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Kurs Lungenhochdruck und Angehörige: Lektion 5 von 6

Unterstützung für Angehörige

In den letzten Lektionen war hauptsächlich die Rede davon, wie Sie den/die Betroffene/n unterstützen können. In dieser letzten Lektion stehen Sie im Vordergrund. Denn auch Sie als Angehörige/r haben mit Ihren eigenen Emotionen zu kämpfen, müssen mit den Veränderungen im Alltag zurechtkommen und die zusätzlich anfallenden Arbeiten bewältigen. Auch Sie brauchen möglicherweise Unterstützung, und das ist völlig in Ordnung.

Achten Sie auf Ihre Bedürfnisse!

Im Flugzeug bekommt man die Anweisung, im Notfall zuerst sich selbst eine Sauerstoffmaske aufzusetzen und sich danach um Kinder oder andere Erwachsene zu kümmern. Was zunächst egoistisch klingt, hat einen sehr wichtigen Hintergrund: Nur wer sich selbst versorgt, kann sich auch um andere kümmern. Was würde Kindern eine Mutter nützen, die durch Sauerstoffmangel ohnmächtig geworden ist? Genauso ist es auch in der Unterstützung und Pflege eines/einer Angehörigen: Sie können nur für ihn/sie da sein, wenn es Ihnen selbst gut geht. Achten Sie deshalb gut auf Ihre Bedürfnisse:

Wahren Sie Ihre Grenzen

Sie fühlen sich überfordert und haben das Gefühl, so nicht weitermachen zu können? Oder Sie merken, dass Sie bestimmte Dinge einfach nicht tun wollen? Nehmen Sie diese Gefühle ernst und reagieren Sie darauf, es finden sich Lösungen, bei denen Sie entlastet werden.

Sorgen Sie für Ruhepausen

Niemand kann rund um die Uhr verfügbar sein und meistens ist dies gar nicht notwendig. Sorgen Sie dafür, dass Sie regelmäßig Kraft und Energie tanken können indem Sie Ruhepausen nur für sich selbst schaffen und füllen Sie sie mit Dingen, welche Ihnen gut tun.

Lassen Sie Emotionen zu

Nicht nur der/die Betroffene muss die neue Situation verkraften, auf Sie selbst kommen ebenso viele Veränderungen zu. Heftige Emotionen sind dabei völlig normal. Nehmen Sie Ihre eigenen Gefühle genauso ernst wie die des Patienten oder der PatientIn! Lassen Sie Zorn, Traurigkeit, Angst und alle anderen Emotionen zu und versuchen Sie nicht, sie zu verstecken.

Pflegen Sie Kontakte

Rückzug kann kurzfristig nötig sein, auf Dauer ist dies jedoch keine gute Lösung. Pflegen Sie Kontakte mit Freunden und Familie, gehen Sie weiterhin Ihren Hobbys nach und bleiben Sie mit anderen im Gespräch. Soziale Kontakte sind wichtig für Ihre Kraft und Zufriedenheit.

Reagieren Sie auf Warnzeichen

Pflegende Angehörige fühlen sich häufig überfordert und entwickeln manchmal ein Burn-Out-Syndrom. Achten Sie deshalb auf Warnzeichen und suchen Sie sich rechtzeitig Hilfe, sobald Sie sich dauerhaft müde und erschöpft fühlen, Sie sehr reizbar oder sogar aggressiv sind und/oder wenn Sie das Gefühl haben, nur noch zu funktionieren. Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und zunehmende Gleichgültigkeit sollten Sie ebenfalls hellhörig werden lassen. Scheuen Sie sich nicht, Ihre/n Arzt/Ärztin auf das Problem anzusprechen und um Unterstützung zu bitten.

Anlaufstellen für Angehörige – hier finden Sie Unterstützung:

Verschiedene Gruppen und Institutionen unterstützen Sie und Ihre Familie:

Selbsthilfegruppen und Patientenvereinigungen sind echte Spezialisten für Erkrankungen und den Umgang damit. Hier können Sie sich mit anderen Betroffenen austauschen und erhalten zusätzlich Beratung zu ganz praktischen Dingen wie zum Beispiel finanzieller Unterstützung, Behördenwegen und vielem mehr. In Deutschland können Sie sich zum Beispiel an den Verein Pulmonale Hypertonie e.v. ( www.phev.de) wenden. In Österreich gibt es unter anderem den Verein PH Austria (www.lungenhochdruck.at) und in der Schweiz den Schweizer PH-Verein (www.lungenhochdruck.ch).

Ambulante Pflegedienste unterstützen Sie bei der häuslichen Versorgung Ihres/Ihrer Angehörigen. Dies kann von Körperpflege über medizinische Versorgung bis hin zu hauswirtschaftlichen Hilfen reichen. Um die Kosten erstattet zu bekommen, können Sie einen Pflegegrad beantragen.

Besuchs- und Hospizvereine helfen vor allem emotional und entlasten pflegende Angehörige. Ein regelmäßiger Besuch bietet die Möglichkeit tiefer Gespräche oder alltäglicher Zerstreuung für den/die Betroffene/n. Sie selbst können sich in dieser Zeit unbesorgt zurückziehen oder selbst das Gespräch suchen.

Ein/e PsychotherapeutIn kann eine große Unterstützung sein, wenn Sie Anzeichen für einen Burn-Out oder eine Depression bei sich feststellen oder mit den Veränderungen nicht gut zurechtkommen. Haben Sie keine Hemmungen, sich helfen zu lassen: Es zeugt nicht von Schwäche, sondern von Stärke, sich um sich selbst zu kümmern.

Ihre Krankenversicherung ist ein wichtiger Ansprechpartner. Erkundigen Sie sich ganz konkret nach unterstützenden Angeboten für Sie als Angehörige/r. Manchmal werden Pflegekurse oder Seminare angeboten, unter Umständen wird eine Putzkraft bezahlt und vielleicht kommt auch ein spezieller Kuraufenthalt infrage.

Geprüft Dr.in med. Iris Herscovici: Stand Mai 2018

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.