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Kurs Multiples Myelom verstehen: Lektion 6 von 11

Nebenwirkungen beim Multiplen Myelom und wie man damit umgeht

Wird ein Multiples Myelom therapiert, treten oft auch unerwünschte Nebenwirkungen auf. Angehörige und PatientInnen können oft besser damit umgehen, wenn Sie sich bereits vorher damit auseinandersetzen. Hier finden Sie Tipps zum Umgang mit einigen der häufigsten Nebenwirkungen einer Myelom-Therapie.

Warum treten bei der Myelom-Therapie Nebenwirkungen auf?

Die Therapie des Multiplen Myeloms hat in den letzten Jahrzehnten glücklicherweise riesige Fortschritte gemacht. Sowohl in der klassischen (konventionellen) Chemotherapie als auch in der Hochdosis-Therapie kommen viele neue, hochwirksame Substanzen zum Einsatz. Zusätzlich wurden Antikörper- und immunmodulierende Therapien entwickelt. Eine sehr effektive Behandlungsmöglichkeit ist die Übertragung eigener Stammzellen (autologe Stammzelltransplantation), die mit einer hochdosierten Chemotherapie verbunden werden muss. In bestimmten Fällen wird auch eine Bestrahlung angewendet. Bisphosphonate können eingesetzt werden, um Knochenschmerzen zu lindern und Knochenbrüche zu verhindern. All diese Therapien haben zwangsläufig immer auch mehr oder minder ausgeprägte Nebenwirkungen. Der Arzt wägt die Risiken für Nebenwirkungen und die eingesetzten Wirkstoffe und ihre Dosierung immer gegen den erwarteten Effekt der Behandlung ab.

Was man selber gegen Nebenwirkungen beim Multiplen Myelom tun kann

Die erste Instanz, was Nebenwirkungen betrifft, ist natürlich immer der behandelnde Arzt. Er kann Nebenwirkungen mit Begleitmedikamenten lindern, die Dosierung der Krebsmedikamente anpassen oder den Wirkstoff wechseln, wenn dieser zu starke Nebenwirkungen hat. Treten dennoch Nebenwirkungen auf, gibt es einige Möglichkeiten, mit denen Angehörige oder die PatientInnen diese lindern oder besser damit umgehen können. Im Folgenden geben wir Tipps zu einigen ausgewählten Nebenwirkungen, die den Alltag auch während einer Therapie etwas einfacher machen sollen.

Nebenwirkungen einer Stammzelltransplantation mit Hochdosis-Therapie

Beim Multiplen Myelom können eigene Stammzellen übertragen werden, die vorher entnommen wurden (autologe Stammzelltransplantation). Nach der Entnahme der Stammzellen erfolgt eine hochdosierte Chemotherapie (Hochdosis-Therapie), um möglichst den gesamten Tumor zu beseitigen. Da die Therapie auch gesunde Zellen schädigt, werden anschließend die Stammzellen transplantiert, sodass schnell wieder gesunde Knochenmarkszellen aufgebaut werden können. Das Risiko für Infektionen steigt nach der Therapie an, da das Immunsystem sich erst wieder regenerieren muss. Generelle Empfehlungen sind bei einer so intensiven Therapie schwierig zu geben, da die individuelle Vorgeschichte, Art der Wirkstoffe und Verträglichkeit der Therapie sehr unterschiedlich sein kann. Halten Sie sich in dieser Zeit unbedingt an die Empfehlungen des Arztes.

Die Hochdosis-Therapie entspricht einer normalen, aber höher dosierten Chemotherapie, und ist auch mit den gleichen Nebenwirkungen verbunden. Informationen zu generellen Nebenwirkungen der Chemotherapie finden Sie unter „Chemotherapie und Bestrahlung“.

