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Kurs Multiples Myelom verstehen: Lektion 4 von 11

Die Diagnose des Multiplen Myeloms

Bei einem Verdacht auf ein Multiples Myelom setzt der Arzt eine ganze Reihe von Untersuchungen in Gang. Die Gesamtheit dieser Ergebnisse klärt, ob es sich wirklich um ein Myelom handelt und liefert wichtige Zusatzinformationen zur Schwere der Erkrankung.

Dr. Adalbert Weißmann: Warum wird bei vielen Patienten ein Myelom erst relativ spät erkannt?

Dr. Adalbert Weißmann: Wie sieht eine typische Untersuchung bei Verdacht auf ein Multiples Myleom aus?

Nach welchen Kriterien wird die Myelom-Diagnose durchgeführt?

Von einer Arbeitsgruppe (International Myeloma Working Group, IMWG), der die besten Myelomexperten aus verschiedenen Ländern angehören, wurden Kriterien zur Diagnose des Multiplen Myeloms veröffentlicht. Zur Diagnose eines Multiplen Myeloms muss laut IMWG-Kriterien gelten:

  1. Mind. 10% klonale Plasmazellen im Knochenmark und / oder Paraprotein im Blut nachweisbar und / oder Paraprotein im Urin nachweisbar
  2. Es liegen Symptome vor (zum Beispiel Knochenauflösungen, Nierenfunktionsstörung, Anämie)

Im Folgenden erfahren Sie, mit welchen Methoden diese Kriterien diagnostisch untersucht werden.

Diagnostische Untersuchungen beim Multiplen Myelom

Neben einer allgemeinen, körperlichen Untersuchung und der Anamnese (Aufnahme der Krankengeschichte) werden bei der Diagnostik des Multiplen Myeloms eine Reihe spezialisierter Untersuchungen durchgeführt.

Blutuntersuchung

Im Vergleich zu anderen Erkrankungen spielt die Blutuntersuchung beim Multiplen Myelom eine vergleichsweise wichtige Rolle. Der Grund ist, dass bei den meisten Myelomen im Blutserum ein Paraprotein nachgewiesen werden kann. Lesen Sie mehr dazu hier. [Link zu Artikel Paraprotein] Das Paraprotein wird durch die Tumorzellen gebildet und liefert Aussagen über den Typ des Myeloms und die Aktivität des Tumors. Methoden zur Untersuchung des Paraproteins sind die Bestimmung der Immunglobuline und freien Leichtketten, die Serumproteinelektrophorese und die Immunfixation. Nähere Erklärungen zur Funktionsweise dieser Laborparameter finden Sie hier. [Link zu Artikel Laborwerte]

Weitere Blutwerte, die beim Multiplen Myelom bestimmt werden

  • Ein großes Blutbild gibt Aufschluss über das Vorliegen einer Anämie und über die Anzahl und Mengenverhältnisse der Blutkörperchen.
  • Nierenwerte (zum Beispiel Kreatinin-Wert) zeigen, ob die Niere durch das Multiple Myelom geschädigt wurde.
  • Gerinnungswerte geben Informationen darüber, ob die Blutgerinnung verändert ist.
  • Der Kalziumwert im Blut zeigt an, ob ein Knochenabbau stattfindet, wodurch Kalzium aus den Knochen freigesetzt wird.
  • Albumin und Beta-2-Mikroglobulin werden für die Stadieneinteilung nach dem ISS (International Staging System) benötigt.
  • Eine veränderte Blutsenkungsgeschwindigkeit weist auf eine veränderte Eiweiß-Zusammensetzung im Blut hin.
  • Weitere typische Laborveränderung beim Multiplen Myelom sind erhöhtes LDH (Laktat-Dehydrogenase) und CRP (C-reaktives Protein).

Urinuntersuchung

Beim Multiplen Myelom wird der Arzt neben dem Blut häufig auch den Urin untersuchen. Urinuntersuchungen geben zusätzlichen Aufschluss über die Nierenfunktion. Die Gesamteiweißausscheidung pro Tag kann bestimmt werden. Für den Arzt ist oft auch wichtig zu sehen, ob Paraprotein im Urin vorhanden ist, zum Beispiel in Form von Bence-Jones-Protein (so werden freie Leichtketten genannt, wenn sie im Urin vorliegen).

Knochenmarksuntersuchung

Eine maßgebliche Untersuchung zur Sicherung einer Myelomdiagnose ist der direkte Nachweis der Tumorzellen im Knochenmark. Bei einer Knochenmarkspunktion wird ein Zylinder aus dem Knochen gestanzt und das Mark mit einer Hohlnadel aufgesaugt (Aspiration). Anschließend folgen verschiedene Untersuchungen wie die mikroskopische Beurteilung, die quantitative Bestimmung des Plasmazellanteils im Knochenmark, sowie eine immunologische und genetische Analyse der Tumorzellen (Zytogenetik, Chromosomenanalyse und Immunphaenotypisierung).

Bildgebenden Verfahren zur Darstellung des Skeletts

Das Multiple Myelom ist häufig mit einer Auflösung von Knochensubstanz verbunden. Dadurch kann eine Verminderung der Knochensubstanz (ähnlich wie bei einer Osteoporose) auftreten. Im fortgeschrittenen Verlauf bilden sich Osteolysen (oder Knochenläsionen). Das sind kleine, klar abgegrenzte „Löcher“ im Knochen. Mit bildgebenden Verfahren lassen sich solche Veränderungen im Knochen darstellen. Sie geben Aufschluss darüber, wie stark fortgeschritten das Myelom ist.

  • Röntgen: Früher war ein Ganzkörper-Röntgen nach dem „Pariser Schema“ üblich. Heute werden genauere und sensitivere Verfahren bevorzugt.
  • Computertomographie (CT): Eignet sich sehr gut zur detaillierten Darstellung der Knochen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Besonders für Weichteile und Nervenstränge geeignet. Wird eingesetzt bei neurologischen Symptomen oder Verdacht auf einen extramedullären Tumor (Tumor, der außerhalb des Knochens wächst).
  • Positronen-Emissions-Tomographie (PET): Mit einem radioaktiven Marker wird die Stoffwechselaktivität von Tumorzellen dargestellt.

Dr. Adalbert Weißmann:Wie unterscheiden sich die MGUS, das „schwelende Myleom“ und das Multiple Myelom?

Dr. Adalbert Weißmann: Was sind die Besonderheiten beim non-sekretorischen Myelom?

Geprüft Dr. Adalbert Weißmann: Stand 21.03.2018

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