verhalten sollten. Dies wird Ihnen beiden Sicherheit geben.

Verteilen Sie die Aufgaben auf mehrere Schultern

Fragen Sie (nach Rücksprache mit dem/der Betroffenen) in der Familie und im Freundeskreis, wer bereit ist, Sie zu unterstützen. Mit Sicherheit finden sich Verwandte oder Freunde, die gerne ihren Teil beitragen.

Holen Sie sich Unterstützung

Nicht nur Freunde und Angehörige können unterstützen, auch außerhalb des persönlichen Umfelds gibt es hilfreiche Möglichkeiten: Eine Putzkraft kann eine große Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags sein. Pflegedienste kommen nach Hause und helfen bei der Körperpflege, der medizinischen Versorgung und anderen Aufgaben. Ein/e PsychotherapeutIn kann Sie bei der Bewältigung der neuen Situation unterstützen. Lassen Sie sich beraten, welche Möglichkeiten es für Sie gibt. Hilfreiche Quellen sind zum Beispiel Selbsthilfegruppen.

No-go: Diese Verhaltensweisen schaden eher!

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht, sagt man … manche Verhaltensweisen sind nicht besonders hilfreich, sondern können sogar schaden. Das sind die No-gos des Helfens:

Alles abnehmen

Der Drang, dem/der Betroffenen nun alles abnehmen zu wollen, ist verständlich. Nur: Er ist nicht hilfreich. Wenn Sie ihm/ihr alles aus der Hand nehmen, fühlt er/sie sich schnell überflüssig und leidet erst recht darunter, anderen zur Last zu fallen. Außerdem schwinden auf diese Weise die Fähigkeiten noch schneller. Helfen Sie, wo es nötig ist. Jene Dinge, welche noch gut zu bewältigen sind, sollte der/die PatientIn selbst erledigen, auch wenn es länger dauert als bei Gesunden.

Wünsche nicht respektieren

Helfen ist etwas anderes als bevormunden! Fragen Sie Ihren/Ihre Angehörge/n nach seinen/ihren Meinungen und Wünschen, denn er/sie trifft natürlich weiterhin die Entscheidungen für sein/ihr Leben selbst, auch wenn Ihnen diese vielleicht nicht gefallen.

Vorwürfe machen

„Ich helfe dir so viel und du bist undankbar!“ Solche und ähnliche Vorwürfe bringen niemanden weiter und schaden Ihrem Verhältnis. Allerdings müssen Sie Grenzüberschreitungen durch den/die PatientIn natürlich auch nicht respektieren.

Über die eigenen Grenzen gehen

Die Pflege eines/einer Angehörigen kann eine große Belastung darstellen. Wenn Ihre Kräfte nachlassen oder Sie sogar einen Burn-Out entwickeln, ist niemandem geholfen. Achten Sie deshalb gut auf sich und auf Ihre eigenen Grenzen! Suchen Sie sich Unterstützung, wenn nötig.

Geprüft Dr.in med. Iris Herscovici: Stand Mai 2018

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.