selpers
Zurück zur Kursübersicht

Kurs Lymphome verstehen: Lektion 4 von 9

Die Therapie bei Lymphomen

Viele Lymphome haben gute Heilungschancen. Je nach Lymphomart, dem Alter des Patienten und dem Stadium der Erkrankung liegen sie bei bis zu 90%. Lymphome sind systemische Erkrankungen, die den ganzen Körper betreffen. Operationen eignen sich deshalb nicht zur Therapie. Einzelne Lymphknoten können entfernt werden, das geschieht jedoch in der Regel nur deshalb, um das Gewebe genau zu untersuchen und die Diagnose abzusichern.

Erfahren Sie hier, welche unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten gegen Lymphome eingesetzt werden können.

Dr. Adalbert Weißmann: Wie trifft der behandelnde Arzt die Entscheidung, ob eine Therapie notwendig ist?

Therapiemöglichkeiten

Für betroffene Patienten und ihre Angehörigen erscheint es manchmal zunächst unbefriedigend, wenn der Arzt sagt: Wir warten erst einmal ab und therapieren (noch) nicht.

Diese sogenannte „watch and wait“-Strategie – auf Deutsch: abwarten und beobachten – ist bei vielen indolenten, langsam wachsenden Lymphomen – vor allem in frühen Stadien – jedoch das Mittel der Wahl. So kann man zum Teil jahrelang eine unbeeinträchtigte Lebensqualität erhalten. Die Nebenwirkungen und Belastungen einer Therapie werden dem Betroffenen erst dann zugemutet, wenn das Lymphom stärker fortschreitet.

In der „watch and wait“-Phase erfolgt eine sehr genaue und engmaschige Kontrolle der Erkrankung. Aggressive, sich schnell ausbreitende Lymphome werden normalerweise sofort nach Diagnosestellung behandelt.

Bei einer Strahlentherapie werden hochdosierte Röntgenstrahlen (oder andere hochenergetische Strahlen) direkt auf die befallenen Lymphknoten gerichtet. Ziel ist es, den Tumor möglichst komplett zu zerstören und dabei das umliegende Gewebe so wenig wie möglich zu schädigen. Ein Bestrahlungszyklus dauert in der Regel zwischen zwei und vier Wochen. Die Strahlentherapie wird, vor allem bei Lymphomen im fortgeschrittenen Stadium, meist in Kombination mit einer Chemotherapie eingesetzt.

Medikamente, die das Krebswachstum hemmen oder Krebszellen abtöten, nennt man Zytostatika. Im Rahmen einer Chemotherapie können Zytostatika in Form von Tabletten, Injektionen oder Infusionen verabreicht werden. Der Wirkstoff verteilt sich durch das Blut über den ganzen Körper, hat also eine systemische Wirkung. Zytostatika greifen in der Regel schnell wachsende Zellen an. Dazu gehören neben den Tumorzellen aber auch bestimmte Körperzellen wie die Haarfollikel, Zellen im Knochenmark und Schleimhautzellen. Diese werden ebenfalls beeinträchtigt, was zu den typischen Nebenwirkungen wie Haarverlust oder Blutarmut führen kann.

Dr. Adalbert Weißmann: Was ist eine Antikörpertherapie und wie funktioniert sie?

Die Antikörpertherapie kommt bei vielen Arten von Non-Hodgkin-Lymphomen zum Einsatz.

Therapeutisch angewendete, monoklonale Antikörper erkennen bestimmte Oberflächenstrukturen (Antigene) an den Lymphomzellen. Sie binden an die Tumorzellen und können dort eine direkte zellschädigende Wirkung haben oder die Zellen für das körpereigene Abwehrsystem zugänglich machen.

Der meist verwendete therapeutische Antikörper ist Rituximab. Bei chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) können Obinutuzumab oder Ofatumumab eingesetzt werden. Ein Sonderfall der Antikörpertherapie ist die Radioimmuntherapie: An den Antikörper wird eine radioaktive Substanz gebunden. Der Antikörper heftet sich an die Lymphomzellen an, wodurch diese gezielt radioaktiv bestrahlt und dadurch zerstört werden.

Bei einigen Lymphomarten wird bei einer Ausbreitung der Erkrankung (Progress) oder bei Rückfällen (Rezidiven) eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation durchgeführt. Dabei zerstört eine hochdosierte Chemotherapie (eventuell verbunden mit einer Bestrahlung) auch sehr widerstandsfähige Lymphomzellen, schädigt aber auch lebenswichtige Knochenmarkszellen. Um das Knochenmark wieder aufzubauen, werden dem Patienten vor der Chemotherapie Stammzellen entnommen und anschließend wieder zurückgegeben. Da die Stammzellen vom Patienten selbst stammen, handelt es sich um eine „autologe Transplantation“ (auto = selbst). Die autologe Transplantation hat, im Gegensatz zu allogenen Strategien, den Vorteil, dass es zu keinen Abstoßungsreaktionen kommt.

Stammt das Knochenmark von einem Spender, spricht man von einer „allogenen Transplantation“ (allo = fremd). Die allogene Stammzelltransplantation kommt bei Lymphomen nur selten zum Einsatz. Voraussetzung ist, dass die Gewebemerkmale des Spenders mit denen des Empfängers sehr genau übereinstimmen.

Die Signalinhibitoren zeigen, dass immer neue Behandlungswege entdeckt werden. Sie wurden relativ neu entwickelt und sind vergleichsweise gut verträglich. Signalinhibitoren hemmen das Wachstum von Lymphomzellen, indem sie bestimmte Wachstumssignale ausschalten (inhibieren). Bekannte Vertreter sind Ibrutinib oder Idelalisib.

Im Rahmen von Studien wird derzeit geprüft, für welche Lymphomarten sie eingesetzt werden können und wie sie in Kombination mit den herkömmlichen Therapien wirken.

Neben den herkömmlichen Therapien gibt es einige andere Möglichkeiten, die bei bestimmten Lymphomen angewendet werden können.

Dazu gehört die Zytokintherapie, die darauf abzielt, das körpereigene Immunsystem zu aktivieren.

Vorsicht ist allerdings bei alternativen Therapiemethoden geboten. Dazu gehören pflanzliche Mittel (zum Beispiel Mistel) oder auch Thymus- und andere biologische Präparate. Ihre Wirksamkeit konnte wissenschaftlich nicht bestätigt werden. Da bei Lymphomen Zellen des Immunsystems entartet sind, kann eine unspezifische Stimulation des Immunsystems die Krankheit unter Umständen sogar verschlimmern.

Dr. Adalbert Weißmann: Was ist eine Remission und wie sieht diese bei einem Lymphom aus?

Dr. Adalbert Weißmann: Gibt es vielversprechende neue Ansätze oder Wirkstoffe für die Behandlung von Lymphomen?

Geprüft Dr. Adalbert Weißmann: Stand 21.03.2018

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.