Nebenwirkungen von Bisphosphonaten

Das Multiple Myelom ist häufig mit einer Schädigung der Knochen verbunden. Bisphosphonate werden eingesetzt, um Knochenabbau zu verhindern und Knochenbrüche zu vermeiden. Bisphosphonate können Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Tipps zu Übelkeit und Erbrechen finden sie weiter unten im Kapitel „Nebenwirkungen der Chemotherapie und Bestrahlung“. Auch andere Nebenwirkungen können auftreten. Werden Bisphosphonate über einen längeren Zeitraum verabreicht, kann es zu Kieferknochennekrosen kommen. Diese treten vor allem nach zahnärztlichen Eingriffen auf oder entwickeln sich aus kleinen Verletzungen, zum Beispiel aus Druckstellen von schlecht sitzenden Zahnprothesen. Deshalb wird geraten, vor dem Beginn einer längeren Bisphosphonat-Therapie eine zahnärztliche Untersuchung durchzuführen, die während der Behandlung alle 3 Monate wiederholt wird. Zusätzlich sollte penibel auf die Zahnhygiene geachtet werden und in dieser Zeit möglichst auf Eingriffe im Mundraum verzichtet werden. Ein Interview mit Dr. Plachy zum Thema Bisphosphonate finden Sie im Kapitel “Therapie des Multiplen Myeloms”.

Nebenwirkungen der Chemotherapie und Bestrahlung

Der Arzt wird Ihnen in Aufklärungsgesprächen vor einer Chemotherapie oder Bestrahlung lange Listen mit häufigen und selteneren Nebenwirkungen vorlegen. Doch keine Angst: Nicht jeder Patient bekommt alle Nebenwirkungen und wenn, dann nicht zwangsläufig in einer stark ausgeprägten Form. Viele Probleme lassen sich heute gut vermeiden oder lindern. Einiges können Sie auch selbst tun.

Wir haben im Folgenden für PatientInnen mit Multiplem Myelom Tipps zusammengestellt, wie man mit einigen der häufigsten Nebenwirkungen umgehen kann.

Übelkeit, Erbrechen

Um Übelkeit und Erbrechen zu vermeiden, wird Ihr Arzt vor Therapiebeginn mit Ihnen gemeinsam Ihr persönliches Risiko einschätzen. Bereiten Sie sich auf das Vorgespräch mit dem Arzt vor, indem Sie sich ins Gedächtnis rufen, ob Ihnen früher bereits öfter übel geworden ist: Vielleicht in Schwangerschaften, auf Reisen oder unter Stress? Eine Gabe von Medikamenten gegen Übelkeit (Antiemetika) verhindert oft von Vornherein, dass Übelkeit auftritt. Wird Ihnen dennoch schlecht oder müssen Sie sich übergeben, dann können einige kleine Änderungen dabei helfen, dass Sie sich wohler fühlen. Hilfreiche Tipps bei Übelkeit und Erbrechen haben wir im Kurs “Lebensqualität bei Myelom und Lymphom” für Sie zusammengestellt.

Haarverlust

Viele Krebsmedikamente (Zytostatika) wirken deshalb auf den Tumor, weil sie Zellen angreifen, die sich besonders schnell teilen. Dazu gehören neben den Krebszellen leider auch bestimmte, gesunde Körperzellen, zum Beispiel die Haarfollikel. Die Folge ist das Ausfallen von Körperhaaren, Kopfhaaren, Wimpern und Augenbrauen. Tipps dazu, wie man sich auf den drohenden Haarverlust vorbereitet und wie man die „haarfreie Zeit“ am besten überbrücken kann, haben wir im Kurs “Lebensqualität bei Myelom und Lymphom” für Sie zusammengestellt.

Fatigue

Müde, erschöpft und nur noch sehr eingeschränkt leistungsfähig: Medizinisch wird dieses Symtom Fatigue genannt. Fatigue ist eine mögliche Nebenwirkung von Myelom-Therapien, kann aber auch eine direkte Folge der Erkrankung oder der damit einhergehenden psychischen Belastungen sein. Alles Wissenswerte über Fatigue und Tipps zum Umgang mit der Müdigkeit haben wir im Kurs “Lebensqualität bei Myelom und Lymphom” für Sie zusammengestellt.

Polyneuropathie

Viele Patienten mit Multiplem Myelom kennen das schmerzhafte Kribbeln oder taube Gefühl in Händen oder Füßen. Polyneuropathien treten manchmal als Begleiterkrankung des Myeloms auf oder sind Nebenwirkung einer Therapie. Im Alltag können Polyneuropathien sehr einschränkend und belastend sein. Im Kurs “Lebensqualität bei Myelom und Lymphom” finden Angehörige und PatientInnen Tipps zum Umgang mit Polyneuropathien.

Geprüft Dr. Adalbert Weißmann: Stand 21.03.2018

